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06.03.2019

Irland zieht als Digital-Standort hohe Investitionen an

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Großinvestoren und viele Forschungsinitiativen eröffnen exzellente Perspektiven / Von Torsten Pauly (Februar 2019)

Dublin (GTAI) - Irlands Aussichten als Standort für die Digitalwirtschaft sind durch den Mix an großen IKT-Firmen und guter Infrastruktur hervorragend. Ein Nachteil sind die hohen Immobilienpreise.

Digitalisierungsstrategie

Irland hat 2013 eine Nationale Digitalstrategie aufgelegt. Wichtige Ziele sind eine Stärkung des Onlinehandels und -unternehmertums, mehr digitales Engagement der Bevölkerung und eine Ausbildungsoffensive. Im Zuge ihrer Digitalstrategie hat die Regierung weitere Maßnahmen verabschiedet, etwa eine Strategie zum E-Government und einen Nationalen Plan für Breitband-Internet.

Irland investiert zügig in die infrastrukturellen Voraussetzungen einer digitalen Wirtschaft. Der Anbieter Three Ireland hat 2017 die nationale 100-Megahertz-Frequenz zum Aufbau eines 5G-Mobilfunkstandards ersteigert und will ein entsprechendes Netzwerk bis spätestens 2020 installieren. Bis 2024 werden im ganzen Land intelligente Stromzähler vorhanden sein. Der Austausch beginnt 2019.

Bis 2020 soll es zudem in ganz Irland nur noch Breitband-Internetanschlüsse geben. Es ist allerdings fraglich, ob dieser Zeitplan einzuhalten ist, denn einen Vertrag zur Bereitstellung und fünfundzwanzigjährigen Wartung will die Regierung erst im Laufe des Jahres 2019 vergeben. In ländlichen Gebieten sind die Kosten des Ausbaus aufgrund der teilweise dünnen Besiedlung besonders hoch.

Ende 2018 hat die Regierung die Erarbeitung einer neuen Digitalstrategie mit einer öffentlichen Anhörung begonnen. Hauptschwerpunkte sollen weiterhin der Ausbau der Infrastruktur und des E-Governments sowie die Förderung digitaler Möglichkeiten von Individuen und Unternehmen sein. Ein Entwurf lag im Februar 2019 aber noch nicht vor.

Strategie für künstliche Intelligenz

Irlands Regierung hat keine Strategie eigens zur künstlichen Intelligenz (KI) aufgelegt. In der Öffentlichkeit wird das bemängelt. Dennoch sind die Voraussetzungen für den Einsatz günstig. Namhafte ausländische Investoren und inländische Start-ups machen Irland bereits zu einem sehr starken Standort in der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Vertreten sind unter anderem Microsoft, Google, Facebook, Amazon, Apple, IBM, Nokia und aus Deutschland Siemens, SAP, Zalando und mehrere Banken.

Hohe Investitionen fließen auch in große Serverzentren. Deren Investitionsbestand summierte sich 2018 auf 6 Milliarden Euro. Bis 2021 kommt Prognosen zufolge jährlich eine weitere Milliarde Euro hinzu.

Die Universitäten Cork und Limerick zählen zu den ersten Hochschulen in Europa, die Masterstudiengänge zu KI anbieten. Am Dubliner Trinity College gibt es zudem ein Masterprogramm für Computersysteme, das unter anderem maschinelles Lernen zum Schwerpunkt hat. Das Dublin Institute of Technology unterhält auch das Forschungszentrum AIRC (Applied Intelligence Research Center). Im Fokus stehen dort unter anderem Datenanalysen, maschinelles Lernen, Sprachforschung und Sicherheitsfragen.

E-Government

Irland hat das E-Goverment in den letzten Jahren forciert. Die Regierung legte hierzu 2017 eine eigene Strategie auf, die bis 2020 läuft. Themen sind ein Einstiegsportal für digitale Angebote, die Weiterentwicklung einer elektronischen Identität für Bürger, Unternehmen und andere Institutionen, die Verbesserung eines offenen Datenportals sowie die Schaffung von legislativen und infrastrukturellen Voraussetzungen zur Teilung von Daten, dem sogenannten Data Sharing.

Die Europäische Union (EU) hat 2017 das E-Government in allen Mitgliedsstaaten verglichen. In dieser Untersuchung findet sich Irland insgesamt im Mittelfeld wieder, mit überdurchschnittlichen Bewertungen bei der Online-Verfügbarkeit und der Benutzerfreundlichkeit von Angeboten.

Stärken/Schwächen

Irlands wichtigste Stärke als Standort für Entwicklungen von digitalen Innovationen ist das dichte Netz von international führenden Akteuren, öffentlichen und privaten Forschungsinitiativen und daraus entstehenden neuen Anbietern. Viele Investoren wählen Irland auch als Standort für ihre Großserver. Die digitale Infrastruktur verbessert sich rasch.

Zudem sind der Logistiksektor und einige Zweige des verarbeitenden Gewerbes stark vertreten, was der Anwendung von digitalen Innovationen entgegenkommt. Hier sind vor allem die Pharma- und Chemieindustrie, die Nahrungsmittel- und Getränkeverarbeitung, Medizintechnik und die Elektronikfertigung zu nennen.

Hinzu kommt ein generell wirtschaftsfreundliches Umfeld inklusive des EU-weit nach Bulgarien zweitniedrigsten Satzes bei der Körperschaftssteuer. In den akademischen Institutionen gibt es eine starke Ausrichtung auf eine pragmatische, angewandte Forschung und Lehre.

Die EU misst in ihrem Digital Economy and Society Index die Qualität der Internetanschlüsse, die digitalen Fähigkeiten und die Nutzung von Bevölkerung und Unternehmen sowie der öffentlichen Verwaltung. In diesem Ranking belegt Irland 2018 unter allen 28 EU-Mitgliedern den sechsten Rang.

Ein gravierender Nachteil des Standortes Irland ist der große Mangel an Immobilien und Fachkräften, der mit der anhaltend guten Konjunktur der letzten Jahre entstanden ist. Die Kosten für Immobilien sind im internationalen Vergleich sehr hoch. Diese Problematik könnte sich im Zuge des Brexits noch verschärfen, denn Irland gilt als eine der attraktivsten EU-Alternativen zu britischen Standorten.

Ausblick

Insgesamt hat Irland als Standort für die Digitalwirtschaft inklusive der KI-Sparte hervorragende Perspektiven. Hierfür sprechen der bestehende Mix aus international führenden und neuen IKT-Unternehmen, die Gründung spezialisierter akademischer Zentren und die rasche Verbesserung der digitalen Infrastruktur. Anders als bei physischen Waren gefährdet der britische EU-Austritt auch nicht Irlands internationalen Austausch von digitalen Dienstleistungen.

Die Consultinggesellschaft PwC prognostiziert in einer Ende 2017 veröffentlichten Studie, dass sich allein Aktivitäten im Bereich KI bis 2030 stark entwickeln. Sie werden dann 11,6 Prozent des irischen Bruttoinlandsproduktes ausmachen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
National Digital Strategy http://www.dccae.gov.ie/en-ie/communications/topics/Digital-Strategy/Pages/default.aspx Umgesetzt vom Ministerium für Kommunikation, Klima und Umwelt
E-Government Strategy 2017-2020 https://egovstrategy.gov.ie Umgesetzt vom Ministerium für öffentliche Ausgaben und Reform
Irish Computer Society http://www.ics.ie Verband
AI Ireland https://aiireland.ie Initiative zur künstlichen Intelligenz
Applied Intelligence Research Center http://ditairc.ie Forschungszentrum am Dublin Institute of Technology

Weitere Informationen zu Irland finden Sie unter: http://www.gtai.de/irland.

Mehr zum Thema Digitalisierung unter http://www.gtai.de/wirtschaft-digital.

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Digitalisierung

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Kontakt

Charlotte Schneider

‎+49 228 249 93 279

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