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23.01.2019

Indonesiens Papierindustrie ist auf Wachstumskurs

Steigende Nachfrage in Asien erfordert Erweiterung der Produktionskapazitäten / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Das waldreiche Archipel bietet exzellente Bedingungen für die Papierproduktion. Dennoch kaufen Hersteller nicht nur technisches Know-how im Ausland ein, sondern auch Rohstoffe.

Die Papierbranche hat innerhalb der indonesischen Industrie eine erhebliche Bedeutung. Laut den Marktanalysten von Data Consult entfallen auf sie 7,4 Prozent der Wertschöpfung des gesamten verarbeitenden Gewerbes außerhalb des Öl- und Gassektors (das Statistikamt BPS kommt in einer anderen Branchenabgrenzung auf knapp 4 Prozent). Indonesien ist sechstgrößter Papierproduzent der Welt und neuntgrößter Hersteller des Nebenprodukts Zellstoff (Pulp).

Nach letztverfügbaren Zahlen von Data Consult stellte Indonesien 2017 knapp 13 Millionen Tonnen Papier und 8,4 Millionen Tonnen Zellstoff her. Die Papierproduktion soll sich demnach angesichts steigender in- und ausländischer Nachfrage bis 2022 auf 16 Millionen Tonnen erhöhen, die Zellstoffproduktion auf 10,9 Millionen Tonnen. Das entspricht einer Steigerung von knapp 20 beziehungsweise 30 Prozent. Dafür müssen neue Papier- und Zellstofffabriken gebaut werden. Dabei ist Indonesien überwiegend auf Technologie aus dem Ausland angewiesen.

In den vergangenen Jahren hatte es keine nennenswerten Kapazitätssteigerungen in der Papierherstellung gegeben, die Fabriken waren praktisch voll ausgelastet. In der Zellstoffproduktion gab es 2017 hingegen einen Ausbau der Kapazitäten um fast ein Drittel auf 10,5 Millionen Tonnen. Laut Branchenverband APKI erfordert eine Zellstofffabrik mit einer Produktionskapazität von 1 Million Tonnen pro Jahr Investitionen von 1 Milliarde US-Dollar (US$). Weitere 200 Millionen US$ würde die dafür notwendige Holzbewirtschaftung kosten.

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In den vergangenen Jahren sind die Einfuhren von Maschinen zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Papier kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2017 hatten sie einen Wert von 288 Millionen US$. Mit Abstand wichtigster Lieferant ist China. Der deutsche Lieferanteil lag bei etwa 5 Prozent. Allerdings können größere Einzelprojekte zu hohen statistischen Ausschlägen führen.

Papierhersteller sind Devisenbringer

Derzeit gibt es 81 Produktionsanlagen in Indonesien. Davon sind 63 Papier- und vier Zellstofffabriken, insgesamt 14 Fabriken haben eine integrierte Produktion. Die Zellstoffherstellung ist vor allem auf Sumatra angesiedelt. Im dichtbesiedelten Java wurde sie aus ökologischen Gründen untersagt. Vor allem in Ost- und Zentraljava stehen die meisten Papierfabriken.

Die Branche ist weitgehend privatwirtschaftlich organisiert. Lediglich zwei kleinere Fabriken sind in Staatshand. Insgesamt 66 Produktionsstätten gehören indonesischen Unternehmen. Auf die 13 ausländisch investierten Fabriken entfallen aber mehr als 40 Prozent der Produktionskapazitäten. Unumschränkter Marktführer unter den indonesischen Marktteilnehmern ist Asia Pulp and Paper (APP) mit seinen zahlreichen Tochterunternehmen.

Investitionen in der Papierindustrie 2018 bis 2020
Unternehmen Region Produkt, jährliche Kapazität Investitionssumme geplante Inbetriebnahme
Sateri Viscose International Riau Zellstoff, 350.000 t 1,3 Mrd. US$ 2018
Sriwahana Adityakarta Solo, Zentraljava Papier, 36.000 t k.A. 2018
Sun Paper Source Mojokerto, Ostjava Papiertücher k.A. 2019
Aspek Kumbong Bekasi, Westjava Papiertücher 9 Mio. US$ 2019
Sriwahana Adityakarta Solo, Zentraljava Papier k.A. 2019
Indah Kiat Pulp & Paper Karawan, Westjava Verpackungspapier, 750.000 t 618 Mio. US$ 2020

Quelle: Data Consult

Der politischen Unterstützung kann sich die Branche gewiss sein, denn mit Exporterlösen von 7,5 Milliarden US$ gehört sie zu den stärksten Devisenbringern Indonesiens. Die Ausfuhren gehen vor allem nach China sowie nach Japan, Südkorea, Indien und Taiwan.

Dort wird die Nachfrage laut Branchenbeobachtern weiter steigen. Indonesien kann seinen geografischen Vorteil nutzen, um diese Märkte zu bedienen. So ist von dem Archipel eine Schiffsladung Papier oder Zellstoff zwischen sieben und zehn Tage nach China unterwegs. Aus Nordamerika sind es 30 bis 50 Tage, aus Südamerika 40 bis 60 Tage.

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Mangel an Holz

Dass die Zielmärkte in Zukunft in ausreichendem Maße bedient werden, könnten aber Engpässe in der Branche verhindern. Denn selbst das waldreiche Indonesien, in dem Bäume schneller wachsen als in kälteren Regionen, kann seine Papierfabriken nicht mit ausreichenden Mengen des Rohstoffes Holz versorgen. Die bewirtschafteten Flächen sind einfach zu klein. Daher verarbeitet die Hälfte aller Fabriken laut Data Consult Altpapier. Sie benötigen demnach pro Jahr 7 Millionen Tonnen, von denen 4,5 Millionen Tonnen importiert werden müssen. Zellstoff muss ebenfalls im großen Stil eingeführt werden.

Indonesien ist nicht nur Ex-, sondern auch Importeur von Papier. Immerhin 3,1 Millionen Tonnen wurden 2017 nach Angaben des Industrieministeriums eingeführt, fast drei Viertel davon für die industrielle Verwendung. Der größte Anteil der Gesamtlieferungen kommt aus China, Südkorea und Japan. Die wichtigsten europäischen Herkunftsländer sind Schweden, Finnland und Deutschland.

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Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Indonesien Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Papier-, Pappe-Erzeugnisse

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