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06.05.2019

Indonesiens Hauptstadt Jakarta plant massive Investitionen in die Infrastruktur

Private Investoren für Projekte im Wert von 40 Milliarden US-Dollar gesucht / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Jakarta will bis 2030 seinen öffentlichen Nahverkehr sowie die Wasserversorgung massiv ausbauen. Die Vorhaben können aber nur mithilfe der Privatwirtschaft realisiert werden.

Im Rahmen des 10-Jahres-Enwicklungsplanes für Jakarta bis zum Jahr 2030 hat die indonesische Hauptstadt neun Großprojekte im Wert von 40 Milliarden US-Dollar (US$) aufgelegt. Sie betreffen den öffentlichen Nahverkehr, wie etwa den Ausbau der innerstädtischen MRT- und LRT-Bahnstrecken. Weitere Bestandteile sind der Ausbau von Trinkwasserversorgung und Abwasseraufbereitung sowie der Bau von 600.000 Wohneinheiten.

Die entsprechenden Projekte liegen im Zuständigkeitsbereich der nationalen Planungsbehörde Bappenas sowie des Planungsrats von Jakarta (Musrenbang - Musyawarah Perencanaan Pembangunan) und damit auf der Ebene von Zentralregierung und Provinz. Denn Jakarta ist verwaltungstechnisch eine Provinz mit Sonderstatus ("DKI Jakarta"). Jedoch befinden sich die Planungen in einem frühen Stadium. Welche Behörde für welche Projekte zuständig ist, ist bisher nicht in Erfahrung zu bringen.

Jakarta benötigt dringend Investitionen in seine unterdimensionierte Infrastruktur. Denn der Straßenverkehr der 10-Millionen-Metropole mit einem Großraum von 30 Millionen Menschen ist durch unablässige Staus geprägt. Bis zu zehn Millionen Pendler strömen täglich in die Stadt. Zudem haben nur 64 Prozent der Bewohner Jakartas Zugang zu sauberem Wasser, dieser Wert liegt nur leicht über dem nationalen Durchschnitt. Außerdem können nur 75 Prozent der Menschen sanitäre Anlagen nutzen. Weil dies aber Grundbedürfnisse sind, soll der Wassersektor laut Bappenas Vorrang gegenüber den anderen Infrastrukturprojekten haben.

Infrastrukturprojekte in Jakarta bis 2030
Projektbeschreibung Kosten (Mrd. US$) Sektor Offen für PPP
Ausbau des Metronetzes (MRT) auf 223 km 15,0 Öffentlicher Nahverkehr Ja
Bau von 600.000 Wohnungen 6,4 Hochbau Ja
Hochwasserschutz und Wasserversorgung 5,0 Wasserversorgung Ja
Ausbau der Abwasserbehandlung auf Versorgungsrate von 81 Prozent 5,0 Abwasser Ja
Ausbau der Vorort-Bahnstrecken (LRT) auf 116 km 4,3 Öffentlicher Nahverkehr Ja
Bau eines Hochbahnrings von 27 km 1,9 Transport Ja
Ausbau der Transjakarta-Busroute auf 2.149 km 0,7 Öffentlicher Nahverkehr Ja
Ausbau des Trinkwasserzugangs auf Versorgungsrate von 100 Prozent 0,7 Wasserversorgung Ja
Ausbau der Kleinbusflotte auf bis zu 20.000 Fahrzeuge 0,3 Öffentlicher Nahverkehr Nein

Quellen: Jakarta Post; Bappenas; Provinzverwaltung Jakarta

Public-private-Partnerships bevorzugt

Die Finanzierung dieser Großprojekte ist aber noch nicht gesichert. Denn die Summe von 40 Milliarden US$ ist weder von Jakarta noch von der Zentralregierung zu stemmen. Daher präferiert Bappenas die Finanzierungform der Public-private-Partnership (PPP; Indonesisch: KPBU). Acht der neun genannten Infrastrukturprojekte sind für PPP offen.

Dabei soll die indonesische PPP-Spielart PINA (Pembiayaan Investasi Non Anggaran Pemenerinta - Finanzierung außerhalb des Regierungsbudgets) Investoren locken. Bei PINA werden Investoren zu Miteigentümern von infrastrukturellen Vermögenswerten, wodurch zügig hohe Kapitalrenditen möglich sein sollen. Anlaufstelle für interessierte Investoren ist das PINA Center for Private Investment innerhalb von Bappenas.

Als erfolgreiche PINA-Finanzierungsbeispiele mit ausländischen Geldgebern nennt Bappenas das Engagement der chinesischen Huatsing Housing Holding beim Bau einer Mautstraße, eines Kohlekraftwerkes, eines Flughafens sowie eines Apartmentkomplexes, jeweils in Zusammenarbeit mit staatlichen indonesischen Banken. Als ein weiteres Beispiel wird eine Kooperation des indonesischen Luftfahrtunternehmens RAI mit dem ukrainischen Ingenieursbüro Tucana Engineering beim Design von Flugzeugkomponenten aufgeführt.

Ob beide Finanzierungsformen adäquat für Jakartas Infrastrukturoffensive sind, bleibt abzuwarten. Bisher hatte Indonesien große Probleme, private Investoren anzuwerben. Unklare Planungen und schwer überschaubare Projektzeiträume hatten eine abschreckende Wirkung. So blieben in den vergangenen Jahren etwa im Straßen- und Schienenbau die Mittel aus der Privatwirtschaft weit hinter den Erfordernissen zurück.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
BKPM http://www.bkpm.go.id Investitionsbehörde
Bappenas http://www.bappenas.go.id Nationale Planungsbehörde
PINA Center for Private Investment http://pina.bappenas.go.id Anlaufstelle für Investoren innerhalb von Bappenas
Portal Resmi Jakarta http://www.jakarta.go.id Verwaltung der Provinz DKI Jakarta
Musrenbang Jakarta http://musrenbang.jakarta.go.id Planungsrat für Jakarta

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Wohnungsbau, Abwasserentsorgung, Hochbau, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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