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08.03.2017

Iran bringt Verkehrsprojekte auf den Weg

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Internationale Partner gesucht / Finanzierung nicht immer einfach / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Der Flächenstaat Iran baut seine Verkehrsinfrastruktur kräftig aus. Im Schienenverkehr entstehen neue Hochgeschwindigkeitstrecken, der Flughafensektor steht vor einer Expansion. Auch viele Häfen des Landes werden erweitert und modernisiert. Großes Interesse an Projekten mit deutschen Firmen besteht im Bereich des Schienenverkehrs. Bei der zeitnahen Umsetzung der zahlreichen geplanten Projekte gibt es aber noch erhebliche Unwägbarkeiten, vor allem hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten.

Ausbau des Schienenverkehrs mit ausländischen Partnern

In Kooperation mit ausländischen Partnern will Iran bis 2025 sein Schienennetz von derzeit weniger als 14.000 auf 25.000 km ausbauen. Das heute überwiegend noch einspurige Streckennetz soll größtenteils zweispurig und weitgehend elektrifiziert werden, mehrere Hochgeschwindigkeitsverbindungen sind geplant. Nach Schätzungen des zuständigen Ministry of Roads and Urban Development Abbas Akhoudi sind allein in den nächsten fünf Jahren Investitionen von 28 Mrd. US$ erforderlich.

Nach Angaben der Islamic Republic of Iran Railways (RAI) hatten 2014/15 (iranisches Jahr; 21.3. bis 20.3.) die Hauptstrecken des nationalen Schienennetzes eine Länge von 10.420 km, zehn Jahre zuvor waren es 7.584 km. Die Länge der Nebenstrecken wird mit 2.821 km angegeben. Lediglich 196 km waren elektrifiziert, nur 1.559 km zweispurig und 19 km dreispurig.

Passagier- und Frachtaufkommen im Schienenfernverkehr 2006/07 bis 2015/16 1)
2006/07 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16
Passagiere (in Mio.) 21,3 28,6 27,0 25,5 24,8 24,5
Fracht (in Mio. t) 33,0 33,1 34,3 32,7 34,9 35,6
Fracht (in Mrd. tkm) 2) 20,5 21,0 22,6 22,4 24,5 25,0

1) iranische Jahre (21.3. bis 20.3.); 2) Tonnenkilometer

Quellen: Statistical Centre of Iran, Central Bank, Islamic Republic of Iran Railways

Die Zahl der Bahnpassagiere erreichte 2010/11 mit 28,8 Mio. einen Höhepunkt und ist seither rückläufig (2015/16: 24,5 Mio.). Im Frachtsektor hingegen wurde 2015/16 mit 35,6 Mio. t ein neuer Spitzenwert erreicht. Die RAI möchte das auf der Schiene transportierte Frachtvolumen bis 2020/21 auf rund 94 Mio. tkm (Tonnenkilometer) steigern (2015/16: 25,0 Mrd. tkm). Die Zahl der Bahnpassagiere soll sich verdoppeln.

Mehrere Projekte werden realisiert

Im Januar 2016 hat Siemens Mobility mit der RAI eine Absichtserklärung unterzeichnet, die unter anderem eine Beteiligung bei der Elektrifizierung der 926 km Bahnstrecke zwischen Teheran und Mashhad sowie die Elektrifizierung und Lieferung von Lokomotiven für eine geplante Hochgeschwindigkeitstrecke zwischen Teheran, Qom und Esfahan und die Beschaffung von 500 Passagierwaggons vorsieht. Der Gesamtwert der vereinbarten Projekte wird auf 1,5 Mrd. bis 2 Mrd. Euro geschätzt. Siemens will seine Produkte und Dienstleistungen in Kooperation mit iranischen Firmen anbieten, um so Know-how-Transfer und Ausbildung zu ermöglichen.

Die Elektrifizierungs- und Streckenmodernisierungsarbeiten an der zweispurigen Teheran-Mashhad-Strecke haben im Februar 2016 offiziell begonnen. Kurz zuvor hatte die VR China eine 85%ige Finanzierung des 2 Mrd. US$ Projekts abschließend zugesagt, die restlichen 15% kommen von der iranischen Regierung. Das Vorhaben wird von einem iranisch-chinesischen Konsortium als EPCF-Projekt (Engineering, Procurement, Construction, Financing) durchgeführt.

Am Konsortium sind die lokale Mapna Group, die China General Technology Holding Company und die Beijing Supower Technology beteiligt. Mapna hat mehrere Kooperationen mit Siemens und wird auf der High-Speed-Strecke vermutlich Siemens-Technologie einsetzen. Die Teheraner Moshanir Power Engineering Consultants sind als Projektmanager engagiert. Als Berater ist Frankreichs AREP beteiligt. Im September 2016 hat Spaniens Ineco gemeinsam mit Moshanir und der ebenfalls lokalen Hexa sowie Italiens Geodata einen 12 Mio. US$ Auftrag für verschiedene Planungs- und Projektüberwachungstätigkeiten erhalten.

Das Projekt soll innerhalb von vier Jahren abgeschlossen sein. Auf der modernisierten Teheran-Mashhad-Strecke werden 70 chinesische Lokomotiven mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h verkehren, die Elektrifizierung erfolgt mit 25 kV 50 Hz. Die Fahrzeit soll sich von gegenwärtig zwölf auf sechs Stunden verkürzen. Das Konsortium ist auch fünf Jahre für die Streckenwartung verantwortlich.

Auf der geplanten 410 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke von Teheran über Qom nach Esfahan soll mit Geschwindigkeiten bis zu 400 km/h gefahren werden. Die China Railway Engineering Corporation hat bereits im Februar 2015 gemeinsam mit der iranischen Khatam Al Anbiya Construction (unter US-Sekundärsanktionen) mit den Streckenbauarbeiten für die 240 km Qom-Esfahan Hochgeschwindigkeitstrasse begonnen, hier sollen zwei Drittel des Streckenfundaments bereits fertig sein.

Der Abschluss des Gesamtprojekts wird frühestens 2021 erwartet. An der Finanzierung des 2,7 Mrd. US$ Projekts ist die VR China wesentlich beteiligt. Die Strecke soll den europäischen TSI (Technical Specifications for Interoperability) entsprechen. Als Berater ist Italferr tätig.

Den Design-Auftrag für die Modernisierung und die Erweiterung der Bahnhöfe in Teheran und Qom hat AREP erhalten. An die französische Firma ging auch ein Auftrag für den Bahnhof in Mashhad.

Neue Hochgeschwindigkeitsstrecken auf den Weg gebracht

Im Juli 2016 haben Italiens Minister für Infrastruktur und Transport und sein iranischer Counterpart Akhoudi in Rom eine Vereinbarung über den Bau weiterer zwei Hochgeschwindigkeitsstrecken unterzeichnet. Vorangegangen waren eine Absichtserklärung im Februar und ein Rahmenabkommen im April.

Eine neue Strecke soll zwischen Teheran und Hamedan (260 km) entstehen, die alte 100 km Strecke Qom-Arak soll umgebaut werden. Das Investitionsvolumen wird mit 4 Mrd. Euro beziffert. Ein entsprechendes Angebot will Ferrovie dello Stato Italiane in Kürze vorlegen. Italien bietet der RAI auch Fortbildungskurse, den Aufbau eines Test-Zentrums für Schienenfahrzeuge sowie technische Beratung beim Kauf von Hochgeschwindigkeitszügen an.

Ein Teilstück einer neuen 1.400 km langen, einspurigen Schienenstrecke, die die Hafenstadt Chabahar (mit Freizone) und Zahedan (nahe der Grenze zu Afghanistan und Pakistan) sowie Mashhad (Anbindung Richtung Zentralasien) verbinden soll, ist seit 2012 im Bau, Auftragnehmer ist Khatam Al Anbiya Construction. Die Strecke würde bei Torbat-e-Heydarieh eine Abzweigung Richtung Herat (Afghanistan) erhalten. Die Weiterführung/Fertigstellung des Projekts erfordert allerdinge neue Finanzierungen.

Im Mai 2016 haben Iran, Afghanistan und Indien eine Vereinbarung über die Entwicklung einer Indien-Iran-Afghanistan-Transitroute über den Hafen Chabahar geschlossen. Indien ist an Afghanistans Rohstoffen (u.a. Eisennerz) interessiert und sucht Transportverbindungen ohne Transit durch Pakistan. Indien hat 500 Mio. US$ zur Entwicklung des Hafens von Chabahar in Aussicht gestellt, spekuliert wird über ein Engagement beim Weiterbau der Eisenbahnlinie nach Zahedan. Aber auch die VR China ist im Gespräch.

Das Schienennetz wird international immer besser angebunden

Die im Bau befindliche Bahnstrecke zwischen Qazvin, Rasht und der Grenze nach Aserbaidschan (Astara) könnte 2017 fertig werden. Die Verbindung ist Teil des Nord-Süd-Korridor, der Russland (über Aserbaidschan) mit dem Persischen Golf verbinden soll. Iran hat die 200 km Strecke zwischen Qazvin und Rasht finanziert, im Mai 2015 wurde dann mit Russland die Kostenübernahme für die restlichen 170 km bis Astara vereinbart.

Im November 2015 hat Russland Teheran eine 1,3 Mrd. US$ Finanzierung für die Elektrifizierung und den Teilneubau einer 495 km Bahnstrecke im Nordosten Irans, zwischen Garmsar, Sari, Gorgan und Incheh Boron an der turkmenischen Grenze, zugesichert. Mit einer Bauzeit von drei Jahren wird kalkuliert. Frankreichs Alstom ist mit Iran in Gesprächen unter anderem über die lokale Fertigung/Montage von Zügen für die elektrifizierte Strecke.

Zwei Bahnverbindungen nach Irak sind in Planung. Zwischen Kermanshah und der Grenzstation Khosvari (von dort weiter Richtung Bagdad/Karbala/Nadjaf) soll eine Bahnstrecke entstehen. Ferner ist eine Verbindung zwischen Khorramshahr und Basra vorgesehen, es sind 12 km auf iranischer und 32 km auf irakscher Seite, am Grenzfluss (Arvand Rud / Shatt al-Arab) ist eine 700 m Brücke erforderlich.

Weitere neue Bahnlinien sind unter anderem zwischen Esfahan und Ahvaz, zwischen Esfahan und Arak, zwischen Tabriz und Mianeh, zwischen Kermanshah und Andimeshk sowie zwischen Shiraz und der Golfküste (mit nördlichen und südlichen Abzweigungen nach Bandar Iman Khomeini beziehungsweise Bandar Abbas) geplant.

Erweiterungen um eine zweite Spur sind vorgesehen zwischen Ghazvin und Zanjan (171 km; geschätzte Kosten: 200 Mio. US$), zwischen Chadormalou und Ardakan (201 km; 270 Mio. US$), zwischen Meybod und Badroud (254 km; 300 Mio. US$), zwischen Badroud und Mohammadieh (145 km; 170 Mio. US$), zwischen Mohammadieh und Samangan (157 km; 210 Mio. US$), zwischen Samangan und Doroud (130 km; 170 Mio. US$), zwischen Chadorlalou, Jandraq und Mobarakeh (145 km) sowie zwischen Jandagh, Tabas und Torbat-e-Heydarieh (542 km; 550 Mio. US$). Diese Projekte sind als BOT (Build, Operate, Transfer) oder BLT (Build, Lease, Transfer) geplant. Ein weiteres Elektrifizierungsprojekt soll zwischen Bafq, Sirja und Bandar Abbas (613 km) realisiert werden.

Ein 60 km Teilstück der Lorestan Railway (Doroud und Andimeshk; 215 km mit 133 Tunneln) soll für 150 Mio. US$ erneuert werden. Angebote liegen seit Sommer 2015 vor, das Projekt war 2011 schon einmal ausgeschrieben.

Pressemeldungen zufolge arbeitet die China Railway Company an Plänen zum Bau einer über 3.000 km langen Hochgeschwindigkeitsverbindung für Fracht- und Passagierverkehr zwischen Urumqi, der Hauptstadt der westlichen Xinjiang Provinz, und Teheran. Schon heute sind die Schienennetze beider Länder über Kasachstan und Turkmenistan miteinander verbunden.

Nahverkehrssysteme sollen umweltfreundlicher werden

Irans Nahverkehrssysteme sollen umweltfreundlicher werden. In den Ballungsräumen werden Metronetze gebaut beziehungsweise erweitert. Die zügige Umsetzung der Großprojekte scheitert aber oft an fehlenden Finanzierungen. Private Investoren sind gefragt.

Bereits 1970 fiel in Teheran die Entscheidung, eine Metro zu bauen. Aber erst 1999 wurde die erste Linie eröffnet. Mittlerweile sind in fünf Städten Metro-Systeme in Betrieb (Teheran, Mashhad, Isfahan, Shiraz und Tabriz). In weiteren Städten sind Metro-Netze in der Planung oder bereits im Bau. Zur Reduzierung des Individualverkehrs werden auch die Busangebote verbessert. Eine Verminderung der durch die Stadtbusse verursachten hohen Umweltbelastung wird angestrebt. Neben der Umstellung auf emissionsärmere Diesel-, Hybrid- oder CNG-Antriebe (Compressed Natural Gas) sollen auch wieder Oberleitungsbusse zum Einsatz kommen.

Nach Angaben des Industrieministers, Mohammad Reza Nematzadeh, ist bis 2025 mit der Beschaffung von mindestens 4.000 Metro-Waggons durch Irans Kommunen zu rechnen. An einem neuen Engagement europäischer Firmen besteht großes Interesse, aber noch dominiert die asiatische Konkurrenz. Die 135 Waggons der Metro-Linie 1 in Shiraz sind von der Iranian Rail Industries Development Company (IRICO; gehört seit 2011 zur Tose-e-Tarabar Rail Iranian Company/TTRICO) montierte Modelle der China Railway Rolling Stock Corporation. Die staatliche, 2003 gegründete IRICO kooperiert auch mit Hyundai Rotem. Für Metros in Teheran und Mashhad hat das lokale Unternehmen Wagon Pars in Arak unter Lizenz von Changchun Railway Vehicles Waggons gebaut.

Der führende russische Metro-Waggonbauer Metrowagonmasch bemüht sich derzeit um Aufträge aus Iran. Frankreichs Alstom hat im Januar 2016 mit Iran eine Absichtserklärung unter anderem über industrielle Kooperationen bei Nahverkehrsprojekten unterzeichnet.

Metronetze werden erweitert

Das Teheraner Metro-System besteht gegenwärtig aus 5 Linien mit einer Gesamtlänge von 170 km. Die 43 km lange (Regional)Linie 5 (Teheran nach Karaj) wurde bereits 1999 eröffnet, ab 2000 folgten sukzessive die anderen vier Linien. Noch nicht alle Stationen der Linien 1 bis 5 sind in Betrieb. Durch die Beschaffung zusätzlicher Züge sollen die Kapazitäten der häufig stark überlasteten Metro verdoppelt werden. Betreiber der Metro ist die Tehran Urban & Suburban Railway Company (TUSRC).

Im Bau befinden sich die Linien 6 und 7 mit einer Gesamtlänge von 70 km, deren Inbetriebnahme für 2017 angekündigt ist. Die Linie 6 wird von der Ahab Construction Company, die Linie 7 von der Sepasad Engineering Company gebaut. In Planung sind die Linien 8 und 9, deren Investitionskosten auf 10 Mrd. US$ geschätzt werden. Dem Vernehmen nach laufen gegenwärtig Gespräche mit chinesischen, japanischen und europäischen Investoren, ein Abschluss der Verhandlungen wird erst 2017 erwartet.

Isfahan eröffnete im Oktober 2015 ein Teilstück der Metro-Linie 1 (11 km, 10 Stationen), bereits 2001 wurde mit dem Bau begonnen. Als zweite Phase der Linie 1 ist eine Verlängerung in südlicher Richtung vorgesehen, über einen Ausbau nach Norden wird diskutiert. Eine 23 km Linie 2 in Ost-West-Richtung sowie eine Linie 3 (8 km) sind geplant.

In Tabriz sollen vier Metro-Linien entstehen. Der erste 7 km Abschnitt der Linie 1 (insgesamt 17 km) ging im Sommer 2015 in Betrieb. Die Linie 2 ist ebenfalls im Bau, die Linien 3 bis 5 sind in der Prüfung. Mit der chinesischen Staatsfirma CITIC ist 2014 eine Absichtserklärung zum Bau einer Straßenbahn in Täbris unterzeichnet worden.

Die Shiraz Urban Railway Organization hat im Oktober 2014 ein 11 km Teilstück der Metro-Linie 1 eröffnet, eine Verlängerung auf 22 km ist geplant. Die Linie 2 (20 km) ist schon im Bau, die Linien 3 bis 6 mit insgesamt etwa 60 km sind in Planung.

In Mashhad wurde 2011 die Metro-Line 1 mit 19 km in Betrieb genommen. Die Verlängerung der Linie 1 um 4,5 km bis zum Flughafen wurde im Februar 2016 von Präsident Rouhani eingeweiht. Die Mashhad Urban Railway Corporation plant weitere vier Linien. Die Linie 2 (15 km) ist seit 2011 im Bau. Auch mit ersten Arbeiten an der Linie 3 (29 km; Amirieh Street bis Saba Boulevard) wurde begonnen, als Phase 1 ist eine 12 km Strecke vorgesehen (Ferdowsi Square bis Saba Boulevard). Allerdings scheint das Projekt bis zur Klärung der weiteren Finanzierung zu ruhen. Angebote für den Hauptauftrag haben die Mapna Group, TAM Engineering & Construction und die Parsian Group bereits 2013 eingereicht. Als Linie 4 ist eine 18 km Strecke von der Khaje Rabi Street bis Sharak-e-Shahid Rajayi geplant.

Schwierige Finanzierung

Die Qom Urban Railway Organization arbeitet an einem Monorail-Projekt. Es sind zwei Linien vorgesehen. Mit dem Bau der 6,2 km langen 1. Phase der Linie 1 wurde zwar schon vor Jahren begonnen, aber seit 2014 soll es keinen Projektfortschritt mehr geben. Die Linie 1 soll eine Gesamtlänge von 18,2 km haben, die Linie 2 eine Länge von 13,2 km.

Die westlich an Teheran angrenzende Stadt Karaj ist durch die Metro-Linie 5 mit der Hauptstadt verbunden. Seit etwa zehn Jahren arbeitet Karaj am "Linie 2" Projekt. Der Bauauftrag für die 25 km Strecke ging an die SABIR Construction Company. Die Inbetriebnahme ist für 2017 angekündigt. Experten rechnen aber erst deutlich später mit der Fertigstellungen, es fehle das nötige Geld. Die Düsseldorfer Rail & Bus Consultants (LRTC GmbH) waren an der Planung (Vorentwurfs- und Entwurfsplanung) beteiligt. Langfristig will Karaj bis zu vier weitere Linien mit einer Länge von insgesamt 53 km realisieren (Linien 3 bis 6; als Linie 1 wird der in Karaj verlaufende Teil der Teheraner Linie 5 bezeichnet).

In Kermanshah soll eine 14 km Monorail-Strecke entstehen, das Projekt wurde aber 2014 mangels Finanzierung vorläufig eingestellt. In Ahvaz wird an einer 24 km Metro-Strecke mit 24 Stationen gearbeitet, drei weitere Linien mit insgesamt 63 km sind in Planung. Vorüberlegungen zu Metro-Projekten gibt es oder gab es in den Städten Orumiyeh, Bandar Abbas, Rasht, Zahedan, Kerman und Hamadan.

Flughäfen stehen vor kräftiger Expansion

Irans Flughafensektor steht vor einer Expansionsphase. Gegenwärtig spricht die staatliche Iran Airports Company mit ausländischen Partnern über mindestens acht Projekte, darunter der Ausbau der beiden Hauptstadtflughäfen. Die überalterten Flotten der iranischen Fluggesellschaften sollen zügig verjüngt werden. Mit Airbus und Boeing wurden Vereinbarungen im Wert von über 50 Mrd. US$ geschlossen.

Die Passagierzahlen an den iranischen Flughäfen zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend. Insgesamt 48,4 Mio. Passagiere wurden 2015 abgefertigt (2014: 46,7 Mio.; 2013: 41,4 Mio.). Die drei größten Flughäfen des Landes (Mehrabad/Teheran, Imam Khomeini/Teheran, Mashhad) haben daran einen Anteil von rund 60%. In den ersten fünf Monaten 2016/17 (21.3. bis 20.8.) erhöhten sich die Passagierzahlen um 20% auf 22,3 Mio.

Passagiere auf In- und Auslandsflügen (in 1.000)
2013 2014 2015
Alle Flughäfen 41.397 46.670 48.372
.Mehrabad (Teheran) 12.668 13.791 13.516
.Mashhad 6.986 8.069 8.546
.Imam Khomeini (Teheran) 4.756 6.049 7.243
.Kish 2.644 2.698 2.740
.Shiraz 2.243 2.445 2.730
.Isfahan 1.978 2.215 2.248
.Ahwaz 1.949 2.173 2.159
.Tabriz 1.178 1.424 1.472
.Bandar Abbas 941 968 934
.Asalouyeh 713 723 784

Quelle: Iranian Airports Company

Am 2004 eröffneten Imam Khomeini International Airport (IKIA) 30 km südlich von Teheran wird derzeit an einem zweiten Terminal gebaut, ein weiterer ist in Kooperation mit ausländischen Partnern geplant. Derzeit verfügt der IKIA über eine nominale Kapazität von jährlich 6,5 Mio. Passagieren. Der Flughafen hat 2015 mit 7,2 Mio. Passagieren (2014: 6,0 Mio.) seine Kapazitätsgrenze überschritten. Am IKIA werden fast ausschließlich internationale Flüge abgewickelt. Teherans Inlandsflugverkehr geht über den 1938 eröffneten Mehrabad Airport (2015: 13,5 Mio. Passagiere).

Passagiere auf internationalen Flügen (in 1.000)
2013 2014 2015
Alle Flughäfen 8.533 10.986 11.572
.Imam Khomeini (Teheran) 4.755 6.048 7.241
.Mashhad 1.380 1.789 1.865
.Isfahan 399 517 515
.Shiraz 358 456 486
.Kish 231 251 306
.Tabriz 199 275 257
.Larestan 82 107 122
.Ahwaz 81 120 108
.Qeshm 38 29 95
.Bandar Abbas 75 80 74

Quelle: Iranian Airports Company

Der IKIA will seine Passagierzahlen bis 2020 mehr als verdoppeln. Der im Bau befindliche Salam-Terminal soll 2017 eröffnen und über eine Kapazität von 5 Mio. Passagieren verfügen. Das Projekt kämpft allerdings mit Finanzierungsproblemen.

Der führende türkische Flughafenbetreiber, die TAV Airports Holding, hat Interesse an einem Iran-Engagement. Der TAV-Hauptaktionär, die Aeroports de Paris Group, und das französische Bauunternehmen Bouygues haben im Januar 2016 mit Iran eine Kooperation beim Bau eines dritten IKA-Terminals (Iranshahr Terminal) vereinbart. Bereits im Sommer 2015 hatten Aeroports de Paris, Bouygues und die iranische Rah Shahr International Group Interessensbekundungen abgegeben.

Die Planung für den Iranshahr-Terminal sieht eine Kapazität von 14 Mio. Passagieren vor, die Baukosten werden mit 2,8 Mrd. US$ kalkuliert. Die Netherlands Airport Company (Naco) ist als Design Consultant engagiert. Derzeit wird an der Projektfinanzierung gearbeitet. Mit einer Fertigstellung des Iranshahr-Terminals ist frühestens 2019 zu rechnen. Die dann insgesamt drei IKIA-Terminals kämen auf eine Gesamtkapazität von über 25 Mio. Passagiere.

Um den Imam Khomeini International Airport soll eine Airport City entstehen

Im Umfeld des IKIA soll eine Airport City entstehen. Die Naco hat 2015 einen fünfjährigen Vertrag als Design-Berater erhalten. Es existiert bereits ein erster Masterplan, der 2012 von Rah Shahr International in Zusammenarbeit mit dem japanischen Architekturbüro Nekken Sikkei erstellt worden ist.

Passagiere auf Inlandsflügen (in 1.000)
2013 2014 2015
Alle Flughäfen 32.864 35.683 36.800
.Mehrabad (Teheran) 12.668 13.516 13.516
.Mashhad 6.986 8.546 6.680
.Shiraz 2.243 2.730 2.244
.Kish 2.644 2.740 2.434
.Ahwaz 1.949 2.159 2.052
.Isfahan 1.978 2.248 1.733
.Tabriz 1.178 1.472 1.215
.Bandar Abbas 941 934 860
.Persian Gulf Airport (Asalouyeh) 713 723 784
.Kerman 691 775 686

Quelle: Iranian Airports Company

Die Kapazität des Teheraner Inlandsflughafen Mehrabad soll auf 28 Mio. Passagiere verdoppelt werden, so die Iran Airports Company. Über den Bau eines weiteren Terminals wird mit Italiens SEA (Societa Esercizi Aeroportuali) verhandelt. Über den Ausbau des Tabriz Airport (Ost-Aserbaidschan) laufen Gespräche mit der Mailänder Vitali SPA.

Ausbauprojekte mit internationalen Partnern

Mit Frankreichs Vinci Airports ist ein Memorandum of Understanding über den Ausbau und den Betrieb der internationalen Flughäfen Mashhad und Esfahan unterzeichnet worden. Aeroports de Paris ist am Mashhad-Projekt ebenfalls interessiert. Über die Erweiterung in Esfahan gibt es auch Gespräche mit der Korea International Cooperation Agency. In Mashhad soll für 1 Mrd. US$ ein neuer Terminal für 5 Mio. Passagiere gebaut werden. Der Flughafen hat einen hohen Anteil von Pilgern, die den Imam Reza Schrein (achter Imam) besuchen.

Ein Flughafenerweiterungsprojekt ist auch für Shiraz vorgesehen. An diesem Vorhaben sind Vinci und Aeroports de Paris ebenfalls interessiert. Neue Flughäfen sollen für jeweils 500 Mio. US$ in Ahvaz (Provinz Khuzestan) und in der Provinz Bushehr gebaut werden. Ausschreibungen für einen neuen Flughafen in der Chabahar Freizone sind angekündigt.

Auch die Häfen werden erweitert und modernisiert

Die Wirtschaftssanktionen haben die Entwicklung der iranischen Häfen stark behindert. Jetzt will die staatliche Ports & Maritime Organization (PMO) die Häfen möglichst unter Beteiligung ausländischer Investoren und Betreibergesellschaften modernisieren und ausbauen. Nach PMO-Angaben sollen bis Ende 2016/17 (März 2017) Projekte zum Ausbau des Hafensektors im Wert von etwa 2,5 Mrd. US$ gestartet werden. Bis Anfang Oktober seien Investitionsvereinbarungen mit ausländischen Partnern für etwa 750 Mio. US$ unterzeichnet worden, so die PMO. Insgesamt werden gegenwärtig für 24 Hafenprojekte internationale Investoren gesucht.

Nach PMO-Angaben hatte sich 2014 in den 15 iranischen Häfen der Umschlag von Nicht-Öl-Erzeugnissen auf 102,3 Mio. t erhöht (2013: 93,6 Mio. t). Für 2015 wird aber ein Rückgang in den nun 16 Häfen auf nur noch 90,1 Mio. t gemeldet, dies war der niedrigste Wert seit 2009 (82,3 Mio. t). In den ersten sechs Monaten 2016/17 (21.3. bis 20.9.16) betrug der Güterumschlag 71,2 Mio. t, davon waren 45,7Mio. t Nicht-Öl-Erzeugnisse.

Güterumschlag von Nicht-Öl Erzeugnissen 2014 und 2015 (in 1.000 t, Veränderung in %)
Hafen 2014 2015 Veränderung 2015/2014
Alle Häfen 102.298 90.138 -11,9
Shahid Rajaee 50.480 42.052 -16,7
Imam Khomeini 27.874 26.701 -4,2
Gheshm 7.738 7.492 -3,2
Bushehr 3.824 2.973 -22,3
Amir Abed 3.435 2.774 -19,2
Anzali 2.552 1.907 -25,3
Shahid Bahonar 1.605 1.705 6,2
Khorramshahr 1.909 1.401 -26,6
Lengeh 886 832 -6,0
Chabahar 607 821 35,2
Now Shahr 686 777 13,3
Genaveh 71 186 161,0
Astara 124 169 36,0
Jask 27 139 411,1
Abadan 135 111 -18,4
Fereydun Kenar 345 100 -71,2

Quelle: Ports & Maritime Organization

Irans größter Hafen ist der 30 km westlich von Bandar Abbas liegende Shahid Rajaee Port. Hier sank 2015 der Umschlag von Nicht-Öl-Erzeugnissen um 16,7% auf 42,1 Mio. t (Entladung: 27,4 Mio. t; Beladung: 14,7 Mio. t). Eine Erweiterung des Container-Terminals konnte 2013 abgeschlossen werden, eine weitere Ausbauphase ist in Planung. Der zweitgrößte Hafen des Landes, der Imam Khomeini Port in der Nähe von Bandar-e-Mahshahr, meldete für 2015 eine Schrumpfung des Güterumschlages um 4,2% auf 26,7 Mio. t (Entladung: 8,3 Mio. t; Beladung: 18,4 Mio. t)

Terminalbetreiber *)
Hafen Terminal Betreiber
Imam Khomeini Import 1 Golf Agency Co.
Imam Khomeini Import 2 Kaveh Co.
Imam Khomeini Import 3 Sina Co.
Imam Khomeini Export and Warehouses Kaveh Co.
Imam Khomeini Container Terminal South Shipping Line-Iran Co.
Imam Khomeini Grain Terminal Persian Gulf Grain Terminal-Parsian(Kaveh) Co.
Amir Abad Terminal 1 Genaveh Bandar Sazan and Tejarat Gostar Co.
Amir Abad Terminal 2 Tidewater Co.
Anzali Terminal 1 Kaveh Co.
Anzali Terminal 2 Iran Banader Co.
Anzali Terminal 3 Aria Banader Iranian Co.
Anzali Grain Terminal Blue Ocean Co.
Bushehr General Cargo Terminal Sina Co.
Bushehr Terminal Container Sina Co.
Khoramshahr General Cargo Terminal Kaveh Co.
Khoramshahr Container Terminal South Line-Iran Co.
Shahid Bahonar General cargo and Container Terminal Langar Talaee Co.
Shahid Rajaee General Cargo Terminal 1 Darya Bandar Line Co.
Shahid Rajaee General Cargo Terminal 2 Khalij Pejam Co.
Shahid Rajaee Container Terminal 1 Beta Co.
Shahid Rajaee Container Terminal 2 Sina Co.
Shahid Rajaee Terminal of Persian Gulf Port Marie Sahel Co.
Lengeh General Cargo and Container Terminal Public Warehouses and Custom Services Co.
Abadan General Cargo and Container Terminal Buoy Bandar Co.
Genaveh General Cargo and Container Terminal Genaveh Bandar Sazan
Nowshahr General Cargo Terminal Sina Co.

*) Stand: 2016

Quelle: Ports & Maritime Organization

Iran will als Transitland an Bedeutung gewinnen

Angesichts der in Iran erwarteten kräftigen allgemeinen Konjunkturbelebung sollen die Häfen des Landes zügig ausgebaut und modernisiert werden, zudem will Iran als Transitland an Bedeutung gewinnen. Ausländische Investoren und Hafenbetreiber werden als Partner gesucht. Derzeit läuft eine Ausschreibung für die Neuvergabe eines Betreibervertrages (Laufzeit: 5 Jahre) für den Container Terminal 1 (Jahreskapazität: 1,5 Mio. TEU) des Shahid Rajaee Ports. Eine Ausschreibung für einen Terminal im Imam Khomeini Port ist in Vorbereitung.

Ein führender privater Terminal-/Hafenbetreiber ist Kaveh Logistics mit Aktivitäten in den Häfen Shahid Rajaee, Imam Khomeini, Anzali und Khoramshahr. Kaveh hat 2010 in Astara am Kaspischen Meer (Grenze zu Aserbaidschan) mit dem Ausbau des ehemaligen Fischerhafens zu einem Handelshafen begonnen. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen.

Ein weiterer wichtiger Hafenbetreiber ist die Sina Port and Marine Services Company, die zur Bonyad-e-Mostazafan va Janbazan (Foundation of the Oppressed and Disabled) gehört. Hamburgs Eurogate und Contship Italia haben bereits im August 2015 mit Sina eine Absichtserklärung über mögliche Kooperationen unterzeichnet.

Mit der indischen Regierung wurde im Mai 2016 eine Vereinbarung über den Ausbau des Hafens und der Freizone von Chabahar am Golf von Oman unterschrieben. Indien will 500 Mio. US$ in die Entwicklung des Hafens investieren. Chabahar soll unter anderem als Transithafen für den Warenverkehr Richtung Zentralasien und Afghanistan genutzt werden.

Eine 1.400 km Schienenstrecke, die Chabahar mit Zahedan (nahe der Grenze zu Afghanistan) und Mashhad (Anbindung Richtung Zentralasien) verbinden soll, ist seit 2012 im Bau. Die Fertigstellung des Projekts erfordert allerdinge neue Finanzierungen.

Zehnjahresplanung für den Straßenbau

Iran hat sein Schnellstraßen- und Autobahnsystem im Zeitraum 2010/11 bis 2013/14 um rund 3.700 auf 16.400 km erweitert. Das Netz anderer vom Ministerium für Straßenwesen und städtische Entwicklung verwalteter Straßen ist in der genannten um 3.600 auf 68.100 km (ohne In City Roads) gewachsen.

In den vergangenen zwei Jahren (2014/15 und 2015/16) sind offensichtlich nur wenige Kilometer hinzukommen. Im Oktober 2015 gab das Ministerium die Länge der Schnellstraßen und Autobahnen mit 16.620 km und die Länge der sonstigen Straßen mit 68.114 km an. Die letzte neue Schnellstraßenstrecke wurde 2014 für den Verkehr freigegeben (155 km, Qom nach Garmsar, Kosten: 271 Mio. US$).

Die Zehnjahresplanung des Ministeriums sieht bis 2025 den Bau von jährlich 1.400 km 3-spurige Schnellstraßen und 700 km 4-spurige Autobahnen vor. Die Straßenbaumaßnahmen sollen möglichst weitgehend als PPP-Projekte (Private Public Partnership) realisiert werden. Die durchschnittlichen Kosten pro Kilometer Schnellstraße werden mit 1,5 Mio. US$ kalkuliert, etwa 3 Mio. werden für ein Kilometer Autobahn veranschlagt.

Private Investoren für den Betrieb von Strecken gesucht

Als PPP-Projekte sind auch bereits begonnene Vorhaben geplant, die von privaten Investoren als BOT übernommen und abgeschlossen werden sollen. Ein Beispiel ist das mit 1,2 Mrd. US$ veranschlagte Schnellstraßenprojekt zwischen Shiraz und Esfahan. Ebenfalls bereits im Bau ist eine 350 km Schnellstraße zwischen Sirjan und Bandar Abbas.

Private Investoren sollen auch den Betrieb und die Instandhaltung beziehungsweise -setzung bestehender Schnellstraßen und Autobahnen übernehmen. Angeboten werden unter anderem die Schnellstraßen zwischen Teheran und Qom (123 km) sowie zwischen Karaj und Qazvin (157 km). Ferner sollen entlang der Fernstraßen von privaten Betreibern 800 neue Service-Stationen gebaut werden.

(R.E.)

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Iran Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Flughafenbau, Wasser-, Hafenbau

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