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10.06.2019

Interesse an Afrikas Agrar- und Nahrungsmittelsektor weiterhin ungebrochen

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Palette der Projekte reicht von Solar-Aufdachanlagen über Tiefkühlgemüse bis hin zu Zuckermühlen und Brauereien

Bonn (GTAI) - Die Landwirtschaft als auch der Nahrungsmittelsektor erleben in Afrika einen breiten Aufschwung: Staaten, Geber und Unternehmen investieren in innovative und traditionelle Projekte.

Nordafrika

Ägypten

Die indische Einzelhandelskette LuLu Group will innerhalb von zwei Jahren vier neue Hypermärkte im Großraum Kairo errichten. Für die Filialen in New Cairo, der 6th of October City und Obour sind Investitionen von 500 Millionen US-Dollar (US$) vorgesehen.

Die Arab Organization for Industrialization des ägyptischen Militärs möchte laut einem Bericht von Al Shorouk ein großes Dattelpalmenprojekt umsetzen. In der Oase Kharga im Süden Ägyptens sollen gemeinsam mit einem malaysischen Partner 1,5 Millionen Medjoul-Dattelpalmen gepflanzt und die Datteln verarbeitet und verpackt werden.

Unilever Mashreq befindet sich weiter auf Expansionskurs. Im März 2019 berichteten die Daily News Egypt, dass Unilever den Ausbau der Produktionskapazitäten plane. Das Unternehmen stellt in Ägypten Nahrungsmittel, Tee und Körperpflegeprodukte her.

Der expandierende Nahrungsmittelhersteller Cairo 3A plant einen baldigen Börsengang, um unter anderem die Produktionskapazitäten auszubauen.

Ägyptens größter Snackhersteller Edita möchte 2019 insgesamt rund 23 Millionen Euro investieren. Neben der Expansion des Unternehmens in Marokko sollen auch neue Fertigungslinien für die inländischen Fabriken angeschafft werden.

Die International Food and Consumable Goods Company (IFCG) reagiert auf die steigende Nachfrage in Ägypten mit dem Bau einer neuen Fabrik für gefrorenes Gemüse. In das Projekt sollen etwa 18 Millionen Euro fließen. Der Baubeginn ist für 2020 geplant.

Edfina for Preserved Foods plant eine Modernisierung der Produktionsanlagen in Ägypten. Das Unternehmen erstellt dazu im 2. Quartal 2019 eine Planung gemeinsam mit der staatlichen Dachgesellschaft Holding Company for Food Industries und einem Beratungsunternehmen. Edfina verfügt über fünf Fabriken in den Gouvernoraten Alexandria und Damietta und exportiert auch nach Deutschland.

Der Käse- und Butterhersteller Port Said Food Industries and Dairy Products (Riyada Egypt) verfolgt einen dreijährigen Investitionsplan. Etwa elf Millionen Euro sollen in die Herstellung und Verpackung fließen.

Beyti Egypt plant als Teil eines dreijährigen Investitionsplans 2019 die Eröffnung von sieben neuen Fertigungsanlagen. In diese sollen insgesamt 12 Millionen US$ fließen.

EGCT for Agricultural Products plant 2019 die Anschaffung einer Anlage zum Gefrieren von Gemüse. Das Unternehmen will dafür knapp 8 Millionen Euro investieren. EGCT exportiert seine gesamte Produktion.

Nile Agricultural Industrial Company (AGA) erwartet weitere Steigerungen der Exporte. Darum will AGA 2019 zwei neue Produktionslinien in Betrieb nehmen. Eine soll zur Herstellung von gefrorenem Gemüse und eine andere zur Herstellung von Säften dienen. Beide Investitionen sollen insgesamt 3,5 Millionen US$ kosten.

Bell Foods for Herbs and Spices will 2019 in eine Anlage zur Säuberung von Kräutern, Saaten und Gewürzen in Ägypten investieren. Damit soll die Produktqualität so gesteigert werden, dass Bell mit Importware konkurrieren kann.

Green Egypt for Agricultural Investment (AGREEN) steigert seine Exporte von Zitrusfrüchten erfolgreich. Darum plant das Unternehmen in den kommenden beiden Jahren zwei neue Abpackstationen.

Um der hohen Nachfrage zu begegnen, will El Reyada for Rice Milling eine neue Produktionslinie zur Verarbeitung von Bohnen einrichten. Zudem sollen 10.000 Tonnen Silokapazitäten für Getreide in Ägypten neu geschaffen werden.

Der steigende Bedarf im In- und Ausland lässt Horreia Food Industries expandieren. Das Unternehmen möchte 2019 zwei neue Fertigungslinien in Ägypten anschaffen.

Alamal for Agricultural Crops plant 2019 die Eröffnung einer Gemüsefabrik mit einer Kapazität von 300 bis 400 Tonnen pro Tag. Diese will das Unternehmen für rund zwei Millionen Euro an der Cairo-Alexandria Agricultural Road errichten.

Senyorita for Food Industries möchte seine Fabriken aus Kostengründen von Alexandria nach Sadat City verlagern. Außerdem soll 2019 eine neue Anlage mit einer Tageskapazität von 2.500 Nahrungsmittelpackungen pro Tag eröffnet werden.

Wadi El Nile will 2019 eine Sortieranlage und Verpackungsstation an der Cairo-Alexandria Desert Road errichten. Dafür will der Exporteur landwirtschaftlicher Produkte rund eine Million Euro investieren.

Pasta and Juice setzt seinen Expansionskurs fort und möchte Ende 2019 eine weitere Produktionslinie in Ägypten mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen anschaffen. Das Unternehmen finanziert seine Investitionen selbst und plant perspektivisch noch die Modernisierung zweier bestehender Anlagen. Pasta and Juice setzt auf Mechanisierung und effiziente Produktionstechnik.

Egyptian Nile Food Industries Company wartete im Februar 2019 auf die Lizenz zum Bau einer Kartoffelfabrik. Das Unternehmen will rund 500.000 Euro in die Verarbeitung von 1.000 Tonnen Kartoffeln jährlich investieren.

EgyTree Company for Agricultural Products visiert 2019 eine Verdoppelung der Zitrusfrüchte- und Weintraubenexporte an und will sein Portfolio verbreitern. Dafür sollen auch die Lagerungs- und Gefrierkapazitäten von 1.000 auf 2.000 Liter ausgebaut werden.

Algerien

Die algerische Agrodiv plant die Wiedereröffnung der Produktionsanlage für Nährhefe in Guelma, die seit 2002 geschlossen ist. Grund für die Schließung waren damals veraltete Anlagen. Hefe wird zum Großteil importiert, weshalb die Regierung die lokale Produktion erhöhen will. Nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Bergbau befindet sich Agrodiv in Kontakt mit lokalen Entwicklern, um eine Studie über den Bedarf an Ausrüstung zu erstellen. Geplant ist die Wiedereröffnung demnach aber mit einem ausländischen Partner.

Deutsche Technik für algerisches Wasser: KHS gab bekannt, dass sich der algerische Getränkeproduzent SARL Nomade für Technik aus Dortmund entschieden hat. SARL steigert damit seine Produktionskapazität auf 81.000 Flaschen pro Stunde, aktuell liegt man bei 40.000. Die Nachfrage nach abgefülltem Wasser wächst nicht nur wegen des Bevölkerungswachstums, sondern weil Leitungswasser wegen seines relativ hohen Kalkgehalts zunehmend durch Wasser aus PET-Flaschen ersetzt wird.

Marokko

Best Biscuits Maroc, das zur Anwar Holding gehört, kündigte bis 2020 Investitionen von etwa 27 Millionen Euro an. Etwas mehr als ein Drittel davon sei bereits bis August 2018 in drei neue Produktionslinien für Biskuits und Schokoriegel geflossen. Für ein Viertel der Summe sollen bis Ende 2019 zwei weitere Linien entstehen. Bis Ende 2020 sollen in einer dritten Phase die übrigen Mittel in zusätzliche Kapazitäten fließen. Neben der Anschaffung von neuen Maschinen werde auch ein Logistikzentrum ausgerüstet. Die Investitionen sollen die Produktion verdoppeln, anvisiert werden verstärkt Exportmärkte in Afrika.

Die marokkanische Kapitalmarktregulierungsbehörde AMMC gab Centrale Danone grünes Licht für die Akquisition der Fromagerie de Doukkala. Centrale Danone verspricht sich davon Synergieeffekte und damit eine Kostensenkung. Marokkanische Verbraucher hatten im April 2018 einen Boykott gegen drei große Nahrungsmittelproduzenten, darunter Danone, gestartet, um gegen die Lebensmittelpreise zu protestieren. Der Rückgang in Marokko beeinträchtigte nach Konzernangaben auch das Gesamtergebnis, das 2018 mit knapp 3 Prozent geringer zulegte als erwartet.

Seit dem 4. Februar 2019 müssen Konserven und verpackte Getränke für den menschlichen oder tierischen Verbrauch in Marokko nicht mehr mit einem Produktionsdatum versehen werden. Es genügt das Haltbarkeitsdatum. Das gab das Office Nationale de Sécurité Sanitaire des Produits Alimentaire bekannt.

Tunesien

Der tunesische Obst- und Gemüseproduzent Mabrouka finanziert in Partnerschaft mit der Arabischen Landwirtschaftlichen Investitions- und Entwicklungspartnerschaft eine Fabrik zur Weiterverarbeitung von Früchten. In der Industriezone El Fejja (Gouvernorat Manouba) werden etwa 5,6 Millionen Euro investiert und 70 Arbeitsplätze entstehen. Aus den Früchten der Region sollen Säfte, Konserven, Konfitüre und andere Produkte für den Export hergestellt werden.

Die tunesische Regierung kündigte an, das Abkommen mit der Compagnie générale des Salines de Tunisie zum Salzabbau nicht zu verlängern. Das Abkommen besteht seit 1949 und sichert der Tochtergesellschaft der französischen Salines Gruppe 3.000 Hektar Salinen zu einem symbolischen Preis. Dies wurde von Vertretern der tunesischen Zivilgesellschaft und Politik wiederholt kritisiert. Die Konzession läuft noch bis 2029, nach Angaben der Regierung besteht weiterhin die Möglichkeit, den Abbau mit einer neuen Konzession darüber hinaus fortzusetzen. Gegner von Premierminister Chahed bezeichneten die Entscheidung als populistische Maßnahme, um im laufenden Präsidentschaftswahlkampf zu punkten.

Tunesische Milchproduzenten stehen wegen gestiegener Produktionskosten immer wieder vor Schwierigkeiten. Gründe sind höhere Löhne sowie höhere Energiekosten infolge der Abwertung des tunesischen Dinar. Ende 2018 stellte beispielsweise Elbene Industrie den Betrieb ein, 550 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Elbene hat Schulden von etwa 14 Millionen Euro. Im April 2019 verkündete das Industrieministerium, einen Rettungsplan für Elbene erarbeitet zu haben, Details waren noch nicht zu vernehmen. Die tunesische Jahresproduktion von Milch liegt bei etwa 1,4 Milliarden Litern. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2017 bei 110 Litern pro Jahr, weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Verbrauchs in der Europäischen Union.

West- und Zentralafrika

Nigeria

Die nigerianisch-europäische Industriegruppe TGI baut ihre Produktion aus. Die Tochtergesellschaft WACUBE errichtet unter dem Label Terra gerade eine Fabrik für Gewürzmischungen (Seasonings) und eine Fabrik für die Produktion von Sojaöl. Auch die Tochtergesellschaft Cormart, welche sich auf Industrie- und Haushaltschemikalien spezialisiert, investiert stark. Im Vordergrund stehen dabei Grundstoffe für Farben und Lacke, Klebstoffe, und Zusatzstoffe für Lebensmittel. Erst kürzlich verkaufte TGI seine Saftsparte Chi an Coca-Cola und möchte diese Einnahmen nun reinvestieren.

Die zur Heineken-Gruppe gehörende Nigerian Breweries betreibt ihre Brauerei in Ibadan in Kürze mit Solarstrom. Die 650-kW-Aufdachanlage wird von CrossBoundary Energy gebaut und betrieben. CrossBoundary verkauft den Strom dann an Nigerian Breweries.

Ghana

In Ghana installiert die niederländische Redavia für den internationalen Kakaoproduzenten Barry Callebaut eine Solar-Aufdachanlage. Barry Callebaut betreibt in der ghanaischen Hafenstadt Tema eine Kakaoverarbeitungsfabrik. Ghana ist nach Côte d'Ivoire der weltweit zweitgrößte Kakaoproduzent. Die Anlage wird eine Kapazität von 504 Kilowatt peak erhalten.

Benin

Seit dem Jahr 2016 ist die Baumwollproduktion in Benin um etwa das Dreifache angestiegen. Für 2018/19 werden 700.000 Tonnen angepeilt. Derzeit werden Investitionen getätigt, um die Verarbeitungskapazitäten weiter zu erhöhen - zum Beispiel mit dem Aufbau einer weiteren Entkörnungsanlage für Baumwolle. Ebenfalls soll die Produktion sowie die lokale Verarbeitung von Cashewnüssen gesteigert werden, die gegenwärtig überwiegend roh nach Indien exportiert werden. Für den lokalen Markt gewinnen Reis und Soja an Bedeutung.

Ostafrika

Äthiopien

Die äthiopische Habesha Breweries in Debre Berhan möchte ihre Produktionskapazität von 1,2 Millionen Hektoliter auf 4,5 Millionen Hektoliter erhöhen. Im Einzelnen sollen ein neues Brauhaus und neue Verwaltungsgebäude gebaut sowie neue Abfüllanlagen und zusätzliche "cylindrical conical fermentation and bright beer tanks" installiert werden. Geplant ist auch eine neue Abwasseraufbereitungsanlage. Die Gesamtkosten werden auf 131 Millionen US$ veranschlagt. Die Finanzierung kommt von der International Finance Corporation. Habesha Breweries gehören zu 60 Prozent der niederländischen Bavaria Overseas Breweries und zu 10 Prozent Linssen Investment. Die restlichen 30 Prozent werden von äthiopischen Anteilseignern gehalten.

Kenia

Schlachthäuser in den vier halbariden nördlichen Landkreisen Kenias, Garissa, Wajir, Isiolo und Mandera, sollen technisch aufgerüstet werden. Die Weltbank hat für diese Zwecke 8 Millionen US$ bewilligt. Dank moderner Technik und damit verbundenen Hygienestandards sollen auch Fleischexporte in Länder der Arabischen Halbinsel, namentlich Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten, möglich sein. Der Export soll über die Regionalflughäfen Wajir und Isiolo erfolgen, deren Infrastruktur zuvor entsprechend aufgewertet werden muss.

Nach den Vorstellungen von Harry Kimutai, kenianischem Staatssekretär für Viehzucht, soll der staatliche Schlachthofbetreiber, die Kenya Meat Commission, so schnell wie möglich privatisiert werden, damit drängende Modernisierungs- und Erweiterungsinvestitionen realisiert werden können. Die Kenya Meat Commission ist nach eigener Einschätzung der größte und modernste Exportschlachthof in Ost- und Zentralafrika mit Abnehmern auf der Arabischen Halbinsel, in Ostafrika (vornehmlich Uganda und Tansania), in Zentralafrika (insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo) sowie in Ägypten und Sudan.

Kimutai will kurzfristig eine Task Force einberufen, die Pläne für eine Privatisierung erarbeiten soll. Nach Ansicht von Beobachtern mag die Kenya Meat Commission im Regionalvergleich funktionstüchtig sein, hinkt im internationalen Vergleich aber deutlich hinterher. Das Unternehmen arbeitet zudem defizitär und hängt seit Jahren am Tropf des Staates, der wegen eigener Finanzprobleme das benötigte Geld nicht mehr bereitstellen kann.

Schon seit Langem will Kenia seine fünf staatlichen Zuckermühlen privatisieren. Ein Berater soll die Mühlen bewerten und bis Mitte Juli 2019 an risikobereite Käufer veräußern. An Interessenten fehle es nicht, sagt der Chef des staatlichen Privatisierungsausschusses, Joseph Koskey. Die Gouverneure der betroffenen Countys haben Presseberichten zufolge ihren Widerstand gegenüber einer Privatisierung aufgegeben. Private Investoren sollen 51 Prozent der Mühlenanteile erhalten sowie Farmer und Mühlenangestellte 24 Prozent. Wenn die Mühlen eines Tages in der Gewinnzone sind, sollen die restlichen 25 Prozent öffentlich zum Kauf angeboten werden.

Doch zuerst müsste kräftig in entsprechende Technik investiert werden, bevor die Mühlen eine Chance auf Profit haben. Auch die Anbaumethoden müssten auf neues Saatgut, wirksame Düngemittel und zeitgemäße Erntetechnik umgestellt werden. Beobachter sind skeptisch, denn das Thema ist politisch aufgeladen: So seien die Farmer nicht gefragt worden und die Mühlen seien zu unproduktiv.

Das kenianische Landwirtschaftsministerium plant die Einführung von Preisobergrenzen für 23 Grundnahrungsmitteln, darunter Mais, Bohnen und Reis, um so die Verbraucherpreise niedrig zu halten. Gleichzeitig sollen die Regeln für die Verarbeitung von Nahrungsmitteln, ihre Vermarktung sowie einschlägige Im- und Exporte deutlich verschärft werden. Kenia kontrolliert bislang die Preise von Treibstoffen und Kreditzinsen.

Während sich Verbraucher über die neue Gesetzgebung kurzfristig freuen dürften, sind die langfristigen Auswirkungen eher konsumentenunfreundlich: Farmer werden versuchen, auf Feldfrüchte umzustellen, die preislich nicht reglementiert sind. Nahrungsmittel-Verarbeiter werden sich bei Erweiterungsinvestitionen zweifellos zurückhaltender verhalten.

Kenias Staatspräsident Uhuru Kenyatta hat den Kaffeebauern seines Landes Vorzugskredite für die Wiederbelebung des Kaffeeanbaus versprochen. Ab Juli 2019 sollen umgerechnet 30 Millionen US$ zu einem Zinssatz von 3 Prozent bereit stehen. Die kenianische Kaffeeernte ist seit Jahrzehnten auf Talfahrt. Wurden 1988 noch 130.000 Tonnen geerntet, so waren es 1988 nur noch 45.000 Tonnen.

Das Problem: Von den Spitzenpreisen, die kenianischer Kaffee international erzielt, sehen die Farmer fast nichts und stellen deshalb auf lukrativere Früchte wie Avocados und Macadamia-Nüsse um. Im Einzugsgebiet von Nairobi fallen zudem Kaffeeplantagen Immobilienprojekten zum Opfer. Kenia konnte 2018 dank guten Wetters seine Kaffeeernte zwar um 3,2 Prozent steigern, doch Uganda schaffte ein Plus von 36 Prozent, Ruanda 18 Prozent und Äthiopien 16 Prozent. Dabei holen die Nachbarn nicht nur mengenmäßig sondern auch qualitativ auf.

Tansania

Tansania sucht Investoren für eine Speiseölproduktion. Die Hauptmarktteilnehmer sind bislang die Unternehmen Bidco Oil & Soap Ltd., Murzah Oil Mills und Alaska Tanzania Industries, die den Jahresbedarf von 500.000 Tonnen Speiseöl aber nur zu 36 Prozent decken können. Das Defizit muss importiert werden. Tansania produziert vor allem Speiseöle aus Sonnenblumen. Importiert werden Palmöl, Erdnuss- und Sesamöl sowie Soja- und Baumwollsamenöl.

Wie kein anderes Land Ostafrikas verfügt Tansania über riesige ungenutzte landwirtschaftliche Flächen und ausreichende Wasserquellen. Durch eine Verteuerung der Speiseölimporte durch höhere Zölle will die Regierung vor allem lokale Farmer und Unternehmer zu einer Produktionsausweitung ermuntern. Auch ausländische Investitionen sind in der Regel willkommen. Doch gilt die tansanische Politik als wenig berechenbar, was zu einer mangelhaften Rechtssicherheit führt.

Tansanias starker Mann, Staatspräsident John Magufuli, hat angeordnet, alle Betriebe, die auf die Verarbeitung von Cashewnüssen ausgelegt sind, zu inspizieren. Stillstehende Anlagen sollen beschlagnahmt und in das Eigentum der Regierung überführt werden. Wer mit der Beschlagnahmung nicht einverstanden sei, solle den Staat für entgangene "Einnahmeverluste" durch nicht erbrachte Exporte und fehlende Steuereinnahmen "mit Zinseszins" entschädigen.

Tansania verfügt derzeit über 23 Betriebe für die Verarbeitung von Cashewnüssen, von denen schätzungsweise 15 aus verschiedenen Gründen die Verarbeitung eingestellt haben, darunter Agro Focus (Standort: Newala), Bucco Investment (Lindi), Lindi Farmers' Company (Nachingwea) und Mohammed Enterprises.

Dem Vernehmen nach will Tansania mit der Direktive die Betriebe zuerst einmal bewegen, möglichst schnell die Verarbeitung wieder aufzunehmen oder zumindest die dafür notwendigen Schritte einzuleiten. Offen bleibt derweil, was mit den enteigneten Betrieben passieren soll und wer für die Instandsetzung zahlt.

Südliches Afrika

Südafrika

Anfang April 2019 haben die Geschäftsführer des Einzelhandelsunternehmens Woolworth South Africa und des Nahrungsmittelverarbeiters In2food bei Johannesburg einen 22.700 Quadratmeter großen Komplex für die Verarbeitung von Frischware eröffnet. Die Großanlage namens Bonaero befindet sich in der beim internationalen Flughafen gelegenen OR Tambo Special Economic Zone. Die Baukosten betrugen umgerechnet rund 25 Millionen Euro. Der südafrikanische Staat hat sich im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit rund 23 Prozent an dem Projekt beteiligt. Der Komplex beherbergt das weltweit zweitgrößte CO2-Kühlanlage. Bonaero produziert unter anderem täglich 160.000 Pfannkuchen, 32.000 Liter Suppe, 16.000 Kilogramm Nudeln und 6.400 Kilogramm Dips und bereitet 45.000 kg Salat und Gemüse zu.

Der südafrikanische Getränkehersteller Distell will sowohl nach China als auch nach Lateinamerika expandieren, so eine Pressemeldung vom März 2019. Dennoch bleibt der afrikanische Kontinent wichtigster Markt des Produzenten von Wein, Spirituosen und Most. In Afrika will Distell zum wichtigsten Anbieter für Alkoholika avancieren. Dies soll mit einem breit angelegten Modernisierungsprogramm bis 2021 erreicht werden. Der Hersteller der Marken Hunters und Savanna hat sich mittlerweile in einen chinesischen Vertrieb für Liköre eingekauft und einen Vertrag mit einem Cognac-Hersteller in China geschlossen. Im Rahmen der internationalen Expansionsstrategie hat Distell den schottischen Whisky-Erzeuger Burn Stewart erworben.

Der südafrikanische Nahrungsmittelproduzent Libstar konnte 2018 die Einnahmen um 12,5 Prozent auf 684 Millionen US$ steigern. Hauptgrund für das gute Ergebnis seien laut eigener Angaben die Bemühungen, bei einem schwachen Marktumfeld neue Artikel auf den Markt zu bringen. Bis Ende 2018 hat Libstar 378 neue Nahrungsmittelprodukte vermarkten können. Das an der Johannesburger Börse gelistete Unternehmen liefert unter anderem Hühner- und Rindfleisch an Fastfood-Ketten und produziert eine breite Palette von verpackten Nahrungsmitteln für die Einzelhandelsunternehmen Shoprite, Woolworths, Spar und Pick n Pay.

In Südafrika hat der Industrieverband Plastics SA Ende April 2019 alle wichtigen Akteure der Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie dazu eingeladen, gemeinsam praktikable Lösungen zur Reduzierung und Vermeidung von Kunststoffmüll zu finden. Laut Plastics SA müssen die südafrikanischen Unternehmen einen Plan entwickeln, der mit internationalen Initiativen in Einklang steht und gleichzeitig innovative Lösungen anbietet, die den ökologischen Bedingungen und der sozial-ökonomischen Realität Südafrikas entsprechen.

Ende Februar 2019 hat der südafrikanische Finanzminister Tito Mboweni eine weitere Erhöhung der Zuckersteuer angekündigt und dies, obwohl die Zuckerindustrie im Land in Schwierigkeiten ist. Die Steuer werde um mehr als 5 Prozent auf 2,21 Rand-Cent pro Gramm Zucker pro 100 Milliliter (umgerechnet rund 0,14 Euro-Cent) steigen, wobei die ersten 4 Gramm Zucker noch von der Besteuerung befreit seien. Die Zuckersteuer auf Getränke, bekannt als Health Promotion Levy (HPL), wurde 2018 eingeführt, um den Konsum von zuckerhaltigen Getränken zu reduzieren. Laut Cane Growers Association habe die Zuckersteuer die lokale Nachfrage um 200.000 Tonnen gesenkt, was in der Folge mehr als 6.000 Arbeitsplätze gefährde. Weltweit zählen die Südafrikaner zu den größten Konsumenten zuckerhaltiger Getränke.

Angola

Die Bioenergy Company of Angola (Biocom) wird 2019 aus der Provinz Malanje mindestens 1.500 Kubikmeter verflüssigtes Ethanol als Biokraftstoff an europäische Hersteller und Vertreiber von Ethanol und Biokraftstoffen exportieren. Im Jahr 2018 hat Biocom auf 24.090 Hektar Zuckerrohr angebaut und 17.000 Kubikmeter Ethanol produziert. Das Unternehmen beschäftigt 2.500 Menschen und deckt rund ein Viertel des in Angola konsumierten Zuckers ab.

Die in Angola tätige Nahrungsmittel-Gruppe Webcor hat Ende 2018 das Molkereiunternehmen Lactiangol für 30 Millionen US$ erworben. Mit dem Kauf von Lactiangol stärkt das 1978 in der Demokratischen Republik Kongo gegründete Unternehmen seine Präsenz in der Nahrungsmittelverarbeitung. Der Geschäftsplan für 2019 sieht die Erhöhung der Erzeugungskapazitäten bei allen möglichen Milchprodukten vor, so der Geschäftsführer von Webcor, Wissam Nesr. Hierunter fallen H-Milch, Kakao, natürlicher und aromatisierter fester Joghurt, flüssiger Joghurt, pasteurisierte Butter, Säfte, Eiscreme, Kondensmilch, Käse und Milchdesserts. Das Unternehmen plant, den lokalen Anteil der an Lactiangol gelieferten Milch zu erhöhen. Dieser liegt gegenwärtig bei 7 Prozent des Bedarfs.

Die italienische Regierung unterstützt den Aufbau einer Nahrungsmittelverarbeitung in Angola. Während des Besuchs des italienischen Präsidenten im Februar 2019 haben die mehrheitlich vom italienischen Staat gehaltene Investmentbank CDA und das angolanische Ministerium für Finanzen vereinbart, Entwicklungskredite von rund 300 Millionen US$ vergeben zu wollen. Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit seien vor allem Projekte im Agrarsektor und in der Nahrungsmittelindustrie, so Pressemeldungen. Im Zusammenhang damit stehen Aussagen von Vertretern von Cremonini, einer italienischen Unternehmensgruppe der Fleischindustrie. Diese will beim Aufbau eines nationalen Industriezentrums für die Verarbeitung angolanischer Agrarprodukte unterstützen. Entstehen soll das Zentrum in der Kilamba City, einer Vorstadt der Hauptstadt Luanda. Zu den Erzeugnissen, die im Land verarbeitet werden können, gehören Fleisch, Fisch, Getreide, Mehl, Öl, Obst und Gemüse.

Sambia

Zambian Breweries wird sich in Zukunft auf die Bierherstellung konzentrieren. Das Unternehmen hat Ende 2018 den Verkauf der Flaschenabfüllung für Coca-Cola an Coca-Cola Beverages Africa (CCBA) angekündigt. Die Transaktion ist Teil einer größeren Umstrukturierung in Afrika, die 2016 im Zuge der Übernahme des in Südafrika ansässigen Mutterunternehmens SABMiller durch AB-InBev (Anheuser-Bush) erfolgt ist. Das Unternehmen braut beziehungsweise vertreibt Biere der Marken Mosi Lager, Castle, Carling Black Label, Eagle, Stella Artois und Budweiser.

Simbabwe

Trotz schwieriger Wirtschaftslage in Simbabwe will das Molkereiunternehmen Dendairy seine Produktion erweitern, so eine Ankündigung des Unternehmens im Februar 2019. Dabei sollen anstatt der bislang 4,6 Millionen Liter rund 8 Millionen Liter Milch verarbeitet werden. Zu den geplanten Investitionen gehören die Modernisierung der Anlagen für die Sterilisierung sowie die Erweiterung der Kälte- und Inkubationsräume. Der Aufbau neuer Verpackungslinien sei im Gange, so der Geschäftsführer Darryl Archibald. Angesichts einer derzeit heftigen Wirtschaftskrise sind in Simbabwe angekündigte Investitionen mit Unsicherheiten behaftet.

Lesotho

Basotho Meat Enterprise plant die Errichtung einer industriellen Fleischverarbeitung in Lesotho. Dies wäre die erste ihrer Art in dem kleinen Königreich. Meraka - der einzige Schlachtbetrieb in Lesotho - ist mit 35 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt. Ein südafrikanischer Investor hält ebenfalls 35 Prozent. Hinzu kommt eine Beteiligung von 10 Prozent vonseiten des Fleischverbandes Meat Trades Association; weitere 20 Prozent stehen zum Verkauf an.

Stand: 30. April 2019

(FN; OI; JPS; CE; MB)

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Ägypten, Algerien, Marokko, Tunesien, Nigeria, Benin, Ghana, Äthiopien, Kenia, Tansania, Südafrika, Simbabwe, Angola, Sambia, Lesotho, Afrika Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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