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18.01.2017

Italiener setzen zunehmend auf Bionahrungsmittel

Die meisten Bioprodukte werden in Norditalien verkauft / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Italiener sind bereit, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben als ihre europäische Nachbarn. Sie legen dabei viel Wert auf Qualität und Ursprung der Erzeugnisse. Diese Einstellung begünstigt die positive Entwicklung des Marktes für Biolebensmittel in Italien. In den kommenden Jahren werden weiter deutlich zweistellige Wachstumsraten erwartet, allen voran bei Biofleisch und Biopasta. Norditaliener kaufen zwei Drittel der Biolebensmittel.

Italiens Wirtschaft leidet noch immer unter den Folgen der langen Rezession. Die Konsumausgaben, das gilt auch für Nahrungsmittel, stagnieren seit Jahren. Eine Ausnahme ist der wachsende Markt für Bionahrungsmittel.

Der Konsum von Biokost in Italien verzeichnete zwischen 2010 und 2015 ein durchschnittliches Wachstum von 11% pro Jahr. Im Jahr 2015 lag der Anstieg bei 20%. Nach Angaben von ISMEA-Nielsen ist die Nachfrage nach Bioprodukten im Einzelhandel in der 1. Jahreshälfte 2016 um weitere 20% gestiegen. Rund 20% der ltaliener essen inzwischen mindestens einmal pro Woche Bio. Der Aufwärtstrend dürfte weiter anhalten, erwarten Analysen.

Der Umsatz von Bioprodukten im Einzelhandel summierte sich nach jüngsten Angaben des Forschungsinstituts FiBL auf 2,1 Mrd. Euro. (2014). Damit rangiert Italien weltweit auf dem siebten Platz. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit 7,9 Mrd. Euro vorne, gefolgt von Frankreich (4,8 Mrd. Euro) und dem Vereinigten Königreich. Gemessen am Pro Kopf-Verbrauch liegt Italien hinter den nordeuropäischen Ländern, die bei dieser Kennzahl auf den vordersten Plätzen rangieren.

Biosupermärkte auf Expansionskurs

Supermärkte und Discounter gewinnen in Italien immer mehr an Bedeutung und sind der wichtigste Vertriebskanal für Biolebensmittel. Im Gegenzug verliert der traditionelle Einzelhandel, der heute nur noch auf einen Markanteil von 27% kommt. Vor zehn Jahren waren es 42%. Auch Biosupermärkte sind in Italien auf Expansionskurs.

Die meisten Bioprodukte werden in Norditalien verkauft. Etwa 65,2% der Verkäufe in Supermärkten (vor allem große Supermarktketten) entfallen auf die Regionen im Nordwesten (35,8%) und Nordosten (29,4%). In Mittelitalien sind es 25,4% und im Süden lediglich 9,4%, geht aus jüngsten Zahlen von ISMEA-Nielsen hervor. Der Norden verzeichnet die höchsten Wachstumsraten (38% in der 1. Jahreshälfte 2016), Süditalien schließt die Lücke zum landesweiten Durchschnitt (20,6%) mit einem Plus von 29,5% im gleichen Zeitraum.

Ein wichtiger Faktor bei der Analyse der regionalen Zahlen sind die unterschiedlichen Vertriebsstrukturen im Norden und im Süden des Landes. Im Norden sind große Supermarktketten weit verbreitet, während Süditaliener häufiger in kleinen Läden, auf dem Straßenmarkt oder direkt vom Hersteller einkaufen. Der Kauf von Bioprodukten von Süditalienern taucht in diesen Fällen in den obengenannten Zahlen nicht auf.

Biofleisch und Biopasta liegen im Trend

Im Masseneinzelhandel verteilt sich der Konsum von Biolebensmitteln wie folgt auf die Produktkategorien: 25% entfällt auf Getreide und Getreideprodukte, 19% auf Obst, 15% auf Gemüse, 10% auf Milch und Milchprodukte, 8% auf Eier und 6% auf alkoholische Getränke.

Biofleisch liegt mit starken Wachstumsraten im Trend. Im Jahr 2015 haben Italiener 38% mehr Fleisch aus biologischer Herkunft gekauft als im Vorjahr. In der 1. Jahreshälfte 2016 hielt der Trend mit einem weiteren Plus von 30% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an. Das Ergebnis ist vor dem Hintergrund des rückläufigen herkömmlichen Fleischkonsums beeindruckend.

Auch Milch und Milchprodukte sind hervorzuheben. Während die Nachfrage nach herkömmlichen Produkten im Zeitraum 2015 bis Mitte 2016 gesunken ist, haben biologische Milch und Milchprodukte an Bedeutung gewonnen. Weitere Bioproduktsegmente, die in diesem Zeitraum überdurchschnittliche Wachstumsraten verzeichnen konnten, sind Fisch-, Wein- und Getreideprodukte. Besonders stark legten unter den Bioverkäufen Joghurt (23,5%), Fruchtsäfte (20,8%), Pasta (17,6%) und natives Olivenöl extra (15,0%) zu.

Importe von Bioprodukten steigen

Der positive Konsumtrend treibt auch die Importnachfrage. Die Menge der Einfuhren von Bioprodukten ist 2015 stark gestiegen, insbesondere legte die Einfuhr von Biogetreide, das ist der größte Importposten, um 119% auf 80.000 t im Vergleich zum Vorjahr zu. Danach folgen Obst und Gemüse (25.000 t), verarbeitete Bioprodukte (13.000 t) und Hülsenfrüchte (5.000 t). Auch Produkte wie Öle (217%) und Kakao, Kaffee, Tee und Gewürze (129%) verzeichneten sehr hohe Wachstumsraten.

Ein wichtiger Termin für die Branche ist die jährlich im Herbst in Bologna stattfindende Sana Messe. Im Jahr 2016 verzeichnete die Messe über 800 Aussteller und knapp 50.000 Besucher.

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Nahrungs- und Genussmittel, allgemein

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