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09.10.2018

Israel entwickelt Lösungen für Industrie 4.0

Nutzung in der einheimischen Wirtschaft läuft allmählich an / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Israel bietet in einigen Bereichen weltweit führende Lösungen für Industrie 4.0. Die Automatisierung von Prozessen im Handel und in der Logistik haben im Inland großes Potenzial.

Israel entwickelt sich schnell zu einer internationalen Drehscheibe für Innovationen auf dem Gebiet der Industrie 4.0. Dies wird unter anderem an den steigenden Investitionen in Unternehmen sichtbar, die technologische Lösungen für automatisierte Produktionsverfahren entwickeln. Nach Angaben der gemeinnützigen israelischen Hightech-Organisation Start-up Nation Central entfielen 2017 auf Israel 11 Prozent der weltweit in Industrie 4.0-Technologien getätigten Wagniskapitalinvestitionen; 2014 waren es erst 6,9 Prozent.

Laut einer im Februar 2018 veröffentlichten, von der Wirtschaftsberatungsfirma Deloitte Israel und Start-up Nation Central erstellten Studie ist Israel ein wichtiger Standort für Lösungen im Bereich vorausschauender Wartung. In den Jahren 2014 bis 2016 seien 30 Prozent des in diese Technologie weltweit investierten Wagniskapitals auf Israel entfallen. Israels Stärke auf diesem Gebiet erkläre sich aus der Tatsache, dass vorausschauende Wartung auf ähnlichen wissenschaftlichen Grundlagen wie Datensicherheit beruhe, ein Gebiet also, auf dem Israel zu den führenden Technologienationen gehöre.

Auch bei Datensicherheit für die Industrie 4.0 sowie bei Sensorik und Bildgebung spielt Israel eine wichtige Rolle. Im Jahr 2018 waren hier 190 Unternehmen tätig, die Technologien für die Industrie 4.0 entwickelten.

Laut der genannten Studie gehören zu den Venture-Capital-Investoren auch Wagniskapitalfonds zahlreicher internationaler Unternehmen, vor allem solche, die die Entwicklung der 4.0-Industrie an führender Stelle vorantreiben. Als Beispiele nennt die Studie General Electric, Siemens und ABB.

In einer anderen Veröffentlichung zum Thema Industrie 4.0 führt Start-up Nation Central Beispiele für erfolgreiche israelische Start-ups an. So etwa hat die 2011 gegründete Firma Vayyer einen dreidimensionalen bildgebenden Sensor entwickelt, der verschiedene Materialien durchdringt. Zu den Anwendungen gehören unter anderem Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit. Die 2014 gegründete Claroty gewinnt durch Echtzeitüberwachung umsetzbare Erkenntnisse für die Sicherung und Optimierung industrieller Kontrollsysteme. Die Firma Plataine wiederum entwickelt Optimierungssoftware für Industriebetriebe unter Einsatz künstlicher Intelligenz und Internet of Things-Technologie.

Es sind aber nicht nur Start-ups, die auf den Weltmarkt streben. So hat der Luft- und Raumfahrtkonzern Israel Aerospace Industries autonome Bulldozer für den Bergbau entwickelt und bereits mehrere Verträge mit ausländischen Bergbaugesellschaften unterzeichnet. Der Konzern setzt in den kommenden Jahren verstärkt auf autonome Schwerkraftfahrzeuge.

Angesichts des schnellen Wachstums des Weltmarkts für intelligente Produktions- und andere Verfahren ist zu erwarten, dass die 4.0-Sparte weiterhin israelische Erfinder und Unternehmer ebenso wie internationale Investoren und Partner anziehen und weiter schnell expandieren wird. Interesse an israelischer 4.0-Technologie besteht nicht nur im Westen, sondern nicht zuletzt auch in China, das angesichts steigender Arbeitskosten um stärkere Automatisierung seiner Industrie bemüht ist.

Beachtenswert ist die 2018 angelaufene und von der Regierung unterstützte Formulierung eines nationalen Entwicklungsplans für künstliche Intelligenz (AI). Wie Professor Isaac Ben-Israel, Direktor des Cyber-Zentrums an der Universität Tel Aviv und einer der Initiatoren des Programms, im August 2018 gegenüber der israelischen Wirtschaftszeitung Globes erklärte, würde eine erfolgreiche Realisierung des Plans Israel zu einem der weltweit fünf führenden Länder im AI-Bereich machen. Eine solche Entwicklung würde technologische Lösungen nicht nur, aber auch für Industrie 4.0 hervorbringen.

Industriebetriebe brauchen Automatisierung

Weniger reibungslos gestaltet sich dagegen der Einsatz automatisierter Prozesse in der israelischen Industrie. Wohl gibt es, vor allem in Hochtechnologiebranchen, eine Reihe von Industrieunternehmen, die bei Modernität und Effizienz Weltniveau aufweisen. Solche Unternehmen werden kaum Schwierigkeiten haben, mit der internationalen Entwicklung Schritt zu halten und intelligente Produktionsprozesse einzuführen.

Indessen entfällt ein großer Teil der israelischen Industrieproduktion auf technologieärmere Branchen, die in technologischer Hinsicht weit unter dem Niveau führender Industrieländer liegen. Ihre Modernisierung ist zwar ein erklärtes Ziel der Regierung, die dafür auch Förderinstrumente geschaffen hat, doch ist der Weg zu einem umfassenden Erfolg noch weit. Auf der anderen Seite hat der Einsatz von Industrierobotern, wie der Vorsitzende der israelischen Robotikgesellschaft, Prof. Zvi Shiller gegenüber Germany Trade & Invest erklärte, großes Potenzial. Diese könnten die internationale Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen mit geringer Produktivität erheblich steigern.

Auch Automatisierungsprozesse im Handelssektor laufen an. Die größte israelische Drogeriekette, Super-Pharm, plant die Errichtung eines robotisierten Logistikzentrums für Online-Bestellungen. Nach einem Bericht der israelischen Wirtschaftszeitung Globes soll das Zentrum von dem israelischen Unternehmen CommonSense Robotics betrieben werden. Auch die Supermarktkette Rami Levy Hashikma Marketing, eine der größten des Landes, steigt in die Robotisierung ein. Im August 2018 unterzeichnete sie einen Vertrag, ebenfalls mit CommonSense Robotics, über den Bau von zwölf robotisierten Logistikzentren zur Abwicklung von Online-Bestellungen. CommonSense Robotics koordiniert Arbeitsvorgänge wie Warenannahme, Einlagerung, Sortierung und Verpackung der über das Internet bestellten Waren. Israelische Handelskreise hoffen, durch eine optimierte Logistik bei Online-Bestellungen, die Rentabilität in dieser Sparte zu erhöhen.

Automatisierung und Robotisierung werden auch in den Logistikzentren für Importwaren zunehmen. Nach Meinung des israelischen Marktforschungs- und Beratungsinstituts Geocartography Knowledge Group führen die breitere Palette bei Importwaren, der Markteintritt neuer Importeure und die boomenden Online-Käufe der Verbraucher zu einer Welle von Investitionen in neue Logistikzentren.

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Israel Robotik und Automation, Digitalisierung

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