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21.08.2019

Irland hat gute Voraussetzungen für E-Health-Innovationen

Informations- und Kommunikationstechnik, Pharmazie und Medizintechnik sind stark aufgestellt / Von Torsten Pauly

Dublin (GTAI) - Irland kann in der Entwicklung von E-Health-Lösungen eine führende Rolle spielen. Innovationen sollen auch die Effizienz im eigenen Gesundheitssystem verbessern.

Irlands Regierung hat die "E-Health-Strategy for Ireland" aufgelegt. Das E-Health-Programm bildet auch einen wichtigen Aspekt im irischen Aktionsplan für das Gesundheitswesen 2019, der keltisch "Slaintecare Action Plan 2019" heißt.

Ein Schwerpunkt in diesem Aktionsplan sind Ausschreibungen für die elektronische Gesundheitsakte "Electronic Health Record" (EHR). Ferner ist das Programm "Individual Health Identifier" (IHI) im Aufbau. Nutzer erhalten dabei eine individuelle IHI-Zugangsnummer, mit der sie bei der Inanspruchnahme eines Gesundheitsdienstes sicher identifiziert werden können.

Ein weiteres wichtiges Thema im laufenden Aktionsplan ist die Entwicklung von "Telehealth", der medizinischen Erst- oder Routinekonsultation am häuslichen Bildschirm ohne einen Besuch in der Arztpraxis oder Klinik. Vorangetrieben werden außerdem elektronische Verschreibungen ("ePrescribing") und die Ausstattung von Krankenhäusern und sonstigen Arbeitsplätzen im Gesundheitswesen mit Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Vorgesehen ist auch ein elektronisches Apothekenwesen ("ePharmacy"), das neben der Anerkennung elektronischer Rezepte einen digitalen Arzneikatalog, ein Patientenportal und Übersichten über den individuellen Medikamentenbedarf umfasst.

Irland will sich ab 2020 auch am europäischen Austausch von Patientendaten im Rahmen des Programms CEF eHDSI (Connecting Europe Facility - eHealth Digital Services Infrastructure) beteiligen. Dies ermöglicht etwa die Einlösung von Rezepten in ausländischen Apotheken. An diesem Programm wollen 22 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU), darunter Deutschland, teilnehmen.

Künstliche Intelligenz hat großes Wachstumspotenzial

Irland sieht in der angewandten Analyse großer medizinischer Datenmengen auch gesamtwirtschaftliche Chancen. Analysten der Beratungsgesellschaft PwC haben Ende 2017 geschätzt, dass künstliche Intelligenz (KI) in Irland 2030 insgesamt eine Wertschöpfung von 48 Milliarden Euro erbringen könnte. Das Segment der Gesundheitsdaten eignet sich besonders zur Entwicklung neuer KI-Lösungen.

Der IKT-Sektor erbrachte 2018 etwa 12,1 Prozent der landesweiten Bruttowertschöpfung. Mit ansässigen Weltmarktführern wie SAP, Siemens, Microsoft, Google, Facebook, Amazon, Apple, IBM oder Nokia zählt die Branche zu den wichtigsten und dynamischsten Wirtschaftszweigen Irlands. Darüber hinaus existieren große Datenzentren. Die entsprechenden Investitionen haben sich bis 2018 auf 6 Milliarden Euro summiert. Bis 2021 soll jährlich 1 Milliarde Euro hinzukommen.

Die Hochschulen in Cork und Limerick bieten eigene KI-Masterstudiengänge an. Am Dublin Institute of Technology befindet sich das Forschungszentrum AIRC (Applied Intelligence Research Center).

Weltmarktführer in der Pharmaindustrie und Medizintechnik sind präsent

In Irland sind die weltweit zehn umsatzstärksten Pharmakonzerne ebenso präsent wie neun der zehn größten Hersteller von Medizintechnik. Außerdem existieren viele weitere große und mittelgroße Branchenunternehmen, Start-Ups und eine breite Forschungslandschaft.

Der Branchenverband Biopharmachem Ireland hat Anfang 2019 eine Entwicklungsstrategie bis 2023 vorgelegt. Neben der Weiterentwicklung der vorhandenen Cluster ist "Biopharma 4.0" eines der zentralen Themen. Dabei geht es um die digitale Vernetzung der gesamten Produktions- und Logistikkette bis zum Patienten oder der behandelnden Einrichtung.

Trotz hoher Kosten bleiben Gesundheitsleistungen verbesserungswürdig

Die Pro-Kopf-Ausgaben für das Gesundheitswesen in Irland stiegen 2018 um 5,4 Prozent auf 4.634 Euro. Dies ist unter allen 38 OECD-Staaten der achthöchste Wert. Dennoch schneidet das irische Gesundheitssystem im internationalen Vergleich nicht gut ab. So belegte Irland im EuroHealth Consumer Index 2018, den die schwedische Agentur Health Consumer Powerhouse erstellt, unter 35 untersuchten europäischen Ländern den 22. Rang. Bei der Wartezeit auf Behandlungen findet sich Irland sogar nur an 28. Stelle wieder.

Irisches Gesundheitswesen in Zahlen
Indikator Wert
Ausgaben pro Kopf (2018, in Euro) 4.634
Ausgaben in % des BIP (2018) 7,0
Krankenhausbetten (Anzahl pro 100.000 Einwohner, 2016) 260
Allgemeinmedizinische Ärzte (Anzahl pro 100.000 Einwohner, 2016) 179
Fachärzte (Anzahl pro 100.000 Einwohner, 2016) 139

Quellen: OECD; Eurostat

Bevölkerungsstruktur und Besiedlungsdichte sind Herausforderungen

Ein Grund hierfür ist die teilweise sehr geringe Bevölkerungsdichte. Im Jahr 2017 lebten in Irland pro Quadratkilometer im Schnitt 70 Menschen und damit sehr viel weniger als im EU-Mittel (118) oder als in Deutschland (234). Im irischen Westen waren es sogar nur 33. Regionale Versorgungsunterschiede und höhere Kosten sind die Folge. Hier verspricht sich die Regierung von Telehealth und weiteren digitalen Angeboten starke Verbesserungen.

Eine weitere Herausforderung ist die wachsende und gleichzeitig alternde Bevölkerung. So zählte Irland Anfang 2019 etwa 4,9 Millionen Einwohner. Das waren 8,5 Prozent mehr als 2009. Bis 2029 soll es laut Eurostat einen weiteren Anstieg um 7,1 Prozent geben. Dabei soll sich der Anteil der Überfünfundsechzigjährigen von 12,9 Prozent (2018) auf 16,7 Prozent (2029) erhöhen. Auch deshalb sollen E-Health-Lösungen starke Qualitäts- und Effizienzsteigerungen ermöglichen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer E-Mail: info@german-irish.ie; Internet: http://irland.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Department of Health E-Mail: info@health.gov.ie; Internet: https://health.gov.ie Gesundheitsministerium
Health Service Executive E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.hse.ie Nationaler Gesundheitsdienst
Health Information and Quality Authority E-Mail: info@hiqa.ie: Internet: http://www.hiqa.ie Behörde zur Qualitätskontrolle und Information über das Gesundheitswesen
E-Health Ireland E-Mail: questions@ehealthireland.ie; Internet: http://www.ehealthireland.ie Portal zur E-Gesundheit
Healthcare Informatics Society of Ireland E-Mail: info@hisi.ie; Internet: http://www.hisi.ie Gesellschaft der Informatiker im Gesundheitswesen
Biopharmachem Ireland E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.biopharmachemireland.ie Verband der Pharma- und Chemieproduzenten
Irish Pharmaceutical Healthcare Association E-Mail: info@ipha.ie; Internet: http://www.ipha.ie Interessensvertretung von Pharmaanbietern
Irish Medtech Association http://www.irishmedtechassoc.ie Verband der Hersteller von Medizintechnik

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gtai.de/irland.

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Digitalisierung

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Charlotte Schneider

‎+49 228 249 93 279

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