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21.05.2018

Israel beschließt Ausbauprogramm für digitale Gesundheit

Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen erwünscht / Patientendaten werden für Forschungszwecke zugänglich gemacht / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Die israelische Regierung hat einen Fünfjahresplan zur Entwicklung der digitalen Gesundheit beschlossen. Ziel ist es, die digitale Gesundheitsbranche zu einem Wachstumsmotor der israelischen Wirtschaft zu machen. In Israel sind medizinische Daten praktisch aller Landesbewohner in Datenbanken erfasst. Unternehmen, die neue digitalmedizinische Lösungen entwickeln, erhalten nach Regierungsbeschluss - in verschlüsselter Form - Zugriff auf diese Daten. (Internetadressen)

Laut dem Plan wird die israelische Regierung in den Jahren 2018 bis 2022 insgesamt 922 Millionen Neue Schekel (NIS, umgerechnet rund 260 Millionen US-Dollar) für die Förderung der digitalen Gesundheitsbranche ausgeben. Das Kabinett verspricht sich von dem Programm Branchenumsätze von umgerechnet rund 3,4 Milliarden US$ pro Jahr sowie eine bedeutende Rolle auf dem Weltmarkt.

Ausgangspunkt des Programms ist die Tatsache, dass in Israel die medizinische Historie nahezu aller Patienten in den Datenbanken der vier im Lande tätigen Krankenkassen erfasst ist. Zugleich ist jeder Landesbewohner krankenversichert, so dass das israelische Gesundheitswesen die Nutzung der medizinischen Daten fast der gesamten Bevölkerung für die Entwicklung digitalmedizinischer Lösungen ermöglicht.

Darauf aufbauend will die Regierung im Rahmen des neuen Programms digitalmedizinischen Unternehmen den Zugriff auf die Daten denn auch anbieten - und zwar verschlüsselt, um die Identität der Patienten zu schützen. Dadurch soll die digitalmedizinische Forschung in Israel, auch im Rahmen klinischer Tests, ausgebaut werden.

Investitionen und Infrastruktur

Die Datenbestände sollen für Forschungszwecke inklusive Pilotprojekten genutzt werden. Um das möglich zu machen, erhalten die Krankenkassen umgerechnet 177 Millionen US$ beziehungsweise 67,4 Prozent des für das Programm vorgesehenen Gesamtetats. Für die Förderung akademischer Forschung sowie industrieller Forschung und Entwicklung sind umgerechnet 64 Millionen US$ beziehungsweise 24,2 Prozent des Förderetats eingeplant.

Eine untergeordnete Rolle spielen die Ausgaben für die Ausarbeitung gesetzlicher Bestimmungen, die die sekundäre Verwendung medizinischer Daten ermöglichen, und die Förderung akademischer Bildung in relevanten Studienfächern. Für diese beiden Zwecke sind umgerechnet 14 Millionen US$ beziehungsweise 8 Millionen US$ vorgesehen.

Gesundheitsministerium federführend

Die Zuständigkeit für die Abwicklung des Programms liegt hauptsächlich beim Gesundheitsministerium (Ministry of Health), das mit umgerechnet 192 Millionen US$ 72,2 Prozent des Gesamtetats abwickeln soll. Dem Gesundheitsressort obliegt unter anderem die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Krankenkassen, der Industrie und den Hochschulen. Zudem wird es für die praktische Anwendung digitalmedizinischer Lösungen bei der Krankenbehandlung sorgen.

Das Gesundheitsressort ist auch für das Sonderprojekt "Mosaik" (hebräisch: Psifas) zuständig. Mit einem Förderetat von umgerechnet 75 Millionen US$ handelt es sich um das größte Einzelvorhaben des Fünfjahresplans. Im Rahmen von "Mosaik" soll eine landesweite Informationsinfrastruktur für genetische Forschung und für medizinische Information geschaffen werden. Dabei werden Daten von Freiwilligen erfasst, die an Krankheiten oder Störungen wie Herzerkrankungen, Krebs, Schlaganfall, Zöliakie, Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Crohn-Krankheit, Allergien, Posttrauma, Depression und anderen psychische Erkrankungen leiden. Das Projekt soll bei der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden helfen.

Die israelische Innovationsbehörde (Innovation Authority) ist für die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten zuständig, bei denen Unternehmen und Krankenkassen zusammenarbeiten. Sie soll auch die Kooperation zwischen israelischen Start-ups und internationalen Unternehmen fördern. Die Innovationsbehörde wird Fördermittel von umgerechnet 38 Millionen US$ verwalten.

Die digitale Gesundheitsinitiative soll Israels Bürgern zugutekommen, indem Patienten zunehmend von individuell zugeschnittener Behandlung inklusive Präventivmedizin profitieren können. Als Beispiele werden unter anderem eine nach dem Genom des Patienten individualisierte Verabreichung von Medikamenten zur autoimmunen Bekämpfung von Tumoren oder eine Erhöhung der Trefferquote von Antidepressiva von heute 38 auf rund 80 Prozent genannt.

Mehr als 400 Firmen

Allerdings hat die Regierung auch den Weltmarkt fest im Blick. In ihrer Erklärung zu dem Förderprogramm erklärte das Kabinett, der weltweit mit digitaler Gesundheit erzielte Umsatz liege bei 6 Billionen US$ pro Jahr. Die Regierung sieht gute Chancen für eine erfolgreiche Positionierung israelischer Akteure auf dem Weltmarkt, ist sich aber der Tatsache bewusst, dass viele Hightech-Firmen nur ungenügend mit der Arbeitsweise von Gesundheitsorganisationen und -behörden auf wichtigen Zielmärkten vertraut sind. Deshalb will die digitale Gesundheitsinitiative die Programmteilnehmer in einer Vereinigung zusammenbringen, die den Erfahrungs- und Wissensaustausch fördert.

Im April 2018 wies die Datenbank von Start-up Nation Central insgesamt 442 digitalmedizinische Firmen aus. Davon befanden sich 79 im Forschungs- und Entwicklungsstadium inklusive kundenorientierter Entwicklung, 112 in der Phase klinischer Tests beziehungsweise in der Alpha- oder Beta-Phase, und 249 verfügten über marktzugelassene Produkte. Obwohl also die Mehrheit der Firmen bereits über marktzugelassene Produkte verfügt, können sich laut Start-up Nation Central nur 64 aus erzielten Umsätzen finanzieren, während weitere 8 börsennotiert waren und 4 als etabliert eingestuft wurden. Das bedeutet, dass viele auf Investoren oder strategische Partner angewiesen sind.

Internetadressen

Bezeichnung Internetadressen Anmerkung
Ministry of Health http://www.health.gov.il Gesundheitsministerium
Innovation Authority http://www.matimop.org.il Innovationsbehörde
Start-up Nation Central http://www.startupnationcentral.org Hochtechnologiezentrum

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Gesundheitswesen allgemein, Gesundheitspolitik, Digitalisierung

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