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13.09.2019

Irans Außenhandel mit Fragezeichen

Teheran meldet relativ geringe Rückgänge im Nicht-Öl-Warenverkehr / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Als Folge der US-Sanktionen sowie der schweren Rezession ist Irans Außenhandel stark geschrumpft. Die Angaben zum Ausmaß des Rückgangs weichen aber teilweise deutlich voneinander ab.

Der drastische Einbruch der iranischen Rohölausfuhr infolge der US-Sanktionen hat Irans Exporterlöse vermutlich halbiert. Allerdings werden sowohl zum Rohölexport als auch zur Ölförderung keine offiziellen Daten mehr veröffentlicht. Mit Auslaufen der US-Ausnahmegenehmigungen (Waiver) Anfang Mai 2019 sind die Rohölexporte von ihrem im April 2018 erreichten Höchstwert (2,8 Millionen barrel per day/bpd; einschließlich Kondensate) auf mittlerweile deutlich unter 0,5 Millionen bpd gesunken.

Unterschiedliche Daten zum iranischen Ölexport

Nach Berechnungen der Analysten von Refinitiv Eikon wurden im Juli 2019 nur noch 0,12 Millionen bpd exportiert. Die in Washington und Dubai ansässige Beratungsfirma SVB Energy International schätzt einen Wert zwischen 0,23 Millionen und 0,35 Millionen bpd. Bloomberg kalkuliert auf Basis der Auswertung von Tanker-Bewegungen, dass der Rohölexport im Mai 2019 auf 0,4 Millionen bpd gefallen ist, dann im Juni und Juli weiter zurückging, aber sich im August wieder dem Mai-Wert angenähert hat.

Die internationale Beratungsfirma Kpler gibt für August 2019 die iranischen Ölexporte mit 0,16 Millionen bpd an (Juli: 0,37 Millionen bpd). Die August-Exporte sollen nach China (0,11 Millionen bpd), Syrien (0,03 Millionen bpd) und in die Türkei (0,02 Millionen bpd) gegangen sein.

Der iranischen Zentralbank zufolge machte die Ölausfuhr in den beiden Jahren vor Wiederinkrafttreten der US-Sanktionen etwa zwei Drittel der Exporterlöse aus. Im iranischen Jahr 1395 (2016/17; 21. März bis 20. März) wurde Öl für 55,8 Milliarden US$ (einschließlich Kondensate, verschiedener Ölprodukte und Gas) ausgeführt, der Wert stieg 2017/18 auf 65,8 Milliarden US$. Die letzten verfügbaren Daten beziehen sich auf das 1. Quartal 2018/19 (21. März bis 20. Juni 2018), die Ölausfuhr lag bei 21,0 Milliarden US$.

Irans Zollstatistik mit erstaunlichen Zahlen

Der iranische Zoll weist für die ersten fünf Monate 2019/20 (21. März bis 21. August) im Nicht-Öl-Warenverkehr (alle Produkte außer Rohöl) einen überraschend geringen Rückgang um 7,0 Prozent auf 35,5 Milliarden US$ aus. Den iranischen Angaben zufolge gingen die Einfuhren lediglich um 6,8 Prozent auf 17,7 Milliarden US$ zurück, die Ausfuhren nur um 9,1 Prozent auf 17,8 Milliarden US$.

Die zu den Nicht-Öl-Ausfuhren gezählten Kondensate (bei der Gasförderung anfallendes Leichtöl), Ölprodukte und petrochemischen Erzeugnisse hatten 2018/19 einen Anteil von über 40 Prozent am Nicht-Öl-Export. Diese drei Produktgruppen stehen nun aber ebenfalls wieder unter US-Sanktionen. Die monatliche Zollstatistik liefert jetzt keine Informationen mehr über die Ausfuhren nach Produktgruppen.

Irans Ölminister Bijan Zanganeh erklärt, beim Export von Ölprodukten habe man keine Probleme, im August (2019) sei ein Spitzenwert erreicht worden. Das britische Beratungsunternehmen FGE schätzt, dass Irans Ölproduktexporte um Juli bei 400.000 bis 500.000 bpd lagen. Nach Berechnungen von Refinitiv Eikon hat Iran im August mehr als 230.000 bpd Heizöl exportiert, einziger Abnehmer waren die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Gemäß Kpler konnte Iran im Juni und Juli rund 200.000 bpd LPG (Liquefied Petroleum Gas) exportieren, Hauptabnehmer war China.

Anders als bei den Ölprodukten scheint der Kondensat-Export weitgehend zum Erliegen gekommen zu sein. Die Ausfuhren petrochemischer Erzeugnisse sollen stark zurückgegangen sein.

Türkei ist nun drittgrößter Handelspartner, fast gleichauf mit den VAE

Als führende Abnehmer iranischer Nicht-Öl-Erzeugnisse weist die iranische Statistik in den ersten fünf Monaten 2019/20 China mit 4,4 Milliarden US$ (Veränderung gegenüber Vorjahresperiode: +17,5 Prozent), Irak mit 3,9 Milliarden US$ (+14,3 Prozent), die Türkei mit 2,5 Milliarden US$ (Zuwachs von mehr als 150 Prozent), VAE mit 1,7 Milliarden US$ (-52,4 Prozent) und Afghanistan mit 0,9 Milliarden US$ (-37,3 Prozent) aus.

Dem iranischen Zoll zufolge haben sich die Einfuhren aus China in den ersten fünf Monaten 2019/20 um 11,4 Prozent auf 4,3 Milliarden US$ vermindert. Eine positive Wende wird hingegen für die Importe aus den VAE (vor allem Re-Exporte über Dubai) gemeldet. Nach einem starken Rückgang der VAE-Lieferungen im Gesamtjahr 2018/19 um 34,7 Prozent sind die Bezüge in den ersten fünf Monaten 2019/20 gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode wieder um 13,9 Prozent auf 3,0 Milliarden US$ gestiegen.

Einen besonders starken Zuwachs gibt die iranische Statistik bei den Lieferungen aus der Türkei an. Die Importe aus der Türkei haben sich im Fünfmonatszeitraum 2019/20 auf 2,2 Milliarden US$ erhöht, weniger als 1 Milliarde US$ waren es im Vergleichszeitraum 2018/19. Damit ist das westliche Nachbarland nun Irans drittgrößter Handelspartner. Für den Zuwachs der türkischen Lieferungen müssten auch verstärkte Re-Exporte verantwortlich sein. Auch deutsche Produkte dürften auf diesem Weg nach Iran kommen.

Indien hat in der Fünfmonatsperiode 2019/20 seine Stellung als Irans viertgrößter Lieferant gefestigt. Die Bezüge aus Indien stiegen um 55,8 Prozent auf 1,9 Millionen US$, so die iranischen Zahlen. Deutschland lag zwar in den ersten fünf Monaten 2019/20 unverändert auf Platz 5 der iranischen Lieferantenliste, es wird aber eine Schrumpfung um 10,7 Prozent auf 0,9 Milliarden US$ ausgewiesen.

Die EU, China, Japan und Südkorea melden starke Einbrüche

Die Außenhandelsstatistiken wichtiger Lieferländer zeigen im Vergleich zu den iranischen Daten eine teilweise deutlich negativere Entwicklung des iranischen Außenhandels. Eurostat weist im 1. Halbjahr 2019 eine Schrumpfung der Exporte der EU 28 Gruppe nach Iran um 53,1 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro aus. Deutschlands Iran-Export fiel um 48,4 Prozent auf 678 Millionen Euro, es folgten Italien mit 357 Millionen Euro (-54,3 Prozent), die Niederlande mit 252 Millionen Euro (-35,4 Prozent), Frankreich mit 168 Millionen Euro (-63,4 Prozent) und Belgien mit 114 Millionen Euro (-51,7 Prozent).

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) weist eine Verminderung der Iran-Lieferungen des deutschen Maschinenbaus im 1. Halbjahr 2019 um 57,6 Prozent auf 183 Millionen Euro aus. Nach Lockerung der Wirtschaftssanktionen Anfang 2016 hatte der deutsche Maschinenbau im Zeitraum 2016 bis 2018 sein Iran-Geschäft nahezu verdoppeln können, rund 1,1 Milliarde Euro waren es 2018.

Die Bezüge der EU 28 Gruppe aus Iran sind aufgrund der beendeten Öleinfuhren in den ersten sechs Monaten 2019 um 93,1 Prozent auf 418 Millionen Euro gesunken. Die ehemaligen EU-Hauptabnehmer iranischen Öls (Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland) verzeichnen Rückgänge ihrer Iran-Importe um 95 bis 99 Prozent. Die deutschen Einfuhren aus Iran sind "lediglich" um 42,9 Prozent auf 100 Millionen Euro gefallen.

Der chinesische Zoll meldet ein stark rückläufiges Iran-Geschäft. Die Exporte nach Iran waren schon 2018 um 25,5 Prozent auf 14,0 Milliarden US$ gesunken. In den ersten sieben Monaten 2019 schrumpften die Ausfuhren um weitere 42,9 Prozent auf 5,5 Milliarden US$. Chinas Importe aus Iran sind 2018 um 13,7 Prozent auf 21,1 Milliarden US$ gewachsen, aber gingen in den ersten sieben Monaten 2019 um 32,3 Prozent auf 9,2 Milliarden US$ zurück, wichtigster Grund ist der stark gedrosselte Rohölimport.

Die Statistik der Japan External Trade Organization (JETRO) zeigt einen nahezu vollständigen Einbruch des japanischen Iran-Handels. Japan importiert seit Mai 2019 kein iranisches Öl mehr. Bis April summierte sich die gesamte japanische Einfuhr aus Iran auf 1,1 Milliarden US$, im Mai und Juni waren es insgesamt nur noch 65 Millionen US$. Im Gesamtjahr 2018 importierte Japan aus Iran für 3,5 Milliarden US$.

Japans Lieferungen nach Iran hatten sich 2016 und 2017 positiv entwickelt, die Exporte stiegen um 103 Prozent auf 586 Millionen US$ beziehungsweise um 50 Prozent auf 877 Millionen US$ an. Es folgte 2018 eine Schrumpfung um 20 Prozent auf 702 Millionen US$ und im 1. Halbjahr 2019 ging es um 95 Prozent auf 28 Millionen US$ zurück.

Auch Südkorea hat seinen Iran-Handel drastisch reduziert. Nach Angaben der Korea International Trade Association (KITA) sind die koreanischen Exporte nach Iran in den ersten sieben Monaten 2019 um 91 Prozent auf 182 Millionen US$ gefallen. Die koreanischen Lieferungen erreichten 2012 mit 6,3 Milliarden US$ ihren Höhepunkt und sanken dann kontinuierlich bis 2016 auf 3,7 Milliarden US$. Ein Anstieg um 8 Prozent auf 4,0 Milliarden US$ wurde 2017 verzeichnet, um 43 Prozent auf 2,3 Milliarden US$ ging es 2018 zurück.

Seit Mai 2019 liegen die südkoreanischen Importe aus Iran fast bei null. Zuvor wurden vor allem Kondensate aus Iran bezogen. In den ersten vier Monaten 2019 betrug die Gesamteinfuhr aus Iran 2,1 Milliarden US$. Die Importe hatten 2017 fast 8 Milliarden US$ erreicht, es ging dann 2018 auf 4,1 Milliarden US$ zurück.

Indiens Iran-Export gestiegen

Indiens Department of Commerce meldet einen kräftigen Anstieg der Ausfuhren nach Iran. Im Finanzjahr 2018/19 (April bis März) erhöhten sich die Lieferungen gegenüber dem Vorjahr um fast ein Drittel auf 3,5 Milliarden US$, in den ersten vier Monaten 2019/20 (April bis Juli) wurde eine Expansion um 26 Prozent auf 1,7 Milliarden US$ verzeichnet. Ob das Wachstumstempo im weiteren Jahresverlauf gehalten werden kann, ist allerdings sehr fraglich, da Indiens Iran-Exporte wesentlich durch die seit Mai 2019 eingestellten Öllieferungen finanziert wurden.

Aufgrund der gestoppten Ölimporte tendieren die indischen Einfuhren aus Iran gegen Null. Im Juli 2019 lag der Import aus Iran bei nur noch 10 Millionen US$, im Vorjahresmonat waren es 1,8 Milliarden US$. Im Gesamtjahr 2018/19 importierte Indien aus Iran für 13,5 Milliarden US$, weniger als 1,5 Milliarden US$ könnten es 2019/20 werden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Iran können Sie unter http://www.gtai.de/Iran abrufen.

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Iran Export, Import, Öl, Gas

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