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20.12.2016

Italien fördert Wiederaufbau und Erdbebensicherung

Reaktion auf schwere Beben / Anreize für private Erdbebensicherung / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Italien setzt im Zug der zwei katastrophalen Erdbeben in Mittelitalien auf die Gebäudesicherung und den Wiederaufbau. Ein neues Gesetz unterstützt den Wiederaufbau und fördert auch Unternehmen. Großzügige Steuerabzugsmöglichkeiten von bis zu 85% für Erdbebenertüchtigungsarbeiten sollen einen Beitrag dazu leisten, die vielen veralteten Gebäude für künftige Erdstöße zu sichern. Dadurch entstehen auch Geschäftschancen für deutsche Zulieferer.

Zwischen August und Oktober 2016 zerstörten Erdbeben mehrere Dörfer Mittelitaliens und brachten das Thema Erdbebensicherung wieder ins Rampenlicht. Anfang August wurde das Dorf Amatrice völlig vernichtet, Dutzende Nachbeben erschütterten die Region. Ende Oktober beschädigten neue Erdstöße vor allem die Gegend rund um Norcia stark. Nachbeben wurden noch Mitte Dezember gemeldet. Schätzungen der italienischen Regierung zufolge liegen die Schäden der Erdbeben 2016 bei mindestens 4 Mrd. Euro, manche Experten sprechen von über 7 Mrd. Euro.

Neues Erdbebengesetz verabschiedet

Die Regierung verspricht den schnellen Wiederaufbau der betroffenen Gebiete und verabschiedete Mitte Dezember ein umfangreiches Gesetz, um Unterstützungs- und Wiederaufbaumaßnahmen in die Wege zu leiten. In den betroffenen Regionen werden Sonderämter eingerichtet, um die Hilfs- und Aufbaumaßnahmen zu koordinieren. Für 2016 wurden 200 Mio. Euro für unmittelbare Baumaßnahmen bereitgestellt. Der Wiederaufbau von Privathäusern wird vom Staat zu 100% erstattet.

Auch für Unternehmen kommen zahlreiche Unterstützungsmaßnahmen hinzu. Schäden an Immobilien, Maschinen und Anlagen sowie Produkten können komplett erstatten werden. Die Kosten einer möglichen Verlegung der Produktion werden durch die Maßnahme ebenfalls abgedeckt. Hinzu kommen neue Kreditgarantien für KMU bis zu 2,5 Mio. Euro.

Steuererleichterung für Investitionen in Erdbebensicherung

Während die Debatte um den kompletten Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen ist, wird für die Gebäudesicherung auf ein bewährtes Erfolgsrezept zurückgegriffen. Wie seit Jahren für die Förderung der Energieeffizienz bereits genutzt, bietet der Staat ab 2017 großzügige Steuerabschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in die Erdbebensicherung. Dieses Förderinstrument hat zum Ziel, Privatinvestitionen in kurzer Zeit anzuspornen ohne die Staatskassen unter Druck zu setzten.

Der sogenannte Sisma Bonus (Erdbebenrabatt) wurde in dem Haushaltsgesetz für 2017 aufgenommen und ermöglicht die Abschreibung von bis zu 85% der Investitionskosten für die Erdbebensicherung mit einer Berechnungsbasis von maximal 96.000 Euro. Diese Regelung gilt sowohl für Wohngebäuden (inklusive die Zweit- oder Ferienwohnung) und Gebäudekomplexe als auch für Produktionsstätten. Die Maßnahme gilt für Investitionen, die zwischen 2017 bis 2021 getätigt werden.

Die gefährlichsten Erdbeben betreffen die Regionen Abruzzen, Latium, Marken und Umbrien. Italien hat eine Klassifizierung der Erdbebenzonen von 1 (höchstes Risiko) bis 4 (niedriges Risiko) aufgestellt. Das Sisma Bonus kann für Immobilien in den Gebieten 1 bis 3 in Anspruch genommen werden. Eine Karte ist unter der folgende Webseite verfügbar: http://www.protezionecivile.gov.it/resources/cms/documents/A3_class20150416_r.pdf

Der Abschreibungszeitraum, der früher bei 10 Jahren lag, wurde auf 5 Jahre reduziert um die Förderung attraktiver zu machen. Auch Prüfungsarbeiten sind förderberechtigt.

Der Prozentsatz der abschreibungsfähigen Kosten beginnt bei 70% an und erhöht sich bis zu 85%, abhängig von Erdbebenzone, Art des Gebäudes und der zertifizierten Reduzierung des Risikos. Beispielsweise sind die höchsten Prozentsätze für Investitionen in Mehrfamilienhäusern der risikoreichsten Erdbebenzonen mit einer Reduzierung des Risikos um zwei Kategorien verfügbar.

Der Bedarf ist sehr hoch. Über 70% der Italiener leben in Wohngebäuden, die über 30 Jahre alt sind, mehr als 20% in Bauten, die vor 1945 errichtet wurden. Die überwiegende Mehrheit der alten Gebäude ist anfällig im Fall eines Erdbebens.

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Bauwirtschaft, allgemein, Signal-, Sicherheitstechnik (nicht Zugangs-Kontrolltechnik), Hochbau

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