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08.03.2018

Industrie 4.0 setzt sich in Mexiko langsam durch

Starke Implementierung in der Kfz-Industrie / Andere Branchen ziehen nach / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Die mexikanische Industrie ist in den vergangenen Jahren beachtlich gewachsen, angetrieben von der Kfz-Branche. Um mit ihren Produkten weiter auf den Weltmärkten bestehen zu können, müssen die Unternehmen jedoch in moderne Fertigungstechnik investieren. Vor allem große ausländische Firmen sind auf diesem Weg bereits fortgeschritten, mit Chancen für deutsche Ausrüstungszulieferer. (Kontaktadressen)

Der nordamerikanische Maschinenbauverband AMT (Association for Manufacturing Technology) geht davon aus, dass die mexikanische Industrie 2018 rund 2,1 Milliarden US-Dollar an fortschrittlicher Fertigungstechnik nachfragen wird und damit ähnlich viel wie 2017. Dabei sind der AMT zufolge die Branchen Kfz, Elektronik, Haushaltsgeräte und Medizintechnik die dynamischsten Bereiche. Unternehmen aus den genannten Sektoren rüsten ihre Fertigung zunehmend mit Prozessautomatisierung, Robotik und vernetzten Maschinen aus.

Ein Beispiel dafür ist Bosch. "In unseren mexikanischen Werken sind wir dabei, ein Manufacturing Execution System einzurichten, das automatisch Daten sammelt und in Echtzeit über die Produktion informiert", sagt Carlos Conde, Direktor von Bosch Manufacturing Solutions in Mexiko. "Dadurch ist es unter anderem möglich, die Maschinen vorausschauend zu warten und die Qualität der Produkte zu verbessern." Bis Mitte 2019 soll die komplette Fertigung in nahezu allen Bosch-Werken im Land damit ausgestattet sein.

Bosch ist sowohl Anwender als auch wichtiger Hersteller von Industrie-4.0-Produkten. Daneben zählen von deutscher Seite Dürr, Festo, Kuka, Pepperl+Fuchs, SAP, Siemens, thyssenkrupp Industrial Solutions und T-Systems zu den führenden Anbietern von Automatisierungsausrüstung, -integration und -software in Mexiko. Darüber hinaus sind international tätige Firmen wie ABB, Cisco, Dassault Systemes, GE, IBM und Rockwell im Land aktiv. Mexikanische Firmen wie Genesis Icesa sind bevorzugt in der Systemintegration tätig.

Roboterdichte nimmt zu

Zieht man den Einsatz von Multifunktionsrobotern in der Industrie als Gradmesser der Automatisierung und Digitalisierung heran, so steht Mexiko im Vergleich zu anderen Schwellenländern gut da. Das Land hat aber einen enormen Rückstand auf die fortgeschrittenen Industriestaaten insbesondere in Europa. Während in Mexiko 2016 nur 31 Roboter pro 10.000 Beschäftigten in der Industrie zum Einsatz kamen, waren es in Deutschland und Japan rund zehnmal so viele. Damit liegt Mexiko auf dem 31. Rang unter 44 durch den Branchenverband IFR (International Federation of Robotics) untersuchten Ländern.

Absatz von Multifunktionsrobotern in der Industrie (in Einheiten)
Land 2016 2017 *) 2018 *) 2019 *) 2020 *)
Mexiko 5.933 6.500 6.000 7.000 9.000
Brasilien 1.207 1.500 1.800 2.500 3.500
Deutschland 20.039 21.000 21.500 23.500 25.000

*) Schätzung/Prognose

Quelle: IFR World Robotics 2017

Die mexikanische Automobilindustrie ist bei Weitem der wichtigste Abnehmer. 2016 vereinte sie 81 Prozent der Käufe von Industrierobotern auf sich, und auf 10.000 Beschäftigte kamen 269 Multifunktionsroboter. Die Autobauer werden trotz der Debatte über das nordamerikanische Freihandelsbündnis Nafta ihre Expansion in Mexiko fortsetzen. 2018 soll die Fertigung Prognosen zufolge erstmals auf 4 Millionen Fahrzeuge und somit um rund 5 Prozent steigen.

Doch auch andere Sektoren investieren in digitale Technologien, beispielsweise die aufstrebende Energiebranche. Cemex, der größte mexikanische Zementhersteller, baut die Vernetzung der beiden Windparks seiner Tochterfirma Cemex Energia aus. Zusammen mit dem Softwarepartner Osisoft kann das Unternehmen die Anlagen schon heute komplett überwachen, was beim Management der Wartungsintervalle und der Stromeinspeisung hilft. In Zukunft sollen 3.500 zusätzliche Sensoren das System verbessern. Die mexikanische Elektrizitätswirtschaft professionalisiert sich derzeit dank der 2013 angestoßenen Energiereform.

Weitere Adaption mit Hindernissen

Trotz der wachsenden Nachfrage gibt es Hindernisse. "Viele Firmen haben nicht das nötige Vertrauen, um Daten mit ihren Kunden oder Zulieferern zu teilen", gibt Bosch-Experte Carlos Conde zu bedenken. Darüber hinaus ist die IT-Infrastruktur mancherorts zu schwach, um den Übertragungsanforderungen der Firmen zu genügen. Eine dritte Herausforderung ist es, Ingenieure mit Industrie-4.0-Vorwissen zu finden und die Mitarbeiter in der Produktion zu schulen.

Regierung und Unternehmen setzen auf Initiativen, um Abhilfe zu schaffen. Siemens kooperiert mit dem Bildungsministerium SEP, um einen Ausbildungsabschnitt zur Digitalisierung und Industrie 4.0 im mexikanischen dualen Ausbildungssystem zu integrieren. Der IT-Verband Canieti treibt die Gründung einer nationalen Agentur für Cybersicherheit voran. Durch die Nationale Digitalstrategie wollen verschiedene Ministerien die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft verbessern.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse
Nationale Digitalstrategie (Estrategia Digital Nacional) http://www.gob.mx/mexicodigital
Verband für Fertigungstechnologie (Association for Manufacturing Technology - AMT) http://www.amtcenter.org.mx
Nationaler Verband der Elektronik-, Kommunikations- und IT-Industrie (Camara Nacional de la Industria Electronica de Telecomunicaciones y Tecnologias de la Informacion - Canieti) http://www.canieti.org

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

(FST)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Robotik und Automation, Digitalisierung

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