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03.07.2019

Investitionszufluss nach Japan bleibt überschaubar

Andere Industrieländer zeigen sich deutlich attraktiver / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Japans Unternehmen gehörten 2018 zu den weltweit größten Investoren. In umgekehrter Richtung zieht Nippon jedoch deutlich weniger Investitionsinteresse auf sich.

Japan kann bei ausländischen Unternehmensinvestoren kaum punkten, obwohl sich das Industrieland wirtschaftlich und politisch stabil entwickelt. Während sich Nippons Unternehmen im Ausland sehr aktiv nach Investitionsobjekten umschauen, bleiben die zufließenden Investitionen nach Japan relativ gering. Trotz der insgesamt gestiegenen Globalisierungstendenz in Japans Wirtschaft ist die Übernahme von japanischen Unternehmen eher die Ausnahme.

Unternehmensaufkäufe durch Ausländer in Japan eher selten

Auf dem Radarschirm der M&A-Aktivitäten (Mergers and Acquisitions; Fusionen und Übernahmen) ausländischer Unternehmen ist Japan nur am Rande wahrzunehmen. Transaktionen, bei denen ein ausländisches Unternehmen sich in Nippon einkaufte, blieben moderat. In den ersten drei Monaten 2019 war die größte M&A-Aktivität, dass der Ichigo-Trust aus Singapur seinen Aktienanteil am japanischen Bauunternehmen Haseko mit einer Investition von 366 Millionen US-Dollar (US$) auf 10,6 Prozent ausgeweitet hat.

Japanische Firmen waren 2018 in rund 260 Fällen Ziel von M&A-Aktivitäten ausländischer Investoren. Insgesamt blieb die Transaktionshöhe unter 8 Milliarden US$. Gemäß Zahlen von Refinitiv (ehemals ThomsonReuters) war der Kauf der japanischen Kosmetikfirma Ci:z Holdings Co. durch die US-Firma Johnson&Johnson mit circa 2 Milliarden US$ der größte Deal. Dabei ging es um den Baraufkauf der Aktien, die noch nicht im Besitz des amerikanischen Unternehmens waren.

An attraktiven Zielen für Übernahmen mangelt es in Japan nicht. Dennoch bleibt es schwierig, sich in die engen Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen und Zulieferern einzukaufen. Zudem haben einige Firmen Ankerinvestoren, die eine Übernahme erschweren. Ein relativ unflexibler Arbeitsmarkt und eine hohe Besteuerung werden von der Organization for Economic Co-operation and Development (OECD) ebenfalls als Gründe angeführt, die Japan als M&A-Markt nicht in den Fokus rücken lassen.

Sperrklausel auf Informations- und Kommunikationstechnik ausgeweitet

Japans Regierung steht den Aufkäufen und Zusammenschlüssen durch ausländische Investoren grundsätzlich offen gegenüber. Dies gilt bis zu einem gewissen Grad. Um nationale Sicherheitsinteressen zu wahren, besteht für bestimmte Industrien eine Sperrklausel. Sobald dort ein ausländisches Unternehmen mehr als 10 Prozent an einer börsennotierten oder einer nicht notierten japanischen Firma erwerben will, ist dies meldepflichtig und muss von der Regierung zugelassen werden.

Durch eine Direktive vom Mai 2019 wurde diese Meldepflicht nun ausgeweitet. Bislang galt die Sperrklausel vor allem für Waffen, Luftfahrtgesellschaften und die Nuklearindustrie. Nun sind auch einige Segmente der Informations- und Kommunikationstechnik hinzugefügt worden. Die neue Regelung soll am 1. August 2019 in Kraft treten.

Ohne Frage spielen dabei der Handelskonflikt zwischen den USA und China wie auch der Schutz der eigenen Infrastruktur eine Rolle. Denn beim Aufbau der 5G-Mobilkommunikation als einer Schlüsseltechnologie für das Internet der Dinge, beim autonomen Fahren und bei Anwendungen der künstlichen Intelligenz will Japan die Kontrollhoheit behalten.

Japan zieht vergleichsweise wenig ausländische Investitionen an

Wenn es um den Zufluss ausländischer Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) geht, zeigt sich Japan ebenfalls nur bedingt attraktiv. So ist das Land der aufgehenden Sonne laut "World Investment Report 2019" der UNCTAD nicht unter den zwanzig größten FDI-Empfängern zu finden. Hingegen stehen viele andere fortgeschrittene Volkswirtschaften wie die USA, das Vereinigte Königreich, Kanada, Frankreich und Deutschland in diesem Ranking weit oben.

Dies zeigt sich auch im Vergleich der 35 OECD-Länder. Gemessen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt gehört Japan beim FDI-Zufluss zu den Schlusslichtern. Zumindest konnte Japan in den letzten Jahren einen relativ stabilen Aufwärtstrend beim FDI-Zufluss erzielen, unterstützt durch die Maßnahmen des Council for Promotion of Foreign Investment.

Gemäß der UNCTAD-Angaben lag der FDI-Zufluss nach Japan im Jahr 2018 bei 9,9 Milliarden US$, wohingegen die Japan External Trade Organization (JETRO) von 25,9 Milliarden US$ ausgeht. Dabei dürfte es sich um Unterschiede in der Erfassungsweise handeln, die jedoch bei Japans Direktinvestitionen im Ausland nicht so stark abwichen. Hier ging die internationale Organisation 2018 von rund 143 Milliarden US$ aus, die JETRO von 159 Milliarden US$.

Japans wichtigste Quellen für ausländische Direktinvestitionen (in Milliarden US$)
Land *) 2017 2018
.USA 6,2 5,9
.Vereinigtes Königreich -3,6 4,4
.Frankreich 3,8 3,4
.Südkorea 1,1 1,9
.Deutschland 0,7 1,8
Insgesamt 20,4 25,9

*) Kaimaninseln sind nicht berücksichtigt

Quelle: Japan External Trade Organization

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Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Addition of Businesses Required to Submit Prior Notification Concerning Inward Direct Investment, etc. https://www.meti.go.jp/english/press/2019/0527_001.html neue Regelung des Ministry of Economy, Trade and Industry

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Japan Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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