Suche

26.06.2018

Israel beschließt Reform der Elektrizitätswirtschaft

Staatlicher Versorger muss Kraftwerke verkaufen / Strombehörde plant Ausbau des Stromnetzes / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Im Juni 2018 hat die israelische Regierung eine Reform des Elektrizitätssektors beschlossen. Danach muss die staatseigene Israel Electric Corporation einen Teil ihrer Kraftwerke verkaufen. Unterdessen hat die israelische Strombehörde hat einen Plan veröffentlicht, laut dem 1,7 Milliarden US-Dollar in den Ausbau und die Aufwertung des Stromtransportnetzes investiert werden sollen. (Internetadressen)

Ziel der Reform ist es, für mehr Wettbewerb und mehr Effizienz zu sorgen, indem die Position des ehemaligen Monopolisten und heute immer noch führenden, staatseigenen Stromversorgers Israel Electric Corporation (IEC) geschwächt und diejenige privater Stromerzeuger gestärkt wird. Die Privaten erhalten das uneingeschränkte Recht, Elektrizität direkt an Großkunden zu verkaufen. Direktlieferungen der IPP an Niedrigspannungskunden sollen - in einem noch zu formulierenden Format - ebenfalls ermöglicht werden.

Neu ist das Ansinnen, den Strommarkt zu reformieren, nicht. Vielmehr wurde die Reform bereits vor 22 Jahren grundsätzlich ins Auge gefasst. Allerdings sind die einschlägigen Bemühungen vor allem am Widerstand der Arbeitnehmervertreter der IEC immer wieder gescheitert. Diesmal jedoch haben die Regierung, die IEC und der Gewerkschaftsbund Histadrut vor dem Regierungsbeschluss eine Vereinbarung zur Sicherung der Mitarbeiterrechte bei der IEC erzielt. Wie die Regierung nach ihrer Beschlussfassung erklärte, sei Israel das einzige OECD-Land, in dem die Stromerzeugung bisher nicht dem Wettbewerb unterliegt.

Im Rahmen der Reform wird die IEC verpflichtet, innerhalb von anderthalb bis fünf Jahren, je nach Standort, 19 ihrer Stromerzeugungsanlagen - also die Hälfte des heutigen Standes - zu verkaufen. Die Anlagen befinden sich an fünf Standorten: Alon Tavor mit einer Verkaufsfrist von anderthalb Jahren ab dem Regierungsbeschluss, Ramat Hovav innerhalb von zweieinhalb, Reading innerhalb von drei, Hagit East innerhalb von viereinhalb und Eshkol innerhalb von fünf Jahren.

Gegenwärtig befinden sich im Besitz der IEC rund 68 Prozent der landesweiten Stromerzeugungskapazitäten. Im Rahmen der Reform soll dieser Anteil auf 40 Prozent sinken.

Das Management der bisher von der IEC verwalteten Elektrizitätswirtschaft, inklusive Planung, Entwicklung und Innovation, wird künftig einer neu zu schaffenden staatseigenen Gesellschaft übertragen. Ferner muss die IEC effizienter werden und ihre Mitarbeiterzahl senken. Allerdings darf sie zwei neue Kombikraftwerke am Standort Hedera als Ersatz für vier kohlebetriebene Erzeugungseinheiten bauen, die aus umweltpolitischen Gründen stillgelegt werden. Zudem verbleibt bei ihr die Zuständigkeit für das Stromtransportnetz, das als ein natürliches Monopol gilt.

Investitionsplan für das Stromtransportnetz

Ende Mai 2018 hat die israelische Strombehörde (Electricity Authority) einen Entwicklungsplan für das Stromtransportnetz für die Jahre 2018 bis 2022 veröffentlicht. Der Plan sieht Investitionen in Höhe von 6,1 Milliarden Neue Schekel (NIS, nach dem aktuellen Wechselkurs rund 1,7 Milliarden US$) vor. Er beruht auf Empfehlungen der (IEC), die ihn auch realisieren soll.

Mit dem Plan werden mehrere Ziele verfolgt. Zunächst ist ein Ausbau der Transportkapazitäten angesichts des beständig steigenden Strombedarfs erforderlich. Ferner sollen die Transportkapazitäten vom Landessüden ins Landezentrum gesteigert werden, damit mehr Stromerzeugungsanlagen aus erneuerbarer Energie ans Netz angeschlossen werden können. Der überwiegende Teil der aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms entfällt auf fotovoltaische Anlagen, die im einstrahlungsreichen Landessüden gebaut werden, während das Gros des Stromverbrauchs auf das Landeszentrum entfällt. Ferner soll dem Landesnorden mehr Strom zugeführt werden, um diese Region attraktiver für Industrieansiedlung zu machen. Schließlich gilt es, Stromausfälle zu reduzieren.

Im Rahmen des Programms sollen neue Höchstspannungsleitungen von 400 kV in einer Gesamtlänge von 215 Kilometer verlegt werden. Das wäre sieben Mal so viel wie im Zeitraum 2013 bis 2017. Die Mehrheit der Ausgaben für Höchstspannungsleitungen fällt im letzten Programmjahr, 2021, an. Daneben sind weitere 275 Kilometer Hochspannungsleitungen von 161 kV zu verlegen. Auch die Leistungssteigerung der Stromleitungen sowie die Erneuerung und die Verlegung von Leitungen in den Boden spielen bei den Investitionen eine wichtige Rolle.

Auf Ausgaben für Stromleitungen entfallen zwei Drittel der Gesamtinvestitionssumme. Ein weiteres Drittel ist für Schaltstationen und für die Steigerung der Transformationskapazitäten vorgesehen.

Geplante Investitionen in das israelische Stromtransportnetz 2018 - 2022 (Mio. US$) *)
Kategorie 2018 2019 2020 2021 2022 Insgesamt
Neue 400-kV-Strecken 0 26 3 6 473 507
Errichtung von Schaltstationen 0 0 0 0 167 167
Neue 161-kV-Strecken 75 48 12 123 4 262
Leistungssteigerung von 161-kV-Strecken 72 59 3 0 0 133
Erneuerung von 161-kV-Strecken 24 8 34 4 13 82
Auswechslung von Drähten an 161-kV-Strecken 9 0 1 7 0 18
Verlegung in den Boden, 161-kV-Kabel 37 44 8 43 3 134
Erhöhung der Transformationskapazität 56 60 71 56 153 396
Insgesamt 273 245 131 238 811 1698

*) Angaben in NIS, umgerechnet nach dem aktuellen Wechselkurs, Abweichungen durch Rundung

Quelle: Strombehörde

Im Laufe des Jahres 2018 will die Strombehörde die für die Zeit nach dem jetzt vorgelegten Programm in Angriff nehmen. Dabei sollen, von dem für das Jahr 2030 prognostizierten Strombedarf ausgehend, Empfehlungen für den weiteren Ausbau des Stromtransportnetzes formuliert werden.

Internetadressen

Minstry of Energy and Water Resources http://www.energy.gov.il Energieministerium
Electricity Authority http://www.pua.gov.il Strombehörde
Israel Electric Corporation http://www.iec.co.il Staatseigener Stromversorger

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung

Funktionen

Manfred Tilz Manfred Tilz | © GTAI

Kontakt

Manfred Tilz

‎+49 228 24 993 234

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche