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03.04.2019

Italien fördert Energieeffizienz von Gebäuden

Wohnhäuser und öffentliche Bauten im Mittelpunkt / Von Oliver Döhne (März 2019)

Mailand (GTAI) - Italien bietet privaten Hausbesitzern und Unternehmen zahlreiche Anreize für Energieeffizienzmaßnahmen in Gebäuden. So sehen Ausgangslage und Förderinstrumente aus.

Aktuelles zum Thema Energieeffizienz in Gebäuden

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Umfangreiche Förderprogramme Geringes Umweltbewusstsein
Energieeffizienzvorgaben der Europäischen Union Wenig Gemeinschaftsinitiativen in großen Wohnhäusern
Hohe Stromkosten Wenig Aufklärung/Information

In Italien bieten alte Bausubstanz und hohe Strompreise prinzipiell viel Raum für Dynamik. Die Regierung fördert Effizienzmaßnahmen in Gebäuden, tut dies laut Marktkennern aber eher, um Schwarzarbeit einzudämmen und weniger, weil sie sich für das Thema begeistert. Bei den Zielen geht sie kaum über das von der Europäischen Union (EU) Geforderte hinaus.

Haushalte verbrauchen mehr Energie als EU-Durchschnitt

Wohnhäuser konsumierten 2017 mit 32,9 Millionen Tonnen Erdöläquivalent rund 28,9 Prozent von Italiens Gesamtenergie, der tertiäre Sektor 16,1 Prozent. Beide Werte liegen über dem Durchschnitt der EU. Die Haushalte verbrauchen rund 67,7 Prozent ihrer Energie für die Raumheizung, 12,6 Prozent für Beleuchtung, 11,7 Prozent für Warmwasser, 6,3 Prozent für Kochenergie und 0,4 Prozent für Kühlung. Von der Heizenergie verwendeten die Haushalte 2016 rund 60,6 Prozent für Gasheizkessel, 18 Prozent für Holz(pellets)-befeuerte Biomasseanlagen, 8,2 Prozent für erdölbetriebene Heizkessel, 7,2 Prozent für Wärmepumpen und 3,8 Prozent für Fernwärme. Der Stromverbrauch der Haushalte betrug 2017 etwa 65,5 Terawattstunden (rund 21,7 Prozent des Angebots), der tertiäre Sektor verbrauchte 34,7 Prozent.

Von den rund 14,5 Millionen Gebäuden des Landes sind rund 12,2 Millionen Wohnhäuser. Davon wurden drei Viertel vor 1980 errichtet. Für 2019 erwarten Experten ein Plus von 3,5 Prozent bei den Investitionen in neue Wohngebäude und 2,6 Prozent bei denen in Nichtwohngebäude. Gute Aussichten bestehen in Bologna, Palermo, Neapel, Turin und im Nordosten des Landes.

Zertifizierungen erfolgen durch einheimische Organisationen wie KlimaHaus, Cened und ITACA und durch die ausländischen PassivHaus, DGNB, Klima:aktiv Haus, LEED und Minergie.

MKT201904028004.14

Regierungspläne, Förderprogramme, administrative Hürden

Im von der EU geforderten Entwurf für eine Nationale Energieeffizienzstrategie 2021 bis 2030 (Piano Nazionale Integrato per l'energia ed il clima) hat Italien den Gebäudesektor im Fokus und will zwischen 2021 bis 2030 dessen Energieverbrauch jedes Jahr weiter zurückfahren. So kann bis 2030 eine jährliche Ersparnis von 5,7 Millionen Tonnen Erdöläquivalent erreicht werden, davon 3,3 Millionen bei Wohnhäusern. Zwischen 2040 und 2050 sollen jährliche Einsparungen von 11,4 Millionen Tonnen Erdöläquivalent möglich sein, davon 6,6 Millionen Tonnen Erdöläquivalent bei Wohnhäusern und 4,8 Millionen im tertiären Sektor.

Von den 4.100 größeren öffentlichen Gebäuden will die Regierung über das Programm Prepac jährlich 3 Prozent energetisch sanieren, bis 2030 rund 3,2 Millionen Quadratmeter. Der neue Nationale Energieeffizienzfonds soll Garantien und günstige Zinsen ermöglichen. Über die Wärmerechnung (Conto Termico) stehen insbesondere für öffentliche Bauten Zuschüsse für Investitionen in die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien bereit. Förderbar sind Wärmepumpen, Solarhermie, Hybridsysteme, Biomassekessel, Kondenskessel und Warmwasserwärmepumpen.

Haushalte können über die Gebäuderenovierung (Ristrutturazione Edilizie) von Sanierungsmaßnahmen bis zu 96.000 Euro 50 Prozent von der Steuer abziehen, ebenso entsprechende Kreditzinsen. Für Renovierungsdienstleistungen fallen nur 10 Prozent Mehrwertsteuer an. Auch der Kauf von Mobiliar, das mit der Renovierung zusammenhängt und der Bau/Kauf einer Autogarage sind absetzbar.

Der ähnlich strukturierte Ökobonus (Ecobonus) steht auch Unternehmen offen und ermöglicht einen Steuerabzug von 50 Prozent (auf Investitionskosten von bis zu 40.000 Euro) für neue Fenster, Sonnenabschirmungen, Biomassekessel und Kondenskessel. Für Wärmepumpen, Solarkollektoren, Warmwasserwärmepumpen und Hybridgeneratoren sind es 65 Prozent. Für Wohnanlagen (Ecobonus Condomini) gelten bis zu 75 Prozent.

In den Erdbebenrisikoregionen 1,2 und 3 ermöglicht es der Seismische Bonus (Sisma Bonus), bis zu 80 Prozent von 96.000 Euro Anschaffungs- und Installationskosten im Rahmen von Sanierungen steuerlich abzusetzen, durch die das Gebäude in eine niedrigere Erdbebenrisikostufe rutscht. Auch diese Förderung gilt für Maßnahmen in Wohnanlagen.

Über den Steuerabzug für Energieersparnis (detrazione per il risparmio energetico) können Private und Unternehmen 50 Prozent der Ausgaben geltend machen, durch die der Heiz- oder Kühlbedarf einer Wohnung sinkt. Beispiele sind hier neue Fenster, Sonnenabschirmungen (bis 60.000 Euro), Klimageräte und Heizkessel/Boiler der Energieeffizienzstufe A sowie biomassebetriebene Heizkessel (bis 30.000 Euro). 65 Prozent Steuerabzug sind für Mikrogeneratoren bis 100.000 Euro möglich, die rund 20 Prozent Energie sparen, sowie für Hybridgeräte aus Wärmepumpen/Kondenskesseln, Warmluftkondensgeneratoren oder Kondensgeneratoren mit Temperaturregler. Bis zu 75 Prozent sind für Maßnahmen in Wohnanlagen möglich, Obergrenze ist 40.000 mal die Anzahl der Wohneinheiten, in Erdbebenzonen noch mehr.

Über den Gerätebonus (Bonus Mobili) können 50 Prozent der Kosten bis zu 10.000 Euro für klimaschonende Haushaltsgeräte der Energieeffizienzstufe A+ (bei Öfen: A) im Rahmen einer Wohnungsrenovierung von der Einkommenssteuer abgesetzt werden. Der Steuerabzug für Begrünung (Detrazione per sistemazione a verde) beträgt 36 Prozent von bis zu 5.000 Euro. Seit 2015 sind sowohl für einzelne Heizanlagenkomponenten/Haushaltstechnikgeräte als auch für das gesamte System die europäischen Energieetiketten Pflicht.

Für jede nachweislich eingesparte Tonne Erdöläquivalent können Energieversorger ein handelbares, "weisses Zertifikat" (Certificato biancho) erhalten. Dies soll insbesondere die Anzahl von hochleistungsfähigen Kogenerationsanlagen erhöhen.

Auch die Regionen fördern Energieeffizienzmaßnahmen: Südtirol bietet Unternehmen bis zu 50 Prozent Zuschüsse. Wärmedämmung von Außenmauern, Dächern und Geschossdecken in Wohnanlagen erhalten Zuschüsse von bis zu 70 Prozent auf die Kosten.

Italien führte 2001 als erstes europäisches Land flächendeckend Smart Meter für das Stromnetz ein und ersetzt diese nun durch die 2. Generation. Geplant ist, bis 2030 etwa 41 Mio. Stück zu installieren, davon 35,7 Mio. bis 2024. Die Investitionen liegen bei 2,7 Mrd. Euro bis 2024 und im folgenden Zeitraum bis 2030 nochmals bei 1,3 Milliarden Euro, davon kommt 1 Milliarde Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Die Smart Meter-Kosten sind mit 97 Euro Benchmark und sollen auch bei der 2. Generation nicht steigen.

Smart Meter werden im Rahmen des Industrie 4.0-Förderprogramms Hyperabschreibung (Iperammortamento) gefördert, und können steuerlich abgeschrieben werden. Im Rahmen des Ökobonus können 50 Prozent der Ausgaben für Gebäudeautomatisierungsausrüstung sowie multimediale Instrumente für die Fernsteuerung und Kontrolle von Klimageräten steuerlich geltend gemacht werden.

Die Energieforschung liegt bei der Energiebehörde (Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l'energia e lo sviluppo economico sostenibile, ENEA). Dort ist auch der offizielle Energiecluster angesiedelt, in dem die großen Marktplayer mit dem Staat kooperieren. In sieben Pilotprojekten mit den Energieversorgern Enel, A2A, ASM Terni, ASSEM und ACEA geht es unter anderem um Smart Grids und e-Distribution.

Kontaktanschriften

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministero dello Sviluppo Economico (MISE) http://www.sviluppoeconomico.gov.it Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung
Agenzia delle Entrate http://www.agenziaentrate.gov.it Steueranreize des Finanzamts
ENEA - Agenzia Nazionale per le nuove Tecnologie, l'energia e lo sviluppo Economico Sostenibile http://www.enea.it Staatlicher Energie- Think Tank
GSE - Gestore Servizi Energetici http://www.gse.it Staatliche Energieagentur
KlimaHaus http://www.klimahaus.it Zertifizierungsinstitut

Einen Bericht zum Thema „Hohe Strompreise wirken in Italien als Anreiz für mehr Energieeffizienz“ finden Sie unter http://www.gtai.de/MKT201904158007. Nähere Informationen zu Italien gibt es unter http://www.gtai.de/Italien. Für tagesaktuelle Informationen zu Energiemärkten und Umwelttechnologien folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Gewerbebau, Energieeinsparung, Wohnungsbau

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‎+49 228 24 993 356

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