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22.06.2018

Italienische Nahrungsmittelindustrie setzt auf Innovation

Start-ups treiben die Entwicklung voran / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Die Nahrungsmittelindustrie gehört längst zu den Eckpfeilern der italienischen Wirtschaft. Die Branche punktet zunehmend mit Innovation, ohne ihre traditionellen Stärken zu verlieren. Die besten Geschäftschancen für deutsche Unternehmen ergeben sich durch die wachsende Nachfrage nach Discountwaren und durch Partnerschaften mit innovativen italienischen Start-ups im Bereich Agrifood-Tech.

Die italienische Nahrungsmittelindustrie hat nach Jahren der Stagnation wieder an Schwung gewonnen. Die Branchenumsätze lagen in den Jahren 2013 bis 2016 trotz steigender Ausfuhren konstant bei 132 Milliarden Euro. Im Jahr 2017 konnte die Branche nach Angaben ihres Verbandes Federalimentare 137 Milliarden Euro umsetzen, 3,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im Branchenvergleich liegt die Nahrungsmittelindustrie gemessen am Umsatz auf Platz zwei der italienischen Wirtschaftszweige, hinter dem Maschinenbau.

Nahrungsmittel aus Italien werden weltweit immer beliebter: Die Branchenausfuhr ist 2017 um 6,3 Prozent auf 31,9 Milliarden Euro gestiegen. Im vergangenen Jahrzehnt konnten sie um 79 Prozent zulegen. Auch der Binnenkonsum entwickelt sich wieder positiv, allerdings mit sehr niedrigen Wachstumsraten. Italiener gaben 2017 rund 240 Milliarden Euro für Nahrungsmittel aus, nur marginal mehr als 2016.

Trotz der Binnenmarktstagnation wächst die Brancheneinfuhr. Im vergangenen Jahr summierten sich die Importe von verarbeiteten Nahrungsmitteln auf 22,1 Milliarden Euro und lagen damit um 6 Prozent über dem Niveau von 2016. Zwischen 2007 und 2017 ist der Branchenimport insgesamt um 48 Prozent gestiegen.

Eckdaten der italienischen Nahrungsmittelbranche
2015 2016 2017
Umsatz (in Mrd. Euro) 132 132 137
Produktionsvolumen (Veränderung in %) -0,6 1,1 1,7
Industriefirmen mit mehr als 9 Beschäftigten (Anzahl) 6.850 6.850 6.850
Beschäftigte (Anzahl) 385.000 385.000 385.000
Ausfuhr (verarbeitete Nahrungsmittel, in Mrd. Euro) 29,0 30,0 31,9
Einfuhr (verarbeitete Nahrungsmittel, in Mrd. Euro) 20,8 20,7 22,1
Verbrauch (in Mrd. Euro) 233 236 240

Quelle: Federalimentare

Einfuhr von Nahrungsmitteln (unverarbeitet und verarbeitet) und Getränken nach Italien (Mio. Euro, Veränderung in %)
Produktgruppe 2016 2017 Veränderung 2017/2016 davon aus Deutschland (2017)
Fleisch und Fleischprodukte 4.486 4.687 4,5 1.023
Milch und Milchprodukte, Vogeleier 3.372 3.731 10,6 1.341
Fisch, andere Wassertiere und Zubereitungen 5.482 5.721 4,4 173
Getreide und Getreideprodukte, Teig- und Backwaren 4.071 4.190 2,9 452
Gemüse, Früchte und Zubereitungen 5.773 5.918 2,5 405
Zucker, Zuckerwaren, Honig 1.115 1.168 4,8 248
Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze und Waren daraus 2.928 2.990 2,1 436
Verschiedene Lebensmittel und Zubereitungen 1.187 1.209 1,9 282
Getränke 1.437 1.525 6,1 247
Ölsaaten, pflanzliche und tierische Öle und Fette 4.507 4.804 6,6 92
Summe 34.358 35.944 4,6 4.699

Quelle: ISTAT

Discounter auf dem Vormarsch

Auf dem italienischen Binnenmarkt gewinnen Discounter im Niedrigpreissegment an Bedeutung. Ein Beispiel ist die italienische Kette Eurospin. Vor allem aber sind es deutsche Discounter, die ihre Marktposition ausbauen. Bereitet hat den Weg Lidl, und auch heute noch ist der Handelsriese auf Expansionskurs. Seit 2018 ist zudem Aldi in Norditalien mit circa 45 Filialen vertreten. Im Sommer 2018 ist mit der Einweihung der ersten Filiale von Tedi ein weiteres deutsches Handelsunternehmen hinzugekommen.

Gleichzeitig sind Italiener grundsätzlich bereit, viel Geld für hochwertige Nahrungsmittel auszugeben. Das zeigt sich unter anderem an der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Nachfrage nach Premium-Produkten und Bionahrungsmitteln. Auch die sogenannten "frei von-"Lebensmittel, wie beispielsweise glutenfreie oder palmölfreie Produkte, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Premiumprodukte erfreuen sich steigender Nachfrage

Auch der Umsatz von Produkten mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung legt kräftig zu. Das gilt sowohl für den Binnen- als auch für den Exportmarkt. In Italien gibt es 818 Produkte mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung, so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Im vergangenen Jahrzehnt ist deren der Umsatz um 70 Prozent auf circa 14,8 Milliarden Euro gestiegen. Die Ausfuhr solcher Waren legte laut Schätzungen des Nahrungsmittelinstituts ISMEA in diesem Zeitraum um 140 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro zu.

Einen weiteren Trend zeigt die rasche globale Expansion der italienischen Premiumkette Eataly. Die Luxussupermarktkette, eng mit der Slow Food Bewegung verbunden, konnte 2017 weltweit 465 Millionen Euro umsetzen, 20 Prozent mehr als 2016. Sie verfügt über 26 Filialen an Top-Standorten in Italien und in der Welt, von Dubai über Tokio bis New York. Eataly ist für viele kleine, exklusive italienische Hersteller ein neuer, interessanter, internationaler Vertriebskanal.

Konservativ geprägte Branche wird innovativ

Lange galt die Nahrungsmittelbranche als konservativ und traditionsgebunden. Mit der Weltausstellung in Mailand im Jahr 2015 zum Thema Ernährung und Nachhaltigkeit aber wurde eine Trendwende eingeleitet. Seitdem rücken Innovationen in der Branche immer mehr in den Vordergrund. Inzwischen werden Trüffel und Pilze mit Hydrokultursystemen kultiviert sowie Drohnen für das Monitoring von Agrarflächen entwickelt. Nach Angaben einer Studie der Beratungsfirma Simbiosity arbeiten rund 10 Prozent der italienischen Start-ups - insgesamt 1.890 Jungunternehmen - im Bereich des sogenannten Agrifood-Tech.

Die Entwicklung ist rasant: Der Studie zufolge ist die Zahl der Agrifood-Tech-Unternehmen im Jahr 2017 um 74 Prozent gestiegen. Die Mehrheit der Unternehmen ist in der Lombardei (127), in der Emilia-Romagna (69), in Venetien (54) und in Latium angesiedelt (50). Besonders dynamisch entwickeln sich die Bereiche Präzisionslandwirtschaft, Drohnen, Produktion, Verpackung, E-Commerce und Biotechnologie.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministero delle Politiche Agricole, Alimentari e Forestali http://www.politicheagricole.it Ministerium für Landwirtschafts-, Ernährungs- und Forstpolitik
Ministero dello Sviluppo Economico http://www.sviluppoeconomico.gov.it Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung
Federalimentare http://www.federalimentare.it Branchenverband
ISMEA - Istituto di Servizi per il mercato agricolo alimentare http://www.ismea.it Marktforschungsinstitut
CREA- Consiglio per la Ricerca in Agricoltura e l'analisi dell'Economia Agraria http://www.crea.gov.it Forschungsinstitut
AITA, Associazione Italiana di Tecnologia Alimentare http://www.aita-nazionale.it Italienischer Verband der Lebensmitteltechnologie
Assofoodtec - Anima http://www.anima.it/ass/assofoodtec Italienischer Verband der Maschinen und Anlagen für die Produktion, Verbreitung und Konservierung von Lebensmitteln
SANA http://www.bolognafiere.it International Exhibition of Natural Products, Nutrition, Health, Environment, 07. bis 10. September 2018, Bologna
Salone Internazionale del Gusto http://www.slowfood.com Slow Food International, 20. bis 24. September 2018, Turin
Olio capitale http://www.ariestrieste.it Messe für hochwertiges extra natives Olivenöl, Trieste, März 2019
VINITALY/Enolitech/Sol & Arifood http://www.vinitaly.com Internationale Ausstellung für Wein und Destillate, Olivenöl und Speiseölherstellung07. bis 10. April 2019, Verona
Tuttofood Fruit & Vegetable Innovation http://www.tuttofood.it/it/content/fruitveg-innovation-2019-la-manifestazione 06.bis 09. Mai 2019, Mailand
Seeds & Chips https://seedsandchips.com/ Global Food Innovation Summit, 06. bis 09. Mai 2019, Mailand

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Italien können Sie unter http://www.gtai.de/italien abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Außenhandel / Struktur, allgemein, Start-up

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Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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