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29.11.2018

Investitionsschub in Russlands Gesundheitssektor

Bedarf an moderner Ausrüstung wächst / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Die Anbieter von Medizintechnik profitieren von den steigenden öffentlichen Ausgaben für das Gesundheitssystem. Deutsche Hersteller bauen ihre Präsenz in Russland aus.

Russlands Bürger sollen länger und gesünder leben. Die Regierung will im Rahmen des nationalen Programms "Gesundheitsfürsorge" die Sterberaten bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen um ein Drittel und bei Krebsleiden um 10 Prozent senken. Allein zur Krebsbekämpfung fließen in den nächsten drei Jahren mehr als 4 Milliarden Euro in den Bau und die Ausstattung von medizinischen Einrichtungen. Die russischen Regionen erhalten hiervon 1,7 Milliarden Euro.

Weiterhin werden bis 2021 über den Fonds der gesetzlichen Krankenversicherung (OMS) 4,4 Milliarden Euro für den Bau von Diagnosezentren, Einrichtungen zur Computertomographie und Endoskopie sowie für die Modernisierung von 96 regionalen Krebskliniken im Rahmen der "Nationalen Strategie zur Bekämpfung onkologischer Erkrankungen bis 2030" bereitgestellt. Daneben fließen bis 2024 weitere 996 Millionen Euro in die Ausstattung regionaler Zentren zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Aktuelle Projekte in der Onkologie und Radiologie in Russland
Projekt / Region Investitionen (Mio. Euro) Projektstand Projektbetreiber
Onkologiezentrum / Gebiet Saratow 93,3 Absichtserklärung Regierung des Gebiets Saratow
Zentrum für Nuklearmedizin und Protonentherapie / Gebiet Nowosibirsk 93,3 Absichtserklärung Rusatom Healthcare (gehört zu Rosatom, http://www.rosatom.ru), MedInvestGroup (gehört zu Pharmstandard, http://www.pharmstd.ru); Bauherr: Schwabe-Holding (gehört zu Rostec, http://www.schwabe.ru)
Radiologische Abteilung im Ostsibirischen Onkologiezentrum / Gebiet Irkutsk 68,0 Fertigstellung: 2022 Rusatom Healthcare
Zentrum zur PET-Diagnostik / Region Primorje 66,6 Fertigstellung: 2022 Rostec, http://www.rostec.ru
Bau eines Zentrums für Protonentherapie / Region Chabarowsk 60,0 Vorbereitung einer Konzessionsvereinbarung, Bauzeit: bis 2023 Rusatom Healthcare
Onkologische Beratungsstelle / Gebiet Karelien 60,0 k.A. Gesundheitsministerium des Gebiets Karelien, http://mzsocial-rk.ru
Onkologiezentrum / Gebiet Kaliningrad 57,3 Ausschreibung verlängert, Fertigstellung: 2021 Gesundheitsministerium des Gebiets Kaliningrad, http://www.infomed39.ru

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Regierung will Marktanteil russischer Medizintechnik erhöhen

Russische Hersteller spielen auf dem 3,4 Milliarden Euro schweren Markt für Medizintechnik derzeit noch eine Außenseiterrolle. Im Jahr 2017 entfielen nur etwa 21 Prozent des Umsatzes auf russische Produzenten. Von denen verwendet wiederum jeder Zehnte importierte Bauteile, so der Leiter des Labors für klinische Biochemie des nationalen Burdenko-Forschungszentrums, Aleksej Moschkin.

Mit der "Strategie zur Entwicklung der medizinischen Industrie bis 2030" möchte das Industrieministerium das Produktionsvolumen russischer Medizintechnik gegenüber 2017 um das 3,5-Fache steigern, die Ausfuhren auf 1 Milliarde US$ mehr als verzehnfachen und jährlich mindestens 100 neue Medizinprodukte "Made in Russia" registrieren.

Führende Medizintechnikhersteller in Russland
Unternehmen Umsatz 2017 (Mio. Euro) *) Veränderung 2017/2016 (in %) Internetadresse
MosProp 133,8 20,4 http://www.mprop.ru
GE Healthcare 108,6 0,4 http://www3.gehealthcare.ru
Optik-Vision 51,2 8,1 http://www.ochkarik.ru
Elamed 42,7 -11,9 http://www.elamed.com
Elektron 28,0 49,8 http://www.electronxray.com
MTL 26,8 61,3 http://www.mtl.ru
Elta 23,5 17,1 http://www.eltaltd.ru
Schwabe 21,2 5,1 http://www.zomz.ru
Sante Medical Systems 15,8 16,9 http://www.sante.ru
Laminar 15,6 0,5 http://www.laminar.ru

*) Jahresdurchschnittskurs 2017: 1 Euro = 65,93 Rubel

Quelle: Business-Datenbank Spark-Interfax

Das Industrieministerium möchte zudem bis 2020 die Importabhängigkeit bei 111 medizinischen Produkten wie Ultraschall- und Beatmungsgeräten, Tonometern, Luftsterilisatoren und Trockenluftthermostaten verringern. Bis Ende Januar 2019 wird geprüft, ob es für 19 neu zu ersetzende Produkte russische Analoga gibt. Doch stößt die Politik der Importsubstitution nicht bei allen Abnehmern auf Gegenliebe. So versuchen öffentliche Gesundheitseinrichtungen häufig, die Einfuhrbeschränkungen zu umgehen, indem sie ihren Status in autonome Einrichtungen ändern oder medizinische Geräte über Zwischenhändler kaufen.

Deutsche Medizintechnikhersteller lokalisieren Produktion

Neben einheimischen investieren auch ausländische Hersteller in neue Kapazitäten und verstärken ihr Engagement auf dem russischen Markt. Die russische Tochter des Orthopädiekonzerns Otto Bock Mobility stellt Rollstühle her, die von der Regierung als "Made in Russia" anerkannt und damit für die staatliche Beschaffun zugelassen sind. Die russische Fresenius-Tochter Frerus baut ein Werk zur Herstellung von Dialysefiltern in Dubna im Gebiet Moskau. Die Sarstedt AG investiert in Sankt Petersburg bis 2019 rund 10 Millionen Euro in die Produktion von Laborausrüstung zur Blutabnahme.

Siemens Healthineers hat mit der Regierung des Gebiets Irkutsk eine Absichtserklärung zur Modernisierung medizinischer Einrichtungen unterzeichnet. Mit der Klinikkette Medsi (AFK-Sistema Holding) hat der Münchner Technologiekonzern ein Abkommen zur Entwicklung von innovativen Lösungen für den Gesundheitssektor geschlossen.

Philips und der Russische Fonds für Direktinvestitionen (RDIF) haben eine Vereinbarung zur Modernisierung von medizinischer Ausrüstung in staatlichen Einrichtungen sowie zur Lieferung neuer hochtechnologischer Medizintechnik unterzeichnet. Darüber hinaus kooperiert der niederländische Konzern mit der russischen Sberbank. Das Kreditinstitut bietet künftig Leasingverträge für die Käufer von Philips-Medizintechnik an.

Aktuelle Projekte im russischen Gesundheitssektor
Vorhaben / Region Investition (Mio. Euro) Projektstand Projektbetreiber
Modernisierung des Nationalen Medizinischen Forschungszentrums (NIMZ) / Gebiet Tomsk 133,3 Fertigstellung: 2023 Tomskij NIMZ
Bau eines Krankenhauses / Balaschicha, Gebiet Moskau 120,0 Baubeginn: 2019 Regierung des Gebiets Moskau
Stadtbezirksklinik / Nischnewartowsk, Gebiet Tjumen 93,3 Im Bau, Fertigstellung: 2020 Regierung des Gebiets Tjumen, http://www.admtyumen.ru
Krankenhaus für Infektionskrankheiten / Region Perm 66,6 Fertigstellung: 2021 Regierung der Region Perm, http://www.permkrai.ru
Bau eines Medizinzentrums (Kardiologie, Gynäkologie, Chirurgie, Urologie, Traumatologie) / Sankt Petersburg 66,6 Fertigstellung: 2020 Matj i Ditja, http://www.mamadeti.ru
Bau eines Neurologischen Instituts am Nationalen Forschungsinstitut Almasow / Sankt Petersburg 65,3 Fertigstellung: 2020 Bauherr: Engeokom, http://engeocom.ru
Ausbau des Sklifosowskij-Instituts für Erste Hilfe / Moskau 60,0 Baubeginn: 2019 Abteilung für Gesundheit der Stadt Moskau, http://www.mosgorzdrav.ru
Bau des "Digitalen Spitals der Zukunft Bundang" im International Medical Cluster (MMK) / Skolkowo bei Moskau 61,4 Projektierung, Fertigstellung: 2022 Tashir Medika, http://www.tashir.ru, Bundang Hospital (Südkorea), https://www.snubh.org/dh/en
Bau eines Chirurgiekomplexes / Gebiet Moskau 60,0 2020 Matj i Ditja

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein

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