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25.05.2018

Israel will Erdgas-Autos zum Marktdurchbruch verhelfen

Fördermittel für Tankstellen / Entlastung bei Treibstoffabgabe und Pkw-Steuer / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Israel will dem bisher kaum existenten Markt für erdgasbetriebene Kfz kräftige Initialzündung geben. Dazu hat das Parlament weitreichende Erleichterungen bei der Treibstoffabgabe von komprimiertem Erdgas beschlossen. Das Energieministerium will die Errichtung von Erdgastankstellen fördern, und bei der Pkw-Kaufsteuer winken künftigen Käufern von Erdgaswagen Erleichterungen. Die Regierung ist aus energie- wie aus umweltpolitischen Gründen an der Nutzung von Erdgastreibstoff interessiert.

Der israelische Markt für erdgasbetriebene Kfz kommt nicht aus den Startlöchern. Auf dem Pkw-Markt sind Wagen mit Erdgasantrieb nicht zu haben; lediglich eine kleine Zahl davon befindet sich im Erprobungsstadium. Bei Verkehrsbussen hat das Verkehrsministerium bisher nur zwei Ausschreibungen für erdgasbetriebene Fahrzeuge veröffentlicht.

Dabei ist eine Marktregelung für Erdgas-Kfz vorhanden. Es bestehen Normen für Erdgastreibstoff ebenso wie für die Ausbildung von Kfz-Mechanikern und die Sicherheit in Kfz-Werkstätten, die Erdgasfahrzeuge betreuen. Insofern wäre die Marktzulassung von Erdgasmodellen binnen kurzer Fristen möglich. Schließlich hat Israel auch eine Norm für Erdgasbetankungsstellen festgelegt. Hierbei wurde, nach Angaben des israelischen Verkehrsministeriums, die deutsche Norm übernommen.

Nach Auffassung des Energieministeriums bremst die Unsicherheit, der sich potenzielle Tankstelleninvestoren und Fahrzeugkäufer, und damit auch die Importeure, gegenübersehen, den Markt aus. Deshalb versucht das Ressort, klare Regeln für Betriebskosten und Betankungsmöglichkeiten zu schaffen. Auf seine Initiative genehmigte der zuständige Finanzausschuss des Parlaments (Knesset) im März 2018 eine Verordnung zur Treibstoffabgabe. Ziel der Maßnahme ist es, den Erwerb von Erdgasfahrzeugen nicht nur lohnend zu machen, sondern den Käufern auch eine Planungsperspektive für einen Zeitraum von zehn Jahren zu verschaffen.

Erdgastanken soll sich lohnen

In den ersten sechs Jahren wird die Treibstoffabgabe für verdichtetes Erdgas bei 0,02 Neue Schekel (NIS, rund 0,6 US-Cent) pro Kilogramm liegen. Danach steigt sie sukzessive und soll 2028 bei 1,4 NIS (nach dem gegenwärtigen Wechselkurs rund 40 US-Cent) liegen. Zum Vergleich: Die Treibstoffabgabe für Benzin mit 95 Oktan beträgt 3,03 NIS (rund 87 US-Cent) je Liter. Damit ist der Steuervorteil für den Erdgasantrieb nicht unbeträchtlich. Parallel dazu werden die heute bestehenden Steuerrückerstattungen für Dieseltreibstoff künftig eingeschränkt. Auch dies wird den Erdgasantrieb in Relation zu anderen Treibstoffen lohnender machen.

In einem weiteren Schritt will das Energieministerium für die Errichtung von Tankstellen für verdichtetes Erdgas sorgen. Das Ressort kündigte an, 100 Millionen NIS (rund 29 Millionen US$) als Fördermittel für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Dafür sollen sich die Investoren verpflichten, mindestens 25 Erdgastankstellen zu errichten. Dabei will das Energieministerium nicht in jedem Fall auf eine Gaspipeline bestehen, sondern auch die Belieferung der Tankstellen mit Hilfe von Tankwagen ermöglichen. Für eine umfassende Marktversorgung wären 25 Tankstellen allerdings völlig unzureichend. Auch wenn Israel mit einem Staatsgebiet von 21.000 km nicht gerade groß ist, so kann das angekündigte Förderprogramm für Erdgastankstellen bei heute rund 3,3 Millionen zugelassenen Kfz nicht mehr als einen bescheidenen Anfang bedeuten.

Auf dem Pkw-Markt käme erdgasbetriebenen Wagen auch die nach Umweltverträglichkeit gestaffelte Pkw-Kaufsteuer zugute. Wie Idan Abudi, Leiter der Abteilung für Energie, Treibstoffe und Umwelt im Verkehrsministerium gegenüber der GTAI betonte, werden erdgasbetriebene Pkw auf der Skala der Umweltfreundlichkeit steuerlich so eingestuft, als würden sie ausschließlich mit Erdgas betrieben. Dabei werde eine eventuelle Nutzung von Benzin, wie sie bei erdgasbetriebenen Fahrzeugen möglich sei, nicht berücksichtigt.

Erfolg ist zumindest möglich

So scheint es, dass Erdgaswagen durchaus Marktchancen haben. Israels Energieminister, Yuval Steinitz sieht in dem geplanten Vormarsch erdgasbetriebener Kfz eine Voraussetzung für eine grundlegende Änderung des Kfz-Marktes. Nach Steinitz' Plänen soll Israel ab 2030 keine Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotoren mehr zulassen und nur noch Kfz mit umweltfreundlicherem Antrieb importieren. Inwieweit dieser Plan aufgehen kann, muss abgewartet werden, doch zeigt er, dass es der israelischen Politik mit dem Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt im Straßenverkehr ernst ist.

Die allermeisten in Israel zugelassenen Pkw fahren mit Benzin. Nach den jüngsten verfügbaren Daten lag der Benziner-Anteil am Pkw-Bestand bei 95,5 Prozent, während die meisten Lkw und Taxis sowie alle Busse und Minibusse Dieselmotoren hatten.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Straßenfahrzeuge, allgemein, alternative Energien

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