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14.10.2016

Italienische Werkzeugmaschinenbauer sind vorsichtig optimistisch

Regierung fördert Investitionen / Deutsche Importe sind gefragt / Von Stefanie Burgdorff

Mailand (GTAI) - Der Werkzeugmaschinenbau ist eine bedeutende Sparte des Maschinen- und Anlagebaus in Italien. Fördermittel der Regierung verhalfen der exportorientierten Branche in den letzten zwei Jahren zum Wachstum. Deutschland ist Italiens wichtigster Handelspartner, rund ein Drittel der importierten Werkzeugmaschinen wird von deutschen Herstellern produziert.

Italien gehört zu den wichtigsten Herstellerländern für Werkzeugmaschinen in der Welt. Hinter der VR China (27,8%), Japan (17%) und Deutschland (15,7%) nimmt das Land mit 6,6% der weltweiten Produktion den 4. Platz ein, gefolgt von Südkorea (6%), den USA (5,8%) und Taiwan (5,1%).

Die italienischen Werkzeugmaschinenbauer haben turbulente Zeiten hinter sich: Infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise erlitt die Branche 2009 einen starken Einbruch, erholte sich in den Folgejahren leicht. Sie verzeichnete dann aber in 2012 und 2013 einen erneuten Rückgang. Seit dem Jahr 2014 geht es wieder bergauf. Nach Angaben des Verbands der italienischen Werkzeugmaschinenbauer UCIMU steigerte sich der Umsatz im Jahr 2015 um 8,5% auf knapp 4,7 Mrd. Euro. Trotz dieses Aufwärtstrends ist das Vorkrisenniveau von rund 5,8 Mrd. Euro noch nicht wieder erreicht.

Italienischer Markt für Werkzeugmaschinen (in Mio. Euro, Veränderung in %)
2014 2015 Veränderung 2015/2014
Produktion 4.320 4.689 8,5
Ausfuhren 3.073 3.199 4,1
Einfuhren 889 1.193 34,2
Lieferungen in die EU 1.247 1.490 19,5
Marktvolumen 2.136 2.683 25,6

Quelle: UCIMU-Sistemi per produrre

Italienischer Werkzeugmaschinenbau ist exportorientiert

Die italienische Werkzeugmaschinen-Branche ist stark exportorientiert. Fast 70% der produzierten Güter wurden im Jahr 2015 im Ausland verkauft. Aufgrund der ebenfalls gestiegenen Binnennachfrage fiel der Anteil der Exporte gemessen an der Produktion jedoch von 71,1% auf 68,2%. Hauptabnehmerländer sind die USA, Deutschland und die VR China, gefolgt von Frankreich, Russland und Polen. Im 1. Quartal 2016 belegte Deutschland den 1. Platz unter den Absatzmärkten.

Im Vergleich zu den Exporten der Branche sind die Importe mit einem Wert von knapp 1,2 Mrd. eher gering. Doch in 2015 sind die Importe um 34,2% gestiegen und haben den höchsten Wert seit der Krise erreicht. Nach Angaben des italienischen Statistikamtes machen die aus Deutschland eingeführten Werkzeugmaschinen einen Anteil von 30% der Importe aus. Weitere wichtige Lieferländer sind Belgien, Japan, Südkorea.

Einfuhren von Werkzeugmaschinen nach Ländern (in 1.000 Euro, Veränderung und Anteil in %)
Länder 2015 Veränderung 2015/2014 Anteil
Deutschland 358.390 49,5 30,0
Belgien 158.697 21,2 13,3
Japan 106.005 19,0 8,9
Südkorea 105.463 27,1 8,8
Schweiz 100.348 36,5 8,4
Taiwan 77.993 35,9 6,5
Frankreich 38.629 50,2 3,2
Spanien 38.440 23,0 3,2
VR China 32.749 22,9 2,7
Niederlande 29.307 115,0 2,5
Insgesamt 1.193.000,0 34,2 100,0

Quelle: UCIMU-Sistemi per produrre

Die Palette der importierten Werkzeugmaschinen ist breit gefächert. Bei Betrachtung der einzelnen Warengruppen wird deutlich, dass deutsche Produkte nicht nur in einer bestimmten Gruppe einen großen Stellenwert einnehmen, sondern über alle Warengruppen hinweg rund ein Drittel der Importe ausmachen.

Einfuhr von Werkzeugmaschinen (in Mio. Euro; Veränderung in %)
Warenbezeichnung (nach SITC-Code) Einfuhr 2015 Veränderung 2015/2014 Einfuhr Deutsch-land 2015
Werkzeugmaschinen zum Abtragen von Stoffen aller Art durch Laser-,Licht- oder anderen Photonenstrahl, Ultraschall, Elektroerosion, elektrochemische Verfahren oder Elektronen-, Ionen- oder Plasmastrahl 164,8 19,7 55,0
Bearbeitungszentren, Mehrwegemaschinen und Transfermaschinen, zum Bearbeiten von Metallen 357,0 51,7 97,3
Drehmaschinen zur spanabhebenden Metallbearbeitung 264,3 18,8 51,0
Bearbeitungseinheiten auf Schlitten; andere Werkzeugmaschinen zum Bohren oder Ausbohren 45,0 6,0 13,7
Spanabhebende Werkzeugmaschinen zum Fräsen, Außen- oder Innengewindeschneiden von Metallen 46,5 72,6 17,8
Werkzeugmaschinen zum Entgraten, Schärfen, Schleifen, Honen, Läppen, Polieren oder zu anderem Fertigbearbeiten von Metallen, Hartmetallen oder Cermets 74,0 49,2 29,5
Hobelmaschinen, Waagerecht- und Senkrecht-stoßmaschinen, Räummaschinen, Verzahn-maschinen, Zahnfertigbearbeitungsmaschinen, Sägemaschinen, Trennmaschinen und andere Werkzeugmaschinen zur spanabhebenden Bearbeitung von Metallen, Hartmetallen oder Cermets 61,0 29,2 40,5
Werkzeugmaschinen zum Freiformschmieden, Hämmern von Metallen; Werkzeugmaschinen zum Biegen, Abkanten, Richten, Scheren, Lochstanzen oder Ausklinken von Metallen; Pressen zum Bearbeiten von Metallen oder Hartmetallpulvern 145,0 36,7 38,2
Andere Werkzeugmaschinen zum spanlosen Bearbeiten von Metallen, Hartmetallen oder Cermets 30,0 8,4 12,6
Werkstückhalter, selbstöffnende Gewindeschneideköpfe und Teilköpfe für Werkzeugmaschinen; Werkzeughalter 178,7 -0,2 90,5
Teile und Zubehör für Werkzeugmaschinen 243,0 4,3 69,9

Quelle: ISTAT

Da es für italienische Werkzeugmaschinenbauer wichtig ist, dicht an ihren Kunden und Zulieferbetrieben zu sitzen, sind die Firmen im Norden Italiens angesiedelt. Die meisten Produktionsstätten findet man in der Lombardei (43,5%), dem Triveneto (23,5%), der Emilia-Romagna (16,5%) und dem Piemont (11,8%).

Nachholbedarf bei Forschung und Entwicklung

Die Zahl der Beschäftigten in der Werkzeugmaschinenbaubranche ist seit Jahren konstant. Laut UCIMU waren im Jahr 2015, genau wie in den beiden Jahren zuvor, rund 28.800 Mitarbeiter in dem Wirtschaftszweig beschäftigt. Kleine und mittlere Betriebe sind in der Branche vorherrschend. Von den insgesamt rund 400 italienischen Werkzeugmaschinenbauern beschäftigen 64% weniger als 100 Mitarbeiter. Gut die Hälfte aller Unternehmen erzielt einen Umsatz von weniger als 12,5 Mio. Euro pro Jahr. Rund 36% der Firmen haben mehr als 100 Beschäftigte, sie erzielen 80,2% des Gesamtumsatzes und 81,9% des gesamten Exportes.

Aufgrund der geringen Größe und Kapitalausstattung italienischer Unternehmen investieren sie weniger als ihre deutschen Konkurrenten. Die Regierung hat das erkannt und garantiert kleinen und mittleren Unternehmen seit 2013 bei Investitionen in neue Maschinen und Anlagen staatliche Unterstützung mittels zinsvergünstigter Kredite (Sabatini-Gesetz). Die Bemühungen der Regierung haben sich in den letzten zwei Jahren bereits durch eine verstärkte Binnennachfrage bemerkbar gemacht. Da die Sabatini-Förderungen jedoch Ende 2016 auslaufen, hofft die Branche, dass sich ähnliche Förderprogramme anschließen werden.

Im Forschungs- und Entwicklungsbereich italienischer Werkzeugmaschinenbauer besteht ebenfalls Nachholbedarf. Auf der anderen Seite sind die Betriebe sehr flexibel, können sich dem rasch wandelnden Weltmarkt oftmals schneller und besser anpassen als deutsche Unternehmen.

(ST.B)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Export, Import, Werkzeugmaschinen

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