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12.04.2017

Israel: Höherer Motorisierungsgrad fördert Nachfrage nach Werkstätten und Kfz-Teilen

Deutschland trotz Rückgang führender Teile-Lieferant / Mechaniker-Ausbildung mit deutscher Unterstützung / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Das Wachstum des israelischen Kfz-Bestands führt zu einem Wachstum der Einfuhr von Kfz-Teilen ebenso wie zu einer steigenden Zahl von Kfz-Werkstätten. Im Jahr 2016 konnte sich die Einfuhr von Kfz-Teilen zum zweiten Mal in Folge erholen. Deutschland blieb das führende Lieferland, verlor aber Marktanteile. Landesweit sind rund 5.400 amtlich zugelassene Werkstätten tätig. Das Preisniveau von Kfz-Ersatzteilen liegt über westlichem Niveau. (Kontaktanschrift)

Der israelische Kfz-Bestand wächst schnell. Ende 2016 erreichte die Zahl der landesweit zugelassenen Fahrzeuge mehr als 3,2 Mio. Das waren 49% mehr als zehn Jahre vorher. Besonders schnell nimmt die Zahl der Pkw zu. Ende 2016 entfielen auf diese Kategorie 84% aller Kfz, gegenüber 77% im Jahr 2006. Hohe Zuwachsraten wurden auch bei Krafträdern und Bussen verbucht, doch spielen diese Kategorien in absoluten Zahlen eine untergeordnete Rolle.

Kfz-Bestand nach Kategorien 2006 bis 2016 (in Tsd.; ausgewählte Jahre)
Kategorie 2006 2011 2016
Insgesamt 2.176 2.683 3.240
Pkw außer Taxis 1.685 2.164 2.727
Lkw 354 348 321
Minibusse 16 15 14
Busse 13 15 20
Taxis 18 19 21
Sonderfahrzeuge 4 4 5
Krafträder 86 117 131

Quelle: Zentralamt für Statistik

Einfuhr von Kfz-Teilen nimmt zu

Der expandierende Kfz-Bestand löst einen steigenden Bedarf an Ersatzteilen aus. Das fördert auch die Einfuhr. Zwar wurde der Wachstumstrend der Importe von Kfz-Teilen im Jahr 2014 unterbrochen, doch konnte dieser Rückschlag anschließend großenteils wieder ausgeglichen werden.

Einfuhr von Kfz-Ersatzteilen 2012 bis 2016
Jahr Mio. US$ davon: aus Deutschland Deutscher Importmarktanteil in %
2012 449,8 122,6 27,3
2013 486,4 105,7 21,7
2014 457,0 117,5 25,7
2015 462,7 113,4 24,5
2016 472,6 71,7 15,2

Quelle: UN Comtrade Database

Im Jahr 2016 entfielen auf Teile und Zubehör für Kraftfahrzeuge (SITC-Gruppe 784) 81,2% aller Importe von Kfz-Teilen. Mit 17,6% folgten elektrische Ausrüstungen für Verbrennungsmotoren und für Fahrzeuge (SITC 778.3), während Kolbenverbrennungsmotoren (SITC 713.2) mit 2,9% keine nennenswerte Rolle spielten.

Das wichtigste Lieferland war, wie in Vorjahren, Deutschland. Allerdings kam es 2016 zu einigen Veränderungen in der geografischen Struktur der Importe. Während neben Deutschland auch Frankreich, die Niederlande und Belgien eine kräftige Schrumpfung ihrer Lieferungen hinnehmen mussten, nahmen die Importe aus Italien und Japan sprunghaft zu. Eine deutliche Zunahme wurde auch bei den Importen von Kfz-Teilen aus Polen, Ungarn und der Slowakei verzeichnet . Allerdings schafften es diese Standorte noch nicht unter die Top Ten.

Führende Lieferländer für Kfz-Teile 2016
Land Einfuhr, Mio. US$ Importmarktanteil in %
Deutschland 71,7 15,2
China 63,0 13,3
Japan 44,2 9,4
Schweden 43,9 9,3
Italien 36,5 7,7
USA 28,2 6,0
Spanien 25,6 5,4
Korea (Rep.) 24,7 5,2
Türkei 20,2 4,3
Frankreich 17,0 3,6

Quelle: UN Comtrade Database

Das israelische Verkehrsministerium hat sich das Ziel gesetzt, das als überhöht geltende Preisniveau von Ersatzteilen zu senken. Allerdings wurden dabei bisher keine durchschlagenden Erfolge erreicht. Wie der Vorsitzende der israelischen Vereinigung der Kfz-Werkstätten, Ronen Levy, gegenüber der GTAI erklärte, sind die Verbraucherpreise für Ersatzteile in Israel oft um ein Mehrfaches höher als in Ländern wie den USA. Dies liege sowohl an der Besteuerung durch den Staat als auch an der hohen Konzentration der Teile-Einfuhr in den Händen der Kfz-Importeure. Der relativ kleine Umfang des israelischen Marktes mache Parallelimporte - also den Erwerb von Ersatzteilen bei Dritthändlern im Ausland - schwer. Auch der unzureichende Wettbewerb unter den Kfz-Werkstätten verhindere eine wirksame Senkung der Ersatzteilpreise.

Zahl und Betriebsgröße der Werkstäten nehmen zu

Nach Angaben Werkstattvereinigung waren 2016 in Israel rund 5.400 Werkstätten tätig, gegenüber 4.800 zehn Jahre zuvor (+12,5%). Damit steigt die Zahl der Kfz-Werkstätten viel langsamer als die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge. Allerdings, so Levy, hat die durchschnittliche Betriebsgröße der Werkstätten zugenommen. Der Umsatz der Kfz-Werkstätten lag 2016 bei rund 18 Mrd. Neue Schekel (NIS, rund 4,7 Mrd. US$).

In den letzten Jahren ist eine Schwächung der markengebundenen Vertragswerkstätten zu beobachten. Bei diesen handelt es sich um eigenständige Betriebe, die auf Grund vertraglicher Bindung mit dem jeweiligen Importeur Fahrzeuge bestimmter Marken betreuen. Im letzten Jahrzehnt ist die Zahl solcher Werkstätten, so Levy, um rund 20% zurückgegangen und liege heute bei rund 550.

Einer der Gründe für die zunehmende Lösung der Markenbindung sind die strikten Auflagen des Herstellers beziehungsweise Importeurs. So müssen Vertragswerkstätten nicht zuletzt vom Hersteller bestimmte Ausrüstungen und Werkzeuge kaufen - zu einem Preis, der in Regel deutlich über dem Preisniveau des freien Marktes liege. Die Vertragswerkstätten, die aus der Markenbindung ausgeschieden sind, sind als sogenannte allgemeine Werkstätten tätig. Sie betreuen Fahrzeuge, ohne Rücksicht auf deren Markenzugehörigkeit, mit Universalausrüstungen.

Diese Entwicklung ist auch für ausländische Anbieter von Ersatzteilen und von Werkstattausrüstungen von Bedeutung. Ohne die Markenbindung sind die allgemeinen Werkstätten nämlich für einen breiteren Kreis von Anbietern von Kfz-Ausrüstungen interessant.

Allerdings lassen sich mit den Universalausrüstungen nur rund 70% der Reparaturfälle lösen. Die anderen 30% werden von den allgemeinen Werkstätten im Auftrag und mit einer Vollmacht des Kunden an Vertragswerkstätten weitergeleitet.

Deutsche Ausbildung

Bei der Ausbildung von Kfz-Mechanikern erfährt Israel Unterstützung aus Deutschland. Die israelische Werkstattvereinigung ist durch langjährige Zusammenarbeit mit dem Landesverband Hessen des Kfz-Gewerbes verbunden. Im Rahmen dieser Kooperation werden israelische Kfz-Mechaniker an der Landesfachschule des hessischen Kfz-Gewerbes in Frankfurt ausgebildet. Unter anderem durchliefen in der Mainmetropole israelische Fachkräfte Schulung für Wartung und Reparaturen von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Im November 2016 wiederum erhielt die israelische Werkstattvereinigung im Rahmen einer Vereinbarung mit der Handwerkskammer Stuttgart die Befugnis, israelische Werkstattleiter nach den Regeln der deutschen Meisterausbildung zu schulen und ihnen auch den Meisterbrief auszustellen.

Kontaktanschriften

Israel Garage Association

Ansprechpartner: Mr. Ronen Levy, Chairman

Yosef Karo St. 24, Tel Aviv 67014

Tel.: 00972 3/562 01 13, Fax: -562 03 83

E-Mail: ronenl@iga.co.il; Internet: http://www.iga.org.il

(S.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Elektrotechnik/Elektronik allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen)

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‎+49 228 24 993 234

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