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21.02.2018

Industriebetriebe in Österreich wollen auch 2018 mehr investieren

Drittes expansives Jahr in Folge / Dynamik nimmt ab / Von Barbara Kussel

Bonn (GTAI) - Die Unternehmen der verarbeitenden Industrie Österreichs planen ihre Investitionen 2018 nominell um knapp 5 Prozent zu erhöhen. Dabei erwarten große aber auch kleine und mittlere Unternehmen Zuwächse. Weit überdurchschnittlich werden die Hersteller von Investitionsgütern und Konsumgütern investieren. Das geht aus einer Erhebung des Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) hervor. Deutliche Kürzungen hingegen stehen in den Branchen Kfz sowie Nahrungs- und Genussmittel an.

Die Betriebe der Sachgütererzeugung in Österreich wollen in diesem Jahr knapp 8,8 Milliarden Euro investieren, nach 8,4 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Das entspricht einer nominalen Steigerung von 4,7 Prozent. Unter Berücksichtigung der Preissteigerung von 1,2 Prozent ergibt sich ein realer Anstieg von 3,5 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Unternehmensbefragung für den "Wifo-Investitionstest Herbst 2017", den das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) im Februar 2018 veröffentlicht hat.

Mit den jüngsten Zahlen setzt sich die positive Entwicklung der vergangenen beiden Jahre im dritten Jahr fort, verliert aber an Dynamik: In 2017 und 2016 lagen die Steigerungsraten der Investitionen mit nominal 21 beziehungsweise 13,4 Prozent deutlich höher. Zuvor hatten die Sachgütererzeuger ihre Investitionen von 2005 bis 2007 kräftig - um nominal 15 Prozent per anno - erhöht.

Auch kleine und mittlere Unternehmen legen zu

Die für 2018 geplante Ausweitung der Investitionen ist nicht nur auf die optimistischen Ansätze der Großunternehmen zurückzuführen. Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wollen die Investitionen ausweiten. Das ist bemerkenswert, da KMU ihr Engagement 2017 begünstigt durch die "Investitionszuwachsprämie" extrem hochgefahren hatten.

Die Prämie konnte von Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern in Anspruch genommen werden. Sie summierte sich auf einen Zuschuss von bis zu 15 Prozent auf bestimmte Investitionen. Bezuschusst wurde nur der Teil der Investitionen, der über der durchschnittlichen Investitionstätigkeit eines Unternehmens in den vergangenen drei Jahren lag. Die neue Bundesregierung unter Kanzler Sebastian Kurz hat die Entscheidung über die Fortsetzung des Förderprogrammes ab 1. Januar 2018 noch zu treffen. Daher können derzeit keine Anträge mehr gestellt werden.

Investitionen und Umsätze österreichischer Unternehmen (Sachgütererzeugung, ohne Bau)
2016 2017 2018
Wert, in Mio. Euro (laufende Preise) 6.910 8.364 8.761
Veränderung zum Vorjahr in % (nominal) 13,4 21,0 4,7
Veränderung zum Vorjahr in % (real) 12,4 19,6 3,5
Umsätze 173.399 174.794 179.851
Veränderung zum Vorjahr in % (nominal) 0,9 0,8 2,9

Quelle: Wifo-Investitionstest Herbst 2017

Der Wifo-Investitionstest ist Teil eines in der gesamten EU durchgeführten Erhebungsprogrammes. Wie die Ergebnisse in den anderen EU-Ländern zeigen, wollen die Sachgütererzeuger ihre Investitionen 2018 EU-weit ähnlich wie in Österreich um nominell 4 Prozent erhöhen. In Österreichs Nachbarländern ist eine positive Entwicklung zu erwarten (Deutschland +8 Prozent, Tschechien +3 Prozent, Slowakei +13 Prozent, Slowenien +8 Prozent, Ungarn +9 Prozent, Italien +/-0 Prozent).

Hersteller von Investitions- und Konsumgütern tragen das Wachstum

Im Jahr 2018 werden sich die Investitionen in Österreich in den einzelnen Branchen relativ uneinheitlich entwickeln. Während sowohl die Hersteller von Investitionsgütern als auch die Hersteller von Konsumgütern mit sehr hohen Zuwächsen rechnen, erwarten die Hersteller von Kfz sowie Nahrungs- und Genussmitteln teils drastische Rückgänge. Die geplante Kürzung bei den Vorprodukten um 3 Prozent müsse vor dem Hintergrund des starken Anstiegs in 2017 um fast 36 Prozent gesehen werden. Die Kürzung könnte darauf hindeuten, dass der Höhepunkt des Investitionsbooms erreicht sei, schreibt das Wifo: Im Aufschwung wären es die Vorprodukte, die zuerst von nachgelagerten Sektoren nachgefragt werden.

Investitionen und Investitionspläne in der verarbeitenden Industrie (nominale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
2016 2017 2018 *)
Vorprodukte 11,9 35,8 -3,0
Kfz-Industrie 0,9 33,6 -42,6
Investitionsgüter 15,8 35,9 36,7
Langlebige Konsumgüter -18,4 18,7 41,9
Nahrungs- und Genussmittel 11,5 -27,0 -13,5
Kurzlebige Konsumgüter 40,6 -25,0 58,5

*) Prognose

Quelle: Wifo-Investitionstest Herbst 2017

Zwar nennen rund 38 Prozent der Unternehmen als wichtigsten Grund ihrer Investitionen im Jahr 2018 den Ersatz alter Anlagen. Doch verliert dieses Investitionsmotiv gegenüber den Vorjahren weiter leicht an Bedeutung (2017: 39 Prozent; 2016: 44 Prozent): Das zweitwichtigste Motiv sind mit 28 Prozent derzeit Rationalisierungsinvestitionen (2017: 27 Prozent). Die Kapazitätserweiterung wird für 2018 mit 22 Prozent (2017: 23 Prozent) zwar an dritter Stelle genannt. Der Anteil des Motivs der Kapazitätserweiterung liegt aber um zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

(B.K.)

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Oesterreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Österreich Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Investitionsgüterindustrie

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