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11.07.2017

Italienische Nahrungsmittelindustrie wächst

Binnennachfrage und Importe im Aufwind / Anhaltender Exportboom / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Die italienische Nahrungsmittelindustrie bleibt auf Wachstumskurs. Die Exporte boomen, die Binnennachfrage kehrt zurück und die Branchenumsätze steigen. Diese Entwicklung bietet Chancen sowohl für deutsche Hersteller von Rohprodukten und Halbfertigerzeugnissen, als auch für Zulieferer von Produktionsgütern. Deutschland ist Italiens wichtigster Handelspartner für Nahrungsmittel. (Internetadressen)

Die italienische Nahrungsmittelindustrie ist eine Kernbranche der Marke "Made in Italy". Die Produktion von hochwertigen Nahrungsmitteln ist mit einem 13% Anteil an der Wertschöpfung der zweitwichtigste Industriezweig nach dem Maschinenbau. Die Branche hat sich während der Wirtschaftskrise als robust erwiesen. Zwischen 2013 und 2016 sind die Branchenumsätze konstant geblieben, während andere Wirtschaftszweige starke Einbuße hinnehmen mussten. Für 2017 erwartet der Branchenverband Federalimentare ein Umsatzplus von 2,3%. Damit sollen italienische Nahrungsmittelhersteller 2017 ein Umsatzniveau von 135 Mrd. Euro erreichen.

Eckdaten der italienischen Nahrungsmittelbranche (Veränderung in Prozent)
2015 2016 2017 *)
Umsatz (in Mrd. Euro) 132 132 135
Produktion (Quantität) -0,6 1,1 1,0
Anzahl der industriellen Firmen (mehr als 9 Beschäftigten) 6.850 6.850 6.850
Anzahl der Beschäftigten 385.000 385.000 385.000
Ausfuhren (verarbeitete Nahrungsmittel, in Mrd. Euro) 29,0 30,0 31,5
Einfuhren(verarbeitete Nahrungsmittel, in Mrd. Euro) 20,8 20,7 20,9
Verbrauch (in Mrd. Euro) 230 230 231

*) Prognose

Quelle: Federalimentare

Der Hauptwachstumstreiber ist die starke Exportnachfrage. Jedes Jahr erreicht die italienische Branche einen neuen Rekordwert. Für 2017 erwartet der Branchenverband einen Anstieg von 5% auf 31,5 Mrd. Euro. Angestrebt wird eine Erhöhung der Ausfuhren auf 50 Mrd. Euro bis 2020. Deutschland lag 2016 mit einem Anteil von 18,1% (6,4 Mrd. Euro) als wichtigster Zielmarkt für italienische Nahrungsmittelhersteller weit vorne.

Der Erfolg der Branche bietet neue Geschäftschancen für Zulieferer von Produktionsgütern für die Nahrungsmittelindustrie. Die Einfuhren von Maschinen für die Branche sind aufgrund der starken Konkurrenz der italienischen Nahrungsmittelmaschinenhersteller bisher gering (2016: 488 Mio. Euro), doch die Importe verzeichnen zweistellige Wachstumsraten.

Italiener geben wieder mehr für Nahrungsmittel aus

Im laufenden Jahr wird einen Anstieg der Binnennachfrage nach Nahrungsmitteln erwartet. Nachdem der Verbrauch 2016 stagnierte, wird einen leichten Anstieg von 0,3% auf 231 Mrd. Euro erwartet. Italiener setzen auf Qualitätsprodukte und geben im Durchschnitt deutlich mehr für gutes Essen aus als Deutsche.

Die Zunahme bedeutet nicht nur für italienische Branchenunternehmen verbesserte Aussichten, sondern auch für ausländische Hersteller und Zulieferer. Für 2017 wird einen Anstieg der Einfuhren in Höhe von 1% auf 20,9 Mrd. Euro vorausgesagt. Im Gegensatz zu den Ausfuhren, die vor allem durch Fertigprodukte verzeichnet wird, importiert Italien vor allem Rohprodukte und Halbfertigerzeugnisse.

Fertigwaren aus dem Ausland haben einen geringeren Anteil der Einfuhren aber gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ein Grund für den Anstieg ist die Internationalisierung der Vertriebskanäle in den letzten Jahren. Ausländische Supermarktketten wie etwa Carrefour (Frankreich) und Discounter wie Lidl und Penny haben in den vergangenen Jahren in Italien Fuß gefasst und damit den Marktzugang für Zulieferer aus dem Ausland erleichtert. Aldi Süd wird in diesem Jahr die ersten Supermärkte in Norditalien eröffnen.

Italiens wichtigstes Lieferland von Nahrungsmitteln und Getränken war 2016 Deutschland mit einem Anteil von 13,3% (4,6 Mrd. Euro). Die wichtigste Produktkategorie Milchprodukte und Eier macht mehr als ein Viertel der deutschen Nahrungsmitteleinfuhren aus. Im Jahr 2016 waren die deutschen Nahrungsmittelausfuhren leicht rückläufig (-1,4%)

Ein Risiko für deutsche Exporteure stellt die neue verpflichtende Herkunftsangabe für Milchprodukte dar. Seit Mitte April 2017 muss sowohl das Land, in dem die Milch gemolken wurde als auch das Land der Verarbeitung auf dem Etikett stehen. Während deutsche Milchprodukte von den Italienern als hochqualitativ eingestuft werden, bevorzugt die Mehrheit der Konsumenten italienische Nahrungsmittel.

Einfuhr von Nahrungsmitteln nach Italien (Mio. Euro, Veränderung zum Vorjahr in %)
Produktgruppe (SITC-Abschnitt) 2015 2016 Veränderung 2016/2015 aus Deutschland 2016
01-Fleisch und Fleischprodukte 4.667 4.482 -4,0 971
02-Milch und Milchprodukte, Vogeleier 3.606 3.352 -7,1 1.214
03-Fisch, andere Wassertiere und Zubereitungen 4.901 5.472 11,7 189
04-Getreide und Getreideprodukte, Teig- und Backwaren 4.090 4.030 -1,4 445
05-Gemüse, Früchte und Zubereitungen 5.837 5.759 -1,3 405
06-Zucker, Zuckerwaren, Honig 966 1.108 14,7 251
07-Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze und Waren daraus 2.953 2.927 -0,9 416
09-Verschiedene Lebensmittel und Zubereitungen 1.158 1.185 2,4 276
11-Getränke 1.429 1.426 -0,2 298
22, 41-43 Ölsaaten, pflanzliche und tierische Öle und Fette, etc. 4.477 4.501 0,5 95
Summe 34.084 34.242 0,5 4.560

Quelle: ISTAT

Internetadressen

Ministero delle Politiche Agricole, Alimentari e Forestali (Ministerium für Landwirtschafts-, Ernährungs- und Forstpolitik)

Internet: http://www.politicheagricole.it

Ministero dello Sviluppo Economico (Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung)

Internet: http://www.sviluppoeconomico.gov.it

Federalimentare (Branchenverband)

Internet: http://www.federalimentare.it

ISMEA, Istituto di Servizi per il mercato agricolo alimentare (Marktforschungsinstitut)

Internet: http://www.ismea.it

CREA - Consiglio per la Ricerca in Agricoltura e l'analisi dell'Economia Agraria (Forschungsinstitut)

Internet: http://www.crea.gov.it

AITA, Associazione Italiana di Tecnologia Alimentare (Italienischer Verband der Lebensmitteltechnologie)

Internet: http://www.aita-nazionale.it

Assofoodtec - Anima (Italienischer Verband der Maschinen und Anlagen für die Produktion, Verbreitung und Konservierung von Lebensmitteln)

Internet: http://www.anima.it/ass/assofoodtec

CIBUS 2018 Salone Internazionale dell'alimentazione

Internationale Ausstellung für Nahrungsmitteltechnik 07.-10.05.18 Parma

Internet: http://www.cibus.it

Tuttofood (International Nahrungsmittelmesse)

06.-09.05.2019 Fiera Milano

Internet: http://www.tuttofood.com

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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