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29.07.2019

Indonesien will 157 Projekte im Bereich erneuerbare Energien ausschreiben

Schwerpunkt liegt auf Java, Bali und Nusa Tenggara / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Die Projekte mit einer Kapazität von 4,7 Gigawatt sollen einen Beitrag zum indonesischen Ausbauziel für Erneuerbare leisten. An den Ausschreibungsverfahren gab es zuletzt Kritik.

Nach Angaben des indonesischen Energieministeriums wird der staatliche Strommonopolist PLN in den kommenden zwei Jahren mindestens 157 Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien ausschreiben. Der regionale Schwerpunkt liegt demnach auf Ostjava, Bali und dem östlich davon gelegenen Nusa Tenggara (50 Projekte) sowie auf West- und Zentraljava (25). Weitere Zielregionen sind Kalimantan, Sulawesi und die Molukken.

Überwiegend soll es sich dabei um Projekte der Wasserkraft, Geothermie und Fotovoltaik handeln, die einzigen drei erneuerbaren Energieformen, denen ein größeres Ausbaupotenzial im Archipel zugeschrieben wird. Vor den Ausschreibungen müssen allerdings noch Machbarkeitsstudien erstellt werden.

Zusammen sollen die Projekte eine Erzeugungskapazität von 4,7 Gigawatt haben. Das entspräche einem Drittel des Zubaus, den Indonesien benötigt, um bis 2025 den 23-prozentigen Anteil der erneuerbaren Energien zu erreichen, der im Rahmen der Pariser Klimaschutzziele vereinbart wurde. Dass dieses Ziel tatsächlich erreicht werden kann, glauben die meisten Marktexperten aber nicht. Schon ein Blick auf den Ausbauplan von PLN weckt Zweifel: Punktgenau im Jahr 2025 verdoppeln Wasserkraft und Geothermie plötzlich ihre bis dahin aufgebauten Gesamtkapazitäten.

Wie sehr Plan und Wirklichkeit im indonesischen Stromsektor auseinanderklaffen, zeigt der von Präsident Joko Widodo aufgelegte 35-Gigawatt-Plan als Ausbauziel für die gesamte Stromerzeugung von 2015 bis 2019. Gerade einmal 10 Prozent davon sind laut PLN bis heute umgesetzt worden. Denn aufgrund der momentan bestehenden Überkapazitäten gab es wenig Handlungsdruck für einen weiteren Ausbau. Der Plan wird deshalb bis mindestens 2024 oder 2025 verlängert.

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Unzuverlässige Ausschreibungsverfahren

Zudem gibt es von mehreren Seiten Kritik an der Ausschreibungspraxis von PLN. So merkt das Institute for Essential Service Reform, eine Lobbyorganisation für erneuerbare Energien, an, dass sich in der Vergangenheit viele Ausschreibungen aufgrund von zwischenzeitlichen Gesetzesänderungen verzögert und so einen zügigeren Ausbau der Erneuerbaren verhindert hätten. Auch deshalb sei in den vergangenen drei Jahren kein Geothermiekraftwerk mehr gebaut worden. Der indonesische Energiekonzern Adaro Power kritisiert, dass sich PLN auf seine Bewerbungen auf Ausschreibungen teilweise gar nicht oder erst nach anderthalb Jahren gemeldet habe.

Ausländische Investoren bemängeln darüber hinaus, dass die indonesische Regierung kaum Anreize bei erneuerbaren Energien biete. Ganz im Gegenteil: PLN, hochverschuldet, zahlt als Stromabnehmer bei den meisten Erzeugungsformen lediglich 85 Prozent des regional festgelegten Vergütungspreises.

Kohlestrom dominiert auch weiterhin

Derzeit entfallen nur etwa 12 Prozent der indonesischen Stromerzeugung auf erneuerbare Energien. Für etwas mehr als 60 Prozent steht Kohle und für knapp über 20 Prozent Gas. Beide Energieträger sind im eigenen Land im Überfluss vorhanden. An diesen Verhältnissen wird sich in den nächsten zehn Jahren nichts substanziell ändern. Denn die indonesische Regierung will Wirtschaft und Verbrauchern möglichst günstigen, grundlastfähigen Strom zur Verfügung stellen, um den Wachstumskurs zu stützen.

Die - bereits subventionierten - privaten Stromkosten sind gemessen an den Einkommen weitaus höher als in Industrieländern und stellen einen erheblichen Ausgabenposten für Mittelschichtshaushalte dar. Lässt die Regierung die Strompreise steigen, muss sie um den Rückhalt der Wähler fürchten.

Indonesiens Stromverbrauch ist pro Kopf mit gerade einmal 1.000 Kilowattstunden pro Jahr vergleichsweise gering (Deutschland: circa 7.000 Kilowattstunden). Es wird mit einer Verdoppelung des Bedarfs in etwa zwölf Jahren gerechnet. Da sich aber die Prognosen der vergangenen Jahre als zu hoch erwiesen haben, gibt es derzeit Überkapazitäten im Netz, sodass weniger neue Kraftwerke in Betrieb genommen wurden.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
ESDM http://www.esdm.go.id Energieministerium
Inaproc http://inaproc.id Ausschreibungsdatenbank (mit umfassender Suchfunktion)
SiRUP (Sistem Informasi Rencana Umum Pengadaan) https://sirup.lkpp.go.id/sirup/ro Datenbank für Ausschreibungsankündigungen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, Strom-/Energieerzeugung, Geothermie

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