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16.10.2018

Investitionsstau bei Libanons Infrastruktur

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Großprojekte auf dem Reißbrett, Finanzierung schwierig / Von Tanja Völker*

Beirut (GIZ) - Die Finanzierung bleibt der Engpass bei den ehrgeizigen Plänen zur Modernisierung der libanesischen Infrastruktur. Internationale Geber spielen eine wichtige Rolle.

Schlüsselrolle für den Libanon beim regionalen Wiederaufbau

Mit Blick auf einen zukünftigen Aufbau in Syrien stehen zahlreiche Großprojekte im Mittelpunkt der libanesischen Infrastrukturmodernisierung, die sich vor allem auf den Ausbau des Nordlibanons konzentrieren. Auf der Konferenz "From Tripoli to all Lebanon-Advancement and Development" bekräftigte Premierminister Saad Hariri die Schlüsselrolle von Tripoli und dem Nordlibanon in der Region aufgrund seiner strategischen Lage beim Wiederaufbau von Syrien und dem Irak. Die libanesische Regierung hat die historische Bedeutung für die Entwicklung der Region erkannt und treibt die Entwicklung des Straßen- und Autobahnbaus, den Ausbau des Flughafens Rene Mouawad in Qleiaat sowie des Hafens und der Sonderwirtschaftszone von Tripoli und der nördlichen Eisenbahnstrecke voran.

Straßennetz wird modernisiert

Das libanesische Straßennetz, inklusive 170 Kilometer Schnellstraße, soll zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in ausgewählten Gebieten und zur Anbindung von ländlichen Gegenden ausgebaut werden. Dazu wird seit 2017 mit einem 200-Millionen-US-Dollar-Darlehen der Weltbank das Straßennetz ausgebessert und in der ersten Phase des breit angelegten Regierungsplans 500 Straßenkilometer repariert werden. Das Straßen- und Beschäftigungsprojekt soll die Verkehrsanbindung verbessern und gleichzeitig befristete Beschäftigung für Libanesen und Syrer bieten. Das Projekt der Weltbank hat zum Ziel, besonders die ländlichen und abgelegenen Regionen Libanons verkehrstechnisch anzubinden und das Land mit internationaler finanzieller Hilfe bei der Aufnahme von über 1,5 Millionen syrischen Flüchtlingen zu unterstützen.

Für eine große Anzahl von unbeschäftigten syrischen Flüchtlingen und Libanesen mit niedrigem Einkommen werden dadurch Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen. Die verbesserte Verkehrsanbindung und die verringerten Transportkosten sollen die lokale Wirtschaft durch einen besseren Zugang zu Märkten und Dienstleistungen entwickeln. Der 510 Millionen US-Dollar (US$) umfassende Regierungsplan sieht vor, in den kommenden fünf Jahren das bestehende Verkehrsnetz zu modernisieren und zu unterhalten, die Straßensicherheit zu verbessern, Maschinen für Notfall-Straßenreparaturen anzuschaffen und das Management und die Effizienz des Sektors zu verbessern. Eine Studie hat dazu 6.000 Kilometer Straßenstrecke mit dem höchsten Ausbesserungsbedarf identifiziert.

Aufwertung des Hafens in Tripoli

Mit einer Abfertigung von über 1,2 Millionen Containern pro Jahr verfügt der Hafen von Beirut aufgrund der aktuellen Marktgröße noch über ausreichende Kapazität. Mit Hinblick auf einen zukünftigen Wiederaufbau in Syrien werden die Terminals jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, da mit einem erhöhten Ankommen von Containern in Richtung Syrien gerechnet wird. Daher nimmt der Ausbau des zweitgrößten Hafens im Land in Tripoli mit einem neuen Terminal und neuem Betreiber eine Schlüsselposition im Libanon und dem späteren Wiederaufbau in Syrien ein.

Das Private-Public-Partnership-Projekt als Konzession mit Gulftainer, einem emiratischen Unternehmen als Konzessionsnehmer, wurde 2013 auf 25 Jahre zum Neubau eines Containerterminals unterzeichnet und umfasst Investitionen von über 60 Millionen US$ in neue Ausrüstung und Maschinen. Gleichzeitig soll der Hafen an die umliegende Infrastruktur von Straßen- und Schienennetz angebunden werden. Für die Ausbauphase sieht das Ministry of Public Works and Transportation auch die Erweiterung der Containerlagerfläche von 24.000 auf 70.000 Quadratmeter vor. Der Infrastrukturausbau wird mit einer Gesamtfinanzierung von über 49 Millionen US$ veranschlagt und soll über die internationale Unterstützung durch die Islamische Entwicklungsbank und die Weltbank finanziert werden.

Beiruts Flughafen stößt an seine Kapazitätsgrenze

Der Rafic Hariri International Airport, 1998 fertiggestellt für eine Kapazität von 6 Millionen Passagieren, ist der einzige Verkehrsflughafen des Libanon und bedarf mit seinem Passagieraufkommen von über 7,6 Millionen in 2016 einer Erweiterung. Der Masterplan zur Erweiterung des Flughafens für ein Passagieraufkommen von 12 bis 18 Millionen Passagieren wurde in Auftrag gegeben. Dieser sieht ein neues Terminal, eine neue Fluggasthalle sowie eine Erweiterung des Flugvorfelds vor. Zwischenzeitlich hat das libanesische Finanzministerium 28 Millionen US$ zur Aufrüstung der Sicherheitssysteme am aktuellen Flughafen bereitgestellt. Über öffentliche Ausschreibungen wird die Beschaffung von Scannern und Röntgengeräten für Fahrzeuge und blinde Passagiere sowie Dual-Röntgengeräte zum Auffinden von Sprengstoffen und Betäubungsmitteln sichergestellt. Ganzkörperscanner und Brandbomben-Container sowie 800 Überwachungskameras sollen das Sicherheitssystem verstärken. Im Rahmen der Infrastrukturmaßnahmen wird die Wiederinbetriebnahme des Rene Mouawad Flughafens in Qleiaat, im Norden des Landes, vom Staatspräsidenten Michel Aoun und dem Transportminister Fenianos als nahe Zukunft dargestellt. Bis 1989 ein Verkehrsflughafen, wurde er seitdem als Militärflughafen genutzt. Studien zur Erweiterung der Militärbasis zu einem internationalen Verkehrsflughafen liegen vor, Finanzierung und Planung werden noch diskutiert.

Libanons Eisenbahn soll wiederauferstehen

Der Libanon verfügte bis zum Bürgerkrieg über ein Eisenbahnnetz, das den Norden (Abboudieh) bis zum Süden (Naqoura) entlang der 220 Kilometer langen Küste verband. Eine weitere 100 Kilometer lange Strecke führte von der Bekaa-Ebene an die syrische Grenze und weiter bis nach Homs. Seit dem Bürgerkrieg nicht mehr betrieben, soll das libanesische Schienennetz in naher Zukunft in strategischen Regionen wiederaufgebaut werden. Zu den wahrscheinlichsten gehört der Wiederaufbau der Verbindung im Norden: Tripoli-El Mina-(Hafen)-Abboudieh (syrische Grenze), wo die Linie über Homs führend einen Anschluss an das Schienennetz nach Europa und Asien erhält. Ohne Signalanlagen und Terminals werden die Kosten auf 33 Millionen US$ geschätzt. Weitere Projekte der libanesischen Regierung zur Entlastung des Straßenverkehrs sehen den Neubau der 20 Kilometer langen Strecke von Chekka zum Hafen von Tripoli vor, die mit 700 Millionen US$ veranschlagt sind.

*) Integrierte Fachkraft im Rahmen des ExperTS-Programms am Lebanese German Business Council

Dieser Artikel ist relevant für:

Libanon Planung / Consulting, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Schienenfahrzeuge, Flughafenbau, Luftverkehr / Flughäfen, Wasser-, Hafenbau, Schienenverkehr, Schiffsverkehr / Häfen, Logistik / Speditionen

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