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17.01.2019

Irans Außenhandel geht deutlich zurück

Auch Deutschland muss mit großen Einbußen rechnen / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Die US-Sanktionen zeigen Wirkung. Iran muss eine starke Schrumpfung der Exporterlöse hinnehmen. Auch der Import ist stark rückläufig. Die Aussichten für 2019 sind düster.

Die im November 2018 wieder in Kraft gesetzten US-Sanktionen gegen die Öl-, Gas- und petrochemische Industrie haben bei den Ausfuhren von Rohöl und Ölkondensaten zu einem starken Einbruch geführt. Von iranischer Seite gibt es keine Zahlen zur aktuellen Entwicklung der Ölexporte. Unabhängige Berechnungen/Schätzungen gehen von einem Rückgang des iranischen Ölexports von etwa 2,8 Millionen barrel per day (einschließlich Kondensate) im April 2018 auf unter 1 Million barrel per day im November 2018 aus.

Ölexporte um fast zwei Drittel geschrumpft

Die Anfang November von der Trump-Administration acht Ländern (China, Indien, Südkorea, Japan, Taiwan, Italien, Griechenland, Türkei) erteilten Ausnahmegenehmigungen (Waiver) haben im Dezember und Januar nur zu einer leichten Erhöhung der Ölexporte geführt. Befristet auf sechs Monate erlauben die Waiver einen mengenmäßig begrenzten sanktionsfreien Import iranischen Öls.

Von den Ausnahmegenehmigungen machen einige Länder bislang keinen Gebrauch. Hauptabnehmer sind China und Indien. Die Türkei importiert seit Dezember wieder. Japan und Südkorea wollen in Kürze wieder iranisches Öl beziehen. Über italienische und griechische Einfuhren ist nichts bekannt. Das iranische Ölministerium erklärt, neue "potenzielle" Abnehmer gefunden zu haben, gibt aber keine weiteren Informationen.

Mit einer Verlängerung der Waiver im Mai 2019 rechnen vor allem China und Indien. Allerdings hat Brian Hook, der U.S. Special Representative for Iran, am 11. Januar 2019 auf einer Konferenz in Abu Dhabi erklärt, es werde keine weiteren Waiver geben. Beobachter erwarten allerdings, dass diese Position nicht durchgehalten werden kann, es aber zu einer weiteren Reduzierung der erlaubten Importmengen kommen dürfte.

Prognosen rechnen damit, dass Iran 2019 durchschnittlich zwischen 1 Million und 1,5 Millionen barrel per day exportieren kann. Die Weltbank geht in ihrem Ende November 2018 veröffentlichten "Iran Economic Monitor" für 2019/20 (iranisches Jahr 1398; 21.3. bis 20.3.) von einem durchschnittlichen Ölexport von lediglich 1 Million barrel per day aus. Während der Sanktionsphase vor 2016 bewegten sich die Ölexporte immer deutlich oberhalb der 1 Million barrel per day Marke. Die iranische Regierung kalkuliert in ihrem Budgetentwurf 2019/20 mit Ölexporten von 1,5 Millionen barrel per day.

Statistik über Nicht-Öl-Außenhandel zeigt Einbruch

Die monatlich vom iranischen Zoll vorgelegte Statistik über den Nicht-Öl-Außenhandel zeigt für November/Dezember 2018 (iranischer Monat Azar) starke Rückgänge. Gegenüber dem Vormonat wird eine Schrumpfung des Außenhandelsvolumens um 34 Prozent auf 4,93 Milliarden US-Dollar (US$) ausgewiesen.

Die Nicht-Öl-Exporte schrumpften um 56 Prozent auf 1,87 Milliarden US$. Der Petrochemie-Export sank um 40 Prozent auf 1,08 Milliarden US$. Die Ausfuhren von Ölkondensaten, die in der Statistik als Teil der Nicht-Öl-Exporte erfasst sind, lagen im Mai/Juni (Khordad) noch bei 0,6 Milliarden US$, dann folgte eine Talfahrt, im Oktober/November waren es nur noch 58 Millionen US$, im November/Dezember wurde kein Kondensat mehr exportiert. Wichtigster Kondensat-Abnehmer war Südkorea. In der statistischen Sammelkategorie "andere Güter", die alle Waren außer Petrochemie und Kondensate umfasst, wird für November/Dezember ein Schrumpfung um 67 Prozent auf 0,8 Milliarden US$ ausgewiesen.

Aufgrund der 2018/19 anfänglich positiven Exportentwicklung konnten die Nicht-Öl-Ausfuhren in den ersten neun Monaten gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 5 Prozent auf 33,4 Milliarden US$ zulegen. Im Neunmonatszeitraum erhöhten sich die Petrochemie-Lieferungen ins Ausland um 31 Prozent auf 11,5 Milliarden US$, die Kondensat-Ausfuhr schrumpfte jedoch um 45 Prozent auf 2,8 Milliarden US$, die sonstigen Ausfuhren expandierten um 7 Prozent auf 19,1 Milliarden US$. Die wichtigsten Absatzmärkte für den iranischen Nicht-Öl-Export waren Irak (Exporte: 6,9 Milliarden US$), gefolgt von China (6,7 Milliarden US$), den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE; 5,1 Milliarden US$), Afghanistan (2,3 Milliarden US$) und die Türkei (1,9 Milliarden US$).

Nach Zollangaben sind Irans Einfuhren in den ersten neun Monaten 2018/19 um 16 Prozent auf 32,6 Milliarden US$ gesunken. Die wichtigsten Lieferanten waren China (-12 Prozent auf 8,2 Milliarden US$), die VAE (-29 Prozent auf 4,9 Milliarden US$), Südkorea (-33 Prozent auf 1,8 Milliarden US$), Deutschland (-14 Prozent auf 1,8 Milliarden US$) und die Schweiz (+11 Prozent auf 1,8 Milliarden US$). Diese fünf Länder hatten zusammen einen Anteil an Irans Gesamtimport von 58 Prozent.

Deutsche Lieferungen jetzt stark rückläufig

Die ab November 2018 nun vollständige Reaktivierung der US-Sanktionen dürfte auch für die deutschen Iran-Exporte eine Zäsur bedeuten. Eurostat zufolge hatten sich die deutschen Lieferungen im Oktober noch einmal deutlich auf 398 Millionen Euro erhöht. Dieser Anstieg wird von Beobachtern als "Last Minute"-Effekt vor Wiederinkrafttreten der US-Sanktionen interpretiert.

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes fielen die Exporte im November gegenüber Oktober um 58 Prozent auf 167 Millionen Euro, gegenüber dem Vorjahresmonat war es ein Minus von 43 Prozent. So niedrige Exporte wurden zuletzt im Februar 2016, also kurz nach Lockerung der Wirtschaftssanktionen, verzeichnet.

Das Wachstum der deutschen Iran-Exporte bis Oktober, das vor allem durch den Maschinenbau verursacht wurde, mildert den Effekt der negativen Entwicklung ab November auf die Gesamtjahresbilanz erheblich: Es ist für 2018 nur mit einem Rückgang der deutschen Iran-Ausfuhren um 5 bis 6 Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro zu rechnen. Für 2019 ist aber eine Schrumpfung auf unter 2 Milliarden Euro zu erwarten, falls sich die Rahmenbedingungen nicht deutlich verbessern.

Europäische Einfuhren aus Iran drastisch gefallen

Schon nach der im Mai 2018 von Präsident Trump angekündigten Reaktivierung der US-Sanktionen setzte eine Drosselung der EU-Ölimporte aus Iran ein. Zwischen Juni und Oktober 2018 fielen die Öleinfuhren um 56 Prozent auf 486 Millionen Euro. Dennoch betrug im Oktober der Öl-Anteil am EU-Gesamtimport aus Iran noch 84 Prozent.

Die Außenhandelszahlen der EU28 Gruppe für November liegen noch nicht vor. Aber die im September/Oktober von den führenden EU-Abnehmern iranischen Öls (Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland) vollzogene komplette oder weitgehende Einstellung der Ölimporte müsste im November die Öleinfuhr aus Iran auf ein sehr niedriges Niveau gedrückt haben. Für die gesamten EU-Einfuhren aus Iran würde dies im November gegenüber Oktober ein Minus von etwa 80 Prozent bedeuten.

Das Gesamtjahr 2018 dürfte aber mit einem Rückgang der EU-Importe aus Iran um lediglich 7 Prozent auf etwa 9,4 Milliarden Euro abgeschlossen haben. Kommt es 2019 nicht zur Wiederaufnahme der Ölimporte aus Iran, könnten die EU-Einfuhren aus Iran auf 1 Milliarde Euro sinken. Derzeit sind die Chancen für eine Wiederaufnahme des Öl-Imports eher gering.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Iran können Sie unter http://www.gtai.de/Iran abrufen.

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Iran Außenhandel / Struktur, allgemein

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