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25.04.2018

Israels Wasserwirtschaft muss weiter viel investieren

Meerwasserentsalzung, Abwasseraufbereitung und Transportnetze im Ausbau / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Die Wasserwirtschaft in Israel ist hoch entwickelt. Dennoch bleibt Wasser angesichts begrenzter natürlicher Ressourcen und steigendem Bedarf knapp. Die Regierung will daher die Kapazitäten zur Meerwasserentsalzung ausbauen, in die Wassernetze investieren und die Abwasseraufbereitung verbessern. Viele etablierte Hightech-Unternehmen sind im israelischen Wassersektor aktiv. Für deutsche Anbieter gibt es gute Zuliefer- und Kooperationschancen. (Kontakttadressen)

Israels Wasserbedarf steigt weiter. Die erneuerbare natürliche Wassermenge Israels beträgt rund 1,2 Milliarden Kubikmeter pro Jahr, während der Verbrauch nach den jüngsten verfügbaren Angaben 2016 bei 2,2 Milliarden Kubikmeter lag. Darüber hinaus lieferte Israel auf Grund vertraglicher Verpflichtungen 79 Millionen Kubikmeter an die Palästinensische Nationalbehörde und 52 Millionen Kubikmeter an Jordanien.

Die Schere zwischen der natürlichen Wasserversorgung und dem Wasserbedarf wird immer weiter. Zwischen 2012/13 und 2017/18 erlebte Israel fünf Dürrejahre. Experten befürchten, dass die jährliche natürliche Niederschlagsmenge nicht nur aus zyklischen Gründen abgenommen hat, sondern wegen des Klimawandels dauerhaft schrumpft.

Meerwasserentsalzung wichtigster Lieferant von Trinkwasser

Die Regierung will daher vor allem die Meerwasserentsalzung weiter ausbauen. Bis 2020 soll die Kapazität auf 750 Millionen Kubikmeter steigen. Besonders wichtig ist die Expansion der Entsalzung im Norden der israelischen Mittelmeerküste. Die Wasserversorgung im Land basierte lange Zeit auf dem Überpumpen der natürlichen Wasserbestände, vor allem des Sees Genezareth und der beiden großen Grundwasserleiter. Diese "Lösung" stieß jedoch mit der Zeit an ihre Grenzen. Die Regierung beschloss daher 2002 den Bau großer Meerwasserentsalzungsanlagen an der Mittelmeerküste. Diese produzierten 2016 rund 587 Millionen Kubikmeter Wasser. Das entspricht 25 Prozent des landesweiten Wasser- beziehungsweise 52 Prozent des Trinkwasserverbrauchs.

Der Ausbau der Meerwasserentsalzung zieht umfangreiche Investitionen in das Wassertransportnetz nach sich. Entsalztes Wasser muss von der Küste landeinwärts geführt werden, auch in den Norden des Landes, der einstmals Wasserlieferant und nicht Wasserempfänger war

Die israelische Wasserbehörde schlägt als kurzfristige Notmaßnahme neue Grundwasserbohrungen vor. Sie beziffert die notwendigen staatlichen Investitionen für die Jahre 2018 und 2019 in Wasserbohrungen, in das Wassertransportnetz und in die Wiederaufbereitung von Abwässern auf rund 220 Millionen US-Dollar. In der kommunalen Wasserwirtschaft besteht ständiger Investitionsbedarf bei der Bekämpfung von Wasserverlusten, bei der Mess- und Regeltechnik und bei der Überwachung der Wasserqualität.

Landwirtschaft und Industrie verwenden mehr "Brauchwasser"

In den kommenden Jahren will Israel zudem die gesamte wiederzuverwendende Abwassermenge der tertiären Reinigung unterziehen. Damit sollen die gereinigten Abwässer uneingeschränkt zur Bewässerung eingesetzt werden können. Bei der Wiederaufbereitung und Wiederverwendung von Abwässern ist Israel schon jetzt "Weltmeister". Im Jahr 2017 lag die Wiederverwendungsquote bei 86 Prozent.

Der größte Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft. Seit 2005 entfällt mehr als die Hälfte des landwirtschaftlichen Wasserverbrauchs auf nichttrinkbares Wasser. Im Jahr 2016 lag der Anteil des Nichttrinkwassers an der Wasserversorgung des Agrarsektors bei 59,8 Prozent.

Auch in anderen Sektoren wird nach Möglichkeit recyceltes Abwasser eingesetzt, das keine Trinkwasserqualität hat, darunter in der Industrie. Ihr Wasserverbrauch entfiel 2016 zu 71,5 Prozent auf diese Kategorie. Insgesamt stellt nichttrinkbares Wasser 39,4 Prozent des israelischen Gesamtverbrauchs.

Rahmendaten zum Wassersektor in Israel
Indikator Wert
Bevölkerung (Jahresende 2017, in Mio.) 8,8
Wasserverbrauch p.a. (2016, in Mio. cbm), davon 2.215
nach Ressourcen
.Trinkwasser 1.376
..Mekorot (1) 985
..Wasserbohrungen 235
..Oberfläche 157
.Nicht trinkbares Wasser 838
..Mekorot (1) Salzwasser 79
..Bohrungen Salz und Brackwasser 148
..Abwässer 390
..Shafdan (2) 185
..Flut- und Regenwasser 36
nach Sektoren (3)
.Kommunen (in %) 35,2
.Industrie (in %) 5,6
.Landwirtschaft (in %) 58,3
.Rückfluss in die Natur (in %) 1,3

1) Betreiber des staatlichen Wasserversorgungsnetzes; 2) Abwasserreinigungswerk für den Großraum Tel Aviv; 3) Abweichungen durch Rundung

Quellen: Wasserbehörde; Zentralamt für Statistik; Weltbank

Viele Hightech-Firmen

Die israelische Wasserwirtschaft ist kapital- und ausrüstungsintensiv. Ausländischen, darunter auch deutschen Unternehmen öffnen sich deshalb zahlreiche Lieferchancen. Gleichzeitig sind in Israel Wassertechnikunternehmen tätig, die auch auf dem Weltmarkt auftreten.

Der hohe technologische Stand der israelischen Wasserwirtschaft bietet deutschen Unternehmen Möglichkeiten zum Technologiezukauf und zur Kooperation. Das gilt auch auf Drittmärkten, insbesondere dort, wo Wasserknappheit Lösungen zur Steigerung der Wassereffizienz, inklusive der Wiederverwendung gereinigter Abwässer, attraktiv macht.

Die auf Hochtechnologie und Wagniskapital spezialisierte israelische Marktforschungsfirma IVC listete im April 2018 insgesamt 141 Hightech-Firmen in der Wassertechnik. Nur 18 davon sind etablierte Unternehmen im Stadium wachsender Umsätze. Da bei weitem nicht alle Anbieter von Wassertechnik Hochtechnologieunternehmen sind, gibt es zahlreiche weitere namhafte Unternehmen, etwa in der Bewässerungstechnik.

Das für die Wasserpolitik federführend verantwortliche Regierungsressort ist das Ministerium für Energie und Wasser (Ministry of Energy and Water Resources), während die Durchführung der Wasserpolitik der staatlichen Wasserbehörde obliegt (Water Authority).

Mekorot ist wichtigster Wasserversorger

Der wichtigste Wasserversorger ist die staatseigene Mekorot Water Company. Mekorot ist für die landesweite Wasserversorgung, Wasserqualität und Infrastruktur zuständig und betreibt das nationale Wassertransportsystem (National Water Carrier).

Die Meerwasserentsalzungsanlagen werden in Israel von gewerblichen Investoren im Rahmen von Public-private-Partnerships (PPP) gebaut und betrieben. Die Wasserversorgung in den Kommunen obliegt kommunalen Wassergesellschaften, die in der Regel mehrere Städte oder Landkreise betreuen.

Bei Aufträgen der öffentlichen Hand ab 5 Millionen US-Dollar müssen sich ausländische Lieferanten zu Gegengeschäften verpflichten. Bei Aufträgen, die unter das internationale Abkommen zur Beschaffung der öffentlichen Hand (GPA) fallen, liegt der Gegengeschäftssatz bei 20 Prozent des Auftragswertes.

Als interdisziplinäre Fachorganisation der Wasserwirtschaft agiert die Israel Water Association. Ihr gehören Wissenschaftler, Unternehmer und Vertreter relevanter Regierungsämter und Kommunalinstitutionen an. Die Vereinigung vertritt Israel bei der Internationalen Wasservereinigung (IWA).

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse
Ministry of Energy and Water Resources http://www.energy.gov.il
Water Authority http://www.water.gov.il
Mekorot Water Company Ltd. http://www.mekorot.co.il/Eng
Israel Water Association http://israelwater.org.il

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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‎+49 228 24 993 234

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