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12.06.2017

Israels Cleantech sucht größere Weltmarktrolle

Zahlreiche Kooperationschancen / Wassertechnologie und Energie führend / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Der israelische Cleantech-Sektor will seine Position auf dem Weltmarkt weiter ausbauen. Mit dem steigenden Bewusstsein für bessere Wasserversorgung rechnen sich Anbieter von Wassertechnologie dabei gute Chancen aus. Mit Hightech-Lösungen will sich Israel auch stärker im internationalen Energiesektor etablieren. Solche Entwicklungen bieten westlichen Unternehmen Chancen zu Engagement vor Ort und zu Gemeinschaftsprojekten in Drittländern. (Kontaktanschriften)

Eine genaue Quantifizierung des israelischen Cleantech-Sektors ist in Ermangelung offizieller Definitionen und Erfassungsmethoden nicht leicht, doch spielt er in Israel eine wichtige und wachsende Rolle. Insgesamt, so Oded Distel, Direktor des im Wirtschaftsministerium angesiedelten Förderprogramms für umweltfreundliche Technologie NewTech, ist eine Zahl von 800 bis 900 israelischen Cleantech-Unternehmen realistisch. Ein Rückblick auf 2011 (500 Unternehmen) belegt, dass es sich bei der Branche um einen rasch wachsenden Markt handelt.

Nach Schätzung des Wirtschaftsministeriums sind circa 300 Unternehmen allein im Bereich der Wassertechnologie auf dem Markt aktiv. Ungefähr 200 weitere sind im Segment umweltfreundlicher Energie zu finden. In anderen Cleantech-Sparten wie Verkehrswesen, Recycling oder ökologisch gerechte Agrartechnik sind insgesamt mehrere Hundert weitere Unternehmen aktiv.

Die Datenbank der der auf Hochtechnologie und Wagniskapital spezialisierten israelischen Marktforschungsfirma IVC wies im Mai 2017 insgesamt 641 Cleantech-Firmen aus. Allerdings ist zu beachten, dass IVC nur Hightech-Unternehmen erfasst, während nicht alle Cleantech-Firmen dem Hochtechnologiebereich zuzuordnen sind.

Langjährige Erfahrungen mit Wassermanagement

Die international aktivste Cleantech-Sparte ist die Wassertechnologie. Ihre Exporte, so Distel gegenüber der GTAI, beliefen sich 2016 auf 2,1 Mrd. US$. Hierbei handelt es sich um Waren ebenso wie um Dienstleistungen und intellektuelles Eigentum.

Wie Distel anmerkt, hängt der internationale Erfolg der israelischen Wassertechnologie großenteils an der in Israel geltenden Konzeption, bei Wasser handele es sich um eine nationale Ressource, deren Verwendung auch auf nationaler Ebene geplant werden müsse. Dank dieser Konzeption habe Israel jahrzehntelange Erfahrungen mit umfassendem Wassermanagement gesammelt. Dies habe auch den effizienten Wassereinsatz in der Landwirtschaft gefördert und beispielsweise zur Entwicklung landwirtschaftlicher Tropfbewässerungssysteme geführt, die heute in vielen Ländern zum Einsatz kommen.

Die israelische Wassertechnologie profitiert auch von den Hightech-Kapazitäten des Landes. So bieten israelische Firmen moderne Wassermanagementsysteme an, beispielsweise zur Aufdeckung von Lecks im Wasserversorgungsnetz an. Dabei werden der Wasserfluss und die Wasserverluste mit Hilfe von Sensoren und Satellitenaufnahmen erfasst. Im Zeitalter globaler Kommunikation können solche Systeme großenteils vom Firmensitz der israelischen Anbieter geleitet werden.

Ein weiteres Beispiel ist die in Israel entwickelte, umgekehrte Osmose für Meerwasserentsalzung. Israelische Technologie, so Distel, habe die Kosten der Wasserentsalzung erheblich gesenkt. Israelische Firmen sind auch bei der dezentralen Wasserversorgung tätig. So etwa spezialisiert sich die Firma Water-Gen auf Anlagen zur Wassergewinnung aus der Luft - laut Firmenangaben zu international niedrigen Preisen.

Das Wirtschaftsministerium rechnet damit, dass der Anstieg des globalen Wasserbedarfs und das zunehmende internationale Bewusstsein für die Dringlichkeit des Versorgungsproblems den Weltmarkt für Wassertechnologie in den kommenden Jahren schnell expandieren lassen. Daher bringt sich Israel in Position, um an dieser Entwicklung zu partizipieren.

Allerdings ist der israelischen Branche klar, dass es sich um einen sehr komplexen Markt handelt, dessen Regeln weitgehend von Regierungen und Behörden bestimmt werden und auf dem auch internationale Organisationen - etwa die Weltbank, um nur ein Beispiel zu nennen - eine wichtige Rolle spielen. Unter diesen Umständen, so Distel, würden viele Projekte in multilateralen Rahmen abgewickelt, in denen israelische Firmen ihren Platz finden müssen. Dies schaffe zahlreiche Möglichkeiten zur Kooperation mit westlichen Unternehmen.

Hightech für saubere Energie

Nicht ganz so stark wie bei der Wassertechnologie sind israelische Unternehmen auf dem Weltmarkt für saubere Energie etabliert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Israel die Nutzung erneuerbarer Energien für die Stromerzeugung erst in den letzten Jahren massiv angepackt hat: 2016 lag der Anteil erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung bei 2,2%; bis 2020 soll er auf 10,1% steigen. Dennoch beschäftigen sich mehr als 200 israelische Firmen mit umweltgerechter Energie. Zwar werden in Israel technologisch relativ einfache Erzeugnisse wie herkömmliche PV-Module nicht hergestellt, wohl aber Produkte wie Solarwechselrichter der Firma Solar Edge, oder Roboter zur Reinigung von Solarpanels der Firma Eccopia. Eine große Rolle spielen auch Ausrüstungen und Software für intelligente Stromnetze und das Stromnetzmanagement.

Zahlen zur Höhe der israelischen Cleantech-Exporte im Energiebereich liegen nicht vor, doch schätzt sie das Wirtschaftsministerium auf mehrere Hundertmillionen US$ pro Jahr. Das ist deutlich niedriger als bei der Wassertechnologie, doch gilt das Energiesegment des Cleantech-Sektors als ausbaufähig, zumal bahnbrechende Technologien schnell in Exportzahlen umgesetzt werden. Der Anteil junger Firmen, die vor dem Markteintritt stehen, ist im Energiebereich besonders hoch. Das schafft ein hohes Umsatzpotenzial für die kommenden Jahre. Laut IVC befanden sich 105 der 218 technologieintensiven Cleantech-Firmen, die sich auf Energie spezialisieren im Forschungs- und Entwicklungsstadium, inklusive der Seed-Phase. Das waren 48% gegenüber 40% aller von der Datenbank erfassten Cleantech-Unternehmen im Lande.

Im Energiebereich suchen israelische Unternehmen ebenfalls oft Anschluss an westliche Partner. So vereinbarte die auf Energiespeicherungssysteme spezialisierte Firma Brenmiller Energy 2016 mit dem spanischen Bau- und Infrastrukturkonzern Isolux Corsan gemeinsame Teilnahme an einer Ausschreibung für den Bau eines 150-MW-Solarkraftwerks in Südafrika.

Umweltschonende Kfz-Technologie im Kommen

Relativ jung ist das Verkehrssegment der israelischen Cleantech. Dennoch beschäftigen sich zahlreiche Firmen mit der E-Mobilität und der Energieeffizienz von Motoren. Dabei sind bereits interessante Ergebnisse zu verzeichnen. So hat die Firma StoreDot eine Antriebsbatterie für Pkw entwickelt, die nach Firmenangaben innerhalb von fünf Minuten voll aufgeladen werden kann. Unter anderem stellte die Firma ihre Erfindung im Mai 2017 auf der Berliner Start-up-Messe Cube vor.

Autotech ist eine aufstrebende Branche der israelischen Hightech-Szene. Im März 2017 erwarb der Intel-Konzern die auf autonomes Fahren spezialisierte israelische Firma Mobileye für 15 Mrd. US$. Zwar gehört Mobileye nicht zu Cleantech, doch sagen israelische Experten nach der Riesenübernahme gesteigertes Interesse ausländischer Kfz-Hersteller an israelischer Technologie voraus. Das dürfte auch das Engagement ausländischer Käufer oder Investoren an E-Mobilität und Energieeffizienz für Kfz gelten. Insofern empfiehlt es sich, die Entwicklung in diesem Bereich zu verfolgen.

Kontaktanschriften

Ministry of Economy and Industry

Ansprechpartner: Mr. Oded Distel, Director, Israel NewTech Program

Bank of Israel St. 5, Jerusalem 9195021

Tel.: 00972 2/666 26 07, Fax: 666 29 38

E-Mail: israelnewtech@economy.gov.il, Internet: http://israelnewtech.gov.il/English/AboutUs/Pages/default.aspx

Manufacturers Association of Israel

Division of Foreign Trade & International Relations

Ansprechpartnr: Mr. Dan Catarivas, Director

POB 50022, Tel Aviv 6812511

Tel.: 00972 3/519 88 13

E-Mail: danc@industry.org.il, Internet: http://www.industry.org.il

(S.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Abwasserentsorgung, Umweltschutz Wasser, Gewässerschutz

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