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20.09.2019

Internationale Firmen verlagern Business Services nach Polen

Verstärkt qualifizierte Mitarbeiter gefragt / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Ausländische Unternehmen nutzen zunehmend Business Services in Polen, um Kosten zu sparen. Dabei werden die dort erbrachten Dienstleistungen immer komplexer.

Die Bedeutung Polens als Standort für unternehmensnahe Dienstleistungen wächst. Gerade auch internationale Unternehmen lagern zunehmend Aufgaben in den Business Services Sector (BSS) aus. Die Association of Business Service Leaders (ABSL) geht davon aus, dass diese Sparte im 1. Quartal 2020 bereits 336.000 Beschäftigte in Polen zählen wird. Derzeit gibt es im Land rund 1.400 Zentren, die sich meist in modernen Bürogebäuden in Großstädten befinden.

Allein von Ende März 2018 bis Ende März 2019 erhöhte sich die gesamte Beschäftigung in BSS-Zentren um rund 28.000 auf 307.000 Personen. Zu diesem Sektor zählen in Polen inzwischen über 900 Firmen, die zum Teil mehrere Zentren betreiben. Dabei handelt es sich zu 70 Prozent um ausländische Investoren.

Anzahl der Beschäftigten in Business-Services-Zentren in Polen (in 1.000, jeweils am Ende des 1. Quartals)
2016 2017 2018 2019 2020 *)
214 246 279 307 336

*) Prognose

Quelle: Association of Business Services Leaders (ABSL)

Der BSS umfasst ein breites Spektrum an vielfältigen Aufgaben. Dazu zählen Business Process Outsourcing (BPO), Shared Service Centers (SSC), Dienstleistungen im Bereich Informationstechnologie (IT) sowie Forschung und Entwicklung (F&E). Die dort beschäftigten Mitarbeiter müssen dementsprechend hohe Qualifikationen vorweisen, von Buchhaltung und Personal-Management über fachspezifische Forschung bis hin zur Softwareentwicklung.

Das Lohnniveau steigt

Eine von der ABSL durchgeführte Umfrage unter 200 Firmen des BSS mit insgesamt 155.000 Beschäftigten bestätigt den wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Spezialisten. Diese stellen demnach etwa die Hälfte der Belegschaft. Hochentwickelte und viel Know how erfordernde Tätigkeiten machen bereits etwa 60 Prozent aller Prozesse in den Zentren aus. In F&E- und IT-Zentren liegt dieser Anteil sogar bei 70 Prozent. Polnische Berater der ABSL reisen auch zu Firmen ins Ausland, um sie von den Vorteilen einer Auslagerung und stärkeren Automatisierung ihrer Finanz- und Personalabteilungen zu überzeugen.

Mit der höheren Qualifikation der Beschäftigten steigt auch das Gehaltsniveau. Laut dem Vorsitzenden der ABSL, Piotr Dziwok, beträgt das Durchschnittsgehalt von Spezialisten monatlich 1.844 Euro brutto. Gleichzeitig stellt sein Stellvertreter, Wojciech Poplawski, fest, dass einzelne Spezialisten immer häufiger auch über 2.300 Euro monatlich verdienen. Geringqualifizierte machen nur noch ein Drittel der Belegschaft in den Zentren aus. Hinzu kommen noch Manager und Führungskräfte.

Rund 85 Prozent der von der ABSL im Jahr 2019 befragten Firmen planen Neueinstellungen, 87 Prozent der BSS-Zentren wollen bis 2020 das Tätigkeitsfeld um neue Prozesse oder Märkte erweitern. Noch dominieren westeuropäische Investoren, doch kamen in jüngerer Zeit Firmen aus mittel- und osteuropäischen Ländern hinzu. Die in Polen tätigen BSS-Zentren bedienen Kunden in 38 Sprachen. Somit wird auch ihre Belegschaft immer internationaler. In den von der ABSL untersuchten Firmen machen Arbeitskräfte aus der Ukraine, Italien und Spanien zusammen bereits 14 Prozent der Belegschaft aus.

Krakau ist der wichtigste Standort

Die gesuchten Fachkräfte sind nicht nur in den wichtigsten Metropolregionen ansässig, sondern auch in anderen Landesteilen. So befinden sich BSS-Zentren in rund 50 polnischen Städten, darunter in kleineren Städten wie Tarnow, Konin, Koszalin (Kößlin), Zielona Gora (Grünberg), Lublin, Bydgoszcz (Bromberg), Opole (Oppeln) oder Rzeszow. Dort sind das Lohnniveau und die Büromieten niedriger als in den Großstädten. Relativ gute Voraussetzungen für solche Zentren sieht die ABSL auch in Plock (Plozk), Walbrzych (Waldenburg) und Pila (Schneidemühl).

Die drei wichtigsten Standorte für BSS-Zentren bleiben jedoch Krakow (Krakau), Warschau und Wroclaw (Breslau). Sie bieten die meisten neuen Arbeitsplätze, darunter vor allem für hochbezahlte Spezialisten und Manager. Etwa 70 Prozent der in den vergangenen beiden Jahren geschaffenen Arbeitsplätze entstanden laut Poplawski durch die Erweiterung bereits bestehender Zentren. Den drei führenden Städten gelingt es auch, die meisten Investoren anzulocken. Es werden weitere moderne Bürohäuser gebaut, allen voran in der Hauptstadt, in denen Betreiber von BSS-Zentren Flächen mit der erforderlichen technischen Ausstattung anmieten können.

Über die Hälfte (57 Prozent) der insgesamt 307.000 Beschäftigten in solchen Zentren waren im 1. Quartal 2019 in Krakow, Warschau oder Wroclaw tätig. Dynamisch entwickelten sich auch im Vergleich zum 1. Quartal 2018 die nächstwichtigen Standorte, die oberschlesische Agglomeration um Katowice (Kattowitz), die Dreistadt Gdansk-Sopot-Gdynia (Danzig-Zoppot-Gdingen) und Lodz (Lodsch).

Die wichtigsten Standorte für Business Services nach Anzahl der Beschäftigten (jeweils am Ende des 1. Quartals)
2018 2019
Krakow (Krakau) 64.000 70.000
Warschau 51.300 56.300
Wroclaw (Breslau) 45.100 47.500
Gdansk-Sopot-Gdynia (Danzig-Zoppot-Gdingen) 23.100 25.500
Katowice (Kattowitz) 20.900 23.700
Lodz (Lodsch) 20.500 23.200
Poznan (Posen) 15.000 16.800

Quelle: Association of Business Services Leaders (ABSL)

Die Anzahl der BSS-Zentren stieg in Krakow von Ende März 2018 bis Ende März 2019 um 13 auf 217. Sie sind im Durchschnitt größer als die in Warschau, wo im selben Zeitraum 15 Einheiten hinzukamen, sodass hier die Gesamtzahl auf 238 zunahm. In der Hauptstadt investierten unter anderem Goldman Sachs, JP Morgan und Standard Chartered in BSS-Zentren.

Capgemini ist der größte Betreiber

Zu den wichtigsten internationalen Betreibern von BSS-Zentren in Polen zählen Capgemini und Sii, die ein ganzes Netz von BSS-Zentren an mehreren Standorten aufgebaut haben. IBM belegt den zweiten Platz auf der Rangliste hinsichtlich der Beschäftigtenzahl. Zu den zehn führenden Betreibern von BSS-Zentren zählen auch die beiden inländischen IT-Unternehmen Comarch und Grupa Assecco. Weitere bedeutende inländische Firmen auf diesem Gebiet sind Grupa OEX, Arteria, IT Kontrakt, Future Processing oder Billennium.

Trotz der positiven Entwicklungen trüben sich die Aussichten für den BSS in Polen etwas ein. Denn zum einen macht sich eine allmähliche Sättigung des Marktes bemerkbar. Zum anderen büßt das Land aufgrund der steigenden Kosten an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern ein. Deshalb fiel Polen im Global Services Location Index 2019 von AT Kearney im internationalen Vergleich auf Platz 24 zurück, nachdem es 2018 noch den zwölften Rang belegt hatte. Im Ranking Tholons 100 Super Cities fiel Krakow auf Platz elf (2018: sechs), Warschau auf Platz 22 (21) und Wroclaw auf Platz 92 (52).

Kontaktadresse

Association of Business Service Leaders (ABSL) https://absl.pl

Weiter Informationen zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Business Process Outsourcing, Shared Service Center, Consultancy

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Fabian Möpert

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