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05.02.2018

Italien initiiert 5G-Pilotprojekte

Alleine im Jahr 2018 sind Investitionen von rund 190 Millionen Euro geplant / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Italien hat das erste Netz der nächsten Mobilfunkgeneration (5G) im Dezember 2017 in Betrieb genommen. Es befindet sich in Turin und kommt auf Geschwindigkeiten von 20 Gigabit pro Sekunde. Weitere Pilotprojekte von Mailand über die Toskana bis nach Apulien locken Investoren. Zum breiten Anwendungsspektrum zählen Telemedizin, vernetzte Fahrzeuge, Landwirtschaft 4.0 und Tourismus. (Kontaktadressen)

Italien will sich in Europa als Vorreiter bei der Entwicklung und dem Einsatz des neuen 5G Mobilfunkstandards positionieren. Die fünfte Generation der Mobilfunktechnologie ist mit Datenübertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 20 Gigabit pro Sekunde der technologische Grundstein für Zukunftstechnologien wie die Industrie 4.0 und selbstfahrende Autos.

Der "5G für Europa Aktionsplan" der Europäischen Kommission hat die Rahmenbedingungen für Testanwendungen in Europa definiert. Nach dem Plan sind für 2018 die ersten Pilotprojekte in der EU vorgesehen. Die breitere Markteinführung soll europaweit bis Ende 2020 erfolgen. Jedes Land ist aufgefordert, mindestens eine Stadt für die Testphase auszuwählen.

Das italienische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung (Ministero dello Sviluppo Economico, http://www.mise.gov.it hat bereits fünf Städte ausgewählt, um neue 5G-Anwendungen zu testen. Die Nutzung der Frequenzen 3,7 bis 3,8 GHz wurde für die Testphase erlaubt.

In Bari soll ein "Hafen 4.0" entstehen

In den ausgewählten Städten - Mailand, Prato, L'Aquila, Bari, Matera - arbeiten verschiedene Mobilfunkbetreiber an unterschiedlichsten Anwendungen. Zu ihren Partnern gehören Universitäten, Forschungsinstitute, Museen, Krankenhäuser und Industrieunternehmen. Insgesamt sind im Rahmen des Programms Investitionen von circa 190 Millionen Euro vorgesehen.

In Mailand wird Vodafone etwa 90 Millionen Euro in Pilotprojekte investieren. Auf der Agenda stehen die Vernetzung von Krankenwagen und die Verbesserung der Verkehrsüberwachung sowie die Erhöhung der öffentlichen Sicherheit.

In den süditalienischen Städten Bari und Matera investieren die Partner TIM (Mobilsparte der Telecom Italia), Fastweb und Huawei 60 Millionen Euro in Pilotprojekte. In Bari soll der erste italienische "Hafen 4.0" entstehen. Zugangskontrollen, die Logistik und die Sicherheitstools werden vernetzt werden. Großunternehmen wie Leonardo und Bosch sind an der Digitalisierung des Hafens beteiligt. In Matera sollen Virtual-Reality-Systeme Touristen locken; die Stadt wird 2019 Kulturhauptstadt Europas.

In Mittelitalien wurde die Erdbebenstadt L'Aquila ausgewählt. Der 2017 fusionierte Mobilfunkanbieter Wind Tre und das Fiberoptik-Unternehmen Open Fiber werden 5G für die Gebäudesicherung sowie für die Kulturförderung nutzen. In der toskanischen Industriestadt Prato steht das verarbeitende Gewerbe im Mittelpunkt der Projekte. Die Kontrolle des Energieverbrauchs sowie die Überwachung von Produktionslinien gehören zu den Schwerpunkten. Für die beiden Städte sind Investitionen in Höhe von 30 Millionen bis 40 Millionen Euro vorgesehen.

Inzwischen gibt es über die Projektstädte hinaus weitere Initiativen. Zu diesen gehört ein Abkommen zwischen Fastweb und der Hauptstadt Rom.

Rekordgeschwindigkeit in Turin erreicht

Die Telecom Italia Tochtergesellschaft TIM ist mit ihrem Projekt "5G für Italy" zusammen mit 12 Partnern bereits seit 2016 aktiv. Zu den Partnern gehören Ericsson, Comau, das Polytechnikum Turin, die Universität von Pisa, der Hafen von Livorno, Ansaldo Energia, SAP und Cisco. Vernetzte Fahrzeuge, Digitalisierung des Gesundheitswesens, Automatisierung der Produktion, intelligente Logistik sowie Smart Farming sind die wichtigsten Anwendungsbereiche.

Zusammen mit Ericsson hat die Gesellschaft bereits im Dezember 2017 in Turin das erste 5G-Netzwerk Italiens eingeweiht. Auf dem 26 GHz Frequenzband konnte eine Übertragungsgeschwindigkeit von 20 Gigabit pro Sekunde erreicht werden. Das ist nach Angaben des Unternehmens ein Rekordwert in einer urbanen Umgebung. Zusammen mit Nokia plant TIM in dem Kleinstaat San Marino ein 5G-Netz. In San Marino ist es schneller und unbürokratischer als in Italien möglich, Pilotprojekte zu lancieren.

Der nächste Schritt auf dem Weg zum europäischen Vorreiter bei der Entwicklung des 5G-Mobilfunkstandards ist 2018 die Versteigerung der Frequenzen. Der italienische Staat erwartet Einnahmen von 2,5 Milliarden bis 4 Milliarden Euro für die vorgesehenen Frequenzen 3,6 bis 3,8 GHz, 27 GHz und 700 MHz.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse
Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung (Ministero dello Sviluppo Economico) http://www.mise.gov.it
Kommunikationsbehörde (Autorita per le Garanzie nelle Comunicazioni) http://www.agcom.it

(R.J.S.)

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Italien

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Gesundheitswesen allgemein, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk), Robotik und Automation, Digitalisierung

Funktionen

Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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