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08.03.2017

Iran zeigt großes Interesse an Projekten mit deutschen Firmen im Wassersektor

Internationale Partner gesucht / Erhöhung der lokalen Wertschöpfung angestrebt / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Iran hofft auch im Bereich Wasserwirtschaft auf ein starkes Engagement ausländischer Investoren. Das Land plant eine Vielzahl von Wasser- und Abwasserprojekten, denn die Versorgungssituation wird zunehmend schwieriger. Ursachen für den gestiegenen Wasserbedarf sind das Bevölkerungswachstum und die Ausweitung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion. Das Interesse an gemeinsamen Projekten mit deutschen Firmen ist groß.

Das Energieministerium in Iran, das auch für die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung zuständig ist, hat eine Liste mit über 150 Projekten zum Bau von Wasseraufbereitungsanlagen, Klärwerken sowie Trink- und Abwassernetzen veröffentlicht (http://moe.gov.ir/Investment/Investment-Projects). Für ausländische Firmen ist die zum Energieministerium gehörende National Water and Wastewater Engineering Company (NWWEC), die eine zentrale Funktion bei der Planung und Genehmigung von Wasserprojekten hat, der wichtigste Ansprechpartner. Iran benötigt nach Angaben der NWWEC 22 Mrd. US$ für Wasser- und Abwasserprojekte. Etwa 3.000 Wasser- und Abwasserprojekte warten auf Finanzierungen.

Zunehmend schwierigere Versorgungssituation

Der durch ein hohes Bevölkerungswachstum sowie durch die Ausweitung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion stark gestiegene Wasserbedarf hat in Iran zu einer zunehmend schwierigeren Versorgungssituation geführt. Nach offiziellen Angaben leiden mittlerweile 10 der 31 Provinzen erheblich unter Wasserknappheit.

Die für die Trinkwasserversorgung der Hauptstadtregion wichtigen Staudämme (Amir Kabir, Lar, Latyan, Taleghan, Mamloo) weisen seit langem einen kritisch niedrigen Pegel auf. Als Ausgleich wurden viele neue und zudem immer tiefere Brunnen gebohrt, die den Grundwasserspiegel weiter abgesenkt haben. Den fünf Stauseen wurden 2015 geschätzte 1,5 Mrd. cbm entnommen, davon 0,8 Mrd. cbm zur Trinkwasserversorgung.

Zu etwa 55% erfolgt Irans Wasserversorgung aus Grundwasserbeständen, zu 45% aus Oberflächengewässern (vor allen Stauseen). Zur Nutzung und Kontrolle des Oberflächenwassers sowie zur Stromerzeugung werden in Iran seit Jahrzehnten große Staudammprogramme durchgeführt. Insgesamt 600 Staudämme sollen nach der Islamischen Revolution (1979) gebaut worden sein. Die stärker umweltbewusste Regierung unter Präsident Hassan Rohani (seit August 2013) hat aber bislang keine neuen Genehmigungen für große Staudammprojekte erteilt.

Hoher Wasserverbrauch der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft verbraucht 90% des Wasser. Die meisten Bewässerungssysteme sind ineffizient. Durch moderne Systeme, die erhebliche Investitionen erfordern würden, wäre eine starke Verbrauchsreduzierung möglich. Der hohe Wasserverbrauch der Landwirtschaft ist aber auch die Folge des Anbaus wasserintensiver Erzeugnisse. In der Kritik steht vor allem die Forcierung der Weizenproduktion.

Kontrovers wird auch über die Ansiedlung von Industrien und Kraftwerken mit hohem Wasserbedarf in Gebieten mit geringem Wasserangebot diskutiert. Als zukunftsweisend gilt die Nutzung von aufbereitetem Abwasser für industrielle Zwecke. So verwendet das 1.000 MW Shahid Mofateh Kraftwerk in der Provinz Hamadan jetzt aufbereitetes Abwasser für seine Kühltürme. Zuvor wurde das Kraftwerk mit Wasser aus 24 Tiefbrunnen versorgt.

Meerwasserentsalzung trägt in Iran bislang nur wenig zur Trinkwasserversorgung bei. Derzeit beträgt die Gesamtkapazität der Meerwasserentsalzungsanlagen etwa 300.000 cbm/Tag (einschließlich noch im Bau befindlicher Projekte). Der Regierungsplanung zufolge sollen sich die Kapazitäten innerhalb der nächsten zehn Jahre verzehnfachen. Seit Jahren wird über ein Projekt zur Versorgung der ariden Provinz Semnan mit Wasser aus dem Kaspischen Meer diskutiert. Ziel ist es, jährlich 200 Mio. cbm in den Süden zu pumpen. Das Projekt wird von Irans Umweltbehörde kritisiert.

Großer Nachholbedarf im Abwassersektor

Iran hat im Abwassersektor großen Nachholbedarf. Hohe Investitionen haben zwar zu einer Verbesserung geführt, doch nach wie vor bleibt mehr als Hälfte des Abwassers unbehandelt. Nach NWWEC-Angaben lag die nominale Leistung der iranischen Kläranlagen 2012 bei 3,7 Mio. cbm/Tag, 98 Projekte mit einer Kapazität von 1,6 Mio. cbm waren in der Durchführungsphase. Über die Zahl der zwischenzeitlich fertiggestellten Projekte liegen keine Informationen vor.

In Teheran arbeiten derzeit neun staatliche Kläranlagen. Das größte Projekt ist die im Ausbau befindliche Anlage in Süd-Teheran, wo 2015 die Module 5 und 6 in Produktion gingen. Die beiden neuen Module verfügen über eine Tageskapazität von zusammen 230.000 cbm, damit steigt in Gesamtkapazität der Anlage auf etwa 700.000 cbm. Für den Betrieb der neuen Module ist das Abwassernetz um 300 km erweitert werden, rund 1 Mio. Menschen haben dadurch Anschluss an das Netz erhalten. Für Süd-Teheran sind zwei weitere Module geplant. Teheran will in den nächsten 15 Jahren zusätzlich 22 Klärmodulen bauen, die sich auf zwölf Klärwerke verteilen sollen. Der Planung zufolge wären 2031 insgesamt 11 Mio. Teheraner ans Abwassernetz angeschlossen, aber die Einwohnerzahl könnte bis dahin auf über 20 Mio. angestiegen sein. Heute hat die Hauptstadt etwa 14 Mio. Einwohner, davon weniger als 6 Mio. mit Abwasseranschluss.

Im Oktober 2016 hat die Tehran Province Wastewater Company (TPWWC) mit der türkischen Kuzu Group einen 140 Mio. US$ Vertrag zum Bau einer Kläranlage im südwestlichen Teheran unterzeichnet. Das Vorhaben wird von der Islamic Development Bank finanziert, es war international ausgeschrieben. Die Fertigstellung des Klärwerks ist für 2020 vorgesehen. Es wird über eine Jahreskapazität von 190 Mio. cbm verfügen, das aufbereitete Wasser soll zur Versorgung der Landwirtschaft genutzt werden. Derzeit werden 30% der landwirtschaftlichen Flächen südlich von Teheran mit unbehandeltem Abwasser bewässert.

Mehrere Kläranlagen im Bau

Die TPWWC will in Kürze den Bau und Betrieb von zwei Klärwerken in den Stadtbezirken Lavizan (geplante Jahreskapazität: 20 Mio. cbm) und Sorkheh-Hesar (57 Mio. cbm) ausschreiben. Den Investoren werden Verträge mit einer 25-jährigen Laufzeit angeboten, die Bauzeit soll drei Jahre betragen. Das aufbereitete Abwasser soll zur Bewässerung städtischer Grünflächen benutzt werden. Nach TPWWC-Angaben sind in Teheran sechs Kläranlagen im Bau. Die Anlagen sollen die Bezirke Shahriyar, Parand, Pardis, Maygoun und PishvaIm versorgen. Im Dezember 2015 hat die TPWWC aus der VR China eine 223 Mio. US$ Finanzierungszusage für den Bau von Kläranlagen in zwei südlichen Stadtbezirken, in denen 1,2 Mio. Menschen leben, erhalten.

Gegenwärtig läuft ein Präqualifizierungsverfahren für sechs von der Islamic Development Bank finanzierte Kläranlagen in der Provinz Fars (Hauptstadt: Shiraz), zuständig ist die Fars Water and Wastewater Company (FWWC; http://www.abfa-fars.ir). Nach FWWC-Angaben sind in der Provinz zehn Kläranlagen im Bau und nur eine in Betrieb (Marvdasht, 44.000 cbm).

Iran ist im Bereich Wasser- und Abwassertechnologien nicht an steigenden Einfuhren interessiert. Die Industriepolitik setzt vielmehr auf die Erhöhung der lokalen Wertschöpfung. Die Sanktionspolitik hat zur Forcierung der einheimischen Produktion von Ausrüstungen für die Wasserwirtschaft geführt. Nach Aufhebung der Sanktionen haben Kooperationen mit internationalen Firmen, die neben dem Liefergeschäft auch Technologietransfer anbieten, Priorität. Ausländische Beobachter bestätigen, dass die in Iran erzielten Fortschritte bei der Herstellung von Wasser- und Abwassertechnik beachtlich seien.

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Deponie und Abfallaufbereitungsbau, Wasser-, Hafenbau, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau

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