Suche

20.11.2017

Israels Bedarf an Produkten und Dienstleistungen für Senioren expandiert

Israelische Start-ups entwickeln Technologie für den Weltmarkt / Erster Wagniskapitalfonds für Senioren-Hightech / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Die israelischen Senioren werden nicht nur immer zahlreicher, sondern auch immer gebildeter, vermögender und technisch versierter. Damit werden sie in den kommenden Jahren nicht nur mehr seniorenorientierte Produkte, sondern vermehrt auch solche kaufen, die genauso von jüngeren Jahrgängen nachgefragt werden. Ein vielversprechendes Segment sind Hightech-Produkte für Senioren und Seniorenbetreuung. In diesem Bereich wurde 2017 der erste Wagniskapitalfonds gegründet.

Die israelische Gesellschaft ist jung, jedenfalls im Vergleich zu anderen Industrieländern. Nicht einmal jeder achte Landesbewohner ist 65 oder älter. Allerdings nimmt der Seniorenanteil seit Beginn dieses Jahrzehnts zu, und der Trend geht weiter. Laut der mittleren Variante der amtsstatistischen Bevölkerungsprognose wird die Zahl der Senioren ab 65 Jahren 2025 um 38,8 Prozent über dem Stand von 2015 liegen. Besonders rapide nimmt die Zahl der älteren Senioren ab 75 zu. Laut der Bevölkerungsprognose wird diese Bevölkerungsgruppe bis 2025 um 69,8 Prozent gegenüber 2015 expandieren.

Senioren in Israel 2010 bis 2030 (in Tsd.)
Jahr Gesamt bevölkerung 65 und älter Seniorenanteil (ab 65) in % 75 und älter
2010 7.696 753 9,9 400
2015 8.463 939 11,1 414
2016 8.629 978 11,3 420
2020* 9.106 1.124 12,3 664
2025* 9.845 1.303 13,2 703
2030 *) 10.605 1.474 13,9 727

*) Prognose, mittlere Variante

Quelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics)

Die schnelle Zunahme der Seniorenzahlen wird den Bedarf nach altersrelevanten Produkten erhöhen. Das gilt nicht zuletzt für Arzneimittel und für Medizintechnik, vor allem wenn die überdurchschnittlich rasche Expansion der Gruppe ab 75 Jahren berücksichtigt wird. Unter der Annahme, dass sich die Häufigkeit der Hospitalisierungsfälle mit zunehmendem Alter ähnlich wie der Gesamtbedarf an medizinischen Diensten und Produkten entwickelt, lässt sich schätzen, dass die vom Seniorensektor ausgehende Gesamtnachfrage nach medizinischer Betreuung 2025 fast um die Hälfte über dem Stand von 2015 liegen wird. Da Medikamente ebenso wie Medizintechnik vorwiegend importiert werden, dürfte der einschlägige Einfuhrbedarf ebenfalls stark steigen.

Wachstum bei Hightech für Senioren

Angesichts der Bevölkerungsprognose ist auch eine Expansion der Altersheime und des betreuten Wohnens zu erwarten. Allerdings leben heute nur rund 7 Prozent aller Israelis im Alter ab 65 im Altersheim oder in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Dieser Prozentsatz wird aller Voraussicht nach steigen, doch leben auch dann die meisten Senioren zu Hause. Gleichzeitig verspricht der Vormarsch moderner Technologie, die Zeit zu verlängern, in der Senioren zu Hause bleiben können (Aging in place).

Seniorenbezogene Hightech ist ein Bereich, in dem Israel einen expandierenden Markt bieten wird, in dem es aber auch eigene Technologien entwickelt und ausländischen Unternehmen Kooperation, Technologiezukauf und Investitionen ermöglicht. Die israelischen Start-ups, die entsprechende Produkte entwickeln, peilen vor allem den Weltmarkt an.

Israelische Investoren sind in zunehmendem Maße an diesem Segment interessiert, auch das Wagniskapital. Im Juli 2017 wurde mit Mediterranean Towers Ventures (http://ventures.migdalei.co.il) der erste israelische Wagniskapitalfonds für Senioren-Hightech ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der größten privatwirtschaftlichen israelischen Kette von Häusern für betreutes Wohnen, Mediterranen Towers.

Wie Dr. Yael Benvenisti, Ko-Geschäftsführerin von Mediterranean Towers Ventures gegenüber der GTAI erklärte, haben sich seit der Gründung des Fonds bis Oktober 2017 - also innerhalb von vier Monaten - 52 israelische Start-ups an den Fonds gewandt, um Finanzierung für seniorenorientierte Technologieprodukte zu beantragen. Dies zeige das große technologische und geschäftliche Potenzial dieser Sparte. Der Fonds sei auch für Zusammenarbeit mit ausländischen Investoren offen.

Ausländisches Kapital beginnt in der Tat, Interesse zu zeigen. So etwa führte das Toyota Research Institute im Juli 2017 eine Finanzierungsrunde von 14 Millionen US-Dollar für das israelische Start-up Intuition Robotics an, (https://www.intuitionrobotics.com), das Roboter für Senioren entwickelt. Wie die israelische Firma gegenüber der Wirtschaftszeitung Globes erklärte, diene der von ihr entwickelte Roboter ELLI-Q nicht der Krankenpflege, sondern soll die Kommunikation der Senioren mit der Außenwelt verbessern. Als ein dialogfähiger Apparat soll er zudem auch selbst mit dem Menschen kommunizieren und dadurch die von vielen älteren Menschen erlebte Vereinsamung lindern.

Nach Feststellung Yael Benvenistis gehören Aging in place und Telemedizin zu den wichtigsten Bereichen der seniorenorientierten Hightech, an der in Israel gearbeitet werde. Ein Beispiel seien medizinische Sensoren, die die Herzfunktion, den Blutdruck oder andere Werte auch ohne Zutun des Menschen messen und an eine Zentrale übermitteln. Solche Sensoren könnten in ein T-Shirt integriert werden, das der Nutzer lediglich anziehen müsse. Ein weiteres Beispiel sei die Bewegungsüberwachung von Senioren in deren Wohnung. Um die Privatsphäre des Kunden zu schützen, müsse es sich dabei um keine Kameraüberwachung handeln. Vielmehr könnten Bewegungssensoren Notsituationen vermelden.

Eine weitere Roboteranwendung, die in Israel erprobt wurde, ist die Behandlung von Demenzkranken. Dabei werden Roboter in Form von Tieren hergestellt, mit denen die Erkrankten spielen können.

Auch die israelische Regierung ist an seniorengerechter Hochtechnologie interessiert. Im Oktober 2017 hat das Gesundheitsministerium (http://www.health.gov.il) beispielsweise um technologische Vorschläge zur Verhinderung von Stürzen aufgerufen. Darüber hinaus gelten für seniorengerechte Hightech die allgemeinen Fördermaßnahmen für Forschung und Entwicklung, die von der israelischen Innovationsbehörde (http://www.matimop.org.il) abgewickelt werden.

Kaufen wie Jüngere

Israelische Senioren sind zudem als Kunden für moderne Konsumgüter und Dienstleistungen interessant, wie sie auch von anderen Altersgruppen gekauft werden. Ein wichtiges Beispiel sind internetgestützte Dienste. Die jüngeren Jahrgänge unter den Senioren haben moderne Informations- und Kommunikationstechnologie bereits während ihres Arbeitslebens genutzt. Gerade mit fortschreitendem Alter und abnehmender Mobilität können Dienstleistungen wie interaktives Fernsehen, Telekonferenzen oder Zukunftstechnologien wie virtuelle Realität für ältere Menschen attraktiv sein.

Hinzu kommt, dass israelische Senioren heute einen deutlich höheren Bildungsstand vorweisen, als es in früheren Jahren der Fall war. Akademikereinkommen sind in der Regel mit einer höheren Kaufkraft verbunden und werden zunehmend von Unternehmen bei ihrer Absatzpolitik berücksichtigt. Dennoch gilt gezieltes Marketing für die älteren Jahrgänge noch immer als ausbaubedürftig.

(S.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Elektrotechnik/Elektronik allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika

Funktionen

Manfred Tilz Manfred Tilz | © GTAI

Kontakt

Manfred Tilz

‎+49 228 24 993 234

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche