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17.10.2016

Italien stellt nationalen Plan für Industrie 4.0 vor

Investitionsanreize stehen im Vordergrund / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Die italienische Regierung hat Ende September 2016 einen nationalen Plan für die Industrie 4.0 vorgestellt. Im Fokus des Plans stehen öffentliche Anreize für private Investitionen und Forschungsaktivitäten, der Ausbau des Breitbandnetzes sowie die Themen Bildung und Sensibilisierung der Gesellschaft für die Industrie 4.0. Die Regierung will die Rahmenbedingungen verbessern und die Digitalisierung der italienischen Industrie vorantreiben.

Das Thema Industrie 4.0 gewinnt in Italien an Bedeutung. In den vergangenen Jahren haben vor allem einzelne Regionen Fördermaßnahmen ergriffen, um die Digitalisierung der Industrie voranzubringen. Mit dem neuen Plan "Industria 4.0" sollen jetzt die Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene verbessert werden. Insgesamt sind 13 Mrd. Euro öffentliche Mittel vorgesehen. Das Paket soll in das Haushaltsgesetz für das Jahr 2017 einfließen, einzelne Maßnahmen könnten im Rahmen der Verhandlungen geändert werden. Die italienische Förderpolitik setzt branchenübergreifend mit Steuervergünstigungen an. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass die italienische Unternehmensstruktur vorrangig von kleinen und mittelständischen Firmen geprägt ist.

Unternehmen werden branchenübergreifend gefördert

Für Unternehmen in Italien sind insbesondere die Investitionsanreize wichtig. Die 2016 eingeführte erhöhte Abschreibungsmöglichkeit ("superammortimenti") von 140% für den Kauf oder das Leasing von Produktionsgütern soll verlängert werden. Auch Dienstfahrzeuge können zu 120% abgeschrieben werden. Jetzt kommt eine neue Abschreibungsregelung für Investitionen in die Digitalisierung oder in Energiesparmaßnahmen hinzu: Entsprechende Ausgaben können laut "iperammortamenti" zu 250% geltend gemacht werden. Das gilt vorerst aber nur für Investitionsgüter, die 2017 erworben und spätestens bis Mitte 2018 geliefert werden.

Nachdem die Bruttoanlageninvestitionen im Laufe der Wirtschaftskrise stark rückläufig waren, ist zwar im Jahr 2015 eine Trendwende eingetreten, doch diese war mit einem Plus von 0,8% sehr schwach.

Vor dem Hintergrund der neuen Fördermöglichkeiten erwartet die Regierung eine deutliche Zunahme der privaten Investitionen von 2017 bis 2020. Die öffentlichen Mittel, die sich auf 13 Mrd. Euro summieren, sollen über ihre Hebelwirkung private Investitionen in Höhe von 24 Mrd. Euro initiieren.

Über die Investitionsanreize hinaus wird auch die Forschung und Entwicklung (FuE) gefördert. Unternehmen können Steuererleichterungen für FuE-Ausgaben von bis zu 20 Mio. Euro erhalten. Zudem will die Regierung mit Steueranreizen erreichen, dass das investierte Wagniskapital bis zum Jahr 2020 auf 1 Mrd. Euro steigt.

Das stagnierende Produktivitätsniveau ist ein Kernproblem der italienischen Wirtschaft, es konterkariert die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Hier setzt die Regierung neue Anreize. Sie gewährt Prämien, wenn die Lohnentwicklung an den Produktivitätsfortschritt gekoppelt wird.

Breitbandnetz wird ausgebaut

Die digitale Infrastruktur ist eine wichtige Voraussetzung für die Industrie 4.0. Hier hat Italien erheblichen Nachholbedarf. Laut EU-Kommission liegt das Land gemessen am Zugang zum Breitbandinternet mit einer Geschwindigkeit von mindestens 30mbit/s auf dem vorletzten Platz in Europa. Vor diesem Hintergrund strebt die Regierung an, bis 2020 alle Haushalte mit der Netzwerktechnologie Next Generation Access (NGA) zu versorgen. Zudem sollen die Hälfte der Unternehmen bis dahin Zugang zu einem 100mbit/s Anschluss haben.

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind öffentliche Investitionen im Umfang von 6,7 Mrd. Euro vorgesehen. Hinzu kommen private Investitionen des Telekommunikationsunternehmens Telecom Italia und des Energiekonzerns Enel in Höhe von 6 Mrd. Euro.

Neue Kompetenzzentren entstehen

Was das Thema Bildung und Industrie 4.0 betrifft, stehen die technischen Universitäten im Mittelpunkt. Hier sollen an den Universitäten von Mailand, Turin, Bari und Pisa erste Kompetenzzentren für bis zu 200.000 Studenten entstehen. Hinzu kommen mehr als 1.000 neue Promotionsstellen für die Industrie 4.0. Insgesamt werden 340 Mio. Euro für Universitäten und Berufsschulen bereitgestellt. Weitere 355 Mio. Euro sind für die Digitalisierung der Schulen sowie die Vernetzung der Schulen mit Unternehmen vorgesehen.

Sensibilisierungsbedarf hoch

Während das Thema Industrie 4.0 in Deutschland bereits seit einigen Jahren virulent ist, ist das 4.0-Bewusstsein in Italien - vor allem bei vielen Kleinunternehmen - noch kaum ausgeprägt. Vor diesem Hintergrund plant das italienische Wirtschaftsministerium Informationsveranstaltungen im ganzen Land. Der Industrieverband Confindustria wird "Digital Innovation Hubs" einrichten, um Unternehmen für das Thema zu sensibilisieren.

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Robotik und Automation, Digitalisierung

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