Suche

22.05.2019

Irlands Außenhandel verbucht neuen Rekordüberschuss

Brexit bleibt große Herausforderung / Von Torsten Pauly (Mai 2019)

Dublin (GTAI) - Die irische Wirtschaft profitiert trotz Brexit-Unsicherheit weiterhin vom starken Außenhandel. Der Export übertraf den Import 2018 um 49,7 Milliarden Euro.

Der Austausch mit dem Ausland bleibt auch 2019 ein starker Konjunkturmotor. Laut der EU-Frühjahrsprognose werden Irlands Exporte von Waren und Dienstleistungen im Gesamtjahr 2019 um real 4,5 Prozent wachsen. Die Einfuhren sollen im gleichen Zeitraum um 4,6 Prozent steigen. Dies hat entscheidenden Anteil daran, dass das irische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2019 preisbereinigt um 3,8 Prozent wächst.

Innerhalb einer Generation hat sich die einst stark auf den Binnen- und britischen Markt ausgerichtete irische Wirtschaft zu einer sehr offenen Volkswirtschaft mit hochwertigen Exporten entwickelt. Trotz der zwischenzeitlich starken Rezession nach 2008 stieg der Warenexport in den vergangenen 15 Jahren um rund 70 Prozent. Der Import nahm im selben Zeitraum um rund 89 Prozent zu.

Außenhandel Irlands (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 82.594 89.826 8,8
Exporte 121.760 139.570 14,6
Handelsbilanzsaldo 39.166 49.744 27,0

Quelle: Eurostat

Dieser Handelsaufschwung hat wesentlich dazu beigetragen, dass Irlands reales BIP 2018 fast doppelt so hoch war wie 2003 (+98,4 Prozent). Irlands Wirtschaft ist stärker als in jedem anderen EU-Staat gewachsen.

Hinter diesem Erfolg stehen oft multinationale Konzerne, die in Irland Produkte für den Weltmarkt fertigen. Allein von 2012 bis 2017 stieg der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen um 156,3 Prozent auf insgesamt 744 Milliarden Euro. Das wichtigste Herkunftsland ausländischer Direktinvestitionen war 2017 die USA mit einem Anteil von 24 Prozent. Dagegen hatte das Vereinigte Königreich, dass viele Jahre wichtigstes Herkunftsland ausländischer Direktinvestitionen war, 2017 nur mehr einen Anteil von 7,8 Prozent.

Belgien löst Vereinigtes Königreich als zweitwichtigsten Absatzmarkt ab

Das Vereinigte Königreich war 2018 zwar weiterhin wichtigstes Lieferland der Iren. Der Anteil britischer Waren am Gesamtimport war mit 26,1 Prozent jedoch rückläufig (2013: 35,3 Prozent). Gestiegen sind im Gegenzug die Einfuhren aus Deutschland (von 8,1 auf 12,1 Prozent), den USA (von 14,7 auf 17,5 Prozent) und Frankreich (von 8,9 auf 12 Prozent).

MKT201905218000.15

Die meisten irischen Exporte gingen 2018 in die USA. Gestiegen ist auch die Bedeutung von Belgien (13,1 statt 12,8 Prozent), welches das Vereinigte Königreich als zweitwichtigsten Absatzmarkt ablöst.

MKT201905218000.14

Britischer EU-Austritt kann Transit nach Kontinentaleuropa stark beeinträchtigen

Der für das zweite Halbjahr 2019 geplante Brexit bedroht das irische Erfolgsmodell jedoch. Ein geringerer Absatz im Vereinigten Königreich trifft traditionelle Branchen wie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die im strukturschwachen ländlichen Raum verankert sind und vor allem den britischen Markt beliefern.

Großbritannien ist aber auch für Irlands Güterverkehr mit der übrigen EU äußerst wichtig. Die bisherigen irischen Transportwege nach Festlandeuropa verlaufen über die britische Insel und sind um die Hälfte schneller als eine direkte Schiffsverbindung. Im Jahr 2016 haben etwa 25 Prozent aller zwischen Irland und kontinentaleuropäischen EU-Staaten beförderten Waren den Weg durch Großbritannien genommen, so Irlands Amt zur maritimen Entwicklung.

Zudem stellen die Bestrebungen der US-Regierung, Investitionen und Produktion zurück in die USA zu holen, eine Herausforderung für die irische Wirtschaft dar. Irlands High-Tech-Export ist stark durch US-amerikanische Investoren geprägt.

Irland muss viel High-Tech importieren

Irlands wichtigste Importgruppe sind Fahrzeuge außer Kfz, auf die 2018 ein Anteil von 23 Prozent entfiel. Der Grund dafür ist, dass Irland dank seiner Lage und niedrigen Körperschaftssteuer ein wichtiger Standort für das Anmelden, Leasen und Warten von Flugzeugen ist.

Die übrige Wareneinfuhr spiegelt die Wirtschaftsstruktur wider. Chemische Erzeugnisse waren 2018 mit 22,5 Prozent die wichtigste Importgruppe. Arzneien hatten hieran mit 13,3 Prozent den höchsten Anteil. Der Pharmasektor generierte 2017 allein 39,2 Prozent der Nettoverkaufserlöse im verarbeitendem Gewerbe, weitere 9,1 Prozent erbrachten Chemiehersteller.

Nahrungsmittel- und Getränkehersteller generierten rund 22,9 Prozent aller Nettoverkaufserlöse. Auch Elektronik- und Elektroprodukte spielen mit einem Anteil von 10,3 Prozent eine wichtige Rolle.

Irland hat aber auch einen hohen Bedarf an High-Tech-Waren, deren Herstellung im Lande selber keine Rolle spielt. Viele Waren importiert das Land vollständig. Deutschland hat in diesem Segment meist eine starke Lieferstellung.

Einfuhr nach ausgewählten Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code* 2013 2018
Fahrzeuge außer Kfz 79 20.556 20.639
Chemische Erzeugnisse 5 17.758 20.156
Arzneimittel 54 9.540 11.963
Fertigerzeugnisse 8 8.034 8.337
Nahrungsmittel, lebende Tiere 0 7.183 7760
Elektronik 75,76,776 5.569 6.853
Mineralische Brennstoffe 3 4.746 5.919
Maschinen 71,72,73,74 3.791 4.491
Straßenfahrzeuge 78 3.555 3.618
Elektrotechnik 77-776 2.052 2.260

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: http://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/internationales-warenverzeichnis.html

Quelle: Eurostat

Chemie- und Pharmaprodukte dominieren den Export

Irlands Warenausfuhr konzentriert sich auf einige Produktgruppen. Im Jahr 2018 stellten Pharmaprodukte rund 33 Prozent und sonstige chemische Erzeugnisse weitere 28,3 Prozent aller irischen Warenexporte. Weitere 9 Prozent machten Nahrungsmittel, Getränke und lebende Tiere aus. Auf Elektronikprodukte entfielen 6,6 Prozent.

Problematisch ist die sehr starke Konzentration auf einige große Hersteller. So haben die zehn größten Industrieunternehmen in Irland 2017 allein 44,9 Prozent und die 40 nächstgrößeren Firmen weitere 26,7 Prozent aller Nettoverkaufserlöse im verarbeitenden Gewerbe erwirtschaftet. Hierbei handelt es sich überwiegend um multinationale Investoren.

Ausfuhr nach ausgewählten Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code* 2013 2018
Chemische Erzeugnisse 5 67.776 85.746
Arzneimittel 54 35.451 46.253
Fertigerzeugnisse 8 14.549 15.462
Nahrungsmittel, lebende Tiere 0 11.372 11.130
Elektronik 75,76,776 9.470 9.200
Fahrzeuge außer Kfz 79 6.160 4.775
Maschinen 71,72,73,74 3.177 3.265
Vorerzeugnisse 6 2.226 2.298
Elektrotechnik 77-776 1.519 1.704
Getränke 11 1.337 1.410

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: http://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/internationales-warenverzeichnis.html

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen zu Irland finden Sie unter http://www.gtai.de/irland.

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Außenwirtschaft, allgemein, Brexit

Funktionen

Kontakt

Charlotte Schneider

‎+49 228 249 93 279

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche