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26.09.2018

Israel fragt hochqualitative Werkzeugmaschinen nach

Trotz sinkenden Importmarktanteils blieb Deutschland 2017 wichtigstes Lieferland / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Der israelische Markt für Werkzeugmaschinen versorgt sich vorwiegend mit Importfabrikaten. Die Anforderungen an Qualität, Präzision und technischen Dienst sind hoch.

Der Werkzeugmaschinenbau ist in Israel nur schwach ausgebaut. Im September 2018 listete die Datenbank der Wirtschaftsinformationsfirma Dun & Bradstreet in Israel zwar 70 Hersteller von Werkzeugmaschinen, doch handelte es sich meist um Kleinunternehmen. Lediglich 17 der aufgeführten Firmen hatten mehr als 20 Mitarbeiter. Zudem ist die Produktion von Werkzeugmaschinen nur für wenige Hersteller der alleinige Produktionszweig. Eine Reihe weiterer Firmen spezialisiert sich auf Teile und Komponenten von Werkzeugmaschinen, stellt aber keine kompletten Maschinen her.

Statistische Angaben zur Produktion von Werkzeugmaschinen liegen nicht vor, doch zeigt sich an der Exportstatistik, dass diese Sparte keine wichtige Rolle spielt: 2017 lagen die israelischen Ausfuhren von Werkzeugmaschinen bei 29,9 Millionen US-Dollar (US$). Weitere 26,9 Millionen US$ entfielen auf die Ausfuhr von Teilen und Zubehör für Werkzeugmaschinen, so dass die Gesamtausfuhr nur 1,6 Prozent der israelischen Maschinenbauexporte stellte.

Die Entwicklung der Abnehmerbranchen für Werkzeugmaschinen ist nicht einheitlich. Relativ gut schlägt sich der Maschinenbau, dessen Wertschöpfung in der Zeitspanne 2012 bis 2017 im Durchschnitt um 2,8 Prozent pro Jahr und damit doppelt so schnell wie die gesamte Industrie wachsen konnte. Im Jahr 2017 nahm die Wertschöpfung der Maschinenbaubranche um kräftige 5,6 Prozent und im 1. Halbjahr 2018 um knapp 3 Prozent zu. Angesichts positiver Exporterwartungen hat die mehrheitlich von der Ausfuhr abhängige Maschinenbaubranche auch 2019 gute Wachstumschancen.

Kräftige Nachfrage nach Werkzeugmaschinen geht von der Industriebranche "andere Beförderungsmittel" aus, bei denen es sich vorwiegend um Produkte für den Flugzeugbau handelt. Diese technologisch anspruchsvolle Branche nahm 2012 bis 2017 um durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr zu und expandiert 2018 weiter.

Kfz werden in Israel kaum hergestellt, doch spezialisieren sich rund 350 israelische Firmen auf Zulieferungen von Produktionsteilen und Komponenten an internationale Kfz-Hersteller oder Exporte von Ersatzteilen. Nach Angaben des israelischen Exportinstituts liegt die Ausfuhr dieser Sparte bei knapp 1 Mrd. US$ pro Jahr. Zwar umfasst diese Kategorie nicht nur Kfz-Teile im klassischen Sinne, doch geht von ihr bedeutende Nachfrage nach Werkzeugmaschinen aus.

Das gilt auch für die Herstellung von Mess- und Kontrolltechnik, Optikinstrumenten, Medizintechnik und fotografischen Ausrüstungen. Diese Branche ist in den Jahren 2012 bis 2017 um durchschnittlich 3,2 Prozent pro Jahr gewachsen.

Um durchschnittlich nur rund 1,5 Prozent pro Jahr nahmen dagegen in derselben Zeitspanne die Herstellung von Metallwaren und die Kunststoffindustrie zu. Die Bedeutung einzelner Branchen für die israelische Industrie lässt sich an ihren Umsatzzahlen erkennen.

Umsatz ausgewählter Industriebranchen 2015 (Mio. US$) 1) 2)
Branche/Sparte Umsatz
Mess-, Prüf-, Navigations- und Kontrolltechnik 8.192
Metallwaren außer Maschinen und Ausrüstungen 6.707
Maschinenbau 4.486
Andere Beförderungsmittel 3.009
Medizinische Strahlungs-, Elektro- und Chirurgietechnik 2.610
Waren aus Kunststoff 2.240
Elektroindustrie 1.786
Möbelindustrie 1.781
Kfz, Anhänger und Sattelauflieger 813
Optische Instrumente und Fotoausrüstungen 806

1) jüngste verfügbare Angaben; 2) Binnenpreisangaben, umgerechnet nach dem jahresdurchschnittlichen Wechselkurs

Quelle: Zentralamt für Statistik

Hohe Anforderungen

Auf dem israelischen Markt für Werkzeugmaschinen dominieren Importfabrikate. Nachdem es zu Beginn des Jahrzehnts zu starken Jahresausschlägen gekommen war, haben sich die Importzahlen ab 2013 um die Marke von 180 Millionen US$ stabilisiert.

Einfuhr von Werkzeugmaschinen 2010 bis 2017 (Mio. US$)
Jahr Einfuhr Davon: aus Deutschland Deutscher Importmarktanteil in %
2010 133,6 35,9 26,9
2011 202,6 58,7 29,0
2012 214,8 52,1 24,3
2013 184,5 42,4 23,0
2014 182,7 47,8 26,2
2015 182,3 42,2 23,1
2016 175,6 38,3 21,8
2017 181,0 35,5 19,6

Quelle: UN Comtrade Database

Wie Aviya Tennenbaum, Kundendienst- und Marketingdirektor des Werkzeugmaschinenimporteurs I.M.T.L Israel Machine Tools Ltd. gegenüber Germany Trade & Invest erklärte, sehen sich israelische Industrieunternehmen seitens ihrer Kunden in aller Regel höchsten Qualitäts- und Präzisionsanforderungen gegenüber. Das ergebe sich aus der Tatsache, dass die wichtigsten Abnehmerbranchen technologieintensiv seien und ebenfalls höchste Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Produkte sicherstellen müssten. Nicht zuletzt deshalb gäben israelische Unternehmen beim Kauf von Werkzeugmaschinen bewährten Fabrikaten und Lieferanten den Vorzug.

Hersteller aus Industrieländern hätten dadurch einen Wettbewerbsvorteil. Deutsche Anbieter genössen in Israel einen guten Ruf, sähen sich aber intensiver Konkurrenz durch Mitbewerber aus anderen Ländern gegenüber.

Im Reparaturfall können israelische Importeure oft aus eigener Kraft für Abhilfe sorgen. Die Ausbildung ihrer Service-Mitarbeiter ist gut und wird in Zusammenarbeit mit den Herstellern geleistet. Wenn aber Hilfe des ausländischen Herstellers benötigt wird, müssen Personal und dringend benötigte Ersatzteile angesichts Israels geografischer und geopolitischer Lage eingeflogen werden, bestenfalls aus Europa. Unter diesen Umständen ist es besonders wichtig, dass ausländische Lieferanten schnell reagieren, um Produktionsausfälle so kurz wie möglich zu halten.

Deutscher Importmarktanteil 2017 bei 19,6 Prozent

Anders als die Gesamtimporte von Werkzeugmaschinen weist die Einfuhr aus Deutschland seit 2012 einen rückläufigen Trend auf. Dennoch blieb die Bundesrepublik auch 2017 das führende Lieferland.

Führende Lieferländer für Werkzeugmaschinen 2017
Land Einfuhr Importmarktanteil in %
Deutschland 35,5 19,6
Italien 32,6 18,0
Japan 25,4 14,0
Schweiz 16,5 9,1
USA 14,1 7,8
Taiwan 10,4 5,7
China 10,3 5,7
Türkei 9,2 5,1
Südkorea 3,6 2,0
Thailand 3,4 1,9
Spanien 2,2 1,2

Quelle: UN Comtrade Database, Zentralamt für Statistik

Die Struktur der deutschen Lieferungen unterschied sich von derjenigen der Gesamtimporte. Spanabhebende Werkzeugmaschinen machten 72,6 Prozent der Einfuhr aus Deutschland, Teile und Zubehör 17,6 Prozent und Maschinen zum spanlosen Bearbeiten von Metallen, Hartmetallen oder Cermets nur 9,9 Prozent der Importe aus.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

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