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16.07.2019

Indonesiens Reifenmarkt ist auf Wachstumskurs

Regierung behindert Importe / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Indonesiens Reifenhersteller haben volle Auftragsbücher, denn der heimische Automobilmarkt boomt und die Exporte werden deutlich ausgebaut. Für Reifenimporte gibt es hingegen Hürden.

In Indonesien produzierende Firmen verkauften 2018 rund 84 Millionen Pkw-Reifen. Das entspricht einer Steigerung von 27 Prozent gegenüber 2014. Darüber hinaus wurden in den Fabriken des Archipels 69 Millionen Motorradreifen hergestellt, das ist ein Plus von 30 Prozent im selben Zeitraum. Hinzu kommen in deutlich kleinerem Umfang Flugzeug- und Fahrradreifen.

Die weiteren Marktaussichten sind gut, denn die Produktionszahlen in der Kfz-Industrie wachsen. Jedes Jahr werden mehr als eine Million Pkw in Indonesien produziert, hinzu kommen fast 300.000 Nutzfahrzeuge. Darüber hinaus bauen die japanischen Hersteller den Standort Indonesien zum Exporthub aus. Im Jahr 2018 führten sie 350.000 Automobile (als Ganzes oder in Teilen) in alle Welt aus. Die Exportzahlen sind seit Jahren stark steigend. Mit Hyundai wird demnächst ein weiterer großer Automobilhersteller seine Fertigung in Indonesien aufnehmen. Außerdem produziert Indonesien etwa 6 Millionen Motorräder im Jahr, in Spitzenzeiten sind es bis zu 8 Millionen gewesen.

Etwa 70 Prozent der in Indonesien gefertigten Pkw-Reifen und 30 Prozent der Motorradreifen werden exportiert, in mehr als 70 Länder auf allen Kontinenten. Der weitaus größte Teil davon wird in die USA geliefert. Seit die USA im Jahr 2015 die Zölle auf Pkw-Reifen aus China erhöht haben, konnten die Liefermengen dorthin kontinuierlich ausgebaut werden. Allerdings suchen seitdem die chinesischen Hersteller neue Absatzmärkte und haben dabei auch Indonesien im Visier.

Knapp 1,6 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete Indonesien 2018 mit der Ausfuhr von Reifen aller Art. Damit gehört dieser Industriezweig zu den großen Devisenbringern des Landes. Laut UN Comtrade war der Archipel 2017 achtgrößter Exporteur von Pkw-Reifen weltweit, nur knapp hinter dem siebtplatzierten Frankreich.

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Hürden gegen Einfuhren

In der weltweiten Importliste von Reifen desselben Jahres rangiert Indonesien hingegen nur auf Platz 50. Das heißt in der Praxis: Reifen werden nur ungern ins Land gelassen. So waren Anfang 2017 Importrestriktionen für 38 Zolltarifpositionen eingeführt worden. Nach deren Aussetzung wurde im September 2018 im Zuge einer höheren Besteuerung von eingeführten Konsumgütern die Importabgabe PPh - Pasal 22 (Import-Einkommensteuer) für Reifen von 2,5 auf 7,5 Prozent erhöht.

Der indonesische Verband der Reifenhersteller, APBI, behauptet zudem, dass bis zu 40 Prozent aller Reifeneinfuhren nicht dem nationalen Produktstandard SNI (einer notorisch eingesetzten nichttarifären Handelsschranke) entsprechen. Nach Angaben des Marktanalysten Data Consult hat das Handelsministerium daraufhin mit der Verordnung 5/2019 neue Berichtspflichten (wirksam seit 1. März 2019) für Reifenimporteure eingeführt, deren Nichteinhaltung zum Entzug der Importlizenz führen kann.

Indonesien importiert vor allem große Lkw-Reifen, welche die heimischen Fabriken nicht herstellen können. Die Einfuhr von Pkw-Reifen ist nach Angaben von APBI zumeist die Folge von Garantievereinbarungen der Automobilhersteller, die dem Käufer einen Satz Originalreifen zugestehen. Die geringen deutschen Lieferungen bestehen vor allem aus Hightech-Reifen, die indonesische Produzenten entweder nicht fertigen können, weil sie technisch dazu nicht in der Lage sind oder weil ihnen die entsprechenden Patente fehlen.

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Zweitgrößte Kautschukproduktion weltweit

Einfacher als der Export von Reifen nach Indonesien ist für ausländische Hersteller die Produktion vor Ort. Schließlich hat Indonesien einen großen komparativen Vorteil gegenüber anderen Ländern: seine großen Anbauflächen von Kautschuk. Nur Thailand produziert mehr von diesem Rohstoff. Naturkautschuk macht knapp 20 Prozent der Kosten in der Reifenfertigung aus, das sind mehr als die Arbeitskosten.

Deshalb sind viele große Reifenhersteller mit hochmodernen Fabriken im Archipel vertreten, wie beispielsweise Bridgestone, Goodyear, Hankook oder Michelin. Insgesamt 14 Reifenproduzenten gibt es im Land. Größter Hersteller ist Gajah Tunggal, der zu knapp 49,5 Prozent der singapurischen Denham-Holding gehört und zu 10,0 Prozent Michelin. Gajah Tunggal hat 2018 laut Jahresbilanz 43 Millionen Reifen produziert. Zweitgrößter Produzent ist Bridgestone mit zwei Produktionsstätten nahe Jakarta, in Bekasi und Karawang.

Produktion von Pkw-Reifen nach Herstellern (in Mio. Stück)
Unternehmen 2012 2013 2014 2015 2016
Gajah Tunggal 15,2 18,2 17,2 15,5 17,5
Bridgestone Indonesia 12,9 14,9 15,0 13,5 14,2
Sumi Rubber 13,4 12,6 12,3 12,0 12,1
Hankook Tire Indonesia - - - 7,6 8,9
Multistrada Arah Sarana (Michelin) 6,9 7,2 7,9 8,1 8,2
Elang Perdana 3,5 3,7 4,1 4,0 4,1
Goodyear Indonesia 2,8 2,8 2,9 2,5 3,5
Industri Karet Deli 2,1 2,2 2,4 2,2 2,5
Cheng Shin Rubber - - - - 0,2
Gesamt 56,8 61,6 61,8 65,4 72,2

Quelle: APBI/ICN

Ebenfalls zu den größten Marktteilnehmern gehört Multistrada Arah Sarana (MAS), das zu 80 Prozent für den Export produziert. MAS wurde Anfang 2019 von Michelin übernommen. Der Kaufpreis für 80 Prozent der Anteile betrug 439 Millionen US-Dollar. Der US-amerikanische Hersteller Goodyear ist bereits seit 1917 im Land, gehört aber zu den kleineren Playern.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
BKPM https://www3.bkpm.go.id Investitionsbehörde
GIAMM - Verband der Automobilzulieferer
APBI - Verband der Reifenhersteller

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Indonesien Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Kunststoffe und Gummi

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