Suche

31.03.2017

Irans Öl- und Gasprojekte verzögern sich weiter

Noch keine Ausschreibungen / Aber Verhandlungen mit vielen internationalen Firmen / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Seit Ende 2015 gibt es regelmäßig Verlautbarungen, die kurz bevorstehende Ausschreibungen für etwa 50 Öl- und Gasprojekte ankündigen. Diese Projekte sollen unter für ausländische Firmen verbesserten Vertragsbedingungen realisiert werden. Zwischenzeitlich haben 29 ausländische und elf lokale Firmen vom Ölministerium eine Genehmigung für eine Projektbeteiligung erhalten. Obwohl großes ausländisches Interesse besteht, hat die jetzt unklare Washingtoner Iran-Politik zu Verunsicherungen geführt.

Im Januar 2017 veröffentlichte die National Iranian Oil Company (NIOC) als Ergebnis eines Präqualifikationsverfahrens eine Liste von 29 internationalen Firmen, die sich an den geplanten Öl- und Gasprojekten beteiligen dürfen. Es werden ausländische Investitionen von insgesamt 130 Mrd. US$ erwartet. Als westeuropäische Unternehmen sind zugelassen: CEPSA (Spanien), DNO (Norwegen), ENI (Italien), Maersk Oil (Dänemark), OMV (Österreich), Schlumberger (Niederlande), Shell (Niederlande), Total (Frankreich) und die BASF-Tochter Wintershall. Die Liste der zugelassenen internationalen Firmen soll noch erweitert werden. Insbesondere wird die Aufnahme weiterer russischer Firmen erwartet, derzeit sind nur Gazprom und Lukoil gelistet.

Die britische BP hat sich bislang nicht um eine Zulassung beworben, obwohl BP ausdrücklich von iranischer Seite dazu aufgefordert worden ist. Für das Unternehmen mit seinem Wurzeln in der Anglo-Persian Oil Company, die 1913 in Iran mit der ersten Ölförderung begann, seien vor allem wirtschaftliche Erwägungen entscheidend gewesen, so Beobachter. Aber auch die wachsenden Spannungen zwischen Washington und Teheran hätten eine Rolle gespielt. BP betreibt aber seit 2016 wieder ein Büro in Teheran und kauft seit Oktober wieder iranisches Öl.

Die angekündigten Ausschreibungen lassen zwar weiterhin auf sich warten, aber mit vielen internationalen Firmen werden intensive Gespräche über einzelne Projekte geführt. Bislang (Stand: März 2017) sind 25 Absichtserklärungen unterzeichnet worden, deren Wert die NIOC mit über 80 Mrd. US$ beziffert.

Frankreichs Total will abwarten

Total war das erste ausländische Unternehmen, das nach Lockerung der Sanktionen mit der NIOC eine Absichtserklärung über ein Upstream-Projekt unterzeichnet hat. Im November 2016 kam ein nicht bindendes HOA (Heads of Agreement) über die Entwicklung der Phase 11 des großen South Pars Gasfeldes zustande.

Total möchte dieses Projekt als Konsortialführer (Beteiligung: 50,1%) gemeinsam mit der China National Petroleum Corporation (CNPC; 30%) und der lokalen Petropars (19,9%) durchführen. Das französische Unternehmen war federführend bei der Entwicklung von South Pars 2 und 3. Bereits 2004 hatte Total einen Vertrag für South Pars 11 unterzeichnet, aber das Vorhaben wurde letztlich nicht umgesetzt. Aufgrund der Sanktionen stellte Total 2011 die Iran-Aktivitäten ein.

In South Pars 11 ist eine Förderung von 1,8 Mrd. cfd (cubic feet daily) geplant. Für das Projekt soll das neue Vertragsmodell, der "Iranian Petroleum Contract" (IPC), zur Anwendung kommen. Demnach würde das Konsortium das Gasfeld entwickeln und anschließend mindestens 20 Jahre betreiben. Zunächst sind 30 Bohrlöcher und zwei Förderplattformen vorgesehen, die Investitionen von 2 Mrd. US$ erfordern. Eine zweite Ausbauphase ist geplant. Die Gesamtkosten werden mit 4,8 Mrd. US$ kalkuliert.

Total-Chef Patrick Pouyanne erklärte jedoch im Februar 2017, das South Pars Projekt könne nur realisiert werden, wenn die Lockerung der Iran-Sanktionen Bestand habe. Dabei verwies Pouyanne auf die im Frühjahr notwendigen Verlängerungen der Sanktionsaussetzungen (Waiver) durch US-Präsident Donald Trump. Eine Entscheidung, ob Total am South Pars 11 und anderen Iran-Projekten festhält, wird somit erst in der 2. Hälfte 2017 fallen. Die NIOC stellte in einer Presseerklärung fest, Total habe sich nicht zurückgezogen, sondern es werde weiterhin über die Vertragsgestaltung und technische Fragen verhandelt.

Der mögliche Total-Konsortialpartner Petropars ist das führende iranische Unternehmen bei der Entwicklung des South Pars Gasfeldes. Wichtige Petropars Shareholder sind die NIOC und die Oil Industry Pension Fund Investment Company. Die Petropars Group war oder ist an den South Pars Phasen 1, 4 bis 8, 12 und 19 sowie an der Entwicklung des Farzad A Gasfeldes beteiligt. Die South Pars Phase 19 arbeitet derzeit mit zwei von drei Plattformen, die Installation der dritten Plattform wurde im März 2017 abgeschlossen. Für die Phase 19 wird eine jährliche Produktion von 1 Mio. t LNG (Liquefied Natural Gas), 1 Mio. t Ethan und 75.000 Barrel Gaskondensate anvisiert.

Erste internationale Ausschreibung nicht öffentlich

Royal Dutch Shell hat im Dezember 2016 mit der NIOC eine Vereinbarung über Studien zur weiteren Entwicklung von zwei großen Ölfeldern (Azadegan, Yadavaran) sowie der Kish Gasvorkommen (Offshore) erzielt. Auch Total soll an den drei Vorkommen interessiert sein. Über Azadegan wird ebenfalls mit Japans Inpex gesprochen.

Das Azadegan Ölfeld soll das erste international ausgeschriebene Upstream-Projekt werden. Derzeit wird als Termin Ende März genannt. Die Ausschreibung werde allerdings nicht öffentlich und auf wenige Unternehmen beschränkt sein, so Ölminister Bijan Zanganeh.

Dänemarks Maersk zeigt Interesse am South Pars Oil Layer, Norwegens DNO am Changuleh Ölfeld sowie an den Hengam Offshore Vorkommen, nahe der Straße von Hormuz. Für das Farzad B Gasfeld gibt es konkurrierende Vorschläge von Russlands Zarubezhneft und Indiens Oil and Natural Gas Corporation.

Mit Wintershall wird über vier nicht genannte Onshore-Ölfelder im Westen Irans gesprochen; es könnte sich um Ölfelder des "West Iran Oil Fields Package" (westlich von Kermanshah) handeln. Österreichs OMV hat Pläne für das Band-e-Karkheh Ölfeld erstellt, an der OMV ist Abu Dhabis staatliche International Petroleum Investment Company mit 24,9% beteiligt. Mit der Korea Gas Corporation wird über das Balal Gasfeld diskutiert. Fortgeschrittene Verhandlungen soll es mit Gazprom über die Ölfelder Changuleh und Cheshmeh Kosh geben. Changulah hat auch Thailands PTTEP im Blick.

An den aktiven Ölfeldern Teymour und Mansouri sind sowohl Indonesiens Pertamina als auch Russlands Lukoil interessiert. Pertamina hat im Februar 2017 erste Konzepte für beide Ölfelder vorgelegt. In Mansouri soll die Zahl der Bohrlöcher von heute 81 auf 365 erhöht werden, die Förderung soll von 65.000 auf 365.000 bpd steigen. In Teymour sehen die Pertamina- Pläne über 200 zusätzliche Bohrlöcher und eine Produktion von 300.000 bpd vor.

Das neue Vertragsmodell (IPC) verpflichtet die ausländischen Firmen zur Gründung von Joint Ventures mit lokaler Beteiligung. Die NIOC hat bislang elf iranische Firmen als mögliche Partner zugelassen: Ghadir Investment Company, Pasargad Development Company, Petro Gohar Farasahel Kish Co., Petropars, Oil Industries Engineering and Construction, Execution of Imam Order, Dana Energy Company, Petroiran, MAPNA Group, Khatam-al Anbia (unter US-Sekundärsanktionen) und die Industrial Development and Renovation Organization of Iran (IDRO).

Neues Ölfeld startet Produktion

Mit großer Verzögerung ist im März 2017 das Azar Ölfeld (Provinz Ilam) an der Grenze zu Irak in Produktion gegangen. In der 1. Phase ist eine Förderung von 15.000 bpd angestrebt, bei der für 2018 geplanten Fertigstellung der 2. Phase sollen es dann 65.000 bpd werden. Das Ölfeld ist eines von sechs mit Irak geteilten Vorkommen (Joint Fields), die anderen fünf sind Dehloran, West Paydar, Naft Shahr, Azadegan und Yadavaran.

Das Azar-Projekt läuft bereits seit 2003. An der Entwicklung des Ölfeldes hatten zunächst unter anderem Lukoil, Norsk Hydro, Malaysias Petronas und Gazprom gearbeitet. Sanktionsbedingt übernahm dann 2013 ein lokales Konsortium bestehend aus der Oil Industry Pension Fund Investment Company (gehört zum Ölministerium), der Oil Industries Engineering and Construction Company und der Sarvak Azar Engineering and Development Company das Projekt, Ziel war eine Förderung von 30.000 bpd bis 2016.

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Öl, Gas

Funktionen

Manfred Tilz Manfred Tilz | © GTAI

Kontakt

Manfred Tilz

‎+49 228 24 993 234

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche