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07.06.2018

Israel braucht mehr Krankenhäuser

Akuter Mangel an Krankenhausbetten / Mehr Effizienz gefragt / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Die israelische Bevölkerung wächst seit Jahren schneller als die Zahl der Krankenhausbetten. Dadurch ist ein akuter Mangel an Hospitalisierungsmöglichkeiten entstanden. Diesen Mangel will die Regierung durch den Bau neuer und den Ausbau bestehender Krankenhäuser lindern. Gleichzeitig plant das Gesundheitsministerium eine Entlastung der Hospitäler durch medizinische Dienste auf Gemeindeebene. (Internetadressen)

Der Mangel an Krankenhausbetten ist ein Problem, welches das israelische Gesundheitswesen bereits seit Längerem beschäftigt. In den Jahren 1997 bis 2016 ist die Bevölkerungszahl des Landes nämlich um 62 Prozent gestiegen, während die Gesamtzahl der Krankenhausbetten in dieser Zeit um 30,5 Prozent und die Zahl der Betten in Universalkrankenhäusern um nur 17,2 Prozent zunahm.

Damit ging die Zahl der Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner in der genannten Zeitspanne um 19,4 Prozent und die Zahl der Betten in Universalkrankenhäusern sogar um 27,7 Prozent zurück. So kam es vor allem in den Universalkrankenhäusern immer wieder zu erheblicher Überbelegung.

Die Zahl der Krankenhäuser ging sogar von 47 (1996) auf 44 (2016) zurück. Das bedeutet, dass zahlreiche Menschen vor allem in peripheren Regionen nach wie vor eine lange Anreise zum nächstgelegenen Krankenhaus in Kauf nehmen müssen. Die Zahl der Hospitäler für chronisch Kranke stieg zwar noch bis in die Nullerjahre dieses Jahrhunderts hinein, ging seitdem aber wieder zurück.

Kräftige Erhöhung der Bettenzahl geplant

Wie das israelische Gesundheitsministerium (Ministry of Health) gegenüber Germany Trade & Invest erklärte, ist eine Reihe von Maßnahmen geplant, um der Knappheit von Krankenhausbetten entgegenzuwirken. So sei der Bau eines Medizinzentrums in der nordisraelischen Stadt Kiryat Ata mit 2.200 Betten geplant. Das Gesundheitsressort treibe auch den Bau eines neuen Medizinzentrums im südisraelischen Beer Sheva voran. Ferner hätten das Gesundheits- und das Finanzministerium 2017 vereinbart, in bestehenden Krankenhäusern 2.000 zusätzliche Betten einzurichten. Schließlich soll noch 2018 in der Hafenstadt Ashdod ein neues Krankenhaus mit 300 Betten eröffnet werden.

Mit diesen Maßnahmen würde die Bettenzahl in Universalkrankenhäusern erheblich erhöht. Zudem ist der Bau eines Rehazentrums am Poria-Krankenhaus in Tiberias am See Genezareth geplant. Darüber hinaus arbeitet das Gesundheitsministerium an einem umfassenden Landesbebauungsplan für Krankenhäuser.

Indessen wird die Realisierung der vorgesehenen Maßnahmen den heutigen Fehlbedarf nicht zur Gänze beheben. Daher will das Ministerium auch die Gesundheitsversorgung auf Gemeindeebene und die Krankenbetreuung zu Hause fördern.

Universalkrankenhäuser sind zentraler Nachfrageträger

Die Universalkrankenhäuser sind der wichtigste Leistungsträger des israelischen Gesundheitswesens. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums liegen ihre jährlichen Ausgaben bei circa 40 Milliarden Neue Schekel (NIS, rund 11,5 Milliarden US-Dollar). Das entspricht rund 40 Prozent der landesweiten Gesundheitsausgaben.

Circa 70 Prozent der von den Universalkrankenhäusern getätigten Ausgaben entfallen auf Personalkosten. Weitere 30 Prozent werden für Beschaffung und Betrieb verwendet. Das wären rund 3,5 Milliarden US$. Damit wird deutlich, dass die Universalkrankenhäuser ein zentraler Nachfragefaktor bei der Beschaffung von Medikamenten und Medizintechnik sind.

Neben der Kapazitätsknappheit leiden viele Universalkrankenhäuser auch an hohen Haushaltsdefiziten. Für diese muss letztendlich der Staat aufkommen, auch wenn nur 13 der 44 Universalkrankenhäuser der Regierung gehören. Die größte der vier Krankenkassen des Landes, Clalit, besitzt 11 Krankenhäuser, während 11 weitere von privaten und 10 von gemeinnützigen Trägern betrieben werden.

Dennoch sorgt das Finanzierungsmodell des israelischen Gesundheitswesens dafür, dass der Ball letztendlich bei der Regierung landet. Zwar führen Regierung und Kommunen nur rund 6 Prozent der Gesundheitsversorgungsmaßnahmen in Eigenregie durch, doch finanziert die Regierung circa 62 Prozent der landesweit anfallenden Gesundheitsausgaben. Die Krankenhäuser werden für ihre Leistungen hauptsächlich von den Krankenkassen bezahlt, doch beziehen auch die Krankenkassen ihre Finanzierungsmittel von der Regierung in Abhängigkeit von der Zahl der Versicherten.

Gänzlich anders als die Universalkrankenhäuser sind die Krankenhäuser für chronisch Erkrankte aufgestellt. Bei rund 96 Prozent von ihnen handelt es sich um private Einrichtungen - die allerdings auch vor allem aus Staatsmitteln finanziert werden. Zudem sind sie im Durchschnitt viel kleiner als Universalkrankenhäuser. Während letztere 2016 im Durchschnitt über 354 Betten pro Anstalt verfügten, waren es bei den Krankenhäusern für chronische Fälle 88 Betten.

Internetadressen:

Bezeichnung Internetadressen Anmerkung
Ministry of Health http://www.health.gov.il Gesundheitsministerium
Union of Hospital Directors https://www.ima.org.il/ENG/Default.aspx Vereinigung der Krankenhausdirektoren

(S.T.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Bauwirtschaft, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein

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