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28.09.2017

Israel wertet Telekommunikationswesen auf

Gesamtwirtschaftliche Wachstumsimpulse erwartet / Scharfer Wettbewerb bei Telekommunikationsdiensten / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Israel plant die Verlegung eines landesweiten Glasfasernetzes in jeden Haushalt. Im Bereich der mobilen Datenübertragung sind Ausschreibungen für Dienste der fünften Generation geplant. Die Investitionen werden von gewerblichen Unternehmen getätigt. Derweil sorgt intensiver Marktwettbewerb für sinkende Preise bei Telekommunikationsdiensten, doch wirkt sich das rückläufige Preisniveau negativ auf Rentabilität und Investitionen aus und führt zu Problemen beim Kundendienst.

In den kommenden Jahren soll jeder israelische Haushalt beziehungsweise jedes Unternehmen einen Glasfaseranschluss erhalten (FTTH oder fibre to the home). Das ist das Ziel des Telekommunikationsministeriums (Ministry of Communications). Ein FTTC-Netz (fibre to the cabinet/curb) gibt es bereits: Von den rund 8.000 Verzweigungskästen des Telekommunikationskonzerns Bezeq sind nahezu alle landesweit ans Glasfasernetz angeschlossen. Die Anschlüsse an den Endkunden werden bisher aber von den Verzweigungskästen per Kupferkabel fortgesetzt. Nun soll auch die sogenannte letzte Meile mit Glasfaserkabeln bestückt werden.

Nach Schätzung des Ministeriums beträgt die Länge des bestehenden FTTC-Glasfasernetzes rund 12.000 Kilometer. Um ein FTTH-Netz zu errichten, müssten ungefähr weitere 30.000 Kilometer verlegt werden. Eine offizielle Kostenschätzung dafür liegt bisher nicht vor; unter Zugrundelegung von in anderen Ländern vorgenommenen Berechnungen dürfte die Verlegung eines FTTH-Anschlusses 500 bis 800 US-Dollar (US$) je Haushalt erfordern. Bei knapp 2,5 Millionen Haushalten und rund 565.000 Unternehmen, die es in Israel gibt, wären es circa 1,5 Milliarden bis 2,4 Milliarden US$. Kostendämpfend wirkt sich die Tatsache aus, dass Israel relativ urban und dichtbesiedelt ist. So sind innerhalb der Wohnorte keine allzu langen Strecken zu überwinden. In jedem Fall müssen die Investitionsmittel von gewerblichen Investoren aufgebracht werden, da der israelische Telekommunikationsmarkt privatisiert und liberalisiert ist.

Nach Schätzung des Telekommunikationsministeriums wird das FTTH-Netz in der ersten Phase Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 bis 1.000 mbit/s ermöglichen. Längerfristig dürfte die Übertragungsgeschwindigkeit 10 Gb/s erreichen. Gegenwärtig liegt die durchschnittliche Übertragungsgeschwindigkeit nach Angaben von Bezeq bei 47 mbit/s.

Wer verlegt die Glasfaserkabel?

Bisher wurde nicht beschlossen, wer das FTTH-Netz verlegen soll. In Israel sind zwei Unternehmen tätig, die über landesweite Kommunikationsfestnetze verfügen: Bezeq und die Kabelnetz-Firma HOT. Ursprünglich hatten beide Unternehmen unterschiedliche Betätigungsfelder: Bezeq war für das Telefonnetz zuständig und HOT ein Anbieter von Multikanal-TV. Inzwischen aber sind beide zu Konzernen mit umfassendem Angebot an Telekommunikationsdiensten herangewachsen.

Dabei erhielt auch HOT von der Regierung die Vorgabe, ein landesweites Kabelnetz zu verlegen, um alle Haushalte, auch die in peripheren Regionen, anschließen zu können. Im Jahr 2017 erreicht Bezeq 99 Prozent aller Haushalte, während es bei HOT 92 Prozent sind. Dabei sind die Endkunden, wie gesagt, nicht per Glasfaserkabel angeschlossen. Theoretisch könnten sowohl Bezeq als auch HOT das FTTH-Netz verlegen. Allerdings ergäbe es in ökonomischer Hinsicht wenig Sinn, dass beide es tun. Als eine Möglichkeit gilt, dass Bezeq als das größere Unternehmen den Zuschlag für das landesweite Glasfasernetz erhält, während HOT in bestimmten Regionen als zweiter Infrastrukturanbieter auftreten würde.

Es gibt auch einen dritten Ansatz: Die 2013 von der staatseigenen Elektrizitätsgesellschaft Israel Electric Corporation und einem Konsortium privater Unternehmen in Angriff genommene Verlegung von Glasfaserkabeln entlang der Stromkabel, die jetzt schon zu jedem Haushalt hin verlaufen. Allerdings stößt das Projekt auf Schwierigkeiten und kommt langsamer als geplant voran; daher gilt seine Zukunft als ungewiss.

Mobilnetz wartet auf fünfte Generation

Ebenfalls aufwertungsbedürftig ist die Infrastruktur für mobile Datenübertragung. Im Jahr 2018 oder 2019 will das Telekommunikationsministerium Frequenzen für Dienste der fünften Generation ausschreiben. Dafür werden Frequenzen bis zu 1.000 MHz freigeräumt. Zugleich sind Investitionen in Sendeanlagen und Antennen nötig. Ebenso wie bei der Aufwertung der Festnetz-Infrastruktur, gibt es beim Netz der fünften Generation keine offizielle Schätzung des Investitionsbedarfs. Auf Grund ausländischer Erfahrungswerte wird aber mit einer Größenordnung von bis zu 1,2 Milliarden US$ gerechnet.

Naturgemäß wird die Aufwertung des Telekommunikationsnetzes die heute bestehenden Dienste verbessern. Indessen erwartet das Telekommunikationsministerium vom Infrastrukturausbau auch wichtige Impulse für andere Bereiche, etwa Telemedizin, Telekonferenzen, Internet of Things und andere Branchen, die von umfassenderer und schnellerer Datenübertragung profitieren können.

Rückläufige Preise durch scharfen Wettbewerb

Unterdessen wird der Wettbewerb auf dem israelischen Markt für Telekommunikationsdienste immer intensiver. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die 2011 mit einer von der Regierung durchgesetzten Marktreform der Mobiltelefonie begann. Die Folge ist ein anhaltender Preisrückgang bei Telekommunikationsdiensten, der inzwischen auch die Internetdienste, die Festnetztelefonie und das Multikanalfernsehen umfasst. So wächst der Markt zwar quantitativ, doch geht der dabei erzielte Umsatz zurück. Laut dem Jahresbericht des Telekommunikationsministeriums schrumpften die Einnahmen der Anbieter von Telekommunikationsdiensten 2016 abermals und gingen in laufenden Binnenpreisen um 4,9 Prozent zurück. Laut Angaben des Zentralamts für Statistik nahm die Wertschöpfung der Telekommunikationsdienste 2016 real um 6,5 Prozent ab.

Indessen sind israelische Experten zunehmend der Meinung, dass die rückläufige Preisentwicklung sich ihrem Ende nähert. Das stark gesunkene Preisniveau schmälere die Rentabilität der Anbieter. Zudem bremsten die relativ niedrigen Einnahmen die Investitionstätigkeit ab. Schließlich hätten die Telekommunikationsunternehmen massiv Personal abgebaut, was zu Problemen beim Kundendienst führe. Auf Dauer sei dieser Zustand nicht zu halten, so dass mittelfristig ein höheres Preisniveau und möglicherweise der Marktausstieg eines Teils der heutigen Anbieter zu erwarten seien.

Umsatzstruktur der Telekommunikationsdienste 2016
Sparte Umsatz in Mio. US$ *) Veränderung zum Vorjahr in laufenden Binnenpreisen in % Anteil in %
Insgesamt 5.287 -4,9 100,0
Mobiltelefonie 2.227 -11,1 42,1
Fernsehen und Radio 954 -1,8 18,1
Festnetztelefonie 911 -0,5 17,2
Breitbandinfrastruktur 578 3,2 10,9
Internetzugang 409 12,8 7,7
Internationale Telefonate 208 -14,8 3,9

*) Offizielle Binnenpreisangaben, umgerechnet nach dem jahresdurchschnittlichen Wechselkurs; keine amtsstatistische Angabe

Quellen: Telekommunikationsministerium für Binnenpreisangaben; Zentralbank (Bank of Israel) für Wechselkurse

(S.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Telekommunikationsdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

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