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04.06.2018

Israel positioniert sich als Ideenschmiede für Agrar-Hightech

530 Firmen im Geschäft / Wichtiger Standort für Investitionen / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - In Israel wird eine Vielzahl von Hightechlösungen für die Landwirtschaft entwickelt. Dabei wird eine breite Palette von Bereichen abgedeckt, von Biotechnologie und Präzisionslandwirtschaft bis hin zu Aquakultur und vertikaler Landwirtschaft. Das Technologiezentrum Start-up Nation Central schätzt die Zahl der im Agrarbereich tätigen Hightechfirmen auf 530. Ihre Marktchancen suchen die Unternehmen vor allem im internationalen Geschäft.

Um ihre Ressourcenknappheit zu überwinden, war die israelische Landwirtschaft schon immer innovativ. Bekannte Beispiele für ihre Erfolge sind wassereffiziente Bewässerung, hohe Erträge der Milchwirtschaft und die in Israel entwickelten Cherry-Tomaten. In den letzten Jahren werden zunehmend auch landwirtschaftliche Hightechlösungen entwickelt. Nach einer Übersicht von Start-up Nation Central (http://www.startupnationcentral.org), einem gemeinnützigen Zentrum für die Anbahnung von Geschäftsbeziehungen zwischen israelischen Start-ups und ausländischen Unternehmen, lag die Zahl der Agro-Hightechfirmen im April 2018 bei 530.

Agro-Hightech-Firmen in Israel 2018
Bereich Zahl der Firmen
Intelligente Landwirtschaft 70
Bewässerung und Wassermanagement 68
Pflanzenschutz und Düngemittel 48
Agrobiotechnologie 47
Tierzucht 44
Neuartige Ackerbausysteme 43
Nacherntebehandlung 42
Aquakultur 33
Lebensmittelsicherheit und -nachverfolgbarkeit 25
Maschinen und Roboter 21
Sonderfeldfrüchte 20
Abfalltechnologie 18
Lieferkette und Logistik 10
Alternative Proteine 9
Direktlieferungen von Landwirt zu Verbraucher 8
Andere 24
Insgesamt 530

Quelle: Start-up Nation Central

Breite Palette von Hightechlösungen für die Landwirtschaft

Wie die Direktorin der Abteilung für Landwirtschaft und Lebensmittel von Start-up Nation Central, Tamar Weiss, gegenüber der GTAI erklärte, deckt die landwirtschaftliche Hochtechnologie alle Stadien der Agrarproduktion und Logistik bis hin zur Auslieferung des Fertigprodukts an die Verbraucher. Israelische Firmen spezialisieren sich unter anderem auf die Saatgutentwicklung, den Pflanzenschutz inklusive Verfahren zur Wirkstoffabgabe, Präzisionslandwirtschaft, Robotik, Nacherntebehandlung und Logistik. Ein weiteres Gebiet, auf dem eine Anzahl israelischer Firmen arbeitet, ist alternativer Anbau: sowohl im Bereich ländlicher Gewächshäuser als auch bei vertikaler Landwirtschaft für dichtbesiedelte Wohnorte.

Bei der Erzeugung tierischer Produkte spezialisieren sich die israelischen Firmen auf Zuchtmethoden, Präzisionsmanagement und Tiergesundheit - darunter Überwachung des Gesundheitszustands der Tiere und Minimierung der Antibiotikaverwendung. Ein weiteres Gebiet ist Aquakultur.

Im Bereich der Lebensmittel spezialisiert sich die israelische Hightechszene unter anderem auf alternative Proteine, darunter Proteine auf pflanzlicher Basis, Proteine aus Insekten und auf die Entwicklung von Retortenfleisch. Nach Erkenntnissen von Start-up Nation Central sind weltweit sechs Firmen ernsthaft mit der Entwicklung von Retortenfleisch beschäftigt; drei davon befänden sich in Israel.

In den Bereichen Biotechnologie und Pflanzenschutz kommt die Wissensgrundlage für die Entwicklung marktfähiger Produkte hauptsächlich von den Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen. In Israel sind mehr als 20 agrartechnische Forschungsinstitute tätig. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Landwirtschaftsministerium (Ministry of Agriculture and Rural Development), das über eine eigene Forschungsorganisation verfügt, die Agriculture Research Organization (ARO, http://www.agri.gov.il).

Die israelischen Hochschulen stehen der Kommerzialisierung ihrer Forschungsergebnisse offen gegenüber und verfügen über eigene Technologietransfergesellschaften, die das relevante Wissen gegen Bezahlung, zur gewerblichen Nutzung freigeben. Oft gründen Hochschulforscher selbst Firmen, um ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Entwicklung anwendungsfähiger Produkte zu nutzen. Im Mai 2018 kündigte die Technologietransfergesellschaft der Hebräischen Universität in Jerusalem, Yissum (http://www.yissum.co.il), die Gründung eines Accelerators für Nahrungsmittel- und Agrartechnologie an. Der Accelerator wird sich, in Anlehnung an die Ergebnisse universitätseigener Forschung, auf aufkommende Technologien konzentrieren.

In anderen Sparten wiederum, vor allem solchen, die mit Elektronik zu tun haben, kommt das zugrundeliegende Wissen nicht selten von ehemaligen Soldaten, die ihren Wehrdienst in Technologieeinheiten absolviert haben. Naturgemäß wird das in der Armee erworbene Know-how an die Anforderungen der zivilen Wirtschaft, in diesem Fall der Landwirtschaft angepasst.

Ausländische Partner gesucht

Beim Großteil der Agro-Hightechfirmen handelt es sich um relativ junge Existenzgründungen: 38 Prozent von ihnen sind nicht älter fünf Jahre. In aller Regel suchen die israelischen Firmen den Markteinstieg direkt auf dem Weltmarkt, ist doch die israelische Landwirtschaft bei aller Modernität recht klein und trägt lediglich 1,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die meisten israelischen Firmen sind zu klein, um eigenständig eine weltweite Präsenz aufzubauen. Daher konzentrieren sich viele auf große Märkte mit Potenzial für hochwertige Agrarprodukte, wie die USA, China, Indien, Russland, Brasilien sowie auf Europa.

Bevorzugte Kunden der Israelis sind Global Player, die Produkte und Technologien aus Israel in ihr weltweites Vertriebsnetz integrieren können. Um das Marktpotenzial aber wirklich auszuschöpfen, sind solche Firmen nicht nur auf Kunden, sondern auch auf strategische Partner oder Investoren angewiesen. Das gilt auch für Entwicklungsprojekte. Insofern besteht auch Kooperationspotenzial zwischen israelischen und westlichen Unternehmen auf Drittlandsmärkten.

Ausländische Partner erkennen den Wert der israelischen Hochtechnologie für den Agrarsektor. Im Jahr 2017 entfielen nach Angaben von Start-up Nation Central 8 Prozent der weltweiten Investitionen in Agro-Hightech auf Israel. Nach Auffassung israelischer Fachkreise bietet diese Sparte angesichts des schnellen Wachstums der Weltbevölkerung und des damit einhergehenden Nahrungsmittelbedarfs innovativer Technologie ein großes Wachstumspotenzial auf der internationalen Bühne.

Ein Beispiel dafür ist die Firma Hargol FoodTech, die ein Verfahren zur Massenzüchtung essbarer Heuschrecken entwickelt und 2016 die erste kommerzielle Heuschreckenfarm errichtet hat. Damit peilt die Firma einen Markt von bis zu einer Milliarde Verbraucher an. Die Tel Aviver Analysefirma Taranis wiederum bietet Landwirten eine Optimierungsplattform für ihre Äcker. Die Plattform sammelt Daten aus Liftaufnahmen, Bodensensoren, Wetterlage und Wetterprognosen und Überwachung der Felder und gibt Empfehlungen zur Abwendung drohender Schäden.

Die Firma SCR, die Managementsysteme für die Melkkuhställe entwickelt, wurde 2014 von der US-amerikanischen Allflex Group für 250 Millionen US-Dollar (US$) übernommen. Die chinesische Hebang Group erwarb 2015 für 90 Millionen US$ einen 51-Prozent-Anteil an der israelischen stk Stockton Group, die biologische Pflanzenschutzmittel entwickelt und verkauft.

Deutschen Firmen, die Kontakt zu potenziellen israelischen Partnern aufnehmen wollen, stehen unter anderem die Israelische-Deutsche Industrie- und Handelskammer (AHK Israel, http://www.ahkisrael.co.il) sowie die israelische Innovationsbehörde (Innovation Authority, http://www.matimop.org.il ) zur Verfügung. Auch Start-up Nation Central vermittelt Kontakte zu israelischen Hochtechnologiefirmen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Elektrotechnik/Elektronik allgemein, Pflanzenproduktion, Bio-, Gentechnik, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung

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