Suche

31.01.2018

Industrie 4.0 hat in den USA höchste Priorität

Deutscher Maschinen- und Anlagenbau mit ausgezeichneten Kooperationschancen / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - Das Interesse an Industrie 4.0 ist in den USA riesig. Nach Jahrzehnten der Produktionsverlagerung in Richtung Asien und Mexiko streben Politik und Wirtschaft seit geraumer Zeit das industrielle Comeback der Vereinigten Staaten an. Hochtechnologie ist dafür mehr als willkommen, zumal sich in den führenden Industrienationen die vierte industrielle Revolution ankündigt. Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau erwachsen daraus erstklassige Geschäftsmöglichkeiten. (Kontaktadressen)

Die US-Wirtschaft spielt bei der Fortschreibung von Industrie 4.0 weltweit an vorderster Stelle mit. Kraft Marktgröße und Forschungspotenzial versuchen die USA in der aktuellen Entwicklungsphase, eigene technische Standards weltweit durchzusetzen. Damit würden heimische Firmen Vorteile gegenüber ausländischen Anbietern erlangen.

Aktuell besitzen zum Beispiel US-Hersteller von Sensor- und Funktechnologie einen Wettbewerbsvorsprung. Dieser ist allerdings nicht allein auf durchgesetzte Standards, sondern auch auf hohe Entwicklungsleistungen zurückzuführen.

Der Wettbewerb um künftige Standards lähmt teilweise die Entwicklung und Markteinführung neuer Technologien. Vor allem kapitalschwache kleine und mittlere Unternehmen warten ab, welche Standards letztendlich gelten. Erst dann produzieren sie neue Produkte. Alles andere betrachten sie als ein zu hohes finanzielles Risiko. Große Konzerne, die Fehlinvestitionen und Abschreibungen besser verkraften, dominieren im Endeffekt die technische Entwicklung. Sie zeigen sich am Markt als risikobereiter und offensiver.

Deutsche Maschinen bei Endfertigern gefragt

Die deutsche Wirtschaft platzierte sich in den USA erfolgreich mit technologiegetriebenen Lösungen aus den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau sowie Elektrotechnik. Hier winken auch künftig umfangreiche Geschäfte, zumal es in den USA insbesondere bei mittelständischen Kunden einen erheblichen Nachrüstbedarf gibt. Große US-Konzerne sind dagegen aus eigener Kraft bereits sehr weit bei der Entwicklung und Produktionseinführung von Lösungen für Industrie 4.0.

Industrie 4.0 ist in den USA ein breitgefächertes Thema

Deutsche Unternehmen sollten bei der Anbahnung von Kooperationen sowie bei der Auftragsakquise berücksichtigen, dass Industrie 4.0 in den Vereinigten Staaten wesentlich breiter als in Deutschland interpretiert wird. So werden neben der vernetzten und intelligenten Produktion zusätzlich virtuelle und datengetriebene Geschäfts- und Vertriebsmodelle sowie Internetdienstleistungen unter diesem Oberbegriff einsortiert. Dabei handelt es sich um Zusatzbereiche, in denen US-Anbieter schon heute weltweit führende Positionen einnehmen.

Eine direkte englischsprachige Übersetzung des Begriffs Industrie 4.0 ist daher selten anzutreffen. Wesentlich häufiger fallen die Begriffe „Industrial Internet of Things (IIoT)“ für den gewerblichen sowie „Internet of Things (IoT)“ für den Konsumentenbereich.

Plattformen treiben Technologieentwicklung voran

Auffällig oft treiben Plattformen und Initiativen technische und technologische Einzelaspekte des IIoT voran. Zu deren Gründungsvätern zählen führende Technologieunternehmen sowie Forschungs- und öffentliche Fördereinrichtungen. Darunter befinden sich weltweit bekannte Konzerne wie General Electric, Honeywell, IBM, Cisco und SAS. Aber auch deutsche Unternehmen wie Bosch, Siemens, Festo, ThyssenKrupp und SAP sind dort Mitglieder. Hinzu gesellen sich innovative Mittelständer und Start-ups sowie die Finanzwelt, unter anderem als Risikokapitalgeber.

Trotz hartem Wettbewerb um IIoT herrscht zwischen den Plattformen und Initiativen eine rege Kooperation. Zwar fallen die wirtschaftlichen Interessen bei der Entwicklung von IIoT entlang technischer Segmente unterschiedlich aus. Doch besteht die Bereitschaft, gemeinsam Paketlösungen für die verschiedenen Anwendungsbereiche zu entwickeln.

AHK USA Anlaufstelle für deutsche Firmen

Als eine wichtige Anlaufstellen für deutsche Unternehmen und Systemanbieter haben sich die Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHK USA), insbesondere die Kammern in Chicago sowie in San Francisco, etabliert. Beide betreuen nicht nur deutsche Unternehmensdelegationen aus dem Bereich Industrie 4.0, sondern helfen auch individuell beim Markteintritt und weiteren Aktivitäten, wie Mark Tomkins, Geschäftsführer der AHK USA-Chicago gegenüber Germany Trade & Invest hervorhob.

Chicago ist zudem Austragungsort der wichtigsten Fachausstellung für den Maschinen- und Anlagenbau und damit auch für Industrie 4.0, der International Manufacturing Technology Show (IMTS), die vom 10. bis 15. September 2018 stattfinden wird. Die Hannover Messe wird auf der IMTS mit eigenen Formaten und thematischen Fachausstellungen aufwarten und damit die Hannover Messe - USA etablieren.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/usa Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK USA http://www.ahk-usa.com Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in den USA
Open Connectivity Foundation (OCF) http://www.openconnectivity.org Plattform für Verbindungsstandards und Sicherheitszertifikate im IoT und IIoT
National Network for Manufacturing Innovation (NNMI) http://www.energy.gov/eere/amo/national-network-manufacturing-innovation Initiative verschiedener Ressorts auf Bundesebene und der Einzelstaaten sowie der Wirtschaft zur Entwicklung fortschrittlicher Fertigungsverfahren
National Network for Manufacturing Innovation Program (Manufacturing USA) http://www.manufacturingusa.com Netzwerk aus Staat, Wissenschaft/Forschung und Industrie zur Entwicklung und Anwendung von Hochtechnologie in der Produktion
Clean Energy Smart Manufacturing Innovation Institute (CESMII) http://www.cesmii.org Initiative des Weißen Hauses unter Obama, koordiniert und finanziert FuE, 200 Kooperationspartner aus Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung, Verbänden und Industrie
Industrial Internet Consortium (IIC) http://www.iiconsortium.org Fortschreibung des IIoT, Sicherheits- und Verbindungsstandards, Bildung von Allianzen mit weiteren Initiativen und Plattformen
Smart Manufacturing Leadership Coalition (SMLC) http://www.smartmanufacturingcoalition.org FuE im Bereich intelligenter Produktion, Plattform und Netzwerk

(U.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Robotik und Automation, Digitalisierung

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche