Suche

06.06.2019

Innere Sicherheit steht in Israel hoch im Kurs

Rege Exporte und Importe/ Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Israel ist ein wichtiger Technologiestandort für innere Sicherheit. Bei einem großen Teil der einschlägigen Produkte handelt es sich um zivile Spin-offs der Militärtechnik.

In vielen Bereichen der Homeland Security nimmt Israel eine Pionierrolle ein. Nach Angaben des israelischen Exportinstituts (Israel Export and International Cooperation Institute) sind landesweit rund 500 Unternehmen im Bereich der inneren Sicherheit tätig. Wie Eyal Levy, Leiter des Bereichs Innere Sicherheit, Luft- und Raumfahrt beim Exportinstitut, erklärt, handele es sich in vielen Fällen um Firmen, die nicht ausschließlich in dieser Sparte tätig seien, deren Technologie aber auch für innere Sicherheit genutzt werden könne.

Ein klassisches Beispiel sei die Datensicherheit. Cyber-Unternehmen, die Lösungen für andere Bereiche entwickelten, könnten beispielsweise auch Technologie zum Schutz "intelligenter Städte" vor Cyberangriffen anbieten. In solchen Fällen erfolge die Branchenzuordnung nicht nach der Ausgangstechnologie, sondern nach deren Verwendungszweck.

Die zivile Objektsicherung wiederum unterscheide sich nicht grundsätzlich von dem Einsatz im militärischen Bereich. In beiden Fällen würde die Beobachtung mit Hilfe moderner Optik durchgeführt und von künstlicher Intelligenz analysiert. Bei Bedarf werde menschliches Personal alarmiert. Moderne Sensortechnik wiederum könne die Aufdeckung von Sprengstoffen ebenso wie von Drogen ermöglichen.

Nicht nur Spin-Offs

Viele Lösungen für die innere Sicherheit sind Spin-Offs von Rüstungstechnik.

Es gebe aber, so Levy, auch Technologien und Anwendungen, die ausschließlich für zivile Sicherheit entwickelt würden, beispielsweise für die Aufdeckung von Gefährdern bei Menschenansammlungen, etwa an Flughäfen und Bahnhöfen. In diesem Bereich werde künstliche Intelligenz eingesetzt, um menschliches Verhalten zu analysieren, beispielsweise zur Aufdeckung auffälliger Körperhaltung und Mimik, besonderer Nervosität, Gewaltbereitschaft oder um andere Anomalien im Verhalten einzelner Personen festzustellen. Ebenso könnten solche Technologien auf andere potenzielle Bedrohungssituationen hinweisen, etwa wenn ein Koffer am Flughafen allein stehengelassen werde.

Zwar könne moderne Technologie bei der Bedrohungsanalyse den Menschen nicht ersetzen, wohl aber entlasten und ergänzen, etwa bei der laufenden Lagebeobachtung. Eine optimale Nutzung der Hard- und Software verlange angemessene Ausbildung der Bediener, unter anderem für die Kommunikation und Koordination unter Mitgliedern von Sicherheitsteams. Deshalb gehörten Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, falls erforderlich, zum Leistungspaket israelischer Anbieter von Heimatschutztechnologien.

Zivilschutz innovativ

An sich ist Israel kein Land, das von besonders schweren Naturkatastrophen heimgesucht wird. Allerdings verfügt das Land über fundiertes Know-how und Ausrüstungen für den Notstand. Das ist großenteils dem Hinterland-Kommando der Armee zu verdanken, einer eigenständigen, im Kriegsfall für den Zivilschutz verantwortlichen Truppe. Sie wurde 1992 mit dem Status eines eigenen Wehrbezirks geschaffen, vereinigte viele bis dahin verstreute Zuständigkeiten in einer Hand und stützt sich auf moderne Technologie für eine Vielzahl von Notfällen. Deshalb werden israelische Zivilschutz-Einheiten bei Naturkatastrophen auch zur Hilfe in andere Länder entsandt.

Die große Bedeutung, die dem Zivilschutz beigemessen wird, hat der Entwicklung einheimischer Technologien für verschiedene Notstandszenarios wichtige Impulse gegeben, so etwa bei der Suche nach Verschütteten, nicht nur durch Kriegseinwirkung, sondern auch durch Erdbeben. Ein Beispiel für Bergungstechnologie sind die von der Firma Camero-Tech entwickelten Radarsysteme zum Durch-die-Wände-Schauen. Neben militärischen oder polizeilichen Operationen, etwa Geiselbefreiung, kann diese Technologie auch bei der Suche nach Erdbebenopfern oder bei Häusereinstürzen behilflich sein.

Israel ist ein wichtiger Entwicklungsstandort für Krisenmanagementsysteme. So etwa entwickelt die Firma Carbyne Systeme für Notrufzentralen, die eintreffende Notrufe analysieren, Lageeinschätzungen zur Dringlichkeitsstufe des jeweiligen Notfalls vornehmen sowie die Anrufer genau orten. Die Firma RT wiederum bietet schnell aufbaubare, auf Aerostaten basierte Beobachtungs- und Kommunikationssysteme an.

Auch im Bereich der Brandbekämpfung bieten israelische Firmen Lösungen an. Die Firma Suricatta Sensing und Monitoring hat Sensor-Arrays zur Prognose, Aufdeckung und Beobachtung von Bränden in offenen Gebieten entwickelt. Das Unternehmen Fighting Treetop Fire wiederum entwickelt Technologie zur Waldbrandbekämpfung durch Entlaubung von Bäumen durch Laserstrahlen. Die Entlaubung soll die Ausbreitung von Bränden über Baumkronen aufhalten und damit eine Isolierung des Brandherds bewirken.

Bei vielen Technologieanbietern im Bereich der inneren Sicherheit handelt es sich um Startups oder kleine Hersteller. Allerdings sind auch führende Akteure der Hightech-Industrie auf dem Gebiet innerer Sicherheit tätig. So etwa hat der Luft- und Raumfahrtkonzern Israel Aerospace Industries (IAI) ein Ortungssystem auf den Markt gebracht, das Signale zur Aktivierung von Mobiltelefonapparaten aussendet. Damit lassen sich beispielsweise vermisste Personen oder Verschüttete mit großer Präzision ausfindig machen und anhand ihrer Handynummer identifizieren.

Es kommen laufend neue Technologien hinzu, die auch zivile Verwendung finden können. So etwa hat Israel Technologie zur Aufdeckung von Tunneln entwickelt, die unter seiner Grenze zu Infiltrationszwecken gegraben wurden. Obwohl technische Details solcher Systeme der Geheimhaltung unterliegen, ist anzunehmen, dass die einschlägige Technologie auch andere Tunnel aufdecken kann, beispielsweise solche, die für Schmuggel oder für andere kriminelle Zwecke gegraben werden.

Israel ist auch ein wichtiger Importeur

Offizielle Zahlen zum Außenhandel mit Produkten und Dienstleistungen für die innere Sicherheit liegen nicht vor, und sei es in Ermangelung einer verbindlichen Definition. Nach Angaben des Exportinstituts aus dem Jahr 2016 hat im vorangegangenen Jahr, 2015, die israelische Ausfuhr 2015 in diesem Bereich rund 1,1 Milliarden US-Dollar (US$) betragen. Zu einer ähnlichen Schätzung kam im Sommer 2018 das US-amerikanische Handelsministerium.

Bei aller Bedeutung, die Israel als Lieferant hat, ist das Land auch für Importe von Produkten und Technologien der inneren Sicherheit offen. Laut der Schätzung des US-Handelsministeriums von 2018 belaufen sich die israelischen Einfuhren in diesem Bereich auf rund 1,2 Milliarden US$ pro Jahr. Dabei werden sowohl Komplettlösungen als auch Vorprodukte importiert.

Kontaktadresse

Institution Internetadresse Anmerkungen
Israel Export and International Cooperation Institute https://www.export.gov.il/en Öffentlich-private Einrichtung zur Exportförderung

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Signal-, Sicherheitstechnik (nicht Zugangs-Kontrolltechnik), Zugangs-Kontrolltechnik, Biometrie, etc.

Funktionen

Manfred Tilz Manfred Tilz | © GTAI

Kontakt

Manfred Tilz

‎+49 228 24 993 234

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche