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31.01.2017

Indonesiens Hauptstadtregion erhält modernes Straßen- und Schienennetz

Auch neue Zugstrecken nach Surabaya und Bandung / Chinesische und japanische Investoren haben die Nase vorn / Von Roland Rohde

Jakarta (GTAI) - Jahrelang ist viel zu wenig in die Verkehrsinfrastruktur im Großraum Jakarta investiert worden. Doch seit 2013/14 werden für viele Milliarden US-Dollar neue Zugverbindungen und Schnellstraßen gebaut. Bald sollen die ersten Vorhaben für Entlastung im Verkehr sorgen. Chinesische und japanische Investoren engagieren sich besonders stark. Es gibt im Rahmen ihrer Projekte durchaus Zulieferchancen für deutsche Unternehmen.

Der Verkehr im Großraum Jakarta mit seinem fast 30 Mio. Einwohnern ist - man kann es nicht anders sagen - nervenaufreibend. Viele Menschen, die in Satellitenstädten wie Bekasi, Tangerang oder Bogor wohnen und in der Innenstadt arbeiten, benötigen täglich rund zwei bis drei Stunden für die Fahrt ins Büro. Wenn es in der Regenzeit zu Überflutungen kommt, kann es auch länger dauern. Doch schon in wenigen Jahren könnte sich die Situation spürbar entspannen, denn die Regierung verfolgt umfangreiche Pläne zum Ausbau des Straßen- und Schienennetzes.

Nicht wenige Projekte befinden sich bereits in der Konstruktionsphase. So starteten Ende 2013 die Arbeiten an einer 24 km langen U-Bahnlinie, die den Norden und Süden Jakartas - auf dieser Strecke fließt der Hauptteil des Berufsverkehrs - miteinander verbinden soll. Das Projekt wird von einem indonesisch-japanischen Konsortium durchgeführt, die Finanzierung stammt überwiegend aus Japan. Anfang 2019 soll die erste Teilstrecke (16 km) ihren Betrieb aufnehmen, das restliche Teilstück (8km) 2020.

Zweite U-Bahnstrecke eröffnet nicht vor 2024

Zugleich ist eine weitere, allerdings mit 87 km deutlich längere U-Bahnlinie geplant. Sie soll den Osten mit dem Westen Jakartas verbinden. Dieses Vorhaben befand sich Anfang 2017 aber immer noch im Planungsstadium. Den Eröffnungstermin setzen die Behörden für 2024 bis 2027 an.

Andere Projekte sind in den Augen der Verwaltung dringlicher. So entsteht ein neues S-Bahnnetz (Light Rail), das die Vorstädte mit dem Central Business District verbinden soll. Auf den insgesamt rund 80 km langen Strecken sollen die Züge ab 2018 mit maximal 80 km/h verkehren. Insgesamt wird das Vorhaben knapp 2 Mrd. US$ kosten.

Für Geschäftsreisende dürfte ein Projekt von Bedeutung sein: Ein Zug soll die Innenstadt mit dem internationalen Flughafen verbinden. Bislang benötigt man mit dem Auto für die rund 36 km lange Strecke zu Hauptverkehrszeiten oder während Überflutungen zwei bis drei Stunden. Mit der Inbetriebnahme ist noch 2017 zu rechnen.

Auch für den Autoverkehr gibt es Pläne. So befinden sich sechs Schnellstraßen (Toll Roads) in Jakarta in der Planungs- beziehungsweise Bauphase. Elf Überlandstraßen sollen zudem die Vororte mit der City verbinden. Die Investitionskosten belaufen sich auf zusammengerechnet fast 6 Mrd. $. Die reinen Baukosten dürften etwas weniger als die Hälfte ausmachen. Sämtliche Strecken sollen bis 2021 befahrbar sein. Es ist jedoch angesichts der Tatsache, dass viele Menschen zwangsenteignet oder -umgesiedelt werden müssen, mit Verzögerungen bei Teilvorhaben zu rechnen.

Von Jakarta aus soll man zudem in Zukunft schneller in die anderen Metropolen des Landes reisen können. Eine durchgehende Autobahn, die rund 1.000 km lange "Trans-Java", wird sukzessive fertiggestellt. Eine Autofahrt in das rund 700 km entfernte Surabaya, die zweitgrößte Stadt der Inselrepublik, soll in einigen Jahren an einem Tag zu schaffen sein. Bislang muss man eine Übernachtung einplanen.

Zugverbindung nach Surabaya und Bandung verbessert sich

Ebenso soll die bestehende Zugverbindung Jakarta-Surabaya modernisiert werden. Japanische Investoren sind mit der Regierung bereits intensiv im Gespräch. Die Strecke soll für eine Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h ausgebaut werden. Aktuell benötigt die Bahn laut Fahrplan 10 Stunden, in der Realität aber 12 bis 16 Stunden. Nach dem Ausbau soll die Fahrtzeit auf 5 Stunden sinken. Die Investitionskosten summieren sich voraussichtlich auf 6 bis 7,5 Mrd. $.

Wesentlich schneller (250 km/h) werden künftig die Züge in Richtung Bandung unterwegs sein. Chinesische Investoren bauen (zusammen mit indonesischen Partnern) seit 2016 an der rund 140 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke. Das gesamte Projekt soll 5,3 Mrd. $ verschlingen. Die China Development Bank stellt großzügig Kredite zur Verfügung.

Auch wenn chinesische und japanische Investoren Projekte mehrheitlich finanzieren und bauen, gibt es nach Einschätzung von Landeskennern dennoch Zulieferchancen für deutsche Anbieter, etwa von Bahn- und Verkehrstechnologie. "Made in Germany" genießt in Indonesien einen hervorragenden Ruf.

(R.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau

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