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01.05.2019

Interesse an Abfallwirtschaftsprojekten in der Ukraine wächst

Investitionsbedingungen weiterhin schwierig / Von Fabian Nemitz

Kiew (GTAI) - Die ukrainische Abfallwirtschaft hat riesigen Nachholbedarf. Nach jahrelangem Stillstand scheint nun Bewegung in die Branche zu kommen. In mehreren Städten sind Projekte geplant.

Die moderne Abfallwirtschaft steckt in der Ukraine noch in den Kinderschuhen. Im Jahr 2016 landeten rund 94 Prozent des Haushaltsmülls unsortiert auf Deponien und wilden Müllhalden, schätzt die ukrainische Wettbewerbsbehörde AMKU. An dieser Zahl dürfte sich seither wenig geändert haben.

Allerdings rückt die Branche mehr und mehr in den Fokus von Regierung und Öffentlichkeit. Stein des Anstoßes war der Brand der Deponie Hrybowytschi bei Lwiw (Lemberg) im Mai 2016, der drei Feuerwehrmännern das Leben gekostet hat. Um die Situation zu verbessern, hat die ukrainische Regierung am 8. November 2017 eine "Nationale Abfallwirtschaftsstrategie in der Ukraine bis 2030" verabschiedet. Hierauf folgte am 20. Februar 2019 die Annahme eines "Nationalen Abfallwirtschaftsplans bis 2030", der unter anderem die Erstellung regionaler Pläne vorsieht. Ziel der Regierung ist es, die Gesetzgebung des Landes an EU-Standards anzupassen.

Internationale Geber unterstützen Projekte in Lwiw und Charkiw

Angesichts knapper öffentlicher Kassen ist die Ukraine bei der Modernisierung ihrer Abfallwirtschaft auf das Engagement ausländischer Geber und auf Investitionen privater Unternehmen angewiesen. Die Bedingungen für letztere sind bislang noch unzureichend. Hemmschuhe sind nicht nur die niedrigen Tarife und die - obwohl seit Anfang 2018 verpflichtend vorgeschrieben - weiterhin fehlende Mülltrennung. Auch Bürokratie und Mängel in der Gesetzgebung machen den Unternehmen zu schaffen.

Dennoch sind mehrere Projekte in Planung oder bereits in der Umsetzung. Mit Hilfe der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) fließen Investitionen in die Verbesserung der Abfallwirtschaft in Charkiw und Lwiw. Auch private Investoren wie Investment Capital Ukraine (ICU; https://www.icu.ua) wollen sich in der Branche engagieren.

Chinesischer Investor will in Abfallwirtschaft einsteigen

In der Branche aktiv werden könnte auch ein Unternehmen aus China. Laut der Wirtschaftszeitung delo.ua erwägt Tus Sunergy Company Limited, eine Tochter von TusHoldings (http://en.tusholdings.com), den Bau von zehn Müllverarbeitungswerken in der Ukraine. Den Anfang könnte eine 140 Millionen Euro teure Anlage in Bila Zerkwa (Gebiet Kiew) machen. Wie im November 2018 bekannt wurde, hat das Unternehmen hierzu ein Memorandum mit Silk Link, dem ukrainischen Interessenverband für die neue Seidenstraße (http://silklink.org), geschlossen.

Positiv auf die Tätigkeit von Unternehmen in der Abfallwirtschaft könnten sich die geplanten Gesetzesänderungen auswirken. So soll das Eigentum an Haushaltsmüll künftig an die Sammelunternehmen übergehen, ließ Wiktor Bilko, stellvertretender Leiter der Abteilung für technische Regulierung der staatlichen Agentur für Energieeffizienz (SAEE), verlauten.

Ausgewählte Projekte in der Abfallwirtschaft
Vorhaben Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Bau von Müllverarbeitungswerk in Kiew mit einer Kapazität von 430.000 t/Jahr Rund 60 Mio. Euro In Vorbereitung; geplanter Baubeginn: 2020; erste Ausschreibung ist im August/September 2018 erfolgt Internet: http://kks.kiev.ua
Bau von Sortier- und Kompostieranlagen in Lwiw mit einer Kapazität von 240.000 t/Jahr, Sanierung der Deponie Hrybowytschi 35 Mio. Euro In Vorbereitung; im Dezember 2018 Auswahl von Firmen für zweite Ausschreibungsrunde; geplante Umsetzung: 2019 bis 2021 Internet: http://www.zelenemisto.info; Finanzierung mit Geldern der EBWE, Clean Technology Fund und Eastern Europe Energy Efficiency and Environmental Partnership; Teilnehmer an zweiter Ausschreibungsrunde: Control Process (Polen), Eggersmann Anlagenbau, Helector (Griechenland), MUT-Dogusan (Österreich, Türkei), WTT-Axis (Niederlande, Litauen)
Bau von Müllverarbeitungswerk in Derhatschi (Gebiet Charkiw) mit einer Kapazität von 400.000 t/Jahr; Installation von Deponiegasanlagen 36 Mio. US$ In Umsetzung; geplante Fertigstellung bis Ende 2019 Internet: http://www.city.kharkov.ua (Stadtverwaltung Charkiw); Finanzierung mit Geldern der Weltbank im Rahmen des Second Urban Infrastructure Project
Bau von Müllverarbeitungswerk in Winnyzja 15 bis 20 Mio. Euro Unterzeichnung eines Memorandums zwischen der Stadtverwaltung und Domat Consulting im April 2019; Fertigstellung der Projektdokumentation bis Ende 2019 geplant; geplante Bauzeit: 2 bis 3 Jahre Internet: Stadtverwaltung Winnyzja (http://www.vmr.gov.ua); Domat Consulting (http://www.domatconsulting.pl)
Bau von Müllverarbeitungswerk in Schytomyr mit einer Kapazität von 82.000 t/Jahr 7 bis 10 Mio. Euro In Umsetzung; geplante Fertigstellung bis Ende 2019 Investor: Investment Capital Ukraine (ICU; https://www.icu.ua), Generalauftragnehmer: Tehnix (http://www.tehnix.hr); ICU erwägt Bau weiterer Anlagen in der Ukraine
Bau von Müllverarbeitungswerk in Chmelnyzkyj mit einer Kapazität von 100.000 t/Jahr Rund 20 Mio. US$ Vorstellung einer Machbarkeitsstudie im September 2018 Internet: https://khm.gov.ua (Stadtverwaltung Chmelnyzkyj)

Quellen: Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Ukraine sind unter http://www.gtai.de/ukraine abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ukraine Abfallentsorgung, Recycling, Deponie und Abfallaufbereitungsbau

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