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15.02.2019

Israels Einfuhr wächst, Ausfuhr lahmt

Deutsche Marktposition 2018 gefestigt / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Die israelische Wareneinfuhr legte 2018 kräftig zu. Und auch die Position der deutschen Exportwirtschaft in Israel ist besser, als die Statistik zunächst vermuten lässt.

Mit einem Plus von 16,5 Prozent verzeichneten die israelischen Warenimporte gegenüber dem Vorjahr einen kräftigen Schub. Dagegen schlug das Exportwachstum mit nur 1,6 Prozent zu Buche. Damit hat sich das Handelsdefizit mehr als verdoppelt.

Israels Warenhandel 2014 - 2018 (Mrd. US$)
Jahr Exporte Importe Saldo
2014 69,0 72,3 -3,3
2015 64,1 62,1 2,0
2016 60,6 65,8 -5,2
2017 61,2 69,1 -7,9
2018 62,1 80,6 -18,5

Quelle: Monatsschrift zur Außenhandelsstatistik (Foreign Trade Statistics Monthly), diverse Ausgaben, Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics)

Zum Teil war das Einfuhrwachstum eine Folge von Preissteigerungen, vor allem bei Erdöl und Metallen. Allerdings spiegelte die erhöhte Einfuhr auch eine stärkere quantitative Nachfrage der Wirtschaft wie der Verbraucher wider.

Die Importe von Konsumgütern wurden vom sprunghaften Anstieg von Pkw-Importen beeinflusst. Allerdings handelte es sich dabei hauptsächlich um eine technische Reaktion auf den im Vorjahr verzeichneten Importrückgang.

Die Einfuhr von Maschinen und Ausrüstungen stieg zum dritten Mal in Folge. Sie lag um 8,4 Prozent über dem Vorjahresstand und um eindrucksvolle 44 Prozent über dem Niveau von 2015.

Wareneinfuhr nach Verwendungsweck 2017 und 2018 (Mio. US$)
Kategorie / Jahr 2017 2018 Veränderung 2018/2017 in %
Alle Waren 69.145 80.565 16,5
darunter:
Konsumgüter 13.667 15.562 13,9
- Verbrauchsgüter 8.175 9.227 12,9
- Gebrauchsgüter 5.492 6.335 15,3
Investitionsgüter 12.585 14.933 18,7
- Maschinen und Ausrüstungen 8.411 9.119 8,4
- Kfz 3.351 4.015 19,8
Rohstoffe (ohne Diamanten und Treibstoffe) 28.488 32.725 14,9
darunter:
- für Maschinenbau und Elektronikindustrie 10.197 11.524 13,0
- Chemikalien 4.857 5.495 13,1
- Eisen und Stahl 2.198 2.987 35,9
- Kunststoff und Kautschuk 2.544 2.916 14,6

Quelle: Monatsschrift zur Außenhandelsstatistik, Dezember 2018, Zentralamt für Statistik

Einfuhr aus Deutschland auf historischen Höchststand

Die deutsche Exportwirtschaft konnte ihre Position auf dem israelischen Markt 2018 ausbauen. Die Warenbezüge aus Deutschland nahmen zum drittem Mal in Folge zu und lagen um 21,3 Prozent über dem Vorjahresstand beziehungsweise um 50,6 Prozent über dem Niveau von 2015. Zugleich erreichten sie mit 5,7 Milliarden US-Dollar (US$) einen historischen Höchststand. Der deutsche Importmarktanteil nahm 2018 um 0,3 Prozentpunkte zu und belief sich auf 7,1 Prozent - der höchste Anteil seit einem Jahrzehnt.

Einfuhr aus Deutschland 2018 (führende Warenkategorien)
HS-Abschnitt Warenkategorie Mio. US$ 2018 Veränderung gegenüber. 2017 in % Deutscher Importmarkt anteil 2018 in % Deutscher Importmarkt anteil 2017 in %
Insgesamt 5.729 21,3 7,1 6,8
darunter:
IV Nahrungsmittel, Getränke und Tabak 169 55,0 5,8 3,8
VI Chemie 755 4,9 10,1 9,7
VII Kunststoff und Kautschuk 368 17,2 10,3 8,8
XV Metalle und Metallwaren 262 5,6 5,3 5,0
XVI Maschinenbau, Elektroindustrie und Aufzeichnungsgeräte 1.831 17,6 9,7 8,3
XVII Beförderungsmittel 1.341 63,9 15,0 9,2
XVIII Optik, Mess- und Regel-, Medizintechnik 430 2,6 14,6 14,2

Quelle: Monatsschrift zur Außenhandelsstatistik, Dezember 2018, Zentralamt für Statistik

Die deutsche Position auf dem israelischen Markt ist sogar stärker, als die israelische Außenhandelsstatistik vermuten lässt. Da es sich bei den Exporten der Besserplatzierten Vereinigtes Königreich und auch Schweiz überwiegend um Re-Exporte handelt (insbesondere mineralische Stoffe), wird die Rangfolge der führenden israelischen Lieferländer etwas verzerrt dargestellt.

Führende Lieferländer Israels 2018
Land Einfuhr in Mio. US$ Veränderung zum Vorjahr in %
USA 10.161 25,7
Schweiz 8.203 48,4
China 7.238 10,9
Vereinigtes Königreich 6.480 50,5
Deutschland 5.729 21,3
Belgien 3.936 -4,0
Niederlande 3.468 18,5
Türkei 3.056 5,5
Italien 3.006 8,2
Frankreich 2.331 32,7

Quelle: Monatsschrift zur Außenhandelsstatistik, Dezember 2018, Zentralamt für Statistik

Industrieexporte ohne Dynamik

Im Jahr 2018 nahm das Handelsdefizit zum dritten Mal in Folge zu. Das ist zwar kein Indiz für etwaige Zahlungsprobleme: Dank solider Überschüsse in der Dienstleistungsbilanz und bei laufenden Übertragungen verzeichnet die israelische Leistungsbilanz seit Jahren einen Überschuss. Wohl aber deutet die Stagnation der Warenexporte auf die mangelnde Fähigkeit der israelischen Industrie, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und ihre Produktionsbasis durch exportorientiertes Wachstum zu erweitern.

Seit Anfang des Jahrzehnts schwankte die industrielle Ausfuhr des Landes innerhalb einer relativ engen Bandbreite zwischen 43,5 Milliarden und 46,8 Milliarden US$ und wies keinen Wachstumstrend auf. Das gilt auch für die Hightech-Exporte, die damit ihre frühere Rolle als unumstrittener Wachstumsmotor der israelischen Industrie nicht mehr erfüllen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

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Israel Außenhandel / Struktur, allgemein

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