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09.04.2019

Israels Maschineneinfuhr boomt - dank Großinvestition

Zukunftsaussichten gemischt / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Die israelische Maschineneinfuhr hat 2018 einen neuen Höchststand erreicht. Das war vor allem den Investitionen eines multinationalen Konzerns zu verdanken.

Die israelischen Maschinenimporte haben 2018 ein Höchstniveau von 7,9 Milliarden US-Dollar (US$) erreicht. Damit konnte zum dritten Mal in Folge die Marke von 7 Milliarden US$ überschritten werden.

Das hohe Importniveau war überwiegend einer Großinvestition des US-Konzerns Intel geschuldet, der 2016 einen Ausbau seiner Produktionskapazitäten in Israel in Angriff nahm. Das Investitionsprogramm umfasste unter anderem die Beschaffung von Ausrüstungen zum Herstellen von Halbleiterbarren, -scheiben und -bauelementen sowie elektronischen integrierten Schaltungen (SITC-Gliederungseinheit 728.21). Im Jahr 2018 entfielen 25,2 Prozent der Maschinenimporte auf diese eine Position. Mit einem Importmarktanteil von 44,6 Prozent war Japan das in dieser Kategorie wichtigste Lieferland.

Israels Maschinenimporte 2014 bis 2018 (Mio. US$) 1)
Jahr Einfuhr Davon: SITC 728.21 2) Ohne SITC 728.21 2)
2014 5.179 29 5.150
2015 4.971 91 4.880
2016 7.008 1.421 5.588
2017 7.656 1.865 5.791
2018 7.859 1.978 5.880

1) SITC 71 bis 74; 2) Maschinen, Apparate und Geräte zum Herstellen von Halbleiterbarren, -scheiben und -bauelementen, elektronischen integrierten Schaltungen oder Flachbildschirmen

Quelle: UN Comtrade Database

Allerdings sind die israelischen Maschinenimporte in den Jahren 2016 bis 2018 auch unter Ausschluss der Halbleiter-Maschinen gestiegen und haben 2018 einen Wert von 5,9 Milliarden US$ erreicht.

Modernisierung der Industrie stößt auf Probleme

Die Perspektiven des Maschinenmarkts für die kommenden Jahre sind gemischt. Der Industrie fällt ein Ausbau der Produktionskapazitäten nicht zuletzt wegen eines akuten Mangels an Arbeitskräften, insbesondere Fachkräften schwer. Das hemmt Erweiterungsinvestitionen.

Viele Unternehmen stoßen zudem auf Schwierigkeiten beim Übergang zu modernen Produktionsmethoden, was Modernisierungsinvestitionen tangiert. Laut einer von der israelischen Industriellenvereinigung (Israel Manufacturers Association) im November 2018 durchgeführten Erhebung gaben nur 12 Prozent der befragten Unternehmensleiter an, mit dem Thema "Industrie 4.0" gut vertraut zu sein. Weitere 50 Prozent erklärten, nur eine allgemeine Vorstellung davon zu haben, während 38 Prozent das Thema nicht kannten.

Nur 10 Prozent der Betriebe hatten im November 2018 bereits konkrete Schritte für den Übergang zur "Industrie 4.0" eingeleitet, weitere 9 Prozent arbeiteten an einem strategischen Plan zur Einführung von entsprechenden Technologien und 22 Prozent planten oder erwogen dahingehende Modernisierungsmaßnahmen. Weitere 46 Prozent planten keine solchen Investitionen für 2019, während 3 Prozent die Frage nicht beantworten konnten. Allerdings glaubte rund die Hälfte der Unternehmen, die "Industrie 4.0" bisher scheuen, innerhalb von drei bis fünf Jahren den Übergang dazu doch noch einzuleiten.

In den meisten Fällen konzentrieren sich die Modernisierungsinvestitionen auf den Herstellungsprozess. Dagegen sind sie in den Bereichen Logistik, Wartung sowie Forschung und Entwicklung seltener.

Unter dem Strich kann industrielle Modernisierung Absatzmöglichkeiten für ausländische Hersteller schaffen, zumal der Großteil der israelischen Maschinen- und Ausrüstungsinvestitionen auf importierte Fabrikate entfällt; im Jahr 2018 waren es 73,3 Prozent. Die Tatsache, dass viele Unternehmen nur ungenügende Kenntnisse der Materie haben, dürften sich auch für Industrieberatungsfirmen Geschäftschancen bieten.

Impulse durch Infrastrukturinvestitionen

Im Infrastrukturbereich dürften die kommenden Jahre zahlreiche Absatzchancen für Maschinenhersteller schaffen. Nach nur unzureichenden Fortschritten beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie angesichts des hohen Investitionsbedarfs der Wasserwirtshaft sind in diesen beiden Bereichen massive Investitionen unumgänglich. Das gilt auch für den Telekommunikationssektor, in dem 2019 die Verlegung von Glasfasernetzen beschleunigt und G5-Frequenzen für die Mobiltelekommunikation ausgeschrieben werden sollen.

Eine Unbekannte stellt die Erdgaswirtschaft dar. Auf der einen Seite gehen der Ausbau des inländischen Erdgastransportnetzes und die Umstellung der Energieversorgung auf Erdgas weiter, auf der anderen Seite ist aber noch unklar, wann und inwieweit Israel ausländische Kunden für seine bisher unerschlossenen Offshore-Vorkommen findet. Davon werden verständlicherweise das Tempo und der Umfang der Erschließung dieser Vorkommen abhängen. Israel hofft, dass 2019 in diesem Bereich zumindest Vorentscheidungen fallen.

Deutschland auf Platz vier

Die führenden Lieferländer für Maschinen 2018 waren die USA und Japan, wobei die japanischen Lieferungen zu 71 Prozent aus Ausrüstungen zur Herstellung von Halbleitern bestanden. Auf Rang drei der Lieferantenliste konnte 2018 China vorrücken, dessen Lieferungen sich gegenüber dem Vorjahr um 37,2 Prozent erhöhten. Damit verdrängte China Deutschland vom dritten auf den vierten Rang.

In den Jahren 2014 bis 2018 schwankten die Maschinenimporte aus der Bundesrepublik zwischen 746 Millionen und 927 Millionen US$. Der deutsche Importmarktanteil war in den Jahren 2016 bis 2018 mit 11,1 Prozent bis 12,1 Prozent um drei bis vier Prozentpunkte niedriger als in den vorangegangenen Jahren, und zwar weil nur ein kleiner Teil der Ausrüstungen zur Halbleiterherstellung aus Deutschland kam.

Führende Lieferländer für Maschinen 2018
Land Einfuhr (Mio. US$) Importmarktanteil in %
USA 1.573 20,0
Japan 1.192 15,2
China 896 11,4
Deutschland 876 11,1
Italien 579 7,4
Niederlande 296 3,8
Vereinigtes Königreich 289 3,7
Frankreich 199 2,5
Spanien 135 1,7
Türkei 130 1,7

Quelle: UN Comtrade Database

Die wichtigste aus Deutschland importierte Maschinenkategorie waren Maschinen für verschiedene Zwecke. Sie machten 42,7 Prozent der deutschen Lieferungen aus. Die höchsten Importmarktanteile erzielten deutsche Unternehmen bei Metallbearbeitungsmaschinen und Maschinen für verschiedene Zwecke mit 19 beziehungsweise 13,2 Prozent.

Israels Maschinenimporte 2017 und 2018 (Mio. US$)
SITC-Nr. Warenbezeichnung Einfuhr 2017 Davon: aus Deutschland Einfuhr 2018 Davon: aus Deutschland
71 Kraftmaschinen und Kraftmaschinenausrüstungen 1.238 159 1.147 175
72 Arbeitsmaschinen für besondere Zwecke 3.465 300 3.620 278
73 Metallbearbeitungsmaschinen 236 52 258 49
74 Maschinen, Apparate und Geräte für verschiedene Zwecke und Teile davon, 2.717 416 2.834 374

Quellen: UN Comtrade Database

Kontaktadresse

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Israel Manufacturers Association https://eng.industry.org.il Industriellenvereinigung

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Import, Robotik und Automation, Digitalisierung

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