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28.12.2016

Italien investiert in digitale Infrastruktur

Verbesserte Investitionsbedingungen und öffentliche Ausschreibungen verleihen Impulse / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Italiens Breitbandnetz hinkt den Rest Europas hinterher. Bis 2020 sollen dennoch alle Italiener Zugang zu schnellem Internet mit 30 Megabyte pro Sekunde (MB/s) haben. Für 85% der Haushalte sowie für die wichtigsten Industriegebiete dürften 100 MB/s-Verbindungen bald Realität sein. Die Milliardeninvestitionen stammen aus nationalen, europäischen und privaten Quellen. Damit möchte Italien seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken, unter anderem mit Blick auf die Industrie 4.0.

Italien hat erheblichen Nachholbedarf im Bereich der IT-Infrastruktur, um die Ziele der Digitalen Agenda für Europa zu erreichen. Im Digital Economy and Society-Index (DESI), der die 28 EU-Mitgliedsstaaten in diesem Punkt vergleicht, rangierte Italien 2016 auf Platz 25. Beim Kriterium Bereitstellung und Qualität der Breitband-Infrastruktur belegt das Land den vorletzten Platz.

Zwar ist das Breitbandnetz in Italien weit verbreitet, doch sind die Verbindungen außerhalb der wichtigsten Städte sehr langsam. Lediglich 53% der italienischen Haushalte verfügen über einen festen Breitband-Anschluss, das ist der geringste Anteil in Europa. Bei den schnellen sogenannten "Next Generation Access"-Netzwerken (NGA) holt Italien auf, doch Mitte 2015 hatten erst 5,4% der Haushalte diese Verbindung abonniert. Deutlich weiter verbreitet ist die Nutzung von Internet auf dem Smartphone (75%).

Breitbandstrategie setzt Impulse

Die 2015 beschlossene Breitbandstrategie wurde konzipiert, um diese Defizite gegenzusteuern. Italien plant bis 2020 insgesamt 6,8 Milliarden Euro in die Breitbandinfrastruktur zu investieren. Quellen sind nationale und europäische Fonds. Diese Mittel werden vor allem genutzt, um ein öffentliches Glasfasernetz in unrentablen Gebieten zu bauen. In Städten, die aufgrund der höheren Bevölkerungsdichte für Privatunternehmen bereits interessant sind, wurden die Rahmenbedingungen verbessert, um Investitionen zu begünstigen und den Ausbau der Infrastruktur zu beschleunigen. Ein Online-Portal mit den wichtigsten Eckdaten und Nachrichten zur Strategie wurde unter http://bandaultralarga.italia.it errichtet.

Flächendeckend mit 30 MB/s ins Netz

Die Strategie sieht vor, eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit mindestens 30 MB/s bis 2020 zu erreichen. Darüber hinaus soll 85% der Bevölkerung mit Geschwindigkeiten von mindestens 100 MB/s im Internet navigieren können. Der Plan sieht Verbesserungen nicht nur für die Haushalte, sondern auch für Industriegebiete vor. Dieser Aspekt ist besonders mit Blick auf die Entwicklung der Industrie 4.0 eine wichtige Voraussetzung.

Als die Strategie im März 2015 vorgestellt wurde hatte nur knapp über einem Viertel der italienischen Bevölkerung die Möglichkeit, einen 30 MB/s Anschluss zu abonnieren. Beim ultraschnellen Breitband von 100 MB/s waren es lediglich 10% der Bevölkerung.

Ein Jahr später hat sich die Lage bereits verbessert. Zwei Ausschreibungen für den Bau des öffentlichen Netzes wurden im August und September 2016 lanciert. Bereits Mai 2016 gab die Beobachtungsstelle der Breitbandstrategie an, den Zugang zu einem 30MB/s Anschluss auf über 35% erhöht zu haben. Aktuelle Daten können auf der Internetseite der Strategie abgerufen werden: http://bandaultralarga.italia.it/piano-bul/il-monitoraggio

Die regionalen Unterschiede sind groß. In der Lombardei hat zum Beispiel in Viertel der Bevölkerung Zugang zu ultraschnellem Breitband von 100 MB/s. Dies liegt an dem breiten Angebot der Telekommunikationsunternehmen in und um die Wirtschaftsmetropole Mailand. Andere Großstädte wie Rom, Turin, Bologna, Bari und Catania bieten bereits attraktive Pakete für Privat- und Geschäftskunden. Die wichtigsten Anbieter sind Fastweb, TIM, Enel-Metroweb aber auch Vodafone und Wind.

Ein Blick in die Daten der Regionen zeigt, dass die Unterschiede nicht in erster Linie auf das bekannte Nord-Süd-Gefälle zurückzuführen sind, sondern in Städte vs. ländliche Gebiete. In und um die Städte ist die Bevölkerungsdichte ausreichend hoch, um die Investitionen in die Infrastruktur rentabel zu machen.

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Telekommunikationsdienste, Internetdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

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