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13.02.2017

Investitionen im US-Telekomsektor wachsen stabil

Datenaufkommen steigt rasant / Umfassende Ausgaben für neue Datenzentren / Von Christian Janetzke

San Francisco (GTAI) - In den USA stehen umfangreiche Investitionen in die Telekominfrastruktur an, um mit den anziehenden Datenmengen Schritt zu halten. Der Trend zum Cloud Computing setzt sich fort und zieht umfangreiche Ausgaben in Rechenzentren nach sich. Nicht zuletzt im Zuge der wachsenden Zahl vernetzter, intelligenter Geräte gewinnt die Internetsicherheit an Bedeutung. Die Investitionen in die "Cybersecurity" dürften in den kommenden Jahren deutlich zulegen. (Internetadressen)

Nach Prognosen der Telecommunications Industry Association (TIA) werden die Investitionen in Ausrüstungen, Dienstleistungen und Infrastruktur im Bereich Telekommunikation 2017 um 5,2% auf 1.609 Mrd. US$ wachsen. Bis 2020 erwartet der Verband jährliche Wachstumsraten um die 5%-Marke.

Entscheidende Impulse sollen von dem weiterhin anziehenden Datenaufkommen ausgehen. Das zunehmende Video-Streaming, der Trend zum Cloud Computing sowie die stärkere Nutzung des Mobilfunkstandards der vierten Generation tragen dazu bei. Laut Prognosen des Telekomausrüstungsherstellers Ericsson wird der durchschnittliche monatliche Datenverkehr pro Smartphone in Nordamerika zwischen 2016 und 2022 von 5,1 Gigabyte (GB) auf 25,0 GB anziehen.

Erweiterung und Modernisierung der Infrastruktur

Umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur sind deshalb notwendig. Vor allem die Ausgaben für die drahtlose Telekominfrastruktur sollen laut der TIA in den kommenden Jahren kräftig zulegen.

Die Investitionen in die Hauptnetzwerkinfrastruktur werden laut dem Branchenverband 2017 um 5,1% (auf 35,8 Mrd. US$) steigen, die Länge der verlegten Singlemode-Glasfaser um 1,2%. Bei festnetzbasierten Breitbandverbindungen sei in den meisten Großstadtregionen in den kommenden Jahren kein Wachstum zu erwarten. Konsumenten gehen eher dazu über, komplett auf mobile Breitbandzugänge zu setzen. In ländlichen Regionen hingegen besteht noch Potenzial. Laut der TIA haben rund 40% der Bevölkerung in ländlichen Regionen keinen Zugang zu einer festen Breibandverbindung von mindestens 25 Megabit pro Sekunde (Mbps, download).

Seitens der Netzbetreiber stehen umfangreiche Ausgaben für die kosteneffiziente Optimierung der Netzwerkinfrastruktur an. Kleine Funkzellen rücken in den Fokus, um die Netze in Regionen mit einem hohem Datenaufkommen zu verdichten, berichtet Craig Wiggington, US-Telekommunikationsexperte bei der Beratungsgesellschaft Deloitte. Der US-Mobilfunkanbieter Sprint beispielsweise erweiterte 2016 sein Netz um zehntausende kleine Funkzellen.

Verteilte Antennenanlagen sind laut Wiggington zunehmend gefragt, um in Gebäuden mit viel drahtlosem Datenaufkommen (Stadien, Krankenhäusern usw.) die Verbindungsgeschwindigkeiten hoch zu halten.

"Internet of Things" (Iot) bedingt viele Trends im Sektor

Die verstärkte Umsetzung des "Internets der Dinge" dürfte in zahlreichen Telekomsparten eine rasante Dynamik entfachen. Laut TIA-Prognosen wird die Anzahl vernetzter, intelligenter Geräte in den USA zwischen 2015 und 2020 von 170 Mio. auf 560 Mio. Einheiten steigen. Die "Machine to Machine" (M2M)-Kommunikation soll nicht zuletzt aufgrund der in den letzten Jahren stark gesunkenen Sensorpreise expandieren.

Auf dem Konsumentenmarkt dürfte die Nachfrage nach IoT-basierten Telekomdiensten anziehen, beispielsweise im "Smart Home"-Segment. Dafür sorgt voraussichtlich auch das hohe Wachstum bei Wearables wie Smart Watches und Aktivitäts-Trackern, so Wiggington.

Laut dem Marktexperten werden IoT-basierte Technologien auch im öffentlichen Sektor und seitens privater Unternehmen mehr gefragt sein. Wachstumsimpulse sind laut Wiggington beispielsweise im Fuhrparkmanagement sowie durch die Umsetzung von "Smart Cities"-Konzepten zu erwarten, so durch intelligente Kamera-Überwachungssysteme und Straßenbeleuchtungen.

Hohe Dynamik bei "Cloud Computing"

Eine kräftig steigende Nachfrage seitens Privathaushalten und Unternehmen ist nach Technologien und Geschäftsmodellen zu verzeichnen, die IT-Ressourcen dynamisch zur Verfügung stellen. In Folge des Trends zum "Cloud Computing" und der rasant wachsenden Datenmengen werden Rechenzentren neu gebaut beziehungsweise erweitert oder modernisiert. Zwischen 2016 und 2020 werden laut der TIA entsprechende Ausgaben im Schnitt um 7,1% pro Jahr auf 36 Mrd. US$ wachsen.

Durch den Trend zur "Cloud" brauchen die Firmen auch deutlich mehr leistungsstarke Ethernetverbindungen. Gemäß der TIA bietet das Ethernet kosteneffiziente Lösungen für Organisationen mit mehreren Standorten und hohen Übertragungsraten. Die Ausgaben für Ethernetdienste seitens Unternehmen sollen nach Angaben des Branchenverbands 2017 um 23,2% auf 10,1 Mrd. US$ anziehen.

Cybersecurity gewinnt rasant an Relevanz

Im Zuge steigender Vernetzung von Geräten und zunehmender Hackerangriffe auf staatliche Institutionen, Unternehmen sowie Privathaushalte gewinnt "Cybersecurity" an Stellenwert. Laut dem Ponemon Institute kostete Internetkriminalität 2015 in den USA 58 untersuchte private Unternehmen sowie Institutionen des öffentlichen Sektors im Durchschnitt 15 Mio. US$, 19% mehr als im Vorjahr.

Laut TIA werden die Ausgaben in die Internetsicherheit von staatlicher Seite sowie von Privatunternehmen 2017 insgesamt um 9,3% auf 56,2 Mrd. US$ wachsen. Die Trump-Regierung kündigte Anfang 2017 umfangreiche Investitionen in die "Cybersecurity"-Infrastruktur im öffentlichen Sektor an. Eine detaillierte Strategie soll in den kommenden Monaten dargelegt werden. Im Fiskaljahr 2016 betrugen die staatlichen Ausgaben in dem Bereich laut Budgetplan rund 14 Mrd. US$.

Branchenunternehmen bereiten sich auf Einführung von "5G" vor

Bedeutende Veränderungen im Telekomsektor sind in einigen Jahren durch "5G"-Mobilfunknetze zu erwarten. Zahlreiche Netzbetreiber dürften ihre diesbezüglichen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten 2017 rasant vorantreiben, so Wiggington. Die 5G-Datenraten sollen bis zu 100mal höher und die Latenzzeiten (Verzögerungen) signifikant niedriger sein als beim Mobilfunkstandard der vierten Generation. Der US-Telekommunikationsriese AT&T kündigte im Januar 2017 an, im Laufe des Jahres mobile 5G-Testverbindungen in Austin (Texas) und Indianapolis (Indiana) anzubieten.

Die Netzbetreiber müssen für die Implementierung des Standards viel investieren. Dies ist für die Branchenunternehmen laut Wiggington allerdings mittelfristig aufgrund der weiter anziehenden Datenmengen alternativlos. Um das Jahr 2020 dürfte laut dem Marktexperten der 5G-Mobilfunkstandard in den USA auf dem Massenmarkt etabliert sein.

Internetadressen

Telecommunications Industry Association

Internet: http://www.tiaonline.org

Mobilfunkbetreiberverband GSMA

Internet: http://www.gsma.com

National Telecommunications & Information Administration

Internet: http://www.ntia.doc.gov

Marktausblick von Deloitte

Internet: www2.deloitte.com/us/en/pages/technology-media-and-telecommunications/articles/telecommunications-industry-outlook.html

Studie zu Nutzungsgewohnheiten von Mobilfunkangeboten seitens US-Konsumenten von Deloitte

Internet: www2.deloitte.com/us/en/pages/technology-media-and-telecommunications/articles/global-mobile-consumer-survey-us-edition.html

Cybersecurity Ventures (Quartalsberichte zum Cybersecurity-Markt)

Internet: http://www.cybersecurityventures.com

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Internet: http://www.ahk-usa.com

(CJ)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

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