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27.08.2019

Indonesiens Nachfrage nach Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen zieht wieder an

Deutsche Lieferungen legten im 1. Halbjahr 2019 zu / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Nach zwei Jahren des Rückgangs sind Indonesiens Maschinenimporte für die Nahrungsmittelbranche 2018 wieder gestiegen. Nun soll in die Digitalisierung investiert werden.

Indonesien hat im Jahr 2018 Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen im Wert von 806 Millionen US-Dollar (US$) importiert. Das entspricht einem Plus von 13,2 Prozent gegenüber 2017, bleibt aber um ein Viertel hinter dem Rekordjahr von 2013 zurück, als der Archipel entsprechende Technologie im Wert von 1,1 Milliarden US$ einführte.

Die deutschen Branchenexporte nach Indonesien betrugen 71,3 Millionen US$ und sind damit um 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Es war der vierte Rückgang in Folge. Allerdings bezog sich die Nachfrage der Rekordjahre 2014 und 2015 überwiegend auf Verpackungsmaschinen. In Segmenten der Nahrungsmittelverarbeitung hat es zwischenzeitlich durchaus Zuwächse gegeben.

Zudem stehen die Zeichen im Jahr 2019 auf Wachstum: In den ersten sechs Monaten wurden deutsche Branchenwaren im Wert von 38,2 Millionen US$ im Archipel abgesetzt, das ist ein Plus gegenüber demselben Vorjahreszeitraum von 21,3 Prozent.

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Mit Abstand größter Lieferant im Jahr 2018 war China mit einem Anteil von 21 Prozent. Das Reich der Mitte ist sowohl bei den Verpackungs- als auch den Verarbeitungsmaschinen führend. Ausnahme ist der Bereich der Palmölextraktion, der ganz überwiegend auf Maschinen aus Malaysia setzt.

Ein aussagekräftiges Bild der branchenbezogenen Nachfrageentwicklung Indonesiens ergibt sich erst aus einer Betrachtung mehrerer Jahre. Denn größere Einzelprojekte können entsprechende Ausschläge erzeugen. Zudem gibt es Diskrepanzen zwischen der Importstatistik Indonesiens und den Exportwerten der Handelspartner.

Indonesiens Einfuhren von Nahrungsmittelverarbeitungs- und Verpackungsmaschinen nach maßgeblichen Lieferländern (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1)
Lieferland 2014 2015 2016 2017 2018 Veränd. 18/17
.China 126,2 131,1 144,4 115,6 168,8 46,0
.Malaysia 2) 184,5 137,6 99,9 69,4 76,5 10,2
.Japan 45,4 55,7 48,1 51,4 75,2 46,3
.Deutschland 269,2 133,8 98,6 85,4 71,3 -16,5
.Österreich 3) 25,4 23,8 49,0 67,8 61,4 -9,4
.Italien 169,3 111,4 69,4 107,9 55,9 -48,2
Insgesamt 1.096,5 845,7 721,2 712,3 806,4 13,2

1) HS 8422.30, 8422.40, 8437, 8438, 8479.20; 2) überwiegend Maschinen zur Palmölverarbeitung; 3) überwiegend Maschinenteile (HS 8438.90)

Quellen: UN Comtrade; Destatis

Vernetzte Produktionsprozesse fördern

Unumstritten ist aber das Wachstum der indonesischen Nahrungsmittel- und Getränkeverarbeitung, sie ist das Zugpferd der verarbeitenden Industrie. Nahezu ein Drittel des produzierenden Gewerbes entfällt mittlerweile auf diese Branche, deren Wachstumsraten seit vielen Jahren deutlich über denen der Gesamtwirtschaft liegen.

Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich. So steigert ein jährliches Bevölkerungswachstum von etwa 3 Millionen Menschen den Bedarf an Nahrungsmitteln. Gleichzeitig hat das Wirtschaftswachstum von durchschnittlich mehr als 5 Prozent in den vergangenen 20 Jahren immer mehr Menschen in die Mittelschicht aufsteigen lassen, die verarbeitete Lebensmittel nachfragt. Auch die zunehmende Verstädterung - mehr als die Hälfte der Indonesier lebt bereits in Städten, Tendenz steigend - führt weg von Rohwaren.

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Zudem will Indonesien stärker als bisher Nahrungsmittel ausführen. Mit einem Exportwert von 13,1 Milliarden US$ wurde 2018 ein neuer Rekord erzielt. Doch das Potenzial dürfte deutlich größer sein, denn die heimische Landwirtschaft gilt in vielen Bereichen als schwach technisiert. Darüber hinaus handelt es sich bei den Exportwaren vielfach um gering verarbeitete Produkte, wie gefrorener Fisch, Rohkaffee oder Gewürze.

Um den Output verarbeiteter Waren zu steigern, soll die Digitalisierung der Produktion vorangetrieben werden. So gehört die Nahrungsmittelverarbeitung zu den fünf industriellen Kernbranchen, die als Teil der nationalen Digitalstrategie "Making Indonesia 4.0" vermehrt auf vernetzte Prozesse setzten soll. Staatliche Förderprogramme für Hochtechnologie sind daher zu erwarten.

Indonesiens Einfuhr von Maschinen zur Nahrungsmittelverarbeitung und -verpackung (in Millionen US$; Anteil in Prozent)
HS-Zolltarifposition Bezeichnung 2017 2018 Anteil Deutschland 2018
8422.30 Maschinen zum Füllen, Verschließen, Versiegeln oder Etikettieren 150,1 138,0 9,3
8422.40 Maschinen zum Verpacken oder Umhüllen 191,3 145,3 5,3
8437.10 Maschinen zum Bearbeiten von Getreide und Hülsenfrüchten 12,4 19,8 0,9
8437.80 Maschinen zum Zermahlen von Getreide 24,4 28,2 0,7
8438.10 Backmaschinen 44,1 56,5 15,5
8438.20 Maschinen zum Herstellen von Süßwaren, Schokolade oder Kakao 14,7 33,4 32,8
8438.30 Maschinen zum Herstellen von Zucker 8,1 55,6 1,6
8438.50 Fleischverarbeitungsmaschinen 8,5 13,6 6,0
8438.60 Maschinen zum Bearbeiten von Früchten 7,8 9,6 1,5
8438.80 Getränkemaschinen 50,1 53,0 14,1
8437.90, 8438.90 Teile für Nahrungsmittel- und Getränkemaschinen 125,8 166,2 1,5
8479.20 Maschinen zum Gewinnen oder Aufbereiten von Fetten/Ölen 75,0 83,6 0,0

Quellen: UN Comtrade; Destatis

Importrestriktionen behindern Lieferanten

Allerdings belastet der Import von Maschinen die Außenhandelsbilanz. Denn sie sind die größte Position unter den Technologieeinfuhren. Im Jahr 2018 betrug ihr Importwert 27,2 Milliarden US$ (HS-Zolltarifposition 84) und hatte großen Anteil am Rekorddefizit von 8,7 Milliarden US$. Das bietet der Regierung Anlass für protektionistische Maßnahmen. So wurden im Januar 2019 Importverbote für bestimmte Produkte aus Eisen und Stahl verhängt, um heimische Produzenten zu schützen. Viele Maschinenlieferanten bekommen seitdem keine Ersatzteile mehr ins Land.

Immerhin aber zeigen die Zahlen für das 1. Halbjahr 2019 eine unverändert hohe Nachfrage nach Maschinen. So lagen Indonesiens Brancheneinfuhren mit einem Wert von 12,6 Milliarden US$ genau auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums - und das bei um 7,6 Prozent gesunkenen Gesamtimporten.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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