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09.08.2019

Indonesiens Automobilverkäufe stocken

Rückgang von 11 Prozent im 1. Halbjahr 2019 / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Der Automobilboom Indonesiens legt eine Pause ein. Langfristig werden die Verkaufszahlen aber steigen. Investitionen asiatischer Hersteller sollen den Export weiter ankurbeln.

Im 1. Halbjahr 2019 sind die Verkäufe (Retail) von Automobilen in Indonesien um 11,1 Prozent gegenüber demselben Vorjahreszeitraum gesunken. Bei Personenkraftwagen (Pkw) betrug der Rückgang sogar 13,0 Prozent. Das hat der Automobilverband Gaikindo bekannt gegeben. Demnach gab es auch bei den Produktionszahlen und im Großhandel deutliche Rückgänge.

Die Zahlen sind überraschend schlecht ausgefallen, denn zu Jahresbeginn hatten Marktbeobachter noch ein leichtes Verkaufswachstum für möglich gehalten. Gaikindo ging nur von einem leichten Marktrückgang aus. Nun wurden in den ersten sechs Monaten lediglich 43,7 Prozent der Jahresprognose erreicht. Als Grund gibt der Verband die leichte wirtschaftliche Abschwächung an sowie den bis Mitte April dauernden Präsidentschaftswahlkampf, der viele Menschen beschäftigt und damit von einem Kauf abgehalten habe.

Alle Produktkategorien verzeichneten Rückgänge, neben Pkw auch Lkw, Busse sowie Pick-ups. Die steuervergünstigten sogenannten Low Cost Green Cars (LCGC) erreichten mit einem Minus von nur 6,0 Prozent noch das beste Ergebnis. Nahezu alle Hersteller verzeichnen einen Rückgang bei den Verkäufen. Ausnahme ist neben Isuzu das erst seit 2017 im Land produzierende Wuling. Die chinesische Marke steigerte ihre Verkäufe um 17 Prozent auf knapp 9.000 und hat damit bereits Nissan hinter sich gelassen. Wuling hat binnen kürzester Zeit im Archipel ein dichtes Händlernetz aufgebaut.

Einzige Kategorie mit einem Plus ist der Export. Die Ausfuhren kompletter Pkw (Completely Built-Up - CBU) legten um knapp 22 Prozent zu. Denn Indonesien wird von den japanischen Herstellern zunehmend zu einem Exporthub ausgebaut. Der mit vielen Hürden belegte Import schrumpfte hingegen um fast ein Drittel. Noch 2013 hatten sich Ex- und Importe nahezu die Waage gehalten, seitdem steigen die Ausfuhren und sinken ein Einfuhren. Zum Jahresende 2019 könnten die Exporte die Importe bereits um mehr als das Vierfache übersteigen.

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Zielmarke von 1 Million Exportautos

Trotz des aktuell abgekühlten Automobilmarktes stehen die mittel- und langfristigen Aussichten der Branche auf Expansion. Die indonesische Wirtschaft wird auch in den nächsten Jahren voraussichtlich über 5 Prozent wachsen. Zudem ist das Automobil trotz überfüllter Straßen Statussymbol Nummer eins der aufstrebenden Mittelschicht.

Der Archipel hat ehrgeizige Pläne für seine Kraftfahrzeugproduktion. Laut Industrieministerium soll bis 2025 die Marke von 1 Million Exportautomobilen erreicht werden. Das wäre eine Vervierfachung der heutigen Zahl. Wenn das Expansionstempo der vergangenen Jahre beibehalten wird, dürften es aber eher die Hälfte davon werden.

Laut zahlreichen Medienberichten baut Hyundai in Westjava ein neues Werk, das dem Vernehmen nach mindestens zur Hälfte für den Export produzieren wird. Bestätigen will das Unternehmen das auf Anfrage aber nicht. Und das Ministerium nennt beharrlich potenzielle weitere Investoren, die sich für Indonesien als Produktionsstandort interessieren.

Anreize für Produzenten von Elektromobilen erwartet

Der Archipel will insbesondere beim Zukunftsmarkt Elektromobilität mit dabei sein. Das Industrieministerium verhandelt nach eigenen Angaben mit zahlreichen Herstellern, unter anderem den chinesischen Unternehmen BYD und JAC, für die Indonesien im Zuge des Handelskrieges zwischen China und den USA ein potenzieller Produktionsstandort werden könne. Auch Toyota wird ein Milliardeninvestment nachgesagt.

Um zu einem Produktionsstandort für batteriebetriebene Automobile und Hybridmodelle zu werden, bedarf es aber staatlicher Anreize. So hat die Regierung versprochen, in den kommenden Monaten Gesetze zu deren Förderung zu verabschieden. Dabei soll es vor allem um Zollerleichterungen für entsprechende Komponenten und Steuersenkungen für Investoren des Segments geben.

Auf Indonesiens Straßen werden auf absehbare Zeit keine reinen Elektromobile in nennenswerter Zahl fahren, denn sie sind für die Verbraucher zu teuer. Zudem gibt es bis auf wenige Ausnahmen keine öffentliche Ladeinfrastruktur, und der Strom im Land wird zu mehr als 60 Prozent aus klimaschädlicher Kohle erzeugt.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Kementerian Perindustrian http://www.kemenperin.go.id Industrieministerium
Gaikindo http://www.gaikindo.or.id Verband der Automobilhersteller
GIAMM keine Homepage Verband der Automobilzulieferer

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz), Elektromobilität

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