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25.10.2018

Irland fährt Investitionen in die Wasserwirtschaft hoch

Zehnjährige Entwicklungsstrategie liegt vor / Von Torsten Pauly

Dublin (GTAI) - Irland wird bis 2027 über 9,7 Milliarden Euro in die Frisch- und Abwassersysteme sowie in den Hochwasserschutz investieren. Dies eröffnet deutschen Firmen viele Geschäftschancen.

Die Qualität und Reichweite der irischen öffentlichen Wassernetze ist im europäischen Vergleich mittelmäßig. So waren 2016 nur 66 Prozent aller Einwohner an die kommunale Abwasserentsorgung angeschlossen. In der Europäischen Union (EU) haben 23 Mitgliedstaaten eine höhere Rate.

Besser war die Anschlussquote 2016 bei Irlands öffentlicher Wasserversorgung mit 77 Prozent, doch auch hier erreichen 17 EU-Länder weitere Teile der Bevölkerung und einige westeuropäische Staaten sogar jeden Einwohner. Zudem waren Irlands Leitungsverluste 2017 mit 47 Prozent sehr hoch.

Es gibt einen großen Modernisierungsstau

Ein Grund für diesen schlechten Zustand ist die geringe Bevölkerungsdichte, was die Erschließung vieler Haushalte ans öffentliche Netz verteuert. In Irland leben im Durchschnitt 69 Menschen auf einem Quadratkilometer, im ländlichen Westen sogar nur 33 Personen. Zum Vergleich: Im EU-Mittel sind es 118 und in Deutschland 233 Einwohner.

Irland hat aber auch über viele Jahre zu wenig in seine Wasserinfrastruktur investiert. Die öffentlichen Netze werden in Irland mit Steuermitteln und nicht mit Gebühren der Haushalte finanziert. Die Regierung hatte solche Abgaben zwar 2015 eingeführt, diese nach starken Protesten der Bevölkerung aber bereits 2016 wieder zurückgenommen.

Kennziffern zum irischen Wasser- und Abwassernetz
Indikator
Bevölkerung Irlands (Einwohner im April 2018) 4.857.000
Bevölkerungsdichte (Einwohner pro Quadratkilometer im April 2018) 69
Anschlussquote der Bevölkerung an die kommunale Frischwasserversorgung (2016 in %) 77
Anschlussquote der Bevölkerung an eine sonstige Frischwasserversorgung (2016 in %) 18
Leitungsverluste in der Frischwasserversorgung (2017 in %) 47
Anschlussquote der Bevölkerung an die kommunale Abwasserentsorgung (2016 in %) 66
Anschlussquote der Bevölkerung an eine sonstige Abwasserentsorgung (2016 in %) 30

Quellen: Irisches Statistikamt CSO, Eurostat

Bessere Wasserversorgung an der Ostküste und im Landesinnern

Irlands Regierung hat Mitte 2018 in ihrer Entwicklungsstrategie bis 2027 angekündigt, 8,8 Milliarden Euro in die öffentlichen Frisch- und Abwassernetze zu investieren. Für deren Bau und Betrieb ist in Irland das staatseigene Unternehmen Irish Water zuständig, das von den Gesamtinvestitionen 8,5 Milliarden Euro implementieren wird.

Bis zu 1,3 Milliarden Euro sind allein für den Ausbau der Wasserversorgung an der Ostküste und deren Hinterland eingeplant. Derzeit befindet sich das Projekt im Planungsstadium. Vorgesehen ist dabei auch eine 170 Kilometer lange Wasserpipeline samt Becken und Behandlungsanlagen, was die Belieferung des Großraums Dublin langfristig sicherstellen soll.

Programme zur Reduzierung von Leitungsverlusten und Bleigehalt

Irish Water hat zudem ein Programm zur Verringerung der Frischwasserverluste in allen öffentlichen Leitungen aufgelegt. Diese Investitionen laufen von 2017 bis 2021 und summieren sich auf 500 Millionen Euro. Ziel ist es, die Verlustquote in diesem Zeitraum von 47 auf 38 Prozent zu senken. So sollen täglich 180 Millionen Liter eingespart werden.

Ein weiteres landesweites Programm von Irish Water hat den sukzessiven Austausch von Wasserleitungen aus Blei zum Ziel. Diese wurden in Irland bis in die 1970er Jahre verbaut. Hausbesitzer bekommen dabei in Abhängigkeit von ihrem Jahreseinkommen bis zu 80 Prozent der Kosten auf Antrag erstattet.

Neue Klärwerke sind in der Pipeline

Irish Water hat 2016 einen Nationalen Plan zur Behandlung von Abwässern und Klärschlamm aufgelegt (National Wastewater Sludge Management Plan). Dieser hat eine Laufzeit von 25 Jahren und wird alle fünf Jahre überprüft. Größere Investitionen in Entsorgungsnetze und Kläranlagen stehen unter anderem in Cork in Höhe von 55 Millionen Euro, in Athlone (36 Millionen Euro) und in Kerry (33 Millionen Euro) an.

Das größte irische Abwasserprojekt ist in Dublin geplant, wo an der nördlichen Küste ein zweites Klärwerk für 500 Millionen Euro entstehen wird. Dieses soll 2026 seinen Betrieb aufnehmen. Derzeit reinigt und entsorgt eine Anlage auf der Landzunge Ringsend an der Mündung des Liffey-Flusses das gesamte Abwasser der Hauptstadt. Auch in dieses Objekt fließen Investitionen von 190 Millionen Euro.

Lösungen für Selbstversorger und -entsorger bleiben gefragt

Wegen der überschaubaren Reichweite der öffentlichen Netze ist Irland auch ein attraktiver Markt für Pumpen und lokale Anlagen zur Abwassersammlung und -aufbereitung. Der Wassertechnikimport ist 2017 um 2,8 Prozent auf 411,5 Millionen Euro gestiegen. Davon kamen 9,3 Prozent aus Deutschland. Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland hat dank der traditionell starken Stellung seiner Händler einen sehr hohen Lieferanteil, der sich 2017 auf 35,3 Prozent summiert hat. Bei vielen Waren ist das Vereinigte Königreich jedoch nur Durchgangs- und nicht Ursprungsland. Die Bedeutung britischer Händler könnte durch den Brexit stark sinken.

Irische Importe von ausgewählter Wassertechnik (in Millionen Euro)
Produkt (Zolltarif-Position) 2017 Veränderung 2017/2016 (in %) Anteil aus Deutschland 2017 (in %)
Keramische Rohrleitungen, Verbindungs-, Verschlussstücke u.ä. (69.06) 0,1 -17,0 1,9
Rohrleitungssysteme aus Stahl (73.07) 48,6 14,2 5,1
Rohre aus Kunststoff (39.17) 168,7 11,8 4,8
Hebewerke, Teile (8413.82, 8413.92) 0,3 -34,8 7,6
Kreiselpumpen, Teile (8413.70) 25,5 6,6 6,2
Andere oszillierende Verdrängerpumpen (8413.50) 14,3 15,9 12,4
Andere rotierende Verdrängerpumpen (8413.60) 6,7 33,4 17,2
Andere mit Messvorrichtung ausgestattete Flüssigkeitspumpen (8413.19) 5,6 -19,4 18,3
Andere Pumpen (8413.81) 6,8 23,0 6,2
Teile von Pumpen (8413.91) 73,2 9,3 10,8
Zentrifugen zur Wasserreinigung (8421.21) 21,2 -18,1 31,3
Sammelbehälter für flüssige Stoffe, größer als 100.000 Liter (7309.00.51) 0,4 -15,8 0,0
Sammelbehälter für flüssige Stoffe, kleiner als 100.000 Liter (7309.00.59) 3,5 14,0 11,1
Druckminderventile (8481.10) 13,4 -42,8 12,1
Rückschlagklappen u. -ventile (8481.30) 12,6 43,1 10,5
Maschinen für Rührwerke u.ä. (8479.82) 10,7 -55,7 35,5

Quelle: Eurostat

Maßnahmen zum Hochwasserschutz kosten 940 Millionen Euro

Starke Wetterausschläge haben in Irland in den letzten Jahren wiederholt zu großen Überflutungen geführt. Für Schutzanlagen plant die Regierung von 2018 bis 2027 insgesamt 940 Millionen Euro ein. Für die Umsetzung solcher Maßnahmen ist das Amt für öffentliche Arbeiten "Office of Public Works" (OPW) zuständig. Dieses bietet auf seiner Homepage detaillierte Informationen über Hochwasserschutzprogramme unter http://www.opw.ie/en/flood-risk-management/operations/.

Irish Water betriebt die Homepage http://www.water.ie. Dort finden sich Informationen zu Investitionsprogrammen und Ausschreibungen. Speziell über den Ausbau im Osten und Landesinneren informiert die Seite http://www.watersupplyproject.ie.

Irlands Umweltschutzagentur EPA (Environmental Protection Agency) hat die Internetseite http://www.epa.ie.

Nähere GTAI-Informationen zu Irlands zehnjähriger Entwicklungsplanung finden sich unter http://www.gtai.de/MKT201807108002. Die englischsprachige Strategie bis 2027 ist online unter http://www.per.gov.ie/en/national-development-plan-2018-2027/ eingestellt.

Unterstützung beim Markteintritt offeriert auch die seit langem etablierte Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer (http://www.german-irish.ie) in Dublin.

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung, Umweltschutz Wasser, Gewässerschutz

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